Ulaanbaatar und Tow-Aimak

Kaum eine Hauptstadt dominiert den Rest des Landes so sehr wie Ulaanbaatar die Mongolei. Mittlerweile lebt hier die Hälfte der mongolischen Bevölkerung, was die Infrastruktur an den Rand der Belastungsgrenze bringt. Ursprünglich war die Stadt für weit weniger als die heute anderthalb Millionen Menschen ausgelegt, doch das Ende der Sowjetzeit und die folgende Transformation brachten eine rasante Urbanisierung. Das Tal, in welches sich die Hauptstadt schmiegt, ist begrenzt und zudem sehr smoganfällig, weshalb seit Jahren über die Schaffung einer neuen Hauptstadt jenseits des Bogd-Khan-Massivs nachgedacht wird. Leider aber ist kaum absehbar, wann und ob überhaupt diese Pläne jemals realisiert werden.

Umgeben werden die sehr großzügigen administrativen Grenzen Ulaanbaatars vom Tow-Aimak, der einer der landschaftlich vielgestaltigsten des Landes ist und infrastrukturell enorm von der Nähe zur Hauptstadt profitiert. Hier lässt sich die Mongolei im Kleinen erleben, falls nicht so viel Zeit für langwierige Touren sein sollte.

Ulaanbaatar

Die mongolische Hauptstadt kommt im Vergleich der ostasiatischen Metropolen nicht allzu spektakulär daher. Und selbst einige sibirische Städte wie Irkutsk oder Tjumen weisen eine längere Traditionslinie auf. Eine regelrechte Stadt im Sinne von festen Gebäuden mit gegossenen Fundamenten entstand erst im 20. Jahrhundert, doch bereits einige Zeit zuvor begann die Geschichte als Verwaltungszentrum der Äußeren Mongolei.

Nach dem Verfall des mongolischen Weltreiches inklusive seiner Hauptstadt Kharkhorin war das Gebiet der Äußeren Mongolei dem chinesischen Kaiser tributpflichtig, genoss im Inneren jedoch weitgehende Autonomie. Ab dem frühen 17. Jahrhundert gab es einen mobilen Regierungssitz und die Palastjurte des Khans zog zwischen verschiedenen Orten der Zentralmongolei umher. Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich die mongolischen Herrscher dauerhaft im heutigen Ulaanbaatar nieder. Der Ort, den sie für den Standort der Palastjurte auswählten, lag am Zusammenfluss der Flüsse Selbe und Tuul unterhalb des heiligen Bogd Khan-Massivs sowie nicht zuletzt an der direkten Handelsroute zwischen China und dem aufstrebenden Russischen Zarenreich. Die religiöse Elite unter Führung des Jebtsundamba Khutuktu hatte bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts ihr zentrales Kloster dorthin verlegt. Heute sind die Reste davon im Gandan-Tempel zu sehen. Im Jahre 1786 erkannte auch der chinesische Kaiser diesen Ort als Sitz einer weltlichen mongolischen Herrschaft an. Von dort durften im Rahmen ihrer politischen und religiösen Autonomie die Geschicke der Äußeren Mongolei gesteuert werden. Im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert lebten in der Stadt mehr als zehntausend Mönche, die das alltägliche Leben weitgehend dominierten.

Eine russische Expedition schätzte die Einwohnerzahl im Jahre 1908 auf etwa 60.000, was das spätere Ulaanbaatar schon damals zum unbestrittenen Zentrum der Mongolosphäre machte. Ein Drittel der Bewohner waren buddhistische Mönche, die sich mit einer wachsenden Zahl russischer und chinesischer Händler konfrontiert sahen, die die gewachsene Machtstellung des Jebtsundamba Khutuktu und seiner Gelupga-Schule nicht oder zumindest nicht vollständig akzeptierten. Die daraus resultierenden Animositäten setzten den Funken für die mongolische Revolution des Jahres 1911. Nach einem Streit zwischen einem Mönch und chinesischen Händlern berief die mongolisch-religiöse Elite unter Führung des Jebtsundamba Khutuktu ein geheimes Treffen auf dem Bogd Khan-Massiv ein, bei dem entschieden wurde, die 220 Jahre währende Herrschaft der Mandschu über die Mongolei zu beenden und den amtierende Jebtsundamba Khutuktu als legitimen Herrscher über eine unabhängige Äußere Mongolei einzusetzen. Die mittlerweile unter dem Namen Khuree firmierende Stadt war der logische Sitz seiner Regierung.

Allerdings nutzte die chinesische Seite die Wirren der russischen Revolution und des anschließenden Bürgerkrieges, um ihren Einfluss wieder auf die Äußere Mongolei auszudehnen. Erneut zogen chinesische Garnisonen in die Stadt und wurden chinesische Handelsniederlassungen gegründet. 1921 vertrieb der weißgardistische Baron Roman von Ungern-Sternberg die Chinesen aus Ulaanbaatar. Allerdings gerierte sich der Baron bald selbst als Herrscher über die Mongolen sowie als selbstherrlicher, marodierender Warlord mit einer entsprechend brutalen, chaotischen und kulturell unsensiblen Politik. Die Rotgardisten unter Führung von Damdiny Sukhbaatar konnten also auf den Rückhalt der Bevölkerung zählen, als sie aus dem Norden anrückten und die weißgardistischen Truppen ohne größere Gegenwehr aus der Stadt jagten.

Mit der Umbenennung in Ulaanbaatar begann die realsozialistische Geschichte der Stadt und des ganzen Landes. Der Name bedeutet „Roter Held“ und rekurriert auf eben jenen Damdiny Sukhbaatar, den Führer der mongolischen Kommunisten.

Ulaanbaatar wurde in der Folge zu einer typischen sozialistischen Metropole. Außerhalb des zentralen Klosters, des kleinen russischen Viertels und der chinesischen Garnison gab es keine festen Gebäude. Die Innenstadt bestand lediglich aus weitläufigen Jurtenvierteln ohne infrastrukturelle Anbindung. Diese und auch die wenigen historischen Gebäude mussten nun sozialistischen Wohnblocks weichen und in den 1930er Jahren wurden – mit Ausnahme des Gandan – sämtliche Klöster und Tempel weitgehend dem Erdboden gleichgemacht.

Der sowjetische Einfluss brachte aber auch Gutes. In der gesamten Stadt wurde eine zentrale Fernwärme-, Strom- und Gasversorgung etabliert, wurden Straßen und Parks angelegt, sind vielfältige Kultur- und Erholungsangebote entstanden und ist nicht zuletzt ein zentrales Entsorgungssystem implementiert worden. Auch Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen wurden nun flächendeckend und für alle kostenlos vorgehalten.

Die meisten Bewohner zogen aus ihren Jurten in feste Wohnungen. Ein weiterer Entwicklungsschritt war die Fertigstellung der Transmongolischen Eisenbahn im Jahre 1955. Der Bahnhof von Ulaanbaatar und das südlich daran anschließende Logistikzentrum wurden zum wichtigsten Umschlagplatz für den sowjetisch-mongolischen Handel. Nach einer Phase der sprunghaften Modernisierung zeigte sich spätestens in den 1980er Jahren die Krise des realsozialistischen Modells. Investitionen blieben aus, die Entwicklung stagnierte und insgesamt wuchs in der Bevölkerung die Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Verhältnissen.

Hauptstadt der modernen Mongolei

Die Transformation in einen demokratischen Staat wurde im Winter 1989/90 mit Protesten auf dem Sukhbaatar-Platz von Ulaanbaatar eingeleitet. Der diktatorische Einheitsstaat konnte zwar überwunden werden, doch die folgenden Jahre brachten massive wirtschaftliche Umwälzungen und eine ausgeprägte Instabilität. Weil der staatliche Wohnungsbau nahezu vollständig zum Erliegen kam, siedelten sich wieder tausende Jurten an den umgebenden Berghängen der Hauptstadt an, wodurch ein spezifisch mongolischer Slumgürtel entstand, innerhalb dessen heute fast die Hälfte der Einwohner lebt. Von 1988 bis ins Jahr 2008 hat sich die Bevölkerungszahl auf deutlich mehr als eine Million mehr als verdoppelt. Der Umbau der Infrastruktur konnte mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten und so ächzt die Stadt unter einer massiven Überbesiedelung. In Ermangelung attraktiver und leistungsfähiger ÖPNV-Angebote sind die Straßen nahezu kontinuierlich verstopft. Die Planungen zum Bau einer von Ost nach West führenden U-Bahnlinie liegen auf Eis.

