Adlerjagd

Die traditionelle Adler- und Falkenjagd wird von den Turkvölkern der Steppe schon seit Jahrhunderten gepflegt. In der Mongolei trifft dies vor allem auf die kasachische Volksgruppe im äußersten Westen des Landes zu.

Das Festival des Goldenen Adlers hat als kleine Veranstaltung in der Stadt Ölgii begonnen, konnte durch verschiedene Medienberichte bis heute aber weltweites Renommee erlangen. Zuletzt durch den US-amerikanischen Dokumentarfilm „The Eagle Huntress“, der den journalistischen Standards einer Dokumentation zwar nicht gerecht wird, aber immerhin eine berührende Geschichte in prachtvoller Landschaft zu erzählen weiß.

Jedes Jahr im Herbst treffen sich die besten Adlerjäger zu ihrem Kräftemessen. Preise werden unter anderem vergeben für das zielgenaue Ansteuern einer imitierten Beute, für die möglichst schnelle Rückkehr von einem weit entfernten Punkt zum jeweiligen Jäger und auch für das beste Outfit.

Airag

Airag gilt als mongolisches Nationalgetränk. Es ist vergorene Stutenmilch mit dem Alkoholgehalt eines leichten Bieres, schmeckt äußerst säuerlich und wird bei europäischen Zungen in der Regel nicht auf allzu viel Gegenliebe stoßen. Am bekömmlichsten ist Airag, wenn er sich noch in der Gärung befindet, denn danach steigt der Säuregehalt deutlich an. Dementsprechend ist das Getränk nicht sehr lange haltbar. Üblicherweise wird es in einem Lederbeutel aufbewahrt, der mit einem Holzstab traktiert wird, um die Flüssigkeit in Wallung zu halten und die Gärung anzukurbeln.

Altai

Der Altai bildet den nördlichen Abschluss des riesigen zentralasiatischen Hochgebirgsgürtels und erstreckt sich im südlichen Sibirien rund um das Vierländereck zwischen Kasachstan, Russland, China und der Mongolei. Der höchste Gipfel, die Belukha, liegt auf der russisch-kasachischen Grenze. Der Khuiten-uul als zweithöchster Punkt ist hingegen Teil der mongolisch-chinesischen Grenze und markiert den höchsten Berg der Mongolei.

Die maximalen Höhen liegen bei viereinhalbtausend Metern, was in etwa dem Niveau der europäischen Alpen entspricht. Der kasachische und auch der russische Altai sind vergleichsweise grün, während die mongolischen Anteile im Regenschatten des Gebirges liegen. Nach Südosten geht das Gebirge in den Gobi-Altai über und läuft schließlich in der mongolischen Hochebene aus.

Kulturell ist von Bedeutung, dass hier bereits im Altertum asiatische und europäische Kulturen zusammentrafen und somit den Grundstock für die altaiische Sprachenfamilie bildeten, die sich heute von Sarajewo bis nach Tokyo erstreckt.

Angara

Die berühmte einzige Tochter von Vater Baikal, die er über alles liebte. Und als sie sich dann doch dem Recken Jenisej hingeben wollte, soll der Papa aus Zorn einen Stein nach der Tochter geworfen haben, der sich als sogenannter Schamanenfelsen dort erhebt, wo die Angara aus dem See herausfließt.

Die Angara verbindet über knapp 1.800 Kilometer den Baikal mit dem Jenisej, der wiederum in den Arktischen Ozean mündet und das weltweit fünftgrößte Flusssystem markiert.

Die Angara zählt zu den am stärksten zur Energiegewinnung genutzten Flüsse überhaupt. Zuerst wird sie in Irkutsk und dann in einem ungleich größeren Projekt bei der Großstadt Bratsk angestaut.

BAM

Das Akronym steht für die Baikal-Amur-Magistrale und bezeichnet eines der größten verkehrspolitischen Projekte der Sowjetzeit. Ziel war es, die Transsibirische Eisenbahn zu entlasten, die Strecke zum Pazifik zu verkürzen, Nordsibirien zu erschließen und die reichen Rohstoffquellen besser anzubinden. Die Arbeiten begannen zu Beginn der 1970er und konnten gegen Ende der 1980er Jahre weitgehend abgeschlossen werden, wiewohl noch immer die ursprünglich geplante Verlängerung auf die Pazifikinsel Sakhalin aussteht.

Die Strecke ist knapp 4.000 Kilometer lang und führt durch weitgehend unbesiedeltes Gebiet. Größte Stadt am Schienenweg ist Bratsk mit seinen 250.000 Einwohnern. Rund um die Nordküste des Baikal mussten hohe Gebirge überwunden werden, wobei in diesem Zusammenhang bei der Siedlung Seweromuisk der mit knapp 15 Kilometern längste Eisenbahntunnel Russlands entstanden ist.

In den wirtschaftlich krisenhaften 1990er Jahren wurde die BAM bereits als Fehlinvestition abgeschrieben, doch mit der Erschließung neuer Rohstoffvorkommen in Jakutien und dem nördlichen Burjatien ist die Transportleistung jüngst wieder gestiegen.

Banja

Der Begriff bezeichnet gleichzeitig die klassische russische Dampfsauna und ein Badehaus. Auf dem Land kommt die Banja zumeist als einstöckiger Holzbau daher, mit drei voneinander abgetrennten Räumen zum Schwitzen, zum Waschen und zum Erholen. Grundsätzlich ähnelt die Banja der finnischen Sauna, wobei in Russland etwas stärker auf bis zu hundert Grad Celsius geheizt wird.

Es ist üblich, sich während der Prozedur gegenseitig mit eingeweichten Birkenzweigen, den sogenannten Wenik, zu peitschen.

In Russland wird strikt nach Geschlechtern getrennt, gemischte Banjas sind äußerst ungewöhnlich.

In vielen Städten und Gemeinden wirken die Banjas als Ort des gesellschaftlichen Austauschs, sind prägend für die russische Wohnkultur und zumeist in größeren Badehäusern untergebracht.

Bogenschießen (mongolisch)

Das Bogenschießen zu Pferde war das Geheimnis hinter der rasanten Expansion des mongolischen Weltreiches. Heutzutage werden die Wettkämpfe allerdings zu Fuß ausgetragen und sind unter anderem Teil der alljährlichen Naadam-Feierlichkeiten. Die derzeit genutzten Bögen stellen eine Mischform aus den traditionellen mongolischen Bögen und Einflüssen der Mandschu dar. Sie werden aus Bambus gefertigt und mit Horn an den Enden verstärkt. Die Sehne stammt meist von Pferden. Die Pfeile mit einer Länge von etwa 75 Zentimetern werden aus Weidenzweigen und Geierfedern gefertigt, die Pfeilspitze hingegen aus Knochen und Messing.

Beim mongolischen Bogenschießen wird die Sehne nur durch den Daumen gespannt, während der Pfeil durch Mittel- und Zeigefinger fixiert wird. Dies ermöglicht einen besonders ausgreifenden Armzug und eine schnelle Abfolge präziser Schüsse. Die Schützen tragen dabei üblicherweise einen Daumenring.

Boke

Das mongolische Ringen oder auch boke ist noch vor dem Reiten die klassische mongolische Sportart. Schon in der Grundschule werden die Jungen in den Pausen aufgefordert, ihre Kräfte zu messen. Auf dem Land ist das Ringen ein wesentlicher Teil der Alltagskultur. Neuankömmlinge müssen sich regelmäßig darauf gefasst machen, zu einem Kampf aufgefordert zu werden, was ausdrücklich auch für Ausländer gilt.

