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Ostwärts Reisen

Oblast Irkutsk

Im Gegensatz zu den autonomen Republiken Südsibiriens ist die Oblast Irkutsk eine ganz normale Einheit unter den Subjekten der Russischen Föderation. Allerdings wurden mit den Reformen der vergangenen Jahre die autonomen Rechte der Republiken recht stark beschnitten, sodass der Unterschied zu Burjatien, Khakassien oder Tuwa nicht mehr allzu gravierend ist. Von touristischer Relevanz ist natürlich vor allem die Westküste des Baikal mit der Insel Olkhon als dem spirituellen Zentrum der schamanistisch geprägten Baikalregion. Doch auch die Stadt Irkutsk hat Einiges zu bieten, zählt zu den ältesten und interessantesten Städten des asiatischen Russlands.

Irkutsk

Irkutsk ist das unbestrittene Zentrum der Baikalregion und ganz Mittelsibiriens, darüber hinaus eine der ältesten und traditionsreichsten sibirischen Städte und die wichtigste Keimzelle der russischen Expansion gen Osten. Mit ihren 600.0000 Einwohnern, der überregional bedeutenden Universität, dem Flughafen und der Lage zwischen Transsib und Baikal markiert sie in infrastruktureller, demografischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht ein wichtiges Drehkreuz zwischen dem europäischen Russland, dem Fernen Osten, China und der Mongolei. Nicht zuletzt ist Irkutsk auch der Ausgangspunkt der meisten Reisen an und um den Baikal herum.

Geschichte

Irkutsk entstand aus einer Kosakenfestung, welche im Jahr 1661 am Ufer der Angara errichtet wurde. Nach nur wenigen Jahren avancierte die Stadt zum Dreh- und Angelpunkt für den Handel mit Importen aus dem Kaiserreich China und den Schätzen Sibiriens. 1822 wurde in Mittelsibirien ein umfassendes Generalgouvernement geschaffen, welches den Namen der Stadt trug. Nicht zuletzt dank der vielen verbannten Intellektuellen entwickelte sich Irkutsk zu einem Zentrum für Wissenschaft und Kultur. Besondere Impulse gaben die Dekabristen, die 1825 einen adligen Aufstand in Sankt Petersburg anzettelten und im Ergebnis ihrer Niederlage nach Sibirien verbannt wurden. Nachdem 1879 ein Brand fast die gesamte Stadt zerstörte, wurden die ersten Ziegel- und Steinbauten errichtet. Generell zeigte sich rund um die Wende zum 20. Jahrhundert ein enormer Aufschwung. 1898 fuhr von Irkutsk der erste Zug auf der Transsibirischen Eisenbahn nach Moskau. Die Stadt galt als Perle Sibiriens, mithin sogar als Paris des Ostens. Sie verfügte über einen repräsentativen Bahnhof, ein Telegrafennetz, eine elektrifizierte Tramlinie und ein renommiertes Theater – all dies seinerzeit einmalig in Sibirien.

Die Transsibirische Eisenbahn wurde 1916 vollendet, womit Irkutsk zum zentralen Knotenpunkt zwischen den beiden Enden Moskau und Wladiwostok avancierte. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, den Revolutionswirren sowie dem anschließenden Bürgerkrieg brachen jedoch bald unruhige Zeiten an.

Zunächst geriet Irkutsk unter die Herrschaft des weißgardistischen Admirals Alexander Kolchak. Nachdem die Bolschewiken jedoch den Stadtrat übernahmen, wurde Kolchak festgesetzt, standrechtlich erschossen und seine Leiche in einem Nebenfluss der Angara versenkt.

In der sowjetischen Periode wurde die Industrialisierung Sibiriens massiv vorangetrieben. Insbesondere die Schaffung des Irkutsker Stausees zeitigte für Stadt und Umland gravierende Konsequenzen. Irkutsk selbst profitierte enorm von der gewonnenen Energie, das gesamte südöstliche Umland versank jedoch in den Fluten der Angara.

Die Rolle als inoffizielle Hauptstadt des asiatischen Russlands hat Irkutsk im Verlauf des 20. Jahrhunderts an Nowosibirsk und Wladiwostok verloren. Allerdings ist die Stadt weiterhin mit ihren renommierten Theatern und angesehenen Museen eines der wichtigsten kulturellen Zentren Russlands. Irkutsk zählt zu den wenigen Städten Sibiriens, in denen sowohl die zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbauten Kaufmannsbauten, aber auch Beispiele der sibirischen Holzarchitektur im Stadtzentrum nahezu flächendeckend erhalten sind. Im Gegenzug zu Nowosibirsk oder Ulan-Ude besitzt Irkutsk nach wie vor den Charakter einer natürlich gewachsenen Stadt mit teils verwinkelten Straßen. Zusätzlich wurden insbesondere am Ufer der Angara großzügige Plätze und Parks angelegt.

Geographie und Klima

Irkutsk liegt am Oberlauf der Angara. Der Stadtname leitet sich vom Fluss Irkut ab, der genau an dieser Stelle in die Angara mündet. Mit einer Höhe von 440 Metern liegt die Stadt im Vorland des Sajan- und des Baikalgebirges. Bis zum Abfluss der Angara aus dem Baikal sind es etwa 60 Kilometer. Die Berge des Sajan beginnen etwa 120 Kilometer südwestlich. Die äußerste Südwestspitze des Baikal bei Kultuk ist etwa hundert Kilometer entfernt.

Die Angara ist für die Stadt deutlich prägender als der namensgebende Irkut. Am linken Angaraufer befindet sich der Hauptbahnhof. Gegenüber erstreckt sich am rechten Ufer die gewachsene Altstadt. Am südöstlichen Stadtrand wird Irkutsk von der gewaltigen Staumauer des Angara-Stausees abgeschlossen.

Ursprünglich wurde Irkutsk der subarktischen Klimazone zugeordnet, seitdem die Jahresmitteltemperaturen jedoch spürbar gestiegen sind, wird die Stadt nun mit einem feuchtkontinentalen Klima klassifiziert. Mittlerweile schmilzt die Schneedecke nicht mehr Ende April, sondern bereits Ende März. Dank des mildernden Einflusses des Baikalsees sind die Temperaturen nicht so extrem wie anderswo in Sibirien. Die Temperaturschwankungen können jedoch noch immer gravierend sein. Im Juli sind Werte bis zu 35 Grad keine Seltenheit. Im Januar sinken die Temperaturen teilweise unter minus 30 Grad. Niederschläge fallen das ganze Jahr über. Insofern unterscheidet sich Irkutsk deutlich vom südlich gelegenen Steppengürtel mit seinen extrem trockenen Wintern.