Die drängendste Herausforderung ist jedoch die massive Luftverschmutzung. Angesichts der vielen Menschen, die ohne infrastrukturellen Anschluss in der Stadt leben und eingedenk der extrem harten mongolischen Winter, wird innerhalb der Jurtengürtels nahezu alles verheizt, was irgendwie Wärme schafft und vor dem Kältetod rettet. Diese Situation wird erschwert durch die Lage Ulaanbaatars in einer Talsenke zwischen verschiedenen Bergmassiven, die die entstehenden Emissionen in einer Glocke über der Stadt gefangen hält. Über die Smogdichte in der am anderen Ende der Gobi gelegenen chinesischen Hauptstadt Peking wird immer wieder auch in deutschsprachigen Medien berichtet. Der Umstand, dass die Emissionswerte in Ulaanbaatar um ein Vielfaches höher sind, mag einen Eindruck vom Ausmaß der Krise vermitteln, die sich allerdings nur in den Wintermonaten zeigt. Es bessert sich allerdings, denn das im Jahr 2020 ergangene Verbot der Koks-Befeuerung hat massive Effekte gezeitigt. Darüber hinaus wurden im Rahmen staatlicher Initiativen einige tausend Jurten an die zentrale Strom- und Fernwärmeversorgung angeschlossen. Andere Teile des Jurtenviertels wurden mit Unterstützung ausländischer Organisationen mit Solarpaneelen ausgerüstet.

Weitere Konzepte wollen zumindest die Mobilität weitgehend emissionsfrei gestalten und so dürfen mit Verbrennungsmotoren ausgerüstete Autos an bestimmten Wochentagen die zentralen Trassen des Großraums Ulaanbaatar nicht befahren. Die Effekte reichen jedoch nicht aus, um das Problem grundsätzlich zu beheben. Die mongolische Hauptstadt krankt erheblich daran, dass sie ursprünglich für deutlich weniger Einwohner konzipiert wurde und sich aufgrund der Tallage nicht unbegrenzt ausdehnen kann.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre

Trotz der weiterhin drängenden Herausforderungen können für die vergangenen Jahre einige positive Trends konstatiert werden. So ist es Polizei und Gesellschaft gelungen, den Alkoholismus im öffentlichen Raum und die vor einigen Jahren noch alltäglichen Schlägereien zurückzudrängen. Auch im Autoverkehr wird heute deutlich zivilisierter agiert. Ampelschaltungen werden weithin akzeptiert, abrupte Spurwechsel oder gar das Ausweichen in den Gegenverkehr sind die Ausnahme. Die Zahl der Trickdiebstähle ist spürbar gesunken und selbst die Schwarztaxifahrer werden immer vorsichtiger bei der Kalkulation ihrer „Sonderaufschläge“ für Ortsunkundige bzw. ausländische Touristen. Diese Erfolge sind in erster Linie der städtischen Polizei zu verdanken, die im Unterschied zu den meisten anderen Behörden kaum korrupt ist. Das Stadtbild hat sich spürbar zum Besseren gewandelt. Das Müllproblem ist nahezu vollständig aus dem öffentlichen Raum verschwunden, Bürgersteige wurden begradigt und die vor einigen Jahren vielerorts noch fehlenden Gullydeckel ergänzt. Die wenigen historischen Gebäude im Zentrum wurden renoviert, wobei insbesondere die buddhistischen Stätten seit den 1990er Jahren eine besondere Wertschätzung erfuhren. Das bei den Übergriffen der 1930er Jahre weitgehend zerstörte kulturelle Erbe der Stadt wird nach und nach zusammengetragen, restauriert sowie durch neue Impulse ergänzt.

Im Zentrum und vor allem im Süden der Stadt sind moderne Apartment- und Geschäftsgebäude entstanden, die Ulaanbaatar ein weniger sowjetisches und mehr westliches Gepräge geben. Die Stadt ist nach wie vor recht arm an historischen Sehenswürdigkeiten, doch sie vermittelt eine Atmosphäre, die man so an nur wenigen Orten der Welt erleben kann. Es ist eine junge, dynamische und aufstrebende Metropole, die die mongolischen Traditionen der weiten Steppe mit einer entspannten Internationalität verbindet – das unbestrittene Zentrum eines ganzen Landes bzw. des übergreifenden tibeto-mongolischen Kulturraums von Tibet über den Altai bis zum Baikal. Es ist die einzige Hauptstadt, in der ein mongolisches Volk unabhängig seine Geschicke bestimmt.

Stadt der Superlative

Ulaanbaatar kann bzw. muss mehrere Superlative für sich reklamieren. Zum ersten ist es in den Wintermonaten wohl die Smog-belastetste Hauptstadt der Welt. Im Sommer merkt man davon nicht viel, doch im Winter sollten längere Aufenthalte, wenn möglich, vermieden werden. Für den zweiten Superlativ – der weltweit kältesten Hauptstadt – kann man sich rüsten, doch der Luft ist man weitgehend ungeschützt ausgesetzt.

Ein weiterer Superlativ liegt in dem Umstand, dass wohl kaum eine andere Hauptstadt der Welt – Stadtstaaten ausgenommen – das von dort regierte Land in einem Maße dominiert und prägt, wie es Ulaanbaatar tut. Derzeit leben etwa 1,5 Millionen Menschen in der Stadt, was der Hälfte der mongolischen Gesamtbevölkerung entspricht – Tendenz steigend. Und dies in einem Land, das größer ist als die Fläche Frankreichs, der Benelux-Staaten, Deutschlands, Dänemarks, der Schweiz, Österreichs, Tschechiens, der Slowakei und Polens zusammen. Allein ein Blick auf die Infrastruktur zeigt, wie sehr alle Wege auf Ulaanbaatar zugeschnitten sind. Bis vor kurzem gab es keine einzige befestigte Trasse im Land, die nicht auf die Hauptstadt zustrebte und auch der gesamte internationale Verkehr läuft nahezu vollständig über Ulaanbaatar.

In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass Ulaanbaatar mit dieser Vielzahl an Zentralfunktionen überfordert ist. Doch sämtliche Programme zur Stärkung peripherer Zentren bzw. föderaler Elemente sind in der Vergangenheit gescheitert. In Ulaanbaatar sitzen die großen Wirtschaftsunternehmen, hier werden die politischen Prozesse abgestimmt, hier kreuzen alle Verkehrswege und hier wird wohl auch in den kommenden Jahren das pulsierende Herz der Mongolei schlagen. Problematisch erscheint allerdings, dass sich die Lebenswirklichkeiten der Einwohner Ulaanbaatars und der Landbewohner mittlerweile deutlich voneinander unterscheiden und die Animositäten der Landbevölkerung gegenüber den Hauptstädtern spürbar gewachsen sind.

Geographie und Verwaltung

Ulaanbaatar liegt an der Mündung der Selbe in den Tuul-Fluss, wobei der Erstere im Stadtgebiet nahezu vollständig ausgetrocknet ist. Der Tuul wiederum zieht südlich vorbei und nur das Viertel um das Kriegerdenkmal auf dem Zaisan-Berg befindet sich jenseits dessen Ufern.

Als Teil der mongolischen Hochebene liegt Ulaanbaatar bereits auf einer Höhe von 1.350 Metern. Nördlich und nordöstlich der Stadt schließen die Berge des Khentii-Gebirges an. Südlich erhebt sich das Bogd Khan-Massiv, welches mit 2.256 Metern den höchsten Punkt innerhalb des Stadtgebietes markiert. Zwischen beiden Bergketten zieht sich Ulaanbaatar von West nach Ost entlang des Tuul-Tals. Vegetativ liegt Ulaanbaatar am Übergang zwischen Taiga und dem eurasischen Steppengürtel. Im Norden und Süden dehnen sich weite Nadelwälder aus, während der Westen und Südosten von Steppenlandschaft geprägt ist.