Das Besondere am mongolischen Ringen ist der Umstand, dass die Kämpfe weder räumlich durch eine Matte oder einen Ring und auch nicht zeitlich durch Runden oder eine bestimmte Kampfeslänge begrenzt sind.

Die Regeln sind einfach. Verloren hat derjenige, der den Boden mit einem anderen Körperteil als den Füßen berührt. Gegriffen werden darf am ganzen Körper. Würgen und Schlagen sind verboten. Der Kampfrichter wird darauf achten, dass die Kontrahenten ständig einander greifen. Eine Einordnung in unterschiedliche Gewichtsklassen wird nicht vorgenommen.

Die traditionelle Ringerkleidung besteht aus kurzen enganliegenden Shorts und einer langärmligen Jacke, die zur Brust hin offen ist und am Rücken unter dem Schulterbereich abschließt. Als Kampfschuhe werden die traditionellen Stiefel der Nomaden getragen.

Ein wesentliches Element des boke ist der sogenannte Adlertanz, den die Kämpfer vor der Auseinandersetzung aufführen und mit dem der Sieger seinen Triumph begeht. Der Verlierer muss unter dem ausgestreckten Arm des Siegers hindurchgehen.

Weil simples Herausdrängen aus einem eng begrenzten Bereich nicht zum Erfolg führen kann, ist das mongolische Ringen äußerst anspruchsvoll, legt großen Wert auf Hebel- und Wurftechniken, was wiederum Perspektiven für verwandte Sportarten bereithält, bei denen mongolische Sportlerinnen und Sportler mittlerweile erfolgreich reüssieren.

Der japanische Sumoverband rekrutierte seit den 1990er Jahren zunehmend mongolische Kämpfer, um den erheblichen Nachwuchssorgen im eigenen Land zu begegnen und weiterhin ein hohes sportliches Niveau aufrechterhalten zu können. Dies hat bis heute zu einer unvergleichlichen mongolischen Dominanz in diesem urjapanischen Sport geführt. Während mongolische Kämpfer in den vergangenen 20 Jahren 88 Titel bei den sechs jährlichen Sumoturnieren gewannen, entfielen auf japanische Sumotori nur 23 Erfolge. Jeweils einmal konnten ein Georgier, ein Este und ein Bulgare sowie viermal ein Samoaner gewinnen. Der Erfolg der mongolischen Ringer speist sich aus der technischen Versiertheit, die sie in die Lage versetzte, weitaus schwerere Gegner durch die Anwendung von Wurf- und Hebeltechniken auszumanövrieren.

Hakuho (mong. Monkhbatyn Davaajargal) und Asashoryu (Dolgorsürengiin Dagvadorj) sind bzw. waren die erfolgreichsten mongolischen Sumoringer. Der eine steht kurz vor dem Ende seiner Karriere und der andere wurde im Jahre 2010 vom Sumoverband zum Rücktritt gedrängt, nachdem er an einer Schlägerei im Tokyoter Ausgehviertel Roppongi beteiligt war. Hakuho ist mit bisher 42 Titeln der erfolgreichste Sumotori aller Zeiten. Asashoryu liegt mit 25 Titeln immerhin auf Platz vier der ewigen Bestenliste.

Die Technikaffinität des mongolischen Ringens hat auch im Judo bemerkenswerte Erfolge gezeitigt. Auf internationalem Niveau ist Judo mittlerweile der medaillenträchtigste Wettkampfsport für die Mongolei. Seit Athen 2004 konnten mongolische Judoka bei allen Olympischen Spielen Medaillen erringen.

Mongolische Ringer. Foto: © istolethetv

Buuz

Buuz, gedämpfte Teigtaschen, die zumeist mit Schafsfleisch gefüllt sind, gehören zu jedem mongolischen Gastmahl und werden zu besonderen Feierlichkeiten in Unmengen zubereitet, aufgetischt und verzehrt. Auch in den benachbarten südsibirischen Republiken sind Buuz das beliebteste Gericht der regionalen Küche und erfreuen sich mittlerweile auch bei der russischstämmigen Bevölkerung großer Beliebtheit.

Chacha

Der georgische Weinbrand wird meist aus Weintrauben, manchmal auch aus Früchten und zumeist in Eigenproduktion gebrannt. Chacha wird pur getrunken, am besten eiskalt und mit einer Zitronenschale garniert.

Deel

Der Deel ist das traditionelle Kleidungsstück der Mongolen und wird üblicherweise zusammen mit den traditionellen mongolischen Stiefeln (gutul) getragen. Unter den Nomaden auf dem Land ist er weiterhin die vorherrschende Kleidung. In der Hauptstadt Ulaanbaatar hingegen dominiert westliche Mode.

Der Deel ähnelt einem Übermantel, der nicht in der Mitte geknüpft, sondern eng um den Träger gezogen und durch einen meist aus Seide gefertigten Gürtel in der Mitte zusammengehalten wird. Er hat lange Ärmel und einen hohen Kragen. Am oberen Ende wird der Deel zusätzlich durch einige Schlaufen und Knöpfe in Form gebracht. Die Ärmel sind weit gehalten, was die Hände sowohl vor der Kälte als auch vor Verletzungen schützen soll. In den meisten Fällen sind die Deels aus Schafswolle geschneidert. Für besonders festliche Anlässe wird auch Seide verwendet.

Jede ethnische Gruppe in der Mongolei nutzt ein eigenes spezifisches Design. Die Deels können sich somit in Schnitt, Verzierung oder Farbe erheblich voneinander unterscheiden. Sie werden zudem zu verschiedenen Anlässen genutzt, was die Variationsbreite nochmals erhöht. Es gibt Deels für die tägliche Arbeit, aber auch solche für Hochzeiten, Beerdigungen etc. Vor der Gründung der Mongolischen Volksrepublik repräsentierten die Deels auch unterschiedliche soziale Schichten.

Im Grundsatz lassen sich drei verschiedene Kategorien unterscheiden: Der „dan deel“ ist aus leichten und hellen Stoffen gefertigt und wird von Frauen vor allem in den Sommermonaten getragen. Der „terleg“ ist deutlich dicker und wird von beiden Geschlechtern genutzt. Der Winter-Deel ist noch massiver und verwendet zusätzlich einige Schichten aus Schafsleder. Deels für Männer sind etwas weiter geschnitten, als solche für Frauen. Die typischen Farben für den Alltag sind grau, blau oder braun. Ein festlicher Deel ist deutlich aufwendiger und farbenfroher.

Dschingis Khan

Temujin – der spätere Dschingis Khan – durchlebte in seiner Jugend massive Armut und große Unsicherheit. Nach einem Überfall wurde er von den früheren Alliierten seines Vaters entführt und versklavt. Er entkam jedoch und konnte zu seiner Familie zurückkehren. Aufgrund seiner königlichen Abstammung, seiner Reputation und Überzeugungskraft gelang es ihm nach und nach, die zerstreuten Stämme der „Khamag Mongol“ zu einen. Wie bereits von seinem Vater arrangiert, heiratete er die Tochter eines benachbarten Stammesführers – Börte. Auch sie wurde in der Folge entführt und verheiratet, mit Hilfe seines Verbündeten Jamukha gelang Temujin aber die Befreiung. In der Folge schmiedete er ein Bündnis mit den Keraiten und gemeinsam konnten die Merkiten unterworfen werden. Der Aufstieg Temujins gefährdete die langjährige Freundschaft zu seinem äußerst ambitionierten Blutsbruder Jamukha. Im Jahre 1186 wurde Temujin zum Khan aller Mongolen gewählt. Als Reaktion griffen die Truppen Jamukhas mit ihren 30.000 Männern die Armee Temujins an. Temujins Truppen unterlagen und der gerade gewählte Führer aller mongolischen Stämme musste für mehrere Jahre ins Exil. 1197 initiierten die Jin einen Angriff auf ihre früheren Vasallen – die Tataren. Temujin führte einen Teil der Truppen und konnte mit Hilfe der Jin wieder den Status eines Khan erlangen. In vielerlei Hinsicht brach Temujin mit mongolischen Traditionen. So vergab er Macht und Posten nicht nach Herkunft, sondern nach Verdiensten und Loyalität. Seinen Untergebenen wurde ein fairer Anteil an kommenden Raubzügen versprochen. Unterworfene Stämme wurden nicht vertrieben, sondern unter Schutz gestellt und in bestehende Hierarchien integriert. 1201 gelang es, die alten Rivalen Toghrul und Jamukha zu schlagen. Temujin wurde zum Großkhan aller mongolischen Stämme gewählt und trug seitdem den Titel Dschingis Khan. Er setzte den Grundstein für das Mongolische Weltreich, das größte Imperium der Menschheitsgeschichte. Sowohl Geburts- als auch Bestattungsort werden in der Nähe des Burkhan Khaldun in den Khentii-Bergen vermutet, sind aber konkret nicht bekannt.