Irkutsk aus dem All. Gut zu erkennen ist der Angara-Staudamm in der unteren Bildmitte.

Demografie

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Irkutsk mit mehr als 50.000 Einwohnern die mit Abstand größte sibirische Stadt. Im 20. Jahrhundert war das Wachstum weniger ausgeprägt als etwa in Nowosibirsk, Omsk, Krasnojarsk, Chabarowsk oder Wladiwostok, doch immerhin steigerte sich die Einwohnerzahl bis 1989 auf deutlich über 600.000, ein Niveau, welches nach der Abwanderung der 1990er Jahre heute wieder erreicht wird.

Ethnisch ist Irkutsk vor allem eine russische Stadt. Russen machen deutlich mehr als 90 Prozent der Bevölkerung aus. Die größten Minderheiten sind Burjaten, Tataren, Ukrainer, Weißrussen und Juden.

Zusammen mit den jeweils nicht mehr als 50 Kilometer entfernten Städten Angarsk und Tscheremchowo bildet Irkutsk eine Agglomeration mit mehr als einer Million Einwohnern.

Unter den Religionen dominiert sehr deutlich die orthodoxe Kirche. Ein vergleichsweise hoher Anteil von 30 Prozent beschreibt sich selbst als nicht-religiös. Juden, Muslime und Buddhisten sind in der Stadt zwar durch eigene Gotteshäuser vertreten, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt jedoch jeweils bei unter einem Prozent.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die wichtigsten Industriebetriebe sind Irkutskenergo sowie der Flugzeugbauer Irkut. Ersteres ist das größte Energieunternehmen Russlands und Letzteres eine der größten Flugzeugwerften des Landes, sowohl für die militärische als auch für die zivile Luftfahrt. Weitere große Unternehmen widmen sich der Produktion von Baustoffen oder der Schalttechnik. Zudem gibt es einige große Lebensmittelfabriken. Insgesamt ist die Wirtschaftslage in und um Irkutsk als recht gut einzustufen. In den vergangenen 15 Jahren ist der Wohlstand spürbar gewachsen, wurde die Arbeitslosigkeit abgebaut. Die Einkommen und auch die Verbraucherpreise sind im russischen Vergleich überdurchschnittlich.

In den vergangenen Jahren hat sich der Tourismus zu einer veritablen Einkommensquelle entwickelt. Irkutsk dient als Ausgangspunkt für Touren zum Baikal. Die Zahl Reisender aus dem Ausland ist deutlich gestiegen. Die Gäste kommen vor allem aus China, Deutschland und Japan.

Irkutsk bildet innerhalb Sibiriens einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt. 1898 erreichte die Transsibirische Eisenbahn die Stadt. Die weitere Strecke wurde am Oberlauf der Angara bis nach Port Baikal gebaut. Nachdem jedoch in den 1950er Jahren der Irkutsker Staudamm errichtet wurde versank dieser Schienenweg in der Angara, weshalb alternativ eine Strecke durch die Berge an die Südwestspitze des Baikal gelegt wurde. Der Bahnhof Irkutsk liegt in etwa der Mitte der durchgehenden Eisenbahnverbindung zwischen Moskau und dem Fernen Osten. Die Fahrzeit nach Ulan-Ude beträgt siebeneinhalb Stunden. Bis nach Moskau benötigt der Zug etwas mehr als drei Tage. Die Küste des Baikal nahe der Station Kultuk wird nach etwas mehr als zwei Stunden erreicht.

Der Flughafen Irkutsk wird im asiatischen Russland nach Passagieraufkommen nur von jenem in Nowosibirsk übertroffen. Es bestehen tägliche Verbindungen nach Moskau, Jakutsk, Wladiwostok und Nowosibirsk. Mittlerweile werden auch internationale Verbindungen angeboten – nach Kasachstan, Tadschikistan, Südkorea, China, Thailand, Vietnam, Japan, in die Türkei und in die Mongolei. Zudem werden verschiedene kleinere Flughäfen in der Region angesteuert.

Die wichtigste Straßenverbindung ist die Interkontinentale, die von West nach Ost quer durch Sibirien führende Straße vom Ural an den Pazifik. Darüber hinaus bestehen asphaltierte Verbindungen zum Ferienresort Listwjanka am Ausfluss der Angara aus dem Baikal. Des Weiteren sind die Trassen über die Siedlung Ust-Ordinsky auf die Insel Olkhon und über Ust-Uda nach Dshagalowo sowie in der weiteren Folge nach Ulkan, Kunerma und Sewerobaikalsk am Nordufer des Baikal von Bedeutung.

Im Stadtgebiet von Irkutsk führen drei Brücken und ein befahrbarer Damm über die Angara. Über den Irkut läuft die Eisenbahn- und parallel auch eine Straßenbrücke. 25 Kilometer südwestlich der Innenstadt dient eine weitere Irkutbrücke der Entlastung vom Durchgangsverkehr auf der Interkontinentalen.

Auf der Angara besteht im Sommer ein regelmäßiger Schiffsverkehr. In Richtung Baikal verkehren Linienschiffe nach Listwjanka und Bolshiye Koty. Flussabwärts gibt es eine Schifffahrtslinie ins 600 Kilometer entfernte Bratsk.

Der ÖPNV wird vornehmlich von Trolleybussen und Straßenbahnen getragen. Das Netz besteht aus sieben Linien mit einer Gesamtlänge von 66 Kilometern. Täglich werden mehr als 70.000 Fahrgäste befördert. Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche Bus- und Minibuslinien.

Kultur, Bildung und Religion

In Kultur und Bildung ist Irkutsk noch immer führend im asiatischen Russland. In der Stadt widmen sich etliche Hochschulen ganz verschiedenen Inhalten – vom Sport bis zur Landwirtschaft. Allein sechs Universitäten haben hier ihren Sitz. Die älteste ist die 1918 gegründete Staatliche Universität Irkutsk. Im Stadtteil Swerdlowsk hat sich ein Wissenschaftszentrum angesiedelt, welches nach der Akademgorod bei Nowosibirsk das zweitgrößte Sibiriens ist. Insbesondere in der Geologie und Geografie sind die Irkutsker Institute weltweit führend.

Mit vier Theatern, seiner Philharmonie, dem Sinfonieorchester, einer Vielzahl von Kunstschulen und Bibliotheken sowie einer großen Bandbreite an Museen bietet Irkutsk ein reiches kulturelles Angebot, welches durchaus mit den Metropolen des europäischen Russlands mithalten kann. Besonders zu erwähnen ist der begehbare Eisbrecher „Angara“.

Als einer der ersten Eisbrecher überhaupt ist er ein eindrucksvolles Beispiel früher englischer und russischer Ingenieurskunst. Im Dekabristenmuseum werden die vielfältigen Einflüsse der im Zarenreich verbannten Offiziere auf die Entwicklung der Stadt thematisiert.