Administrativ ist die Stadt nicht Teil irgendeines Aimaks, sondern verwaltet sich selbst. Das Stadtgebiet ist mit etwa 4.700 Quadratkilometern fast doppelt so groß wie das Saarland, umfasst dementsprechend auch ländliche Räume. Die Verwaltungsgrenzen sind fast vollständig umgeben vom Tow-Aimak. Lediglich eine der beiden Exklaven Ulaanbaatars – die Bergbaustadt Baganuur 130 Kilometer östlich des Stadtzentrums – grenzt zusätzlich an den Khentii-Aimak. Die zweite Exklave – die ehemalige Militärbasis Bagakhangai – ist ebenfalls vollständig vom Tow-Aimak umschlossen. Ulaanbaatar unterteilt sich in neun Stadtbezirke – die duuregs. Die beiden genannten Exklaven entsprechen jeweils einem duureg, ein weiterer wird von der Stadt Nalaikh eingenommen. Die restlichen sechs haben zumindest einen Anteil an der unmittelbaren Kernstadt.

Wirtschaft und Infrastruktur

In Ulaanbaatar werden zwei Drittel des mongolischen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Für eine Metropole äußerst ungewöhnlich, spielt der Bergbau eine zentrale Rolle. Im Norden der Stadt gibt es einige Goldminen. In der Exklave Baganuur im Osten wird im großen Maßstab Kohle abgebaut. Verschiedentlich wurde versucht, die Stadt durch günstige Steuersätze für Finanzinvestoren aus aller Welt attraktiv zu machen, doch richtig erfolgreich waren diese Bemühungen nicht. Nach wie vor ist das gesamte Land und damit auch seine Hauptstadt massiv abhängig von der Rohstoffnachfrage aus China und von hochvolatilen Weltmarktpreisen.

Ulaanbaatar profitierte in der Vergangenheit von seiner Lage an einem zentralen Handelsweg zwischen China und Russland. Dieser soll im Rahmen der chinesischen Neue-Seidenstraße-Initiative massiv ausgebaut werden, woraus Ulaanbaatar erneut großen Nutzen ziehen könnte. Die Straßenverbindung von Nord nach Süd soll vierspurig ausgebaut und auch die Schienentrasse auf der gesamten Strecke auf zwei Gleise erweitert werden. Ulaanbaatar läge ziemlich genau in der Mitte, doch mit dem rasanten Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft sind auch erhebliche Risiken für die staatliche Unabhängigkeit verbunden.

Im Sommer 2021 hat der etwas südlich der Stadtgrenze bereits im Tow-Aimak liegende New Ulaanbaatar International Airport seine Pforten geöffnet. Die Zuwegung per Schiene und Straße muss noch vollendet werden.

Die mongolische Regierung will Ulaanbaatar zu einem Drehkreuz für den Luftverkehr zwischen Europa und Ostasien ausbauen, weshalb beim Bau darauf geachtet wurde, Potential für mögliche Erweiterungen freizuhalten.

Im nationalen Verkehr ist Ulaanbaatar der Kristallisationspunkt sämtlicher Verkehrsachsen. Neben den Relationen zur russischen bzw. chinesischen Grenze bestehen asphaltierte Verbindungen in fast alle Aimakzentren. Nach Osten nach Tschoibalsan, nach Südosten nach Choir und Sainshand, nach Südwesten nach Mandalgovi und Dalanzadgad, nach Westen nach Tsetserleg und Arvaikheer und nach Norden nach Darkhan, Erdenet, Mörön und zur russischen Grenze. Per Schiene lassen sich die Aimakzentren Sukhbaatar, Darkhan, Erdenet, Choir und Sainshand erreichen. Zunehmend wird versucht, die Trasse der Transmongolischen Eisenbahn für einen regionalen Nahverkehr zu nutzen, allerdings sind die Gleisanlagen durch den Güterverkehr derzeit noch zu stark belaastet, um enge Taktzeiten zu ermöglichen. Das Projekt einer Ost-West-U-Bahnlinie befindet sich seit einigen Jahren in der Planungsphase. Derzeit wird der gesamte Öffentliche Personennahverkehr in und um die Hauptstadt noch mit Bussen und Trolleybussen abgewickelt.

Bildung, Kultur und Sport

Auch in diesen beiden Kategorien besitzt Ulaanbaatar eine ausgeprägte Zentralfunktion. Die Stadt ist Sitz von sechs großen Universitäten. Daneben bestehen einige kleinere private Institute, die ebenfalls das Wort Universität im Namen führen. Mehrere internationale Schulen bieten ein vollständiges Lehrangebot in englischer, russischer oder chinesischer Sprache mit einem Oberschulabschluss, der in der Mongolei und vielen weiteren Staaten zur Aufnahme eines Studiums berechtigt.

Die Nationalbibliothek von Ulaanbaatar ist die größte des Landes und bietet eine reiche Sammlung alter mongolischer Handschriften.

Kulturell ist Ulaanbaatar eine Mischung aus westlichen und traditionellen Einflüssen. Einige folkloristische Gruppen feierten weltweite Erfolge und auch in der Hauptstadt selbst interessieren sich immer mehr Menschen für die reiche mongolische Kultur. Das Opernhaus veranstaltet Konzerte, Musicals, Oper- und Ballettaufführungen sowohl westlicher, als auch mongolischer Prägung. Das Große Mongolische Staatsorchester wendet sich eindeutig der mongolischen Tradition zu.

In Ulaanbaatar finden sich eine Reihe hochkarätiger Museen. Das Mongolische Nationalmuseum skizziert die Geschichte der Mongolei von der prähistorischen Phase über die Ausbildung mehrerer Weltreiche bis in die Moderne. Im Mongolischen Museum für Naturgeschichte sind verschiedene Fossilien und Meteoriten ausgestellt, darunter mehrere vollständig zusammengesetzte Saurierskelette aus der Wüste Gobi.

Das Zanabazar Museum ist das wichtigste kunsthistorische Museum der Stadt und des ganzen Landes. Unter anderem lässt sich eine von Zanabazar selbst hergestellte Skulptur aus dem 17. Jahrhundert bestaunen, ebenso das berühmteste Gemälde der Mongolei – „one day in Mongolia“ von Baldugiin „Marzan“ Sharav. Dazu gibt es eine Reihe weiterer hochkarätiger Museen zu spezifischen Themenfeldern.

Verschiedene feste traditionelle Musik- und Tanzensembles unternehmen Festspielreisen innerhalb der Mongolei und weltweit. Großes internationales Renommee hat sich in der Vergangenheit der Mongolische Staatszirkus erarbeiten können, dessen Arena direkt im Herzen Ulaanbaatars liegt und fester Bestandteil des lokalen Kulturlebens ist.

Das Naadam-Festival ist die wichtigste Sportveranstaltung des Jahres. Das Ringerturnier wird regelmäßig im Nationalstadion im Süden der Stadt ausgetragen. Die 1958 eröffnete und 20.000 Zuschauer fassende Arena ist dringend renovierungsbedürftig. Der Buyant-Ukhaa Sports Palace vor den Toren der Stadt in unmittelbarer Nähe des Flughafens ist wesentlich moderner. Die überdachte Arena hat eine Kapazität von 5.000 Sitzplätzen. Hier werden Popkonzerte und verschiedene Hallen-Sport-Events abgehalten. Im Dezember 2016 wurde hier der Dalai Lama empfangen, um eine gemeinsame Gebetsstunde mit mongolischen Buddhisten abzuhalten.

Einkaufen

Die erste und älteste Shoppingadresse in Ulaanbaatar ist das nur Ikh Delguur (Großes Kaufhaus) genannte ehemalige Staatskaufhaus. Das Ikh Delguur ist nicht ansatzweise so mondän wie das GUM als dessen Moskauer Pendant, doch es bietet eine breite Auswahl an Produkten für sämtliche Bedürfnisse und Geschmäcker. Im obersten Stockwerk wird eine reichhaltige Variation traditionellen mongolischen Kunstgewerbes feilgeboten.

Weitere große Kaufhäuser finden sich rund um den Dschingis(Sukhbaatar)-Platz und am Zaisan. Südlich des Gleisgeländes liegt die Fabrik von Gobi Cashmere, des größten mongolischen Textilproduzenten. Hier kann man vergleichsweise günstig hochwertige Wolltextilien erstehen.