Dschingis Khan oder mit seinem Geburtsnamen Temujin schuf die Basis für das größte Weltreich der Menschheitsgeschichte.

Elektritschka

Eine Mischung aus S- und Regionalbahn, die in den Metropolregionen Russlands als wichtigste Verbindung zwischen den Vororten und den Stadtzentren dient. Sie schließen zumeist an den größeren Ringbahnhöfen an und bringen täglich hunderttausende Pendler aus dem suburbanen Raum in die Stadt und wieder zurück.

Geländereiten (mongolisch)

Pferde spielen in der mongolischen Kultur eine enorm wichtige Rolle. Sie dienen als Arbeits- und Transporttiere sowie als Nahrungsquelle. Das mongolische Pferd ist deutlich kleiner und widerstandsfähiger als seine europäischen Artgenossen. Und das muss es auch sein, weil es selbst die strengsten Wintertemperaturen ohne Schutz überstehen und sich seine Nahrung selbst suchen muss.

Dennoch sind sich die Nomaden der Rolle ihrer Pferde für die Bewahrung von Kultur und Lebensweise sehr bewusst. Kein Tier, kein Himmelskörper, kein Landschaftsmerkmal und kein Familienmitglied wird in den traditionellen Liedern so gepriesen wie das Pferd. Dementsprechend beliebt und angesehen ist der Reitsport. Im Regelfall besitzt jede Familie eines oder zwei Pferde, denen sie besonders zugetan ist und die eine spezielle Wertschätzung und Pflege erhalten. Sie zeichnen sich durch ausgeprägte Sensibilität sowie durch Kraft und Ausdauer aus. Die enge Verbindung zu ihren Pferden hat die mongolischen Nomaden zu einer reiterischen Exzellenz gebracht, wie sie keinem anderen Kulturkreis derart flächendeckend attestiert werden kann. Kinder werden oft schon vor den ersten eigenen Schritten aufs Pferd gesetzt. Spätestens mit drei, vier Jahren haben sie sich zu versierten Reitern entwickelt.

Das Zaumzeug in der Mongolei besteht nahezu ausschließlich aus Rohleder und ist deutlich leichter als beispielsweise in Europa. Die Sättel werden meist nur in einer Größe gefertigt und können im Regelfall auch für Yaks und Kamele genutzt werden. Sie ähneln einem Holzgerüst, welches nach vorne und hinten durch hohe Pauschen abgeschlossen wird. Dazwischen befindet sich eine vergleichsweise kleine Sitzfläche. Die Steigbügel sind kurz und so geschaffen, dass das Pferd auch ohne die Nutzung der Hände gesteuert werden kann. Die mongolischen Sättel gelten ausländischen Reitfreunden als ausgesprochen unbequem. Allerdings nehmen mongolische Reiter eine gänzlich andere Haltung ein, lehnen eher in ihren Sätteln, als dass sie darauf sitzen.

Mongolische Pferde werden meist erst im Alter von drei Jahren eingeritten. Für besonders talentierte Fohlen gilt dies jedoch nicht. Die Züchter werden schon nach wenigen Monaten versuchen, sie an Reiter zu gewöhnen. Pferderennen gibt es im ganzen Land. Es sind wichtige lokale Ereignisse, bei denen die Gemeinschaft der Nomaden einer Region zusammenkommt. Je nach Altersklasse und Geschlecht der Pferde gibt es verschiedene Kategorien. So laufen zweijährige Pferde eine Strecke von zehn bis zwölf Kilometern, während die Rennen der Siebenjährigen über annähernd 30 Kilometer geführt werden. Die Gewinner der lokalen und regionalen Wettbewerbe qualifizieren sich für das mongolische Derby, welches der Höhepunkt der jährlichen Naadam-Feierlichkeiten in Ulaanbaatar ist. Gelaufen wird nicht in Stadien oder auf abgegrenzten Bahnen, sondern mitten durch die Steppe. Definiert werden lediglich der Startpunkt und das Ziel. Auf welchen Wegen Letzteres erreicht wird, bleibt Pferd und Jockey überlassen. Geritten werden die mongolischen Rennpferde zumeist von Kindern im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren. Zusammen mit ihren Pferden haben sie sich monatelang auf das Rennen vorbereitet. Der Sieg oder eine gute Platzierung bringen vor allem dem Züchter ein hohes Prestige. Den Pferden winken zumindest fantasievolle Ehrentitel. So gilt der beste siebenjährige Hengst als „Führer der Zehntausend“. Der Reitsport in der Mongolei beschränkt sich nahezu ausschließlich auf das Distanzreiten. Spring- oder Dressurreiten sind nahezu unbekannt.

Vorbereitung auf den Wettkampf. Foto: © Fan 111

Gelugpa

Den ersten Kontakt mit der buddhistischen Lehre gab es schon vor der mongolischen Staatswerdung. Die Xiongnu, die Xianbei und die Göktürken wurden allesamt aus Nepal heraus missioniert und errichteten bereits buddhistische Tempel. Mit diesen frühen Reichen verschwanden allerdings auch deren Glaubensvorstellungen aus der Mongolei. Die zweite Welle der buddhistischen Missionierung war deutlich nachhaltiger. Dieses Mal kam der Einfluss aus Tibet. Im 16. Jahrhundert breitete sich die Gelugpa-Sekte massiv in der Mongolei aus. Die Mönche schlossen ein Bündnis mit Altan Khan, welches ihm die religiöse Legitimation für seine imperialen Ansprüche einräumte und die buddhistische Sekte im Gegenzug unter Schutz und Patronat stellte. Altan gab dem tibetischen Führer den mongolischen Titel Dalai Lama, an dem auch seine Nachfolger bis heute festhalten. Zum Oberhaupt der mongolischen Gläubigen wurde der Mönch Zanabazar erklärt, dem der Ehrentitel Jebtsundamba Khutuktu verliehen wurde. Die buddhistischen Mönche führten einen langwierigen Kampf gegen den Schamanismus und übernahmen von diesem die Rolle als Heiler, Wahrsager und Abgabenempfänger. Sie stellten zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu vollständig die intellektuelle Elite der Mongolei, sammelten sämtliches Wissen in ihren Klöstern und übten massiv weltliche Macht aus. Wie Tibet auch, lässt sich die mongolische Gesellschaft dieser Zeit als feudale Theokratie bezeichnen.

Ger (Jurte)

Die mongolische Jurte ist die klassische Behausung der Nomaden und nach wie vor prägend für das mongolische Landleben.