In Irkutsk sind ganz verschiedene Religionen mit Gotteshäusern vertreten. Zuvorderst zu nennen ist die Russisch-Orthodoxe Kirche. In der Stadt finden sich aber auch evangelische und katholische Kirchen, eine repräsentative Moschee sowie eine Synagoge. Zudem gibt es verschiedene buddhistische Tempel in der Stadt.

Sehenswürdigkeiten

Irkutsk ist die einzige sibirische Stadt mit einem gewachsenen historischen Zentrum. Nirgendwo in den riesigen Weiten zwischen Ural und Pazifik findet sich eine derartige Kombination aus verwinkelten Gassen, der historischen Holzarchitektur und kleinen versteckten Kirchen. Die Altstadt liegt malerisch an den Ufern der Angara. Im Südosten bildet der Damm des Irkutsker Stausees einen eindrucksvollen Abschluss.

Westliche Innenstadt und Angaraufer

Die Karl-Marx-Straße ist der wichtigste Boulevard der Stadt Irkutsk – mit verschiedenen repräsentativen Bauten rechts und links am Wegesrand. An ihrem Beginn liegt am Ufer der Angara ein opulentes Denkmal für Zar Alexander III. Direkt daneben befindet sich das repräsentative Weiße Haus, in dem früher der Generalgouverneur residierte und heute die Universitätsbibliothek untergebracht ist. Unmittelbar am Beginn der Karl-Marx-Straße liegt das sehenswerte Heimatmuseum von Irkutsk. Geht man die Straße weiter in Richtung Norden, passiert man zunächst rechterhand das Stadion und erreicht dann das Schauspielhaus, wo sich auch die Philharmonie und ein Puppentheater befinden.

Dort, wo die Marx-Straße die Lenin-Straße kreuzt, liegt die alte Russisch-Asiatische Bank, in deren klassizistisch anmutenden Gebäude heute ein Krankenhaus untergebracht ist. Biegt man links in die Lenin-Straße ein, gelangt man nach einem Kilometer zum Kirow-Platz. Auf dem Weg dorthin passiert man die Gemäldegalerie und das Hauptgebäude der Irkutsker Universität. Erstere stellt nach der Tretjakow-Galerie in Moskau und dem Russischen Museum in Sankt Petersburg die bedeutendste Kunstsammlung Russlands dar, letztere ist die renommierteste Hochschule Sibiriens.

Ein paar hundert Meter weiter gelangt man wieder ans Ufer der Angara, wo eine klassizistisch gestaltete Uferpromenade zum Verweilen einlädt. Auf dem weiten Platz vor dem Ufer liegen die Verwaltung der Irkutsker Oblast, die Erlöserkirche, die Gotterscheinungskathedrale sowie ein Denkmal für einen lokalen Helden aus dem Zweiten Weltkrieg. Läuft man rechts an der Angara die Uferpromenade entlang, wird nach etwa 200 Metern der Triumphbogen „Moskauer Tor“ erreicht. Dieser wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts am Ortsausgang in Richtung Moskau zu Ehren des Zaren Alexander I. errichtet und nach seiner Zerstörung durch die Bolschewiken wieder originalgetreu restauriert. Wenn man die Brücke über das Flüsschen Ushakovka überquert, gelangt man zum Kolchak-Denkmal. Der Admiral führte zwischen 1918 und 1920 die antibolschewistische Regierung in Irkutsk und wurde nach dem Sieg der Bolschewiken hingerichtet. Linkerhand liegt das Znamensky-Frauenkloster direkt am Ufer der Angara.

Östliche Innenstadt – Holzarchitektur und Basar

Im Norden der Karl-Marx-Straße beginnt ab der Kreuzung zur Lenin-Straße der Shopping- und Ausgehdistrikt von Irkutsk. Dieser Bereich sticht durch die prächtigen Kaufmannsvollen hervor, die jeweils an den Kreuzungen der Nebenstraßen errichtet wurden. An der Urizkowo-Straße geht rechts eine lange Fußgängerzone ab, die die erste Flaniermeile Sibiriens war und diesen Charakter bis heute bewahrt hat. Am Ende der Straße liegt die große Markthalle und der angeschlossene Basar. Nördlich und südlich der alten Markthalle finden sich zwischen den nahezu parallel verlaufenden Straßen Dscherzhinsky und Timiryazev viele gut erhaltene Beispiele der sibirischen Holzarchitektur. Irkutsk ist die Stadt, in der die meisten Relikte der sibirischen Gründerzeit erhalten geblieben sind. Durchquert man dieses Viertel von der Markthalle aus in Richtung Norden, erreicht man zunächst die Große Synagoge (Dscherzhinsky-Straße), dann das Dekabristenmuseum (Timiryazev-Straße), die Erlösererscheinungskirche (Timiryazev-Straße) und in weiterer Folge den städtischen Busbahnhof.

Auch die Irkutsker Moschee ist nicht weit entfernt, sodass sich in diesem Viertel die religiöse Vielfalt der Stadt spiegelt. In Richtung Süden liegen das Szeneviertel Kvartal, das Stadion und schließlich die Angara. Das Kvartal ist ein liebevoll restauriertes Viertel aus dutzenden Holzhäusern, welches zu einen Touristenmagneten geworden ist. An dessen südlichem Ende befindet sich mit der Kreuzkirche das bedeutendste russisch-orthodoxe Gotteshaus der Stadt. In unmittelbarer Nähe finden sich das Irkutsker Musiktheater sowie eine neu errichtete Mall. Direkt östlich schließt der Zentrale Kultur- und Erholungspark an.

Insel der Jugend und Staudamm

Durch den Bau des Irkutsker Staudamms wurde die einst äußerst lebhafte Angara spürbar gezähmt. Heute vermitteln die Ufer des Flusses eher beschauliche Gemütlichkeit als wild-romantische Abenteuer. Die Insel der Jugend schließt unmittelbar an das Zarendenkmal und die Karl-Marx-Straße an. Sie ist heute das beliebteste Naherholungsgebiet der Irkutsker mit Parkanlagen, Ausflugsrestaurants und Spazierwegen. Auf der über eine Brücke verbundenen Nachbarinsel lohnt die Kindereisenbahn einen Besuch. Insgesamt sind vier Inseln miteinander verwoben. Jede davon ist wiederum über Brücken mit dem Festland verbunden, sodass man ausgedehnte Spaziergänge mitten in der Angara unternehmen kann. Von der südlichen Mokry-Insel ist es nicht mehr weit zum Staudamm von Irkutsk, der im Jahre 1958 fertiggestellt wurde und der erste Versuch zur Nutzung der enormen Wasserressourcen Sibiriens war.