Ansonsten haben sich in Ulaanbaatar die großen internationalen Handelsmarken etabliert. Die Preise sind nicht günstiger, als in Deutschland, sodass nur wenig Veranlassung besteht, in der Mongolei auf ausgedehnte Einkaufstour zu gehen.

Angesichts der geringen Kaufkraft verblüffen die teilweise hohen Lebensmittelpreise. Insbesondere Obst und Gemüse müssen nahezu vollständig aus wärmeren Gefilden eingeführt werden und entwickelten sich zu regelrechten Luxusgütern. Nach mehreren Lebensmittelskandalen wird chinesischen Produkten mit großer Skepsis entgegentreten. Importe aus Russland, Japan, Korea und auch aus Deutschland sind deutlich beliebter.

Hotels

Vor einigen Jahren war das Hotelangebot in Ulaanbaatar noch außerordentlich überschaubar und sehr teuer. Dies hat sich mittlerweile geändert. Neben den repräsentativen Adressen haben sich in der mittleren Kategorie vielfältige Alternativen herausgebildet. Im Niedrigpreissegment sind in fast allen Teilen der Stadt Hostels mit recht günstigen Konditionen, aber sehr einfacher Einrichtung entstanden.

Nicht zuletzt der Markteintritt von Airbnb hat zu einem deutlich verbreiterten Angebot bei Apartments geführt. Es empfiehlt sich allerdings, über eines der großen Portale zu buchen und nicht erst vor Ort.

Die ersten Adressen der Stadt sind das Shangri La-Hotel nördlich des Kinderparks sowie das Dschingis Khan-Hotel östlich der Innenstadt.

Nachtleben

Die Mongolen feiern gerne. Vor allem im Zentrum und im östlich gelegenen Bezirk Sansar gibt es etliche Clubs für alle Geschmäcker. Die älteste Adresse ist das Riversounds etwas südöstlich vom Dschingis(Sukhbaatar)-Platz. An den Wochenenden wird die Seoul-Straße im Süden der Innenstadt für den Autoverkehr gesperrt und hat sich inzwischen zu der Amüsiermeile Ulaanbaatars entwickelt. Hier reihen sich Bars, Karaoke-Läden und Clubs aneinander. Der inoffizielle Titel des angesagtesten Clubs wechselt alle paar Monate. Aktuell scheinen der Zu- und der Choco-Club die Nase vorn zu haben. Der Strings-Club findet sich im Westen der Stadt etwas nördlich des Hauptbahnhofs. Das Face liegt direkt neben dem Zanabazar-Museum der feinen Künste. Im MINT südlich des Selbe-Flusses in der Nähe der südkoreanischen Botschaft läuft hauptsächlich elektronische Musik.

Einige der wildesten Clubs finden sich im östlich der Innenstadt gelegenen Sansar-Bezirk jenseits des Dschingis-Khan Hotels. Allerdings sollten ausländische Touristen hier verstärkt auf ihre Sicherheit achten.

Wer es etwas ruhiger mag, kann sich in einer der vielen Bars treffen. Im Süden der Stadt hat sich die Manhattan-Bar auf dem Dach des Encanto-Gebäudes zu einer anerkannten Insititution gemausert. Die renommierteste Adresse ist das Ikh Mongol, wo eigenes Bier gebraut wird und die Speisekarte bayerische Einflüsse aufweist. Mittlerweile haben sich auch rund um den Zaisan ganz im Süden der Stadt einige Lokalitäten etabliert.

Die Qualität der Restaurants hat sich in den vergangenen Jahren enorm gebessert. Besondere Popularität genießt die koreanische Küche, es finden sich aber auch viele annehmbare chinesische, italienische, russische und auch einige deutsche Restaurants. Das Khureetuv nördlich des Sukhbaatar-Platzes ist eine der ersten Adressen für mongolische Küche, die allerdings selbst bei den Einwohnern Ulaanbaatars nicht allzu hoch im Kurs steht.

Dschingis(Sukhbaatar)-Platz und Umgebung

Der ausgreifende Platz ist das Zentrum des Zentrums der mongolischen Hauptstadt. Hier und in unmittelbarer Nähe finden sich die wichtigsten staatlichen Institutionen, die Headquarter sämtlicher mongolischer Großkonzerne, die Nationaluniversität und die wichtigsten Museen.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert standen am heutigen Dschingis(Sukhbaatar)-Platz einer der zentralen Tempel und verschiedene Regierungsgebäude der damals Ikh Khuree genannten Hauptstadt. Zwischen den repräsentativen Bauten war ein weites Feld freigehalten, welches nahezu identisch mit dem heutigen Platz ist und auf dem traditionelle Aufführungen und Ringerturniere für die geistliche und weltliche Nobilität abgehalten wurden. Kurz nach der Revolution des Jahres 1921 wurde das Areal radikal umgestaltet und die Tempel und Paläste mussten sozialistischen Prunkbauten weichen. Zunächst wurde ein großes Theater an der Stirnseite des Platzes errichtet. Nachdem dieses einem Brand zum Opfer fiel, ordnete Khorloogiin Tschoibalsan den Bau eines Volkspalastes an, in dem auch das Einheitsparlament der Mongolischen Volksrepublik untergebracht werden sollte. Im Zentrum des Platzes wurde ein Monument zu Ehren des Revolutionshelden Damdiny Sukhbaatar errichtet. Nach Tschoibalsans Tod im Jahre 1952 sind sowohl seine Leiche als auch die Überreste seines Vorgängers in ein Mausoleum verbracht worden, welches unmittelbar vor dem Volkspalast stand, im Jahre 2005 aber einer großen Halle zu Dschingis Khans Ehren weichen musste.

Während der sozialistischen Phase war der Sukhbaatar-Platz Austragungsort großer Paraden und Feste. Diese Rolle nimmt er auch heute noch wahr, wenn beispielsweise zur jährlichen Naadam-Feier die Standarten Dschingis Khans von hier zum Nationalstadion verbracht, wenn traditionelle Musik- und Tanzaufführungen abgehalten oder Staatsgäste empfangen werden.

Der Platz stand immer im Zentrum politischer Entwicklungen. Im Jahre 1990 traten hier einige Aktivisten mitten im extrem harten mongolischen Winter in einen Hungerstreik für Freiheit und Demokratie. 2008 ereigneten sich rund um den Platz militante Ausschreitungen, die sich gegen vermeintliche Wahlfälschungen der regierenden Reformsozialisten richteten.

Im Januar 2013 beschloss der Stadtrat von Ulaanbaatar – seinerzeit mit einer Mehrheit der Demokratischen Partei –, den Ort in Dschingis-Khan-Platz umzubenennen, im Bewusstsein der Hauptstädter trägt er aber noch immer den Namen des Revolutionshelden Sukhbaatar.

An der Stirnseite wird der Platz gekrönt vom Regierungspalast, wo mit dem Großen Staats-Khural das Parlament der Mongolei tagt. Daneben sind die Khan-Bank, die staatliche Energieagentur sowie das staatliche Geschichtsmuseum in dem Gebäude untergebracht. Den Eingangsbereich bildet eine Säulenhalle zu Ehren der großen Khane Dschingis, Ögedei und Kublai, die im Jahre 2006 zum 800 Krönungsjubiläum Dschingis Khans eröffnet wurde. Zuvor hatte hier das Sukhbaatar-Mausoleum gestanden, doch heute erinnert nur noch ein Denkmal in der Mitte des Platzes an den Revolutionshelden. Unmittelbar westlich des Regierungspalastes liegt das mongolische Nationalmuseum. Ansonsten wird die Westseite flankiert vom Hauptgebäude der Ulaanbaatar Bank, der Stadtverwaltung, vom Hauptquartier der Golomt Bank, von der mongolischen Börse, vom Sitz der mongolischen Telekom sowie vom zentralen Postamt.

An der Ostseite liegen der Zentrale Kulturpalast, das Staatsballett, das Opernhaus sowie die im Jahr 2008 fertiggestellten Central Towers-Hochhäuser. Direkt östlich des Regierungspalastes findet sich im ehemaligen Gebäude der Staatsdruckerei ein ausgedehntes Shoppingzentrum. An der Südseite liegen unter anderem das Gebäude des ehemaligen „Lenin-Clubs“ und daneben der in Form eines Segels gestaltete Blue Sky Tower.