Der Holzrahmen besteht aus vier oder fünf schulterhohen Scherengittern, die auseinandergezogen, aneinandergebunden und zusammen mit dem immer nach Süden weisenden Türrahmen im Kreis aufgestellt werden. In der Mitte tragen zwei Pfosten einen runden Dachkranz, der über Stangen mit dem Wandgitter verbunden wird. In den Türrahmen wird eine feste, hölzerne Tür eingesetzt.

Die Konstruktion ruht heute meist auf einem Brettergestell und nicht mehr auf dem Steppenboden.

Die Abdeckung besteht aus mehreren Schichten – zuerst ein dünnes, helles Baumwolltuch, darauf eine dicke Lage aus Wollfilz zur Wärmedämmung, die im Winter durch drei oder vier weitere Lagen Filz ergänzt wird. Zur Abdichtung wird ein imprägniertes Segeltuch verwendet, das zumeist von einem Ziertuch auf der Außenseite abgeschlossen ist.

In der Mitte der Jurte findet sich ein kleiner Herd, dessen Ofenrohr durch die Krone ragt, ohne die Stoffabdeckung zu berühren.

Am Rand stehen Betten, die tagsüber als Sitzgelegenheit dienen, und ein oder zwei Kommoden. Die Einrichtung spiegelt die soziale Ordnung der Familie wider. Jedem Bewohner ist sein Platz zugewiesen. Raumaufteilung und Ausstattung sind hoch optimiert, um auf begrenztem Raum Kochen, Arbeiten, Wohnen und Schlafen zu ermöglichen. Eine Vielzahl von Verhaltensregeln ist zu beachten. Die Einfacheren verlangen, dass man eine Jurte mit dem rechten Fuß betritt ohne die Schwelle zu berühren, sich im Inneren nicht länger als notwendig stehend aufhält und sich nicht zwischen den beiden Pfosten bewegt.

Mongolische Jurte

Gobi

Gobi ist im Mongolischen kein Eigenname, sondern die allgemeine Bezeichnung für das karge Ödland im Süden des Landes und der angrenzenden Inneren Mongolei.

Geografisch ist das Gebiet nicht klar konturiert. In der weitesten Definition subsumiert der Begriff den gesamten Trockengürtel Zentralasiens, vom Pamir im Westen bis zur Mandschurei im Osten. Gobi beschreibt demnach den Raum zwischen den Steppen des Nordens, der Hochebene von Tibet im Südwesten sowie den fruchtbaren Teilen Ostchinas. Tatsächlich ist die Gobi zum überwiegenden Teil keine reine Sandwüste, sondern vielmehr eine monotone Halbwüste oder Wüstensteppe. Nur drei Prozent der Fläche sind von jenen Sanddünen bedeckt, die weithin mit dem Begriff Wüste assoziiert werden. Im Mongolischen werden sie mit „els“ bezeichnet und begrifflich von der übrigen Ödnis geschieden.

In der Mongolei erstreckt sich die Gobi über den gesamten Süden des Landes. Eine natürliche Grenze bilden die Steppen des Ostens und des Nordens sowie die Bergländer im Westen. Das Klima ist kontinental mit erheblichen Temperaturunterschieden zwischen Winter und Sommer. Insbesondere die Winter sind außerordentlich trocken. Der meiste Niederschlag fällt zwischen April und Juni. Topografisch ist das Gebiet größtenteils flach, geht nur im Westen langsam in die Berge des Gobi-Altai über.

Bevölkerungsgeografisch gehört die Gobi zu den am dünnsten besiedelten Regionen der Welt. Sainshand ist mit etwa 30.000 Einwohnern die größte Stadt und befindet sich unmittelbar an der Bahnlinie zwischen Ulaanbaatar und Peking. Touristisches Zentrum ist jedoch Dalanzadgad mit seinen 15.000 Einwohnern. Die Stadt liegt nahe der wichtigsten touristischen Highlights, den Dünen von Khongoryn Els, der Bergkette Gurvan Saikhan, einer Fundstelle prächtig erhaltener Saurierknochen in Bayanzag und dem Wüstenwald Togrogyin shiree.

GUM

Das Gosudarstvenny Universalny Magazin – zu Deutsch: Staatliches Kaufhaus und kurz: GUM – ist der prächtigste Einkaufstempel Russlands und der gesamten postsowjetischen Sphäre.

Das Gebäude wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert im Stil des Historismus geschaffen und schließt den Roten Platz an seiner Ostseite ab.

Der 250 Meter lange und knapp hundert Meter breite Innenraum beherbergt auf drei Etagen rund 200 separate Ladenlokale. Drei Längs- und drei Querpassagen sind in den Obergeschossen durch Brücken und Galerien miteinander verbunden.

Während der Stalin-Zeit blieb das GUM über Jahre geschlossen, wurde aber unter seinem Nachfolger Nikita Chruschtschow wieder aktiviert. Heute befindet es sich im Besitz der Stadt Moskau.

Einst unter dem Zaren als Handelszentrum gegründet, ist das GUM heute ein mondänes Shoppingparadies. Foto: © A. Savin

Gutul

Die typischen mongolischen Stiefel sind zu den Zehen nach oben geschwungen, damit die Füße der Reiter nicht aus den Bügeln herausrutschen. Sie sind gefertigt aus dickem und recht steifem Leder. Die Schafte können mit einigen Applikationen dekoriert sein. Rechter und linker Stiefel sind formgleich. Es gibt weder Schnürsenkel, noch Reißverschlusse.

Für festliche Anlässe bleibt es bei diesem Grundmuster. Hinzu kommen aber in leuchtenden Farben gehaltene Überzüge, kunstvolle Silberapplikationen und Stickereien.

Hüte (mongolisch)

Hüte sind außerordentlich verbreitet in der traditionellen mongolischen Kleidung. Je nach Anlass und Träger gibt es eine große Bandbreite verschiedener Formen und Muster. Die Farbgebung rekurriert auf das Geschlecht, den gesellschaftlichen Status oder auf die Stammeszugehörigkeit des Trägers oder der Trägerin. Für die verschiedenen Jahreszeiten oder bestimmte festliche Anlässe werden unterschiedliche Kreationen gefertigt. Insgesamt gibt es über 400 Stile.

Typisch für Frauenhüte ist ein langer kegelförmiger Aufsatz. Zudem sind sie deutlich farbenfroher gestaltet, als Männerhüte. Seit einigen Jahren erfreuen sich auch Hüte amerikanischer Machart großer Beliebtheit in der Mongolei und sind vor allem auf dem Land mittlerweile recht häufig zu sehen.

Hymne der Mongolei

Die Nationalhymne ist im Jahre 1950 entstanden. Die äußerst eingängige Melodie stammt von den Komponisten Bilegiin Damdinsüren und Luwsandschambyn Mördordsch. Der Text hat sich im Zuge der vielen politischen Umwälzungen mehrfach geändert.