Infolge des Baus stieg der Wasserspiegel der Angara um 30 Meter an. Nicht nur einige Dörfer, sondern auch die ursprüngliche Trasse der Transsib versanken daraufhin in den Fluten des Flusses. Heute bietet der Staudamm einen wundervollen Ausblick auf die scharf konturierte Fläche des Stausees im Übergang zu den Bergen des Baikal. Nicht weit entfernt liegt im Stausee an dessen nordöstlichem Ufer der Eisbrecher Angara. Das Schiff wurde in England gefertigt und in Einzelteilen nach Sibirien transportiert. Nachdem es dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder zusammengesetzt wurde, fungierte es als Eisbrecher und Eisenbahnfähre auf dem Baikal. Und zwar solange, bis der schwierige Schienenweg durch das Baikalgebirge fertiggestellt wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees erstreckt sich mit der Yakov Beach der Stadtstrand von Irkutsk.

Bratsk

Im frühen 17. Jahrhundert wurde hier ein Ostrog für die nach Osten ziehenden Kosaken errichtet. Allerdings verschwanden dessen Überreste in den Fluten des gigantischen Bratsker Stausees. Die Felsen zwischen den Dörfern Bratsk und Padun wurden in den 1950er Jahren als idealer Standort für den zweiten Staudamm an der Angara angesehen, der das Irkutsker Vorbild im Hinblick auf Stauhöhe, Energieleistung und Größe des Stausees um ein Vielfaches übertreffen sollte. Es war das erste Megaprojekt der Chruschtschow-Ära. Die ersten Arbeiter kamen Mitte der 1950er Jahre. Zehn Jahre später hatte die Stadt schon 100.000 und nach weiteren zehn Jahren 200.000 Einwohner. Heute ist Bratsk das unumstrittene industrielle Zentrum der Irkutsker Oblast. Neben der Energiegewinnung dominieren die Aluminiumproduktion und die Holzverarbeitung. Zudem hat sich das größte Bauunternehmen Russlands hier angesiedelt.

Ganz im Gegensatz zu Irkutsk ist Bratsk eine typische sowjetische Großstadt – eine Facette Sibiriens, die für den mitteleuropäischen Besuche durchaus von Interesse sein kann. Nach dem Bau Wasserkraftwerks sollte die neu entstandene Stadt als Visitenkarte für Dynamik, Kraft und Progressivität der sowjetischen Gesellschaft dienen, weshalb Bratsk im Gegensatz zu fast allen anderen sibirischen Städten für ausländische Touristen geöffnet war.

Heute leben etwa 250.000 Einwohner innerhalb der administrativen Grenzen von Bratsk. 2002 wurde mit 260.000 Einwohnern der Peak erreicht. Seitdem ist die Einwohnerzahl leicht rückläufig. Es gibt kein einheitliches Stadtgebiet. Vielmehr gruppieren sich verschiedene Siedlungsschwerpunkte rund um das nordwestliche Ende des Bratsker Stausees. Das eigentliche Zentrum mit Stadtverwaltung, Kulturpalast und Kathedrale befindet sich 25 Kilometer südwestlich von Staudamm und Wasserkraftwerk. Hier leben etwa 150.000 Menschen. Unmittelbar westlich des Staudamms liegt das Wasserkraftwerk, um welches sich der Stadtteil Padunsky mit knapp 60.000 Einwohnern gruppiert. Etwa zehn Kilometer östlich des Staudamms befindet sich mit Prawoberezhny ein dritter Stadtteil mit etwa 40.000 Menschen, die rund um den Güterbahnhof und das Logistikzentrum wohnen.

Infrastrukturell liegt Bratsk jenseits der großen Verkehrswege durch Sibirien, etwas mehr als 200 Kilometer nördlich von Transsib und Interkontinentale. Die Stadt musste also extra erschlossen werden. In Richtung Osten ist Bratsk über einen asphaltierten Trakt mit dem etwa 650 Kilometer entfernten Nordbaikal verbunden. Parallel zu diesem verläuft die Trasse der Baikal-Amur-Magistrale, die für die Entwicklung der Region eine enorme Bedeutung hatte. Die Strecke zweigt im 300 Kilometer westlich gelegenen Taishet von der Transsib ab und führt über Bratsk und Sewerobaikalsk weiter bis zur Mündung des Amur in den Pazifik. Bratsk ist die mit Abstand größte Stadt an der knapp 4.000 Kilometer langen Strecke.

Zudem verfügt Bratsk über einen modernen Flughafen mit regelmäßigen Verbindungen nach Irkutsk, Moskau und Nowosibirsk.

Bratsk

Vom riesigen Bratsker Stausee ist von der Staumauer aus nur ein Bruchteil zu erkennen. Foto: © A.L.

Sehenswürdigkeiten

Stadtteil Zentralny

Das Zentrum dieses größten Bratsker Stadtteils wird eingegrenzt von den Straßenzügen Obruchowa im Norden, Komsomolskaya im Westen, Podbelskowo im Süden und Engelsa im Osten. In der Mitte dieses Rechteckes liegt der Leninprospekt mit dem zentralen Platz von Bratsk. Dort finden sich das Rathaus und schräg gegenüber der Kulturpalast. Ein breiter Boulevard – die Sowjet-Straße – führt in Richtung Osten zum Ufer des Bratsker Stausees. In Richtung Westen führt die ebenfalls als Boulevard ausgebaute Kirowstraße zur Straße des Friedens und zum Bratsker Theater, in dessen Nähe sich mit der Kirche zur Geburt Christi das einzige größere Gotteshaus der Stadt befindet. Die Komsomol-Straße, die die Innenstadt in Richtung Westen abschließt, dient als größte Einkaufsstraße der Stadt. J

Hier finden sich die Mall Baikal und einige hundert Meter nördlich der große Zentralmarkt.

Das Stadion der Stadt liegt ebenfalls an der Komsomol-Straße. An dessen gegenüberliegenden Seite ist das Museum für die politisch Verbannten von historischem Interesse.

Etwa auf halber Strecke zwischen dem Stadtteil Zentralny und dem Wasserkraftwerk liegt das Freilichtmuseum Angara-Dorf. Hier werden die wertvollsten Gebäude nachgestellt, die durch die Ausbreitung des riesigen Bratsker Stausees verlorengingen. Das Areal liegt auf einer Halbinsel im See und ist in einen ewenkischen sowie einen russischen Teil gegliedert.