Sukhbaatar(Chinggis)-Platz in Blickrichtung Süden.

Gandantegchilen-Kloster

Das Gandantegchinlen Khiid oder kurz Gandan ist das buddhistisch-religiöse Herz der Hauptstadt. Es liegt etwa zwei Kilometer westlich des Sukhbaatar-Platzes und beherbergt den größten, prunkvollsten und wichtigsten Tempel der Stadt. Der tibetische Name lässt sich mit „Erhabener Ort der vollkommenen Freude“ übersetzen. Aktuell leben um die 500 Mönche in dem Komplex, was ihn zum größten Kloster der Mongolei macht.

Das Kloster wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Befehl des Fünften Jebtsundamba Khutuktu errichtet. Zusammen mit dem Kloster ist auch die private Residenz des religiösen Führers der Mongolei entstanden. 50 Jahre später kam der Vajradhara-Tempel hinzu, 1869 folgte der Zuu- und 1913 der große Avalokitesvara-Tempel. Ein 1925 zu Ehren des gerade verstorbenen Achten Jebtsundamaba Khutuktu errichteter Tempel dient heute als Klosterbibliothek.

Dies stellte das vorläufige Ende des Ausbaus dar, denn in den 1930er Jahren wurden landesweit nahezu alle Tempel und Klöster zerstört, ein Schicksal, dem lediglich das Gandan-Kloster entgehen durfte. Es wurde nur sechs Jahre später restauriert und wiedereröffnet, als der US-amerikanische Außenminister den Wunsch äußerte, bei seiner Reise in die Mongolei ein buddhistisches Heiligtum zu besichtigen. Das Gandan durfte bis zum Ende der Mongolischen Volksrepublik fortbestehen, allerdings mehr als Geschichtsmuseum, denn als lebendiges Kloster. Zu Mönchen durften sich nur zuverlässige Kader der Mongolischen Revolutionären Volkspartei ausbilden lassen.

Nach der demokratischen Transformation wurden zunächst alle Beschränkungen für Pilgerreisen zum Tempel aufgehoben. Zudem sollten wieder richtige Mönche die Hallen gestalten und buddhistische Riten feiern. Der wichtigste Schritt zur Revitalisierung war die Rekonstruktion der 26,5 Meter hohen Avalokitesvara-Statue, die im Jahre 1938 von den Kommunisten abgebaut und eingeschmolzen worden war. Die neu gegossene Statue nahm die Gesichtszüge des 1925 verstorbenen Achten Jebtsundamba Khutuktu auf. Sie wurde nach Spendensammlungen im In- und Ausland 1996 fertiggestellt und ist nun die höchste in einer Halle aufgestellte Statue der Welt – mit mehr als 2.000 Edelsteinen besetzt und vollständig blattvergoldet.

Das Gandan-Kloster befindet sich nicht im unmittelbaren Stadtzentrum, sondern deutlich östlich davon etwa auf Höhe des Hauptbahnhofs. Von der Straße des Friedens als der zentralen Ost-West-Achse Ulaanbaatars zweigt in Richtung Norden eine breite Allee ab, die direkt auf das Kloster zuführt. Das Gelände liegt inmitten eines Jurtendistrikts. Es lässt sich vom Zentrum aus auch fußläufig erreichen, allerdings bringt dieser Spaziergang keine sonderlich reizvollen Eindrücke.

Hauptportal des Gandan-Klosters.

Winterpalast des Bogd-Khan

Der Palast liegt im Süden der Stadt jenseits der Friedensbrücke über die Gleisanlagen der Transmongolischen Eisenbahn und den Selbe-Fluss. Er wurde zwischen 1893 und 1903 erbaut und diente dem Achten Jebtsundamba Khutuktu als Residenz. Dieser wiederum war der letzte König der Mongolen und auch der erste Herrscher einer wieder unabhängig gewordenen Äußeren Mongolei. Der gesamte Komplex ist eine der wenigen historischen Sehenswürdigkeiten, die nicht von den Stalinisten zerstört worden sind und der einzige erhaltene von ehemals vier Stadtpalästen des Bogd Khan. Neben der Palastanlage selbst ist die einzigartige Sammlung mongolisch-buddhistischer Kunst erwähnenswert.

Das Areal besteht aus insgesamt 20 Gebäuden. Darunter sind der Winterpalast selbst, das Tor von Frieden und Glückseligkeit, der Kühlende Pavillon sowie sechs Tempel. Jedes dieser Gebäude ist mit hochqualitativen buddhistischen Kunstwerken verziert bzw. eingerichtet. Darüber hinaus sind der Thron und das Bett des Bogd Khan sehenswert, seine Kunstsammlung, eine Jurte für besondere Zeremonien aus dieser Zeit und ein Paar feierliche Stiefel, die ihm von Zar Nikolaus II. geschenkt worden waren.

Das Areal liegt etwas außerhalb der Stadt nicht weit entfernt vom Nationalstadion. Mittlerweile hat sich die Gegend zu einem beliebten Ausgehviertel entwickelt.

Bogd-Khan-Palast im Süden der Stadt.

Chojin-Lama-Tempel

Dieser Komplex schließt direkt südlich an den Sukhbaatar-Platz an. Er besteht aus sechs Tempeln, die seinerzeit vom jüngeren Bruder des Achten Jebtsundamba Khutuktu bewohnt wurden. Die zwischen 1904 und 1908 erbaute Anlage überstand die antibuddhistischen Übergriffe der 1930er Jahre nur aufgrund der Fürsprache enger Berater Khorloogiin Tschoibalsans. 1938 wurde sie in ein Kunstmuseum überführt und konnte auf diese Weise die gesamte realsozialistische Phase überleben.

Der Haupttempel beherbergt eine Statue von Shakyamuni und eine des namensgebenden Choijin Lama zu dessen Rechten. Zudem können verschiedene historische Instrumente, Thangka-Gemälde, Seidenstickereien, Holzschnitzereien und eine große Sammlung von Tanzmasken bestaunt werden.

Im Zuu-Tempel versinnbildlichen verschiedene Statuen aus Papiermaché den Buddha der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Auf den Wänden sind die Schüler Buddhas verewigt, mit vier Maharadschas als deren Schutzpatrone.

Der Yidam-Tempel wurde vom Choijin Lama dereinst als Gebetshalle genutzt und ist daher bis heute für die Öffentlichkeit geschlossen.

Der vierte Tempel ist Zanabazar gewidmet, dem Begründer der Gelugpa-Schule in der Mongolei.

Rund um den Tempel herum erstreckt sich das Geschäfts- und Finanzviertel der mongolischen Hauptstadt, sodass das vergleichsweise kleine Areal als Oase der Kontemplation und Meditation wirken kann.

Der Chojin-Lama-Tempel grenzt direkt an die Innenstadt.

Zaisan

Ein Siegesmonument durfte in keiner sozialistischen Hauptstadt fehlen. Dies galt von Ost-Berlin über Prag, Budapest, natürlich Moskau, bis nach Ulaanbaatar. Schließlich waren mongolische Truppen an der Abwehrschlacht gegen die Nazis und am folgenden Vormarsch auf Berlin beteiligt. Zudem ereignete sich schon im Vorfeld des Großen Vaterländischen Krieges die Schlacht am Khalkhiin Gol, mit der erfolgreich die japanische Expansion nach Nordasien gestoppt werden konnte.

Das Kriegerdenkmal Ulaanbaatars steht im äußersten Süden der Stadt jenseits des Tuul-Flusses und am Fuße des heiligen Bogd-Khan-Massivs.

Hoch oben auf dem Hügel stellt ein kreisrundes Panaromabild verschiedene Szenen der „Freundschaft zwischen den Völkern der Sowjetunion und der Mongolei“ dar. Man kann den Berg über Treppen von ganz unten erklimmen oder bis zu einem Parkplatz auf halber Höhe fahren. Deutlich beeindruckender als das Panaromabild ist die Sicht. Da sich der Hügel im äußersten Süden erhebt, lässt sich die gesamte Stadt in einem Blick erfassen.