Heute lautet er wie folgt:

Дархан манай тусгаар улс
Даяар Монголын ариун голомт
Далай их дээдсийн гэгээн үйлс
Дандаа энхжиж, үүрд мөнхөжнө
Хамаг дэлхийн шударга улстай
Хамтран нэгдсэн эвээ бэхжүүлж
Хатан зориг, бүхий л чадлаараа
Хайртай Монгол орноо мандуулъя
Өндөр төрийн минь сүлд ивээж
Өргөн түмний минь заяа түшиж
Үндэс язгуур, хэл соёлоо
Үрийн үрдээ өвлөн бадраая
Эрэлхэг Монголын золтой ардууд
Эрх чөлөө жаргалыг эдлэв
Жаргалын түлхүүр, хөгжлийн тулгуур
Жавхлант манай орон мандтугай

Darchan manai tusgaar uls
Dajar Mongolyn ariun golomt
Dalai ich deedsiin gegeen üils
Dandaa enchdschidsch, üürd mönchödschnö
Chamag delchiin schudarga ulstai
Chamtran negdsen ewee bechdschüüldsch
Chatan dsorig, büchiil tschadlaaraa
Chairtai Mongol ornoo manduulja
Öndör töriin mini süld iweedsch
Örgön tümnii mini dsaja tüschidsch
Ündes jadsguur, chel sojoloo
Üriin ürdee öwlön badraaja
Erelcheg Mongolyn dsoltoi arduud
Erch tschölöö dschargalyg edlew
Dschargalyntülchüür, chögdschliin tulguur
Dschawchlant manai oron mandtugai

oder in der Übersetzung:

Unsere standhafte unabhängige Nation
Heiliges Erbe aller Mongolen
Gute Taten der ganzen Welt
Immer stabil, bestehe für ewig
Mit allen ehrbaren Nationen der Welt
Stärken wir unsere Beziehungen
Mit unserem ganzen Willen und unserer Kraft
Lasst uns unsere geliebte Mongolei entwickeln
Das Symbol unserer großen Nation segnet
Das Schicksal des Volkes bestätigt
Unsere Ahnen, Kultur und Sprache
Lasst sie uns für ewig blühend in Ehren halten
Strahlende Völker der tapferen Mongolei
Habt Freiheit und Glück
Schlüssel zum Glück, Pfad zum Wohlstand
Unser großes Land gedeihe

Text und Melodie fand ich äußerst überzeugend, weil sie den Behauptungswillen einer kleinen und stolzen Nation spiegeln, dabei aber auf militärisches Pathos und jedweden Paternalismus verzichten.

Hier ein Link zu einer besonders schönen Pop-Version:

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Jebtsundamba Khutuktu

Das ist der Ehrentitel des religiösen Führers der mongolischen Buddhisten, der die Reinkarnation des Mönchs Taranatha bezeichnet, der die Jonang-Schule des tibetischen Buddhismus begründete. Als erster durfte der Zanabazar diesen Titel führen, der die Mongolei erfolgreich für die Gelugpa-Schule missionierte.

Der achte Jebtsundamba Khutuktu wurde nach der Unabhängigkeit der Äußeren Mongolei zum theokratischen Führer des Landes erkoren, später jedoch von den Kommunisten entmachtet und sollte bis zu seinem Tod nur noch repräsentativen Pflichten genügen.

Zudem wurde erklärt, dass es keine weiteren Reinkarnationen geben würde. Der seinerzeitige Dalai Lama wählte aus dem fernen Tibet zwar einen Mönch als neunte Reinkarnation aus, doch der sollte erst in hohem Alter das erste Mal die Mongolei bereisen, bevor er im Jahre 2012 verstarb. Der aktuelle Dalai Lama zeigte sich bei seinem Besuch in der Mongolei im Jahre 2016 überzeugt, dass ein zehnter Jebtsundamba Khutuktu bereits geboren worden sei. Seine Auswahl und religiöse Anerkennung hätten vermutlich erhebliche diplomatische Verwerfungen mit der Volksrepublik China zur Folge.

Der achte Jebtsundamba Khutuktu und erste Führer einer unabhängigen modernen Mongolei.

Jurtencamp

Die traditionelle Wohnkultur der Nomaden ist in der Mongolei so ausgeprägt wie in keinem anderen Land der Welt und lässt sich in der weiten Steppe mit den vereinzelten Jurten sehr gut nachvollziehen. Natürlich wohnt dem aus europäischer Perspektive eine gewisse Romantik inne, doch es ist vor allem in den extremen Wintern vermutlich nicht immer gemütlich und manchmal auch etwas eng.

Jedenfalls bietet sich sowohl für ausländische Gäste, als auch für Inlandstouristen aus Ulaanbaatar eine hervorragende Möglichkeit, in dieses Leben einzutauchen. Das sind die überall im Lande aus dem Boden sprießenden Jurtencamps. Hotels sind rar gesät und so ist dies – abseits vom eigenen Zelt – die übliche Unterkunft für Feriengäste. Eine größere Palastjurte dient als Kantine, manchmal gibt es einen Sanitärbereich für die individuelle Hygiene, oft aber auch nicht. Strom sollte man ebenfalls nicht immer erwarten, doch gerade in den Sommermonaten erscheint dies durchaus erträglich. Zumal die Atmosphäre mit den anderen Gästen und nachts unter dem einzigartigen Sternenhimmel jedweder Beschreibung entsagt.

Khinkali

Teigtaschen sind die übergreifende Klammer des ehemaligen Ostblocks. Von den polnischen Piroggen, den russischen Pelmeni bis zu den mongolischen Buuz. Khinkali stechen besonders hervor, wie viele Features der georgischen Küche, der im gesamten post-sowjetischen Raum intensiv und mit Recht gehuldigt wird.

Die Form gleicht ziemlich genau dem Tempodrom, einer Berliner Veranstaltungshalle, die vor ein paar Jahrzehnten nach dem Vorbild eines Zirkuszeltes mit hoch aufragendem Dach gestaltet wurde. Das obere Ende wird kaum gedünstet, ist entsprechend hart und dient lediglich als Griff, um sich auf diese Weise über den Rest der Teigtasche hermachen zu können.

Die Füllung aus Rinder- oder Schweinehack wird mit Zwiebeln, Knoblauch, Pfeffer und Salz gewürzt. Oft werden frischer Koriander, Petersilie oder Kümmel zugegeben. Andere Khinkali werden mit Käse und Schmand gefüllt.

Khinkali – die äußerst populären georgischen Teigtaschen. Foto: © Sandra C.

Khorkhog oder das Lamm in der Milchkanne

In gleich große Teile und am Knochen belassenes Lammfleisch, welches mit Hilfe heißer Steine gegart wird. Dazu wird das Fleisch in ein verschließbares Metallgefäß – üblicherweise eine Milchkanne – gepackt, in die dann auch die vorher über dem offenen Feuer erhitzten Steine gegeben werden. Das Ganze wird in der Erde vergraben, um eine bis anderthalb Stunden vor sich hin zu garen. Nach dem Ausgraben werden die noch immer heißen Steine eine schwarze Färbung erhalten haben und es soll gesund sein, sie von Hand zu Hand zu werfen.

Das Lammfleisch hat in diesem Prozess jedwede strenge Note verloren und schmeckt wunderbar weich. Unbedingt sollt man auch vom Fleischsud kosten.

Khoshuur

Khoshuur sind fladenartige Teigtaschen, die zumeist mit Schafsfleisch gefüllt sind und in Schafsfett frittiert werden.

Kommunalka

Das sind Gemeinschaftswohnungen, die in der Sowjetzeit aus Mangel an Wohnraum staatlich propagiert wurden und sich nicht selten in herrschaftlichen Apartments ausbreiten, die ursprünglich für eine viel geringere Zahl an Bewohnern konzipiert wurden.

In Sankt Petersburg lebt noch immer ein Fünftel der Menschen in Kommunalkas und auch der heutige Präsident Wladimir Putin ist in diesem Umfeld aufgewachsen Im Gegensatz zu den Wohngemeinschaften in Berlin und anderen europäischen Metropolen leben in den Kommunalkas zumeist mehrere Familien zusammen, die sich ein Bad und eine Küche miteinander teilen. Insgesamt weckt das Konzept nostalgische Assoziationen an die in der Erinnerung vieler Russen weithin verklärte Sowjetzeit.