Stadtteil Padunsky

Das Wasserkraftwerk von Bratsk ist die mit Abstand größte Attraktion der Stadt. Der Staudamm war nach seiner Vollendung der größte in ganz Russland und das Kraftwerk ist bis heute jenes mit der höchsten Energieproduktion. Der Bratsker Stausee zieht sich über knapp 500 Kilometer. An seinen Ufern gibt es etliche Buchten, die mit Ferienheimen und Badestränden Besucher anziehen. Der knapp anderthalb Kilometer lange und 130 Meter hohe Staudamm wird von einer Straße und den Gleisen der Baikal-Amur-Magistrale gekrönt. Von hier bietet sich ein eindrucksvoller Ausblick über den nordwestlichen Teil des Stausees. Das Kraftwerk kann von außen und – nach Voranmeldung – auch von innen besichtigt werden. Hinter der Staumauer führt eine Straße zu einem Plateau, welches einen schönen Blick auf die Staumauer bietet. Von dort führt ein Fußweg an den Fuß der Staumauer und zu einem kleinen Informationszentrum. Das Heimatsmuseum wurde ursprünglich als Betriebsmuseum des in Bratsk ansässigen Baukonzerns gegründet. Nunmehr wurde es von der Stadt übernommen und bietet einen Einblick in die indigene Kultur, in die Eroberung Sibiriens sowie in die Entwicklung des Wasserkraftwerkes und der modernen Stadt Bratsk.

Stadtteil Prawoberezhny

Am Bahnhof Gidrostroitel liegt ein großes Logistikzentrum und ein Stadtteil mit etwa 40.000 Einwohnern. Von Interesse ist ein kleines Eisenbahnmuseum, in dem die Geschichte der Baikal-Amur-Magistrale abgebildet wird.

Kultuk, Sljudjanka, Utulik und Baikalsk

Die Siedlung Kultuk liegt etwa hundert Kilometer südsüdwestlich von Irkutsk. Hier erreichen sowohl die Interkontinentale als auch die Transsib erstmals den Baikal. Beide Verkehrswege mussten vorher den Weg durch das Baikalgebirge finden. Von nun an führen die Trassen über mehr als 200 Kilometer am Südufer des Sees entlang. Etwa ein Drittel dieser Strecke entfällt auf die Oblast Irkutsk.

Das Baikalufer bei Sljudjanka. Foto: © Alexej Sadonsky

Kultuk ist nicht viel mehr als eine Eisenbahnsiedlung. Heute leben hier 4.000 Einwohner von der Eisenbahn, von der Landwirtschaft und in wachsendem Maße vom Tourismus. Allerdings steht Kultuk hinsichtlich der touristischen Infrastruktur noch deutlich hinter anderen Orten am Baikal zurück. Und dies, obwohl die Siedlung zwischen dem See und den hoch aufragenden Bergen des Khamar-Daban-Gebirges liegt und der Ort einen der beiden Endpunkte der malerischen Baikalbahn markiert. Zudem zweigt hier die Straße durch das Tal des Irkut an die mongolische Grenze ab.

Kultuk wurde in einer sumpfigen Niederung errichtet, die vom kleinen Flüsschen Kultuchnaya kurz vor deren Mündung in den Baikal gebildet wird. Von touristischem Interesse ist der Schamanenfelsen, der sich etwas südlich der Siedlung in den See bohrt. Am östlich von Kultuk gelegenen Nordufer des Südbaikals liegen einige Strände und die meisten der insgesamt noch recht wenigen Hotels und Gasthäuser. Die Strände befinden sich direkt unterhalb der Baikalbahn, die sich von hier über etliche Traversen, Tunnels und Brücken ins hundert Kilometer östlich gelegene Port Baikal kämpft. Noch darüber quält sich die heutige Stammstrecke der Transsib in Serpentinen über die Berge, um den See zu verlassen und direkt Irkutsk anzusteuern.

Seitdem die ursprüngliche Trasse der Transsib zwischen Irkutsk und Port Baikal in den Fluten der angestauten Angara versank, ist die nun zur Sackgasse verkommene Rumpfstrecke zwischen Kultuk und Port Baikal nur noch von touristischer Relevanz. Die Fahrt dauert annähernd fünf Stunden und ist nicht nur für Eisenbahnfreunde ein Highlight. Parallel und teilweise auf den Gleisen verläuft ein Wanderweg.

Zehn Kilometer südlich von Kultuk liegt der mit knapp 20.000 Einwohnern größte Ort am südlichen Baikal – Sljudjanka. Der Name leitet sich vom russischen Wort für Glimmer ab, der hier seit dem 17. Jahrhundert abgebaut wird. Daneben wird die Wirtschaft getragen von Eisenbahnbetrieben, einer Fischfabrik und zunehmend vom Tourismus.

Direkt zwischen Bahnhof und Baikalufer zwängt sich das alte Zentrum der 1905 gegründeten Siedlung. Hier gibt es einen kleinen Strand und verschiedene Gästehäuser für Touristen. Das eigentliche Stadtleben spielt sich jedoch auf der anderen Seite des Bahnhofs ab, wo sich der große Markt, einige Geschäfte, Bars und Restaurants finden.

Etwas mehr als 30 Kilometer südöstlich von Sljudjanka liegt das Dorf Utulik an der Mündung des gleichnamigen Flusses in den Baikal. Dies ist einer von wenigen Orten am südlichen Baikal, wo sowohl Transsib als auch Interkontinentale nicht direkt am Ufer verlaufen. Und weil es in direkter Ortsnähe noch relativ unberührte Sandstrände gibt, hat sich Utulik zu einem touristischen Hotspot am südlichen Baikal entwickelt. Sowohl westlich als auch östlich der Mündung des Utulik-Flusses breiten sich weite Kiefernwälder aus, die in Richtung Baikal langsam in Dünenlandschaft mit feinsandigen Stränden übergehen. Südlich gräbt sich der Utulik-Fluss in das unmittelbar hinter dem Dorf aufsteigende Khamar-Daban-Gebirge. Auch in diesem Bereich haben sich einige touristische Unterkünfte angesiedelt. Im Sommer werden Wasserwanderungen und Rafting-Touren auf dem Fluss angeboten.

Sechs Kilometer östlich von Utulik beginnt die Stadt Baikalsk mit ihren knapp 14.000 Einwohnern. Etwas östlich der Stadt liegt das Baikal-Zellulose- und Papier-Kombinat. Es wurde 2013 geschlossen und wird nur noch zur Erzeugung von Fernwärme und Warmwasser für die Stadtbewohner genutzt. Das Werk gab den Menschen in Baikalsk Arbeit, doch es war gleichzeitig der größte Verschmutzer des Sees. Die entsprechend geringe Wasserqualität im unmittelbaren Umkreis behindert noch heute die Entfaltung touristischer Potentiale. Wiewohl hydrologische Untersuchungen eine stetige Verbesserung nachweisen, versucht sich die Stadt vornehmlich als Winterreiseziel zu etablieren. Südlich des Stadtgebietes ist im Khamar-Daben-Gebirge ein Ski-Gebiet mit verschiedenen Liftanlagen entstanden, welches seinerzeit von Russlands Diktator Wladimir Putin höchstpersönlich eingeweiht worden war.