Am nördlichen Fuß des Hügels ist auf einem Podest ein Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg ausgestellt. Darüber befindet sich eine Karte, die den Weg der entsprechenden Panzerbrigade von Moskau nach Berlin nachzeichnet.

Auf mittlerer Höhe hat jüngst eine große Shoppingmall ihre Pforten geöffnet. Rundherum haben sich verschiedene Ausflugslokale niedergelassen.

Etwas westlich des Zaisan wurde – als Geschenk der Republik Korea – vor einigen Jahren eine große vergoldete Buddhastatue errichtet.

Recht versteckt liegende Treppen führen vom Gipfel auch an den südlichen Fuß des Hügels, wo sich ein kleines Wohnviertel ausbreitet.

Insgesamt hat sich die Gegend rund um den Zaisan in den vergangenen Jahren als beliebtes Ausflugsziel der Hauptstädter etabliert.

Blick vom Zaisan-Berg auf Ulaanbaatar.

Gorkhii-Terelj-Nationalpark (Ausflug)

Das Gelände im Nordosten der Stadt gehört zum Khentii-Gebirge und wird geprägt von den Flüssen Tuul und Terelj. Aus der Stadt kommend, zweigt nach etwa 40 Kilometern in Richtung Osten linkerhand eine Straße in den Park ab. Nach weiteren fünf Kilometern führt eine Brücke über den Tuul-Fluss, wo man an einer kleinen Rangerstation eine geringe Nationalparkgebühr entrichten muss.

An den Hängen eines weiten Tales locken dutzende Jurtencamps Touristen aus dem In- und Ausland an. Der Gorkhii-Terelj-Nationalpark hat sich zur meistbesuchten Attraktion der gesamten Mongolei entwickelt. Das gründet nicht nur in der landschaftlichen Schönheit, sondern vor allem in der leichten Erreichbarkeit aus der Hauptstadt. Tatsächlich liegen die meisten Jurtencamps noch innerhalb der administrativen Grenzen Ulaanbaatars. Ohne längere Anreise lässt sich hier eine typisch mongolische Landschaft genießen, wobei die gesamte Szenerie mittlerweile stark touristisch geprägt ist.

Das macht die Hänge der Khentii-Berge, die ausgedehnten Wiesen und die Flusstäler von Terelj und Tuul aber keineswegs weniger schön. Wer nur kurz in der Mongolei ist, für den ist ein Ausflug in den Nationalpark ein Muss. Um die prägende Nomadenkultur der Mongolei authentisch zu erleben, finden sich in der Weite des Landes sicher geeignetere Orte.

Doch selbst im Gorkhii-Terelj-Nationalpark liegen noch einige unerschlossene Gebiete. Man muss nur weit genug fahren. Nur der südlichste, noch zu Ulaanbaatar gehörige, Teil des Parks ist touristisch erschlossen. Hier liegen der berühmte Schildkrötenfelsen, der Felsen des lesenden Lamas sowie der vor einigen Jahren restaurierte Ayarpala-Tempel mit seiner beeindruckenden Aussicht über das Tal. Der Gorkhiin Davaa-Pass markiert die Grenze zwischen Ulaanbaatar und dem Tow-Aimak. Dahinter wird es deutlich ruhiger. Bis ins etwa fünf Kilometer entfernte Dörfchen Terelj führt eine befestigte Straße. Terelj liegt im Tal des gleichnamigen Flusses und lohnt schon deshalb den kurzen Weg aus dem benachbarten Touristenkomplex. Mit einem geländegängigen Fahrzeug lässt sich die Region immer weiter in Richtung Norden und entlang des Terelj-Tales erschließen. Der Reisende stößt immer weiter in die Einsamkeit der Khentii-Berge vor. Mit jedem Kilometer werden die Jurtencamps weniger, lässt man die Zivilisation hinter sich und dringt in die Bergtaiga ein, die sich von hier in Richtung Nordosten über tausende von Kilometern bis an den Pazifik erstreckt.

Die üblichen Aktivitäten in den Khentii-Bergen sind Bergwandern, Klettern und Angeln. Im südlichen, noch zu Ulaanbaatar gehörigen, Teil des Parks gibt es mittlerweile eine dichte Infrastruktur an Bars, Restaurants und sogar Diskotheken. Je weiter man in den Norden vordringt, desto stärker ist man auf sich allein gestellt. Ab dem Dorf Terelj wird ein geländegängiges Allradfahrzeug nötig.

Blick vom Ayrapala-Tempel auf das Tal von Terelj.

Bogd Khan Uul (Ausflug)

Das Bogd Khan-Massiv ist eines der ältesten Naturreservate der Welt. Schon im 13. Jahrhundert wurde der Berg für heilig erklärt. 1778 bestimmten die Mönche der Region das Massiv zu einem Naturpark mit strengem Schutzstatus. Das widerrechtliche Betreten wurde mit drakonischen Strafen belegt. 1996 wurde der Bogd Khan Uul von der UNESCO zum Biosphärenreservat erhoben. Der Kernbereich ist streng geschützt, die äußeren Bereiche dürfen für Aktivitäten genutzt werden, die mit der Natur in Einklang stehen.

Der Bogd Khan Uul ist an seinem höchsten Punkt 2.256 Meter hoch und stellt somit die höchste Erhebung des gesamten Stadtgebiets dar. Heute können die Besucher einige bemerkenswerte Hiking- und Reitwanderpfade genießen. Im Winter lockt am Nordabhang ein neu eröffnetes Skigebiet.

Auf dem Gelände des Schutzgebietes haben sich in den vergangenen Jahren einige Jurtencamps etabliert, die in den Sommermonaten Übernachtungen für Touristen anbieten. Dies gilt insbesondere für den Nordabhang unmittelbar südlich von Ulaanbaatar sowie für den Westabhang in Richtung Flughafen. Die nördliche Seite ist bewaldet und bietet beeindruckende Blicke auf Ulaanbaatar. Die südlichen Hänge sind hingegen spärlicher bewachsen und bestehen zu großen Teilen aus blankem Fels. Von Zuunmod aus ist es möglich, das Massiv in einer Tagestour zu durchwandern. Die zu durchlaufende Strecke ist mit etwa 30 Kilometer nicht besonders lang, beinhaltet aber einige schwere Steigungen. Nur wenige Straßen führen in den Berg hinein. Die höheren Gefilde sind für motorisierte Fahrzeuge gänzlich gesperrt.

Im heiligen Bogd-Khan-Massiv.

Dschingis-Khan-Statue-Komplex (Ausflug)

Mitten in der Steppe eröffnet sich direkt neben der Straße zwischen Ulaanbaatar und Öndörkhaan ein erstaunlicher Anblick. Die Aufmerksamkeit wird von einem riesigen, silbrig in der Sonne schimmernden Reiterstandbild Dschingis Khans gefangen. Das 40 Meter hohe Monument steht auf einem selbst schon dreistöckigen Rundbau, in dem sich ein Museum, einige Shops und ein Restaurant befinden. Über einen Fahrstuhl und Treppen ist es möglich, durch die Brust des Pferdes auf eine Aussichtsplattform auf dessen Mähne zu steigen. Man hat dann Dschingis Khan im Rücken und vor sich die weite Steppe an den Ufern des Tuul-Flusses. Die Legende besagt, dass Dschingis Khan hier eine goldene Reitpeitsche gefunden habe. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Lage direkt an der Straße nicht weit von Ulaanbaatar und vor allem in der Nähe des überaus stark frequentierten Gorkhii-Terelj-Nationalparks den Ausschlag gab. Administrativ gehört der Komplex noch zu den Gemarkungen der Stadt Ulaanbaatar, deren Zentrum in nordwestlicher Richtung etwas mehr als 50 Kilometer entfernt liegt.