Kura (Mtkvari)

Der mit Abstand längste Fluss des Kaukasus entwässert fast komplett die drei kaukasischen Staaten Georgien, Armenien, Aserbaidschan und dazu weite Teile der Nordosttürkei. Die Kura entspringt unweit des türkischen Kars, richtet sich zunächst nordwärts, um im Kleinen Kaukasus die Grenze nach Georgien zu passieren und hinter Borjomi das Hochgebirge zu verlassen. Bei Stalins Geburtsstadt Gori wendet sich der Fluss nach Südosten, durchströmt die georgische Hauptstadt Tiifis und tritt über nach Aserbaidschan. Dort wird er zunächst im Mingacevir-See aufgestaut, mäandert durch die Steppen Aserbaidschans und mündet nach knapp 1.400 Kilometern Lauf in einem Delta 150 Kilometer südlich von Baku ins Kaspische Meer.

Auf georgisch trägt der Fluss den Namen Mtkvari und bewässert das Hauptsiedlungszentrum des Landes rund um Tiflis. Wichtigste georgische Nebenflüsse sind der Aragvi und der Alazani. Insgesamt ist jedoch der Aras der längste Zufluss, der sich entlang der türkisch-armenischen und dann der aserbaidschanisch-iranischen Grenze zieht, um sich später auf aserbaidschanischem Territorium kurz vor deren Mündung mit der Kura zu vereinigen.

Der Oberlauf der Kura (georgisch: Mtkvari) in der Nähe des Höhlenklosters Vardzia.

Lapscha

Ist ein russischer Suppentopf, der es auch in der Mongolei zu großer Beliebtheit gebracht und die nicht allzu vielseitige mongolische Speisekarte um eine Variation erweitert hat. Es ist im Prinzip eine Nudelsuppe mit Geflügeleinlage, verschiedenen Gemüse und Sahne. In der Mongolei wird der Begriff oftmals einfach synonym für jede Art von Suppe verwendet, sodass nicht sicher ist, dass man das soeben Beschriebene auch bekommt.

Loblieder

Vor allem auf dem Land wird in der Mongolei zu jeglichen Anlässen oft und gerne gesungen. Hier dominieren Loblieder, die wahlweise die weite Steppe, den unendlichen Himmel und in aufsteigender Wertigkeit den Vater, die Mutter und zuvorderst die Pferde preisen. Von diesen Volkwaisen ist auch der äußerst populäre mongolische Schlager inspiriert, der noch immer höhere Verkaufszahlen erreicht, als die meisten koreanischen, US-amerikanischen oder europäischen Stars.

Marschrutka

Diese Sammeltaxis finden sich eigentlich überall zwischen Warschau und Ulaanbaatar. Lediglich im östlichen Mitteleuropa haben sie in den vergangenen Jahren etwas an Bedeutung verloren.

Es sind privat betriebene Taxis, die allerdings im Linienverkehr agieren, somit eine feste „Marschroute“ haben und auf diese Weise die übrigen ÖPNV-Angebote ergänzen. Losgefahren wird erst, wenn ausreichend Sitzplätze belegt sind. Festgeschriebene Haltstellen gibt es nicht, sodass die Marschrutki oftmals schneller sind, als Busse oder Straßenbahnen. Angehalten wird erst, wenn es einer der Fahrgäste ausdrücklich wünscht oder jemand von der Straße aus zusteigen möchte.

Marschrutka von innen. Hier im ukrainischen Lwiw. Foto: © Boevaya mashina

Metro

Die Metros sowjetischer Bauart unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von meiner heimischen U-Bahn in Berlin. Es gibt immer nur zwei Zugänge. Einer vorne und einer hinten am Bahnsteig. Keine Treppen, dafür endlose Rolltreppen, die von einem bis zwei Posten „bewacht“ werden. Oben auf der Straßenebene befinden sich die Zugangsschranken, die nur durch Einwurf eines vorher erworbenen Jetons oder durch das Scannen des Abo-Tickets überwunden werden können.

Unten angekommen, strahlen die einzelnen Stationen in einer geradezu grotesken Pracht, was vor allem auf die Moskauer und die Sankt Petersburger Metro zutrifft. Und auch ansonsten ist alles außerordentlich gepflegt und sauber.

Die Züge sind extrem laut, dafür aber schnell. Unterhalten kann man sich zwar nicht, doch man kommt rasch ans Ziel.

In Moskau wird die Metro täglich von zweieinhalb Millionen Menschen genutzt. Mit 276 Stationen auf einer Netzlänge von mehr als 400 Kilometern ist die Moskauer Metro das größte U-Bahnsystem Europas und auch weltweit ganz weit vor zu finden.

Die alten sowjetischen U-Bahnen finden sich auch in Sankt Petersburg, Nizhny Novgorod, Novosibirsk, Samara, Jekaterinburg, Kiew, Tiflis, Jerewan, Baku und Taschkent. In Kazan und Almaty sind jeweils kurz nach der Jahrtausendwende neue Metrosysteme entstanden.

Metro in Sankt Petersburg

MIAT

Die staatliche mongolische Airline wurden in den 1950eer Jahren mit massiver sowjetischer Hilfe aufgebaut. Die aktuelle Flotte besteht aus sechs Flugzeugen – allesamt vom Hersteller Boeing – mit einem Durchschnittsalter von etwa zehn Jahren.

In den 1990er Jahren kam es zu einer Häufung von Unglücksfällen, doch seitdem die altersschwachen russischen Maschinen ersetzt wurden und zunehmend in die Wartung investiert wurde, sind derartige Desaster ausgeblieben. Vor der Corona-Pandemie wurden von Ulaanbaatar aus Seoul, Busan, Peking, Tokyo, Hongkong, Bangkok, Moskau, Frankfurt am Main und Berlin angeflogen.

Mit der Eröffnung des neuen Flughafens von Ulaanbaatar will sich die Airline im ostasiatischen Markt etablieren. Schließlich gibt es nun endlich einen Transferbereich und liegt Ulaanbaatar fast auf direktem Wege zwischen Mitteleuropa und Ostasien.

Hoffentlich profitiert davon auch der Wettbewerb für Flüge in die Mongolei, denn aktuell verlangt MIAT für ein Hin- und Rück-Ticket deutlich mehr, als man für die signifikant längere Strecke in eine der ostasiatischen Metropolen aufbringen muss.

Musik (mongolisch)

Dieses karge Land mit seinem extrem harschen Klima besitzt eine bemerkenswert reichhaltige und vielfältige Musiktradition. Eine eher klassische Form ist das sogenannte Langlied, das so heißt, weil die einzelnen Silben extrem lang ausgesungen werden. Ein vierminütiges Stück kann daher mitunter aus weniger als zehn Worten bestehen und einzelne Lieder können sich über Stunden hinziehen.

Begleitet werden die Sänger im Regelfall von der Pferdekopfgeige und einigen traditionellen Blasinstrumenten. Vor einigen Jahren wurde das Langlied in die Liste des UNESCO-Welterbes der mündlich überlieferten und immateriellen Kulturgüter aufgenommen.

Noch bekannter in der Welt ist der mongolische Kehlkopfgesang, der allerdings nicht nur in der Mongolei, sondern in der gesamten Mongolosphäre und darüber hinaus verbreitet ist – von Tibet bis in den Fernen Osten Russlands, von Usbekistan bis zu den japanischen Ureinwohnern, den Ainu. Die Mongolei bildet jedoch recht unwidersprochen das Zentrum dieser Kunst. Die Laute werden im Kehlkopf erzeugt. Ein guter Sänger kann mehrere Töne gleichzeitig erklingen lassen und zusätzlich mit der normalen Stimme kombinieren.