Die Baikalbahn (Krugobaikalskaya)

Der russische Name Krugobaikalskaya lautet in der direkten Übersetzung Baikalrundbahn, doch selbstverständlich ist es keine Rundbahn um den See, sondern nur eine Passage an dessen Südwestufer. Diese Etappe war der technisch anspruchsvollste und teuerste Abschnitt der gesamten Transsibirischen Eisenbahn. Schon die Strecke zwischen Irkutsk zur Angaramündung entlang des südwestlichen Ufers der Angara verschlang enorme Ressourcen in Höhe von fast vier Millionen Rubel. Auf der anderen Seite des Baikal war die Trasse bereits bis Mysovaya, dem heutigen Babushkin, fertiggestellt. Bis der Lückenschluss rund um das südliche Seeufer realisiert wurde, verkehrten deshalb Eisenbahnfähren zwischen Port Baikal und dem knapp hundert Kilometer entfernten Mysovaya (Babushkin).

Krugobaikalskaya Transsibirische Eisenbahn

Die Baikalrundbahn auf dem Weg von Sljudjanka nach Port Baikal. Foto: © Artem Svetlov

Die dazu nötigen Eisbrecher wurden aus England in Einzelteilen geliefert und direkt an der Angaramündung wieder zusammengebaut. Der eine wurde irgendwann vor Mysovaya (Babushkin) versenkt und der andere kann heute als Museum im Irkutsker Stausee besichtigt werden. Als im Winter 1903/1904 selbst die Eisbrecher nicht mehr durchkamen, wurde temporär eine Eisenbahnstrecke direkt auf dem Eis gelegt. Diese Anstrengungen verdeutlichten das enorme ökonomische Potential der Transsib, weshalb intensiv an einem echten Lückenschluss gearbeitet wurde. Die Strecke von Mysovaya nach Kultuk am südwestlichen Ende des Sees ließ sich relativ einfach direkt am Ufer entlangführen. Die größte Herausforderung bestand in der knapp 90 Kilometer langen Verbindung von Kultuk hoch zur Angaramündung. Allein dieser vergleichsweise kurze Abschnitt wurde mit Kosten von mehr als 50 Millionen Rubel veranschlagt. Die Bauarbeiten begannen im Jahre 1902 und wurden trotz des zeitgleich tobenden Russisch-Japanischen Krieges nahezu planmäßig im Jahr 1905 abgeschlossen. Es wurden insgesamt 33 Tunnel, etliche Galerien und Dutzende Viadukte errichtet. Aufgrund der extrem bergigen Küstenlinie mussten sämtliche Materialien über den See herangeschafft werden. Für jeden einzelnen Streckenkilometer wurde in etwa eine Wagenladung Sprengstoff benötigt. Mehr als zehntausend Menschen arbeiteten zeitgleich an der Baikalbahn und 1905 passierte der erste Zug die zunächst noch eingleisige Strecke. Bis 1914 wurde ein zweites Gleis hinzugefügt, sodass täglich bis zu 48 Zugpaare diesen Abschnitt befahren konnten. Zudem wurden die Galerien ausgebaut, um die Strecke vor Erdrutschen und Lawinen zu schützen. Im Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution wurde die Baikalbahn zum Schauplatz erbitterter Kämpfe, wovon noch heute einzelne Massengräber zeugen. In den 1940er Jahren wurden erhebliche Renovierungs- und Nachbesserungsarbeiten nötig. Nach einer intensiven Begutachtung kamen die Experten jedoch zum Ergebnis, dass kein Geld mehr in die Strecke investiert und stattdessen der direkt durch die Berge führende Weg vom Südwestzipfel des Baikal bis nach Irkutsk ausgebaut werden sollte. In den 1950er Jahren schließlich versank die Trasse zwischen Irkutsk und der Angaramündung in den Fluten des neuen Irkutsker Stausees, womit die Baikalbahn endgültig zur Sackgasse wurde. Aufgrund der geringeren Nachfrage wurde das zweite Gleis wieder zurückgebaut und die einst blühenden Siedlungen entlang der Strecke nach und nach aufgegeben.

Nicht wenige Fachlaute optierten für eine dauerhalte Stilllegung, allerdings wurde spätestens mit Auflösung der Sowjetunion das touristische Potential der Baikalbahn erkannt.

Die größte Herausforderung sind die häufigen Erdrutsche und Lawinen. Immer wieder wurden Strecken und Tunnel durch herabfallende Felsen oder Schlammlawinen beeinträchtigt. Einige Tunnel wurden in diesem Zusammenhang derart instabil, dass sie aufgegeben wurden, um in der Nähe einen neuen Durchstich zu schaffen. Weitere Gefahren sind Überschwemmungen an den Bergflüssen, Schlammlawinen oder die im Winter zu regelrechten Blöcken aufwachsenden Eisbildungen.

Derzeit ist die Strecke etwa 90 Kilometer lang. Sie führt von Sljudjanka bis nach Port Baikal, wobei die derzeitige Trasse der Transsib erst zehn Kilometer hinter Sljudjanka in Kultuk verlassen wird. Aktuell werden nur noch vier Bahnhöfe angesteuert – Kultuk, Maritui, Ulanowo und Port Baikal. Die Anzahl der Tunnel liegt bei 38 mit einer Gesamtlänge von knapp zehn Kilometern. Der längste ist der Polovinny-Tunnel mit 800 Metern Länge. Daneben werden 18 Galerien, 248 Brücken und 268 Schutzwände passiert und so ist die Strecke in ihrer ingenieurtechnischen Vielfalt ohne Beispiel in Russland. Sie widerspiegelt weitgehend den originalgetreuen Zustand zum Zeitpunkt ihres Baus kurz nach 1900. Die Streckenkilometer werden noch immer vom Bahnhof in Irkutsk berechnet, obwohl der Abschnitt von dort zur Angaramündung längst versunken ist. Der Beginn der Baikalbahn liegt somit bei Kilometer 72 und deren Ende in Sljudjanka bei Kilometer 161. Die Fahrt von Sljudjanka nach Port Baikal dauert etwas weniger als fünf Stunden. Seit den 1980er Jahren steht der Abschnitt zwischen Kultuk und Port Baikal als „nationales Erbe“ unter dem Schutz des Staates. Seitdem haben sich einige Resorts an der Strecke etablieren können. Zum hundertsten Jahrestag der Baikalbahn wurden die Bahnhöfe in Port Baikal und Sljudjanka umfassend renoviert.