Rund um die Statue sind zweihundert Jurten in Form eines im Mittelalter oft genutzten Brandzeichens angelegt. Insgesamt soll der Komplex etwas mehr als vier Millionen US-Dollar gekostet haben – eine Summe, die vollständig von einem mongolischen Touristikveranstalter aufgebracht wurde. Entsprechend erinnert das Gelände eher an einen Themenpark als an ein historisches Museum. Ausländischen Touristen bietet sich die Möglichkeit, gegen Entgelt die wichtigsten mongolischen Traditionen auszuprobieren. Bogenschießen, Reiten im mongolischen Sattel, die Zubereitung von Airag, eine Übungsstunde an der Pferdekopfgeige, die Anprobe mongolischer Trachten, das Betreten einer Palastjurte, das Stelldichein mit einem Adler und weiteres mehr. Das Museum konzentriert sich auf das 13. und 14. Jahrhundert und zeigt Alltagsgegenstände aus dieser Zeit. Am anderen Ende des die Statue umgebenden Themenparks liegt ein etwas kleineres Standbild mit dem Konterfei von Hoelun, der Mutter Dschingis Khans.

Die höchste Reiterstatue der Welt.

Im Themenpark selbst, in dessen unmittelbaren Nähe und im nicht weit entfernten Gorkhii Terelj-Nationalpark bieten etliche Jurtencamps Übernachtungen für Touristen an.

Tow-Aimak

Ähnlich wie das Land Brandenburg die deutsche Hauptstadt umschließt, umgibt der Tow-Aimak die mongolische Kapitale Ulaanbaatar. Hinsichtlich der Fläche liegt Tow mit 74.000 Quadratkilometern im Mittelfeld der mongolischen Aimaks. Gleiches gilt für die Einwohnerzahl von 93.000. Obwohl sich der Aimak rund um das einzige urbane Zentrum der Mongolei erstreckt, ist die Bevölkerungsdichte mit 1,3 Einwohnern pro Quadratkilometer vergleichsweise niedrig. Deutlich geringer, als beispielsweise im nordmongolischen Selenge-Aimak oder im westmongolischen Bayan-Ölgii-Aimak. Ethnisch stellen Khalkha-Mongolen etwa 95 Prozent der Bevölkerung. Burjaten und Kasachen sind mit einem Anteil von jeweils einem Prozent die größten Minderheiten.

Auf recht kleiner Fläche vereint Tow ganz unterschiedliche Landschaftsformen. Im Nordosten dominieren die bewaldeten Khentii-Berge. Hier liegt mit dem 2.800 Meter hohen Asralt Khairkhan der höchste Punkt des Gebirges sowie des gesamten Aimaks. Im Nordwesten und Westen erstreckt sich eine wellige Bergsteppe, die vom längsten Fluss der Region durchzogen wird. Der Tuul entspringt in den Khentii-Bergen, passiert südlich die Stadt Ulaanbaatar und mündet im nördlich angrenzenden Selenge-Aimak in den Orkhon. Im Süden reichen bereits die Ausläufer der Wüste Gobi in den Aimak hinein. Dementsprechend unterschiedlich ist auch die Bevölkerung verteilt. Der Großteil lebt entweder im unmittelbaren Umfeld der Stadt Ulaanbaatar oder aber nördlich davon. Der Süden ist weit weniger besiedelt.

Hauptwirtschaftszweig ist die Viehwirtschaft. Viele Menschen arbeiten zudem in den Industrieanlagen in und um Ulaanbaatar oder auch im Dienstleistungsgewerbe. In Bezug auf Letzteres nimmt der Tourismus einen wachsenden Stellenwert ein. Die Nachfrage steigt über sämtliche Sparten hinweg – von der Naherholung der Hauptstädter bis hin zu geführten Touren für ausländische Reisende. Hier profitiert der Aimak indirekt von den extrem schlechten infrastrukturellen Voraussetzungen in der Mongolei sowie der eigenen landschaftlichen Vielfalt. Im Tow-Aimak ist es möglich, auf kleinem Raum und mit wenig Aufwand einen Eindruck von einem großen Land und seiner reichen Kultur zu erhalten. Das Klima weist im mongolischen Vergleich keine wesentlichen Besonderheiten auf, ist stark kontinental geprägt, wobei der Hauptniederschlag in den kurzen Sommern fällt. Infrastrukturell profitiert Tow von der zentralen Lage rund um Ulaanbaatar. Sämtliche Relationen aus der Hauptstadt heraus in die regionalen Zentren durchschneiden den Aimak, sodass der Anteil asphaltierter Straßen nirgendwo so hoch ist wie hier. Im Einzelnen sind dies die Straße nach Tschoibalsan in Richtung Osten, jene nach Choir und Sainshand in Richtung Südosten, die stringent nach Südwesten führende Relation nach Mandalgovi und Dalanzadgad, die nach Westen strebenden Trassen nach Kharkhorin und Bayannuur sowie die Strecke nach Darkhan und zur russischen Grenze im Norden. Des Weiteren ist auch der Batsumber-Sum im Norden des Aimaks über eine asphaltierte Straße mit Ulaanbaatar verbunden.

Die Transmongolische Eisenbahn durchschneidet den Aimak von Nordwest nach Südost. Allerdings halten innerhalb des Aimaks nur innermongolische Züge. Größere Bahnhöfe gibt es nicht. Rund um Ulaanbaatar soll in den kommenden Jahren eine Art S-Bahn-System implementiert werden, die dazu nötigen Vorarbeiten stehen allerdings aus. Ähnliche Verzögerungen haben sich auch beim Bau des neuen internationalen Flughafens ergeben. Dieser ist nur 15 Kilometer südöstlich der Aimak-Hauptstadt Zuunmod entstanden.. Im Gegensatz zum vorherigen Flughafen liegt der neue Airport nicht mehr in den Gemarkungen der Stadt Ulaanbaatar, sondern eben im Tow-Aimak. Insbesondere für die Aimakhauptstadt Zuunmod mit ihren derzeit 18.000 Einwohnern verbinden sich damit enorme Potentiale. Die Zuwegung per Straße und Schiene muss jedoch noch vollendet werden. Ergänzend wurde eine U-Bahnlinie geplant, die, vom neuen Flughafen ausgehend, die gesamte Stadt Ulaanbaatar von Ost nach West erschließen soll. Allerdings wurden diese Planspiele aufgrund der aktuellen Haushaltskrise erst einmal verschoben.

Ein weiteres Großprojekt steckt ebenfalls in einem äußerst frühen Stadium. Im Jahre 2014 gewann der Entwurf eines Kölner Architekten den Wettbewerb um den kompletten Neubau einer neuen, mongolischen Großstadt, in der nach Fertigstellung Regierung und Parlament sitzen sollen. Ausgewählt wurde ein Areal im Süden Ulaanbaatars nur zwölf Kilometer östlich von Zuunmod bzw. 25 Kilometer östlich des neuen Flughafens. Das Zentrum Ulaanbaatars ist 30 Kilometer Luftlinie und etwa 50 Kilometer Straßenlänge entfernt. Hier sollte eine moderne, energieneutrale und nahezu autofreie Großstadt für annähernd 300.000 Menschen entstehen. Dazu war geplant, im Süden des Areals ausgedehnte Felder anzulegen, die zum einen den Bedarf der Bewohner decken und zum anderen dem Vordringen der Wüste Gobi Einhalt gebieten sollen. Ursprünglich wurde von einer Fertigstellung im Jahr 2024 ausgegangen. Bis dato ist jedoch nur das Fundament einer überdimensionalen Buddha-Statue gegossen worden, weshalb nicht abzusehen ist, wann und ob überhaupt dieses Projekt jemals vollendet wird.

Zuunmod und Kloster Manzushir

Die Hauptstadt des Töw-Aimaks hat derzeit etwa 13.000 Einwohner. Nach der Eröffnung des neuen Flughafens lässt sich ein rasches Wachstum auf mehr als 20.000 erwarten. Zuunmod liegt unmittelbar südlich des heiligen Bergmassivs Bogd Khan mit einer Gipfelhöhe von 2.256 Metern. Auf der anderen Seite liegt Ulaanbaatar. Die Straße dorthin muss den Berg umgehen, sodass die Fahrtstrecke von knapp 50 Kilometern deutlich länger ist, als die Luftlinie von nur 25 Kilometern. Zuunmod ist eine wohlgeordnete kleine Stadt mit all den Attributen eines Aimakzentrums. Insbesondere in den Sommermonaten wird die kleinstädtische Beschaulichkeit auch von den gestressten Hauptstädtern geschätzt, ist Zuunmod ein beliebtes Naherholungsziel. Innerhalb des Stadtzentrums lohnen das Aimakmuseum und das Daschtschoinchorlon Kloster einen Besuch. Die Hauptsehenswürdigkeit liegt jedoch sechs Kilometer nördlich am Südhang des Bogd Khan-Massivs. In einem landschaftlich reizvollen Seitental erhebt sich das im Jahre 1733 gegründete Kloster Manzushir.