Das bekannteste Instrument ist die Pferdekopfgeige, deren zwei Saiten mit einem Bogen bespielt werden. Der rechteckige oder leicht trapezförmige Resonanzkörper besteht aus einem mit Leder bespannten Holzrahmen mit einer kleinen Öffnung auf der Rückseite. Der lange Hals wird durch einen geschnitzten Pferdekopf abgeschlossen. Die Saiten und auch die Bespannung des Bogens sind aus den Schweifhaaren der mongolischen Pferde gefertigt. Weitere Instrumente sind das Shants, ein mit der Hand gespieltes Saiteninstrument, das Yoochin, welches am ehesten mit dem europäischen Hackbrett verglichen werden kann, die Khuuchir, eine einsaitige Fidel, die Yatga, eine Zither, die Everburee, ein traditionelles Holzblasinstrument, die Khel Khuur, eine Maultrommel, die Topshuur, eine dickbauchige Laute und die Bishuur, ein weiteres Holzblasinstrument, welches im Ton der Klarinette ähnelt.

Erfolgreichstes populäres Genre sind die von der klassischen mongolischen Musik inspirierten Folksongs, die in der heimischen Musiklandschaft eine ähnliche Rolle entfalten, wie Country in den USA oder Enka in Japan.

Vor allem in Ulaanbaatar hat sich in den vergangenen Jahren eine äußerst vitale Musikszene etabliert, die sich nach dem westlichen Muster in Pop, Rock, Hip-Hop und Elektro aufgliedern lässt. Hip-Hop ist sehr beliebt, in den vergangenen Jahren hat sich aber auch die mongolische Metalband The Hu einen Namen machen können und tritt mittlerweile auf großen europäischen Festivals auf. Allen Gattungen der populären Musik ist gemein, dass gerne Elemente der traditionellen mongolischen Musik als Identität vermittelndes Moment eingeflochten werden.

Naadam

Während Tsagaan sar durchaus einige Parallelen zu anderen asiatischen Neujahrsriten aufweist, ist Naadam ein genuin mongolisches Fest, das sonst nur in anderen mongolischen Nationen wie Tuwa, Kalmückien oder Burjatien begangen wird. Es findet jährlich zwischen dem 10. und dem 13. Juli statt. Der vollständige Name lautet Eriin Gurwan Naadam (die drei männlichen Spiele) und rekurriert auf die Sportveranstaltungen, die zu diesem Anlass überall im Land stattfinden. Naadam geht zurück auf die großen Klantreffen, die im Mittelalter jährlich im Sommer abgehalten wurden und gesellschaftliche Höhepunkte darstellten. Während der sozialistischen Phase wurde der 11. Juli zum Revolutions- und somit zum offiziellen Nationalfeiertag erklärt. Seit der demokratischen Transformation ist Naadam wieder hauptsächlich eine Sportveranstaltung mit allerlei traditionellem Brauchtum, ähnlich wie Tsagaan sar aber auch ein Familienfest, das Anlass bietet für große Zusammenkünfte.

Die drei traditionellen Sportarten sind Distanzreiten, Ringen und Bogenschießen. Die mongoleiweiten Wettbewerbe werden in Ulaanbaatar und lokale Wettstreite in den Aimak- und Sum-Zentren ausgetragen.

Das Distanzreiten ist in erster Linie ein Wettkampf der Züchter. Je nach Altersklasse werden die Pferde in verschiedenen Rennen mit unterschiedlichen Distanzen gruppiert. Die Jockeys sind meist Kinder im Alter zwischen fünf und 13 Jahren, die die vergleichsweise kleinen mongolischen Pferde auf den enormen Distanzen von bis zu 30 Kilometer mit ihrem Körpergewicht nicht allzu sehr belasten. Der Sieg in einem der Rennen ist für die Züchter mit hohem Prestige verbunden.

Das nationale Ringerturnier wird mit 1.024 Kämpfern in insgesamt zehn KO-Runden ausgetragen. Die Wettkämpfe sind ausschließlich Männern vorbehalten. Das an der Brust geöffnete Ringertrikot soll sicherstellen, dass diese Vorgabe auch eingehalten wird.

Vor dem Beginn der Kämpfe werden die Reiterstandarten Dschingis Khans in einer feierlichen Prozession vom Parlament zum Stadion verbracht. Die Halbfinalisten des Turniers erhalten den Titel des Elefanten (zaan). Der Sieger wird zum Löwen (arslan) ausgerufen und wenn er diesen Triumph wiederholen kann, wird er zum Titanen (avraga) erhoben.

Beim Bogenschießen gibt es unterschiedliche Wettkämpfe für Männer und Frauen. Männer schießen über eine Distanz von 75 und Frauen über 65 Meter. Getroffen werden müssen am Boden platzierte Ziele. Neben den Wettkämpfen im Distanzreiten und Ringen erfährt das Bogenschießen eine deutlich geringere Beachtung.

Begleitet werden die Wettkämpfe durch ein reiches kulturelles Rahmenprogramm aus Prozessionen, traditionellen Tänzen und viel Musik.

Eröffnung des Ringerentscheides im Nationalstadion von Ulaanbaatar. Foto: © Vidor

Niislel Salad

Am sechsten Geburtstag meiner Tochter konnte ich endlich herausfinden, was es mit dem eigentümlichen Namen „Hauptstadt-Salat“ auf sich hat. Vermutlich, weil sie mir dort derart oft kredenzt wurde, hatte ich die Mixtur aus Kartoffeln, Eiern, Gewürzgurken, Mischgemüse, Wurst und sehr viel Mayo immer für ein mongolisches Gericht gehalten und sie entsprechend angepriesen.

Dann freute sich aber der Papa von Soanas Freund Kirill über unseren „typisch russischen Kartoffelsalat“ und mir wurde klar, dass dies nur ein weiterer von so vielen Kulturimporten aus Russland in die Mongolei ist. Nach dem ursprünglichen Rezept eines Kochs am Zarenhof sollten Wachteleier Verwendung finden, die es seinerzeit nur in der damaligen russischen Hauptstadt Sankt Petersburg zu kaufen gab. Die Mongolen haben das einfach 1 zu 1 übersetzt ohne die Genesis zu kennen. So oder so mittlerweile ein Klassiker der mongolischen Küche. Die übliche und beliebteste Beilage zu den unvermeidlichen Teigtaschen. Allerdings (fast) immer mit normalen Hühnereiern.

Orkhon

Der größte Nebenfluss der Selenge hat bei seiner Einmündung eine längere Strecke durchlaufern, als der Hauptfluss selbst. Das Tal des Orkhon rund um das heutige Kharkhorin bildete das Zentrum des Mongolischen Imperiums. Nach weiteren 350 Kilometern fließt der Orkhon durch die heute zweitgrößte mongolische Stadt Erdenet, nimmt kurz hinter Darkhan den Kharaa auf und mündet in der Nähe des nordmongolischen Aimakzentrums Sukkhbaatar in die Selenge.

Die Quelle liegt mehr als tausend Kilometer südlich an der Südostabdeckung der Khangai-Berge. Nicht weit entfernt findet sich der mehr als 20 Meter tiefe Ulaan Tsutgalan oder „rote Wasserfall“, der allerdings nur in den Sommermonaten verlässlich Wasser führt.

Ganz im Norden der Mongolei mündet der Orkhon nach mehr als tausend Kilometern Lauf in die Selenge.

Ovoo

Ein typisches Zeichen des Schamanismus in der Mongolei sind die überall im Land anzutreffenden Steinpyramiden – die Ovoo. Sie markieren heilige Orte. Jeder Reisende sollte sie dreimal umrunden und eine Opfergabe hinterlassen, um die Geister um etwas Glück für den Weg zu bitten. Angesichts der katastrophalen mongolischen Verkehrsinfrastruktur kann sich das durchaus lohnen.