Der Matanya-Zug fährt montags, donnerstags, freitags und sonntags von Sljudjanka nach Port Baikal. Die Abfahrtzeit in Sljudjanka ist gegen 14 Uhr und der Zug erreicht gegen 20:30 Uhr Port Baikal. In den Sommermonaten lässt sich noch die letzte Fähre nach Listwjanka auf die andere Seite der Angara-Mündung erreichen.

Listwjanka, Bolshiye Koty, Port Baikal und Talcy

Die Siedlung städtischen Typs Listwjanka hat sich mittlerweile zum absoluten Hotspot des Baikal-Tourismus entwickelt. Sie liegt etwa 70 Kilometer südöstlich von Irkutsk nahe dem Abfluss der Angara aus dem See. Listwjanka hat derzeit etwa 2.000 Einwohner, in den Sommermonaten ist die Zahl der Gäste jedoch um ein Vielfaches höher.

Die Siedlung wurde am Ende des 18. Jahrhunderts als Poststelle gegründet. Den Namen erhielt sie von dem sie umgebenden Lärchenwald (listvennitsa). In der Mitte des 19. Jahrhunderts siedelte sich eine Reederei an, was das Wachstum des Dorfes beschleunigte. Kurz vor der Jahrhundertwende wurden hier die beiden Eisbrecher zusammengesetzt, die in den folgenden Jahren als Baikalübergang der Transsib dienen sollten, was dem Schiffbau vor Ort wesentliche Impulse verlieh. 1905 wurde die Strecke zwischen Port Baikal und Sljudjanka fertiggestellt, weshalb der Eisbrecherverkehr zwischen Port Baikal und Mysovaya (heute: Babushkin) nach und nach eingestellt wurde.

Die Siedlung Listwjanka ist der touristische Hotspot am Baikal. Foto: © Thomas D. Fischer

Mit der Schaffung der neuen Trasse von Kultuk nach Irkutsk verlor Listwjanka seinen strategischen Vorteil als Verkehrsknotenpunkt. Zudem wurden Teile der Siedlung durch den Irkutsker Stausees überflutet. Diese negativen Effekte sollten durch die Ansiedlung des Institutes für Gewässerforschung zumindest abgefedert werden.

Seit den 1980er Jahren wurde Listwjanka zunehmend für den Tourismus ausgebaut. Spätestens mit der Auflösung der Sowjetunion kamen verstärkt ausländische Gäste in den Ort. Dazu trägt in erster Linie die Nähe zu Irkutsk bei, welches sich über eine asphaltierte Straße in nur einer Stunde erreichen lässt. Alternativ verkehren Linienschiffe und Ausflugsboote auf der oberen Angara bzw. auf dem Irkutsker Stausee. Somit ist Listwjanka von allen Orten am Baikal derjenige, der am nächsten zu einer Großstadt und zu einem internationalen Flughafen liegt. Er markiert zudem den Beginn der Angara, des einzigen Abflusses aus dem See. Das Klima ist sommers wie winters deutlich milder, als in Irkutsk. Die Temperaturen fallen in den Wintermonaten nur äußerst selten unter die Marke von minus 20 Grad und im Sommer bleibt es angenehm kühl. Nicht zuletzt dient das Listwjanka gegenüberliegende Port Baikal als Endpunkt der pittoresken Baikalbahn. Gleich neben dem Bahnhof befindet sich der Hafen, von wo eine regelmäßige Autofähre nach Listwjanka verkehrt. Abgesehen vom Tourismus gibt es in Port Baikal auch eine kleine Fabrik zur Abfüllung von Baikalwasser.

Nach der Einstellung des Werftbetriebes in Listwjanka wird die lokale Wirtschaft eindeutig vom Tourismus geprägt. Insbesondere die Nachfrage aus China hat sich enorm verstärkt, womit allerdings auch Probleme verbunden sind. So sind die Einwohner empört darüber, dass viele Hotels ihre Abwässer unbehandelt in den See leiten, was die Wasserqualität spürbar beeinträchtigt.

Nichtdestotrotz ist Listwjanka außerordentlich schön gelegen, verteilt sich auf sechs nebeneinanderliegende Täler, die sämtlich von kleineren Flüssen durchzogen sind.

Die größte Attraktion ist der Angaraabfluss. In dessen Mitte befindet sich der Schamanenstein, der in der Sage vom Vater Baikal und seiner Tochter Angara eine wesentliche Rolle spielt. Die beste Sicht auf den Angaraausfluss, den Schamanenfelsen, den Irkutsker Stausee, auf den Bahnhof von Port Baikal und die Siedlung Listwjanka bietet sich vom Cersky-Berg direkt am Ortseingang von Listwjanka. Der Aufstieg auf den 757 Meter hohen Felsen kann über einen gut ausgebauten Wanderweg, wahlweise auch mit dem Sessellift erfolgen. Der Ausblick ist atemberaubend. In den Wintermonaten bietet der Abfluss der Angara ein einzigartiges Schauspiel, da das Wasser aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeit erst nach 15 Kilometern gefriert.

Im Baikalmuseum ist die Naturgeschichte des Baikal und der Region anschaulich dargestellt. Direkt daneben liegt der Haltepunkt der Fähre nach Port Baikal. Zudem lohnt die Nikolaikirche einen Besuch. Direkt am Hafen und am Busbahnhof können im sogenannten Nerparium Shows mit Baikalrobben gebucht werden. Fährt man weiter in diese Richtung und lässt Listwjanka hinter sich, gelangt man zum Observatorium und weiter zum romantischen Lärchenkap.

Von Listwjanka bis zur kleinen Siedlung Bolshiye Koty führt direkt am Ufer ein 20 Kilometer langer, gut ausgebauter Wanderweg, der Teil des „Great Baikal Trail“-Projektes ist. Die Siedlung selbst hat nur 56 Einwohner und weist keine besonderen Sehenswürdigkeiten auf. Vier Kilometer dahinter liegt jedoch die malerische Skriper-Klippe.

Schließlich befindet sich auf halbem Weg zwischen Irkutsk und Listwjanka das äußerst eindrucksvolle Freilichtmuseum von Talcy mit einer einzigartigen Sammlung architektonischer und ethnografischer Fundstücke. Von besonderem Interesse dürften die originalgetreu replizierten Holzbauten sein, die an die Dörfer erinnern, die der Flutung des Irkutsker Stausees zum Opfer gefallen sind. Im Museum erzählen mehr als 8.000 Exponate vom sibirischen Alltag des 17. bis 19. Jahrhunderts. Unter anderem sind die 1697 erbaute Südwand des hölzernen Ilimsker Gefängnisses sowie die Kirche des Kasaner Tores rekonstruiert worden. Nicht zuletzt liegt das Museum landschaftlich sehr reizvoll hoch über dem Irkutsker Stausee.

