Kann endlich losgehen…

Viel zu lange ist bis auf diese Webseite nicht viel Konkretes passiert. Doch immerhin hat sich das hier – bei aller Bescheidenheit – zum umfassendsten deutschsprachigen Online-Kompendium über die Mongolei und die Mongolosphäre entwickelt. Und auch in englischer Sprache habe ich Vergleichbares noch nicht gefunden.

Der verdammte Sicherungsschein hat mich über Monate aufgehalten. Hintergrund war die Pleite des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook im Herbst 2019 und die nahezu zeitgleich einsetzende Corona-Pandemie. Das kann man der Versicherungswirtschaft nicht verübeln, doch de facto hatte diese staatliche Regulierung über lange Zeit einen Marktabschluss bewirkt und so sah sich die Bundesregierung zu einer Neuregelung veranlasst, die im November 2021 endlich in Kraft trat. Dann dauerte es seine Zeit, bis die Versicherer ihre Angebote geschnürt hatten und nachdem ich meinen Businessplan und allerlei Zahlenwerke verschickt hatte, wurde ich als Kunde akzeptiert, kann es nun endlich losgehen.

Ich will Sie mit Einzelheiten verschonen, doch im Kern geht es beim Sicherungsschein um den Schutz der Kundengelder und um den garantierten Rücktransport, falls der betreffende Reiseveranstalter in Insolvenz gehen sollte. Die Notwendigkeit für eine derartige Regelung wurde seitens der Politik in den 1990er Jahren erkannt, als medial intensiv über einzelne Touristengruppen berichtet wurde, die an verschiedenen Mittelmeerorten gestrandet waren und den Rücktransport selbst organisieren mussten. Nun kann man darüber streiten, ob sich der Staat für jedes noch so kleine Lebensrisiko zuständig fühlen muss bzw. ob sich dieses nicht auch kundenseitig absichern lässt, doch das ist müßig, denn mittlerweile wird die Regelung EU-weit in nationales Recht umgesetzt, ist eine Abkehr hiervon nicht sehr wahrscheinlich. Was allerdings nicht sein kann, ist, dass derlei Vorgaben zu einem Ausschluss neuer Anbieter führen. Und wenn es die Versicherungswirtschaft nicht leisten kann, dann muss halt der Staat einspringen, anstatt mich und andere monatelang auf dem Trockenen sitzen zu lassen. Doch genug der Jammerei. Jetzt habe ich ihn und niemand, der bei mir bucht, muss um Geld und Sicherheit fürchten. Das Unternehmen ist angemeldet, besitzt eine Steuernummer, ein Geschäftskonto, die Kundengelder sind abgesichert, einen Stempel gibt’s auch. Und so langsam scheint sich auch dieses andere Problem zu lösen, welches den Tourismus seit mehr als zwei Jahren belastet.

Omikron wälzt sich durch ganz Europa, ist hochansteckend, kann aber auch den Beginn in die endemische Phase markieren. Ich sehe auch keine Alternative zu derlei Zweckoptimismus. Es ist und bleibt mein Herzensprojekt und als freier Journalist und Schreiberling kann ich mich eine Weile über Wasser halten. Viel Arbeit ist schon investiert worden und keinesfalls darf Schluss sein, bevor es überhaupt losgegangen ist. Nach den Recherchereisen der vergangenen Jahre kann ich behaupten, sämtliche in den Reiseprogrammen verzeichnete Orte aus eigener Anschauung zu kennen.

Die Mongolei war etwas schwieriger als andere Destinationen. Das hatte ich einerseits erwartet, weil ich die allzu planlose Mentalität der Menschen dort kenne. Andererseits war es ärgerlich, weil ich gerade zu diesem Land eine intensive Beziehung pflege und es doch im Zentrum meiner Aktivitäten stehen sollte. Inmitten der Pandemie und bei weitgehend abgeriegelten Grenzen war es mir aus Berlin heraus nicht möglich, seriöse Partner zu finden. Da konnten mir auch die vielen familiären und freundschaftlichen Kontakte nicht helfen. Immerhin jedoch habe ich auf diesem Wege meine Informationen auf den neuesten Stand bringen können, weiß nun genau, wo welche Jurtencamps zu finden sind und wie sich die Straßen- und Wegeinfrastruktur in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Meine Programme basieren also auf dem absolut neuesten Stand, fraglich war jedoch, wer sie umsetzen soll.

Insbesondere die Verhandlungen mit den Jurtencamps stellten sich als schwierig heraus, weil Kontaktdaten, Preise und Belegungen nicht transparent waren und ich nicht selten das Gefühl hatte, als Nachfrager aus dem Ausland einen Extraaufschlag in Kauf nehmen zu müssen. Nicht viel anders war es mit den Fahrern, deren Zuverlässigkeit ich aus der Ferne nicht beurteilen konnte. Meine Lehre war, dass es ohne einen touristisch erfahrenen und in der Betreuung ausländischer Gäste versierten Partner vor Ort nicht geht. Ich hatte lange vergeblich gesucht, doch spät, aber nicht zu spät, traf ich bei meinen Recherchen auf Katja Müller-Morgenstern, die selbst in der Mongolei geboren wurde, mittlerweile im nahen Potsdam wohnt, mit ihrem „Mongolei-Reisebüro“ einige Jahre als Veranstalterin aktiv ist und die oben beschriebene Person schon gefunden hatte. Ich wollte in die Mongolei und sie nach Sibirien, die Chemie stimmt und so entschlossen wir uns zu einer Kooperation. Gemeinsam wollen wir im Sommer die ersten Gäste an den Baikal und in die Mongolei bringen. Den Kaukasus werde ich derweil weiter alleine beackern.

Putins Krieg und Ostwärts Reisen

Doch dann entschied sich der russische Diktator Putin zu diesem brutalen Überfall auf die Ukraine. Hier ist ausführlich beschrieben, was ich davon halte. Für Ostwärts Reisen ergeben sich gravierende Konsequenzen. Wir haben uns bewusst gegen einen Boykott Russlands entschieden, was hier eingehend begründet wird. Allerdings ist dieser Schritt eher von symbolischer Natur, erscheint es bis auf Weiteres unwahrscheinlich, geführte Reisen an den Baikal und in die zu Russland gehörenden südsibirischen Republiken durchführen zu können. Nicht nur das. Auch das Marketing für die Mongolei und insbesondere den Kaukasus ist massiv betroffen, weshalb ich an dieser Stelle ausdrücklich versichern will, dass dies sichere und hochspannende Reiseziele sind. Mit gastfreundlichen Menschen, einem bemerkenswerten kulturellen Reichtum und fantastischen Landschaften. Nicht nur meinetwillen, sondern auch im Interesse der lokalen Anbieter vor Ort möchte ich Ihnen Reisen dorthin intensiv ans Herz legen. Generell aber leidet der Tourismus im gesamten Raum zwischen Berlin und Peking marketingtechnisch massiv unter Putins Krieg.

Für Russland und Deutschland gilt, dass gute partnerschaftliche Beziehungen beiden dienlich wären. Das ist Fakt. So schwer es auch immer sein mag. Allerdings kann und darf dies nicht zulasten der mittel-/osteuropäischen Völker gehen, muss in Russland Vieles aufgearbeitet werden, bevor das Land wieder ein akzeptierter Partner in Europa sein kann.

Ostwärts Reisen will baldmöglichst an den Baikal und nach Sibirien zurückkehren, weil wir dort gute Partner gefunden haben und an die positiven Wirkungen eines nachhaltigen und sanften Tourismus glauben. Nicht zuletzt im Sinne der Völkerverständigung.

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