Seit dem Jahre 1750 war es direkt dem Bogd Gegeen, also dem geistlichen Herrscher der Mongolei, unterstellt und geriet wohl auch deshalb in den Fokus der antibuddhistischen Pogrome der 1930er Jahre. Die Stalinisten hinterließen nur noch spärliche Reste der aus Lehm erbauten Grundmauern. Nach dem Ende der Volksrepublik wurde der Haupttempel in den 1990er Jahren wiederrichtet. Er dient heute als Museum. Daneben ist der nur noch als Ruine erhaltene Togchin-Tempel zu sehen. Am Eingang des Areals liegt ein kleines Museum, in dem unter anderem ein Gemälde zu sehen ist, welches das Kloster vor seiner Zerstörung im Jahre 1937 zeigt.

Um nach Manzushir zu gelangen, muss in Zuunmod die Straße Richtung Norden in den Nationalpark genommen werden. Der Eintritt kostet eine geringe Gebühr. Nach dem Tor sind es noch einige Kilometer bis zu einem Parkplatz mit einem Laden und einem kleinen Museum. Die letzten 800 Meter zum Kloster müssen zu Fuß zurückgelegt werden.

Ein restaurierter Tempel des Manzushir-Klosters.

Nagalkhaan Uul

Der Naturpark Nagalkhaan Uul liegt südlich der Straße zwischen Ulaanbaatar und Baganuur. Er umfasst die südlichsten Ausläufer des Khentii-Gebirges und bietet einige schöne Hiking-Routen. In das Schutzgebiet integriert ist ein Themenpark, der mit großem Aufwand die technischen, gesellschaftlichen und infrastrukturellen Gegebenheiten des 13. Jahrhunderts nachstellt. Derzeit gibt es sechs Stationen, die sich inmitten einer typisch mongolischen Steppenlandschaft verschiedenen Aspekten des Alltagslebens unter Dschingis Khan widmen. Von einer alten Poststation geht es zu den traditionellen Handwerkskünsten und weiter zur Schulbildung dieser Zeit. In einer vierten Station wird das Nomadenleben nachgestellt, die fünfte widmet sich dem Schamanismus und die sechste und letzte dem höfischen Leben rund um die Palastjurte.

Der Nagalkhaan Uul und der benachbarte Themenpark des 13. Jahrhunderts liegen etwa 80 Kilometer östlich von Ulaanbaatar. Bei dem Dorf Erdene zweigen Pisten in Richtung Süden ab. Die eine führt in den Natur- und die andere zum Themenpark. Offroad müssen jeweils zwischen 15 bis 20 Kilometer zurückgelegt werden. In der Gegend bieten mittlerweile einige Jurtencamps Übernachtungen für Touristen an.

Khustain Nuruu

Das Przewalski-Pferd wurde nach dem russischen Expeditionsreisenden Nikolai Michailowitsch Przewalski benannt. Nach einer Zentralasien-Expedition brachte er im Jahre 1873 Haut und Schädel einer bis dato völlig unbekannten Wildpferdart zurück nach Europa. In der Mongolei ist sie als Takhi bekannt und bis heute erhalten, weil einige Großgrundbesitzer sie in Gefangenschaft weiterzüchteten. Die letzten Sichtungen vollkommen freilebender Przewalski-Pferde datieren aus den späten 1960er Jahren und waren im Grenzgebiet zwischen der westlichen Mongolei und der zu China gehörenden Dzungarei zu verorten. Kurz nach dem Ende der Volksrepublik wurden einige Przewalski-Pferde wieder in ihrem ursprünglichen Habitat ausgewildert. Dazu ist westlich von Ulaanbaatar eigens ein Nationalpark ins Leben gerufen worden. Der Khustain-Nuruu liegt etwa hundert Kilometer südwestlich von Ulaanbaatar und erstreckt sich über knapp 500 Quadratkilometer. Der Tuul-Fluss schlängelt sich mitten hindurch. Betrieben wird der Park von der 2003 gegründeten privaten Khustain Nuruu-Nationalpark-Stiftung und dem Ministerium für Natur und Umwelt. Das Gelände kann mit dem eigenen Pkw auf befestigten Feldwegen erkundet werden. Je nach Jahreszeit empfiehlt es sich, hierfür einen Geländewagen zu nutzen.

Neben Wildpferden lassen sich mit etwas Glück auch Sibirische Wapitis, Mongoleigazellen, Rehe, Argali-Schafe, Sibirische Steinböcke, Wildschweine, Wölfe, Luchse, Manuls, Steppenfüchse, Rotfüchse, Dachse und Murmeltiere beobachten. Unter den 127 Vogelarten, die hier vorkommen, sind vor allem Steinadler, Bartgeier und Schwarzstörche hervorzuheben.

Der Park beginnt etwa 80 Kilometer südwestlich von Ulaanbaatar. Für die Anreise empfiehlt es sich, zunächst etwa 90 Kilometer die asphaltierte Straße in Richtung Tsetserleg und Kharkhorin zu nutzen, um sich dann für die verbleibenden zehn bis 15 Kilometer in Richtung Süden zu wenden. Dieser letzte Abschnitt muss offroad bewältigt werden. Im Park bieten mehrere Jurtencamps ihre Dienste an.

Khustain Nuruu Nationalpark. Foto: © Pierre André Leclercq

Aglag Buteeliin Khiid

Das Aglag Buteeliin Kloster gründet auf einer Initiative von Gankhuugiin Purevbat, einem bekannten Maler, Sammler und Förderer der buddhistischen Kunst in der Mongolei. Das Kloster ist im Jahre 2014 als Meditations- und Bildungszentrum entstanden. Obgleich der Tempel eine Neugründung darstellt und keine historischen Vorbilder zitieren kann, weiß er seine Besucher durchaus zu beeindrucken.

Ein Spaziergang durch das Aglag-Buteeliin-Kloster sollte sich keinesfalls auf den Haupttempel beschränken. Foto: © Zazaa Mongolia

Die Anlage erhebt sich auf einem Hügel hoch über dem Pinienwald. Vom Parkplatz muss ein steiler, etwa zehnminütiger Aufstieg bewältigt werden. Rund um das Kloster wurden einige Museen eingerichtet, in denen einerseits alte buddhistische Kunstobjekte bestaunt werden können, die andererseits aber auch an die antibuddhistischen Pogrome der 1930er Jahre erinnern. In letzterem Kontext sind unter anderem die zertrümmerten Schädel seinerzeit exekutierter Lamas zu sehen.

Nach der Besichtigung der Klosteranlage sollte man unbedingt einem ausgeschilderten Pfad folgen, der weiter den Berg hinaufführt. Dieser ist das eigentliche Highlight des gesamten Komplexes, denn Purevbat hat hier einige exklusive buddhistische Felszeichnungen hinterlassen. Zudem fügen sich verschiedene Stupas äußerst harmonisch in das Gelände und in die umgebende Natur. Beeindruckende Felsformationen lassen sich bestaunen und darüber hinaus eröffnet sich ein überwältigender Blick in die mongolische Steppenlandschaft.

Der Komplex liegt etwa hundert Kilometer nordwestlich von Ulaanbaatar nicht weit entfernt von der Straße nach Darkhan. Der Weg zum Tempel zweigt – aus Ulaanbaatar kommend – fünf Kilometer vor dem Ort Bornuur ab. Vom Parkplatz ist es nur ein kurzer Aufstieg bis zum Kloster. In der direkten Umgebung bieten verschiedene, teilweise idyllisch gelegene, Jurtencamps Übernachtungen für Touristen an.

In der näheren Umgebung lohnt der Dogen-Felsen direkt auf der anderen Seite des Berges im Tal des Iver-Flusses einen Besuch. Mit dem Auto muss der Berg umfahren werden, doch auch diese Strecke beträgt nur 15 Kilometer.