Bukhta Pes’channina (Sandbucht)

Die Sandbucht liegt etwa auf halbem Wege zwischen Listwjanka und der Insel Olkhon. Aufgrund der schwierigen Topografie lässt sich der Ort allerdings nur stichartig erreichen. Die Straßen sind nicht asphaltiert, was die Anreise recht beschwerlich macht. Dafür breitet sich jedoch ein 750 Meter breiter Sandstrand zwischen zwei markanten Landzungen aus. Dieser Ort ist nicht nur malerisch, einsam und weitgehend unberührt, er zählt auch zu den sonnigsten und wärmsten Plätzen ganz Sibiriens. Nirgendwo sonst in diesem weiten Land wird eine Jahresmitteltemperatur über null Grad erreicht. Auch das Wasser heizt sich bis Juli/August auf durchaus erträgliche Badetemperaturen auf. Neben der schlechten Straßenverbindung verkehrt im Sommer drei Mal wöchentlich ein Schiff von Listwjanka nach Bukhta Pes’channina. Für Urlauber, die länger vor Ort bleiben wollen, bieten mehrere Herbergen ihre Dienste an.

Insel Olkhon

Olkhon ist die mit Abstand größte Insel im gesamten Baikal. Sie ist etwas mehr als 70 Kilometer lang, im Schnitt etwa 15 Kilometer breit und damit die drittgrößte Seeinsel der Welt. Der Name stammt aus dem Burjatischen, wobei bis heute ungeklärt ist, ob er vom Wort für Wald (oyhon) oder trocken (olhan) herrührt. Letzteres würde mehr Sinn ergeben, weil vor allem der Südteil der Insel die einzige Steppenvegetation am ansonsten durchgängig bewaldeten Baikal darstellt. Olkhon ist Teil des Primorsker Berggürtels und endet im Norden an einer eindrucksvollen Steilküste, in deren Nähe sich der höchste Punkt der Insel befindet – der knapp 1.300 Meter aufragende Zima-Berg.

Der Schamanenfelsen auf der Insel Olkhon in der Nähe der Siedlung Khuzhir. Foto: © Viktoria Shirina

Die Landschaft ist äußerst vielfältig. Neben ausgedehnten Steppen im Süden und den bewaldeten Höhen im Norden findet sich auf der Insel gar eine kleine Wüste. Das Klima ist wärmer und niederschlagsärmer, als auf dem Festland. Die besiedelten Bereiche konzentrieren sich durchgängig auf die westliche Inselseite am sogenannten „Kleinen Meer“ (Maloye Morye), der Baikalbucht zwischen dem westlichen Ufer und der Insel. Die östliche Seite hin zum offenen See ist deutlich wilder und fällt steil ab. Nur wenige Kilometer jenseits dieser Küste liegt die mit mehr als 1.600 Metern tiefste Stelle des Baikal.

Olkhon befindet sich etwa 250 Kilometer nordöstlich von Irkutsk etwa in der Mitte des Sees und ist durch die schmale Wasserstraße „Olkhon-Tor“ vom Festland getrennt. In den Sommermonaten verkehrt hier eine regelmäßige Autofähre. Seit einigen Jahren gibt es eine durchgehend asphaltierte Straße von Irkutsk nach Sakhyurta, wo die Olkhon-Fähre verkehrt. Khuzhir, der Hauptort der Insel, liegt 35 Kilometer nördlich des Fähranlegers und lässt sich über eine Sandpiste erreichen. Für die Fahrt müssen aus Irkutsk etwas mehr als fünf Stunden kalkuliert werden. Im Sommer kommt es an der Fähre regelmäßig zu langen Wartezeiten. Im Winter besteht eine von Listwjanka kommende Straßenverbindung auf dem Eis des Sees. Alternativ lässt sich Olkhon im Sommer auch per Schiff erreichen. In der Nähe des Hauptortes Khuzhir gibt es sogar einen kleinen Flugplatz, der allerdings nicht regelmäßig angesteuert wird.

Die knapp 1.500 Einwohner Olkhons gehören nahezu ausschließlich der burjatischen Volksgruppe an. In Khuzhir lebt mit knapp 1.250 Menschen der Großteil der Inselbevölkerung. Für die Burjaten am Westufer des Baikal spielt der Schamanismus eine prägende Rolle, mit Olkhon als dem wichtigsten spirituellen Zentrum. Direkt in Khuzhir erhebt sich vor dem Gottes-Kap der berühmte Schamanenfelsen, welcher den Burjaten des Baikal als heiligster Ort überhaupt gilt. Nördlich von Khuzhir locken weite Sandstrände an das Ufer des vergleichsweise flachen und im Sommer recht warmen „Kleinen Meeres“.

Ökonomisch war über Jahrzehnte hinweg eine kleine Fischfabrik maßgeblich. Mittlerweile wurde die Produktion jedoch reduziert und die meisten Einwohner leben vom Tourismus. In Khuzhir lohnt neben dem Schamanenfelsen ein kleines anthropologisches und naturhistorisches Museum den Besuch. In der Kunstgalerie Oshchepkov sind Artefakte der ersten burjatischen Siedler auf Olkhon ausgestellt und können Gemälde einiger lokaler Künstler bewundert werden. Die Kirche der Heiligen Jungfrau ist die einzige auf der vornehmlich schamanistisch geprägten Insel.

20 Kilometer nördlich von Khuzhir finden sich an der Nyurgan-Bucht weite Dünenlandschaften, die ganze Dörfer unter sich begruben. Noch weiter nördlich gelangt man zur Wetterstation bei Uzur, von wo man in etwas mehr als einer Stunde den zentralen Bergkamm erklimmen kann – mit hervorragenden Ausblicken auf das Kleine Meer, den Norden Olkhons, den offenen Baikal sowie auf die gegenüberliegende Halbinsel Svyatoi Nos.

Das Khoboy Kap markiert den nördlichsten Punkt der Insel. Hier ragt ein einzelner Felsen wie ein Stoßzahn aus dem Wasser. Zudem bietet sich ein wunderbarer Blick auf den See. Fünf Kilometer südlich erheben sich die Felsen der drei Brüder über dem „Kleinen Meer“. Diese beeindruckende Felsformation ist etwa einen Kilometer lang und besticht vor allem durch die drei gleichförmigen Felsen in deren Zentrum.

Im Süden der Insel liegt das Kap Khargoy. Hier sind alte Siedlungsspuren des Volkes der Kurykan erhalten. Besonders eindrucksvoll ist eine große Steinmauer, die das Kap von der restlichen Insel trennt. Sie ist das älteste erhaltene Relikt menschlicher Zivilisation auf Olkhon.

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