Ein heiliger schamanistischer Ort. Foto: © mmpos1

Rynok

Ist die klassische Markthalle, wie sie sich in jeder größeren russischen Stadt mindestens einmal finden lässt. Innendrin bestehen feste Ladenlokale und draußen bauen fliegende Händler ihre Stände auf. Auf diesen Märkten kommt das ganze Land zusammen, erhält man einen tiefen Einblick in die russische Kultur.

Sajan

Der Sajan ist Teil der sudsibirischen Gebirge und bildet als solches die Nordabdeckung des Mongolischen Hochlands. Der Westsajan erstreckt sich über 650 Kilometer im Süden der Region Krasnoyarsk, im Norden der Republik Tuwa und im Osten der Republik Altai. Höchster Gipfel ist der Kyzyl Taiga mit etwas mehr als 3.000 Metern. Unterhalb des Westsajan liegt unter anderem der Telezker See. Zwischen West- und Ostsajan schmiegt sich das Todscha-Becken mit seinen zahlreichen Seen.

Der Ostsajan zieht sich über knapp tausend Kilometer von der Region Krasnoyarsk über die Oblast Irkutsk und Teile der Republik Tuwa nach Burjatien und in die Mongolei. Direkt an der burjatisch-mongolischen Grenze erhebt sich mit dem knapp 3.500 Metern Munku Sardyk der höchste Gipfel des gesamten Gebirges. Zwischen dem Ostsajan und dem Khamar-Daban-Gebirge bildet das Tunkinsker Tal eine natürliche Verbindung zwischen dem Baikal und seinem „kleineren mongolischen Bruder“, dem Khovsgol. Hier finden sich zahlreiche Thermalquellen, um die sich – nicht weit vom nördlichen Talausgang entfernt – der Kurort Arschan gebildet hat.

Die Berge des Sajan unweit von Arschan. Foto: © Lynx4502

Schrift (mongolisch)

Die mongolische Schriftsprache wurde zuerst unter Dschingis Khan entwickelt, wozu die Lettern des benachbarten Turkvolks der Naimanen adaptiert wurden, die wiederum der uigurischen Schriftsprache entstammen, die in letzter Konsequenz auf das Aramäische zurückgeht. Die Wurzeln der mongolischen Schrift liegen also im Nahen Osten und so ist es kaum verwunderlich, dass die verschnörkelten mongolischen Buchstaben anderen Schriften dieser Region wie dem Arabischen oder dem Georgischen ähneln.

Die Schreibrichtung mongolischer Texte führt von oben nach unten und von links nach rechts. Dies ist deshalb erwähnenswert, weil alle anderen vertikalen Schriften (Japanisch, Chinesisch etc.) stets von rechts nach links gelesen werden.

Mit der neu entwickelten Schrift ist recht zeitnah das größte Werk der klassischen mongolischen Literatur verfasst worden. „Die geheime Geschichte der Mongolen“ erzählt in einem eher prosaischen und historisch nicht sonderlich akkuraten Stil den Aufstieg Dschingis Khans und die unter seiner Ägide begonnene Expansion des mongolischen Reiches. Nach dessen Zerfall dominierten in der mongolischen Schriftsprache über Jahrhunderte hinweg buddhistische Texte.

Mit Gründung der Mongolischen Volksrepublik wurde unter der Regentschaft des stalinistischen Herrschers Khorloogiin Tschoibalsan die kyrillische Schrift in der Mongolei eingeführt, die sich zur Wiedergabe der mongolischen Lautsprache nur bedingt eignet, weshalb dem Alphabet einige spezifische Vokale hinzugefügt werden mussten.

Die herrlich verschnörkelte und für kunstvolle Kalligraphien durchaus geeignete altmongolische Schrift wird heute nur noch in der zu Festlandchina gehörenden Inneren Mongolei gepflegt. Allerdings wird das Mongolische dort verstärkt vom Chinesischen verdrängt, sodass die Schrift akut vom Aussterben bedroht ist. In der unabhängigen Mongolei ist in den 1990er Jahren zwar die Rückkehr zum Altmongolischen beschlossen worden, allerdings wurde von diesem Plan angesichts der damit verbundenen horrenden Kosten bald wieder abgewichen.

Selenge

Die Selenge ist der längste Fluss der Mongolei, wenn allerdings nur der Lauf innerhalb der Mongolei gezählt wird, muss sie in dieser Kategorie hinter ihrem wichtigsten Nebenfluss, den Orkhon, zurücktreten. Von der Einmündung der Ider im östlichen Khovsgol-Aimak bis zum Baikal legt sie etwas mehr als tausend Kilometer zurück. Bezieht man die Ider als den wichtigsten Quellfluss mit ein, sind es knapp anderthalbtausend Kilometer.

Nachdem sich die Selenge kurz vor der russisch-mongolischen Grenze mit dem Orkhon vereinigt hat, fließt sie durch die burjatische Steppe, erreicht die burjatische Hauptstadt Ulan-Ude und wendet sich 40 Kilometer dahinter Richtung Westen, um bald darauf in einem riesigen Binnendelta dem Baikal zuzustreben. Die Selenge ist der bei weitem wichtigste Zufluss des Baikal, was allerdings zu schwerwiegenden ökologischen Problemen führt, weil der Fluss im Norden der Mongolei und im Süden Burjatiens sehr stark industriell genutzt wird.

Selenge in der Nähe der Stadt Selenginsk.

Skythen

Die Skythen waren eine antike Nation, die im letzten vorchristlichen Jahrtausend, den Osten Europas und die weiten Steppen Zentralasiens besiedelte.

Ihr Reich erstreckte sich von der heutigen Ukraine bis in die Mongolei. Ihr Erscheinungsbild war europäisch, weshalb die in der Mongolei gar nicht so seltenen blonden Kinder mit diesem Erbgut in Verbindung gebracht werden. In der autonomen Republik Tuwa war es deutschen Forschern vor einigen Jahren gelungen, eine unversehrte Kammer eines skythischen Königsgrabes freizulegen, was einer archäologischen Weltsensation gleichkam.

Sukhbaatar, Damdiny

Der Axtheld, so die direkte Übersetzung seines Nachnamens, gilt als Gründungsvater der sozialistischen Mongolei. 1911 trat er in die Armee der jungen Mongolischen Republik ein, wurde bald wegen fehlender Unterordnung entlassen, dann doch wieder berufen und in verschiedenen Grenzkonflikten mit der Republik China eingesetzt, wo er sich offenbar bewähren konnte. Nach einer weiteren Entlassung schloss er sich 1918 einer sowjetisch-revolutionären Gruppe an. Als der weißgardistische Warlord Ungern-Sternberg eine mongolische Monarchie unter seiner Führung proklamierte, erklärten die Kommunisten am selben Tag eine Gegenregierung und Sukhbaatar zu ihrem Vorsitzenden.

Wenig später befreiten die Kommunisten mithilfe der Roten Armee das damalige Urga und heutige Ulaanbaatar von den Weißgardisten. Der achte Jebtsundamba Khutuktu blieb formell in seinem Amt als Oberhaupt der Mongolen, de-facto konnte Sukhbaatar als Chef der neugegründeten Mongolischen Revolutionären Volkspartei jedoch die Macht an sich reißen. Er starb allerdings bald nach schwerer Krankheit und nicht Wenige vermuten, dass er vergiftet wurde.

Sukhbaatar wurde posthum zum Helden erklärt und seine Leiche in einem Mausoleum auf dem nach ihm benannten zentralen Sukhbaatar-Platz von Ulaanbaatar ausgestellt.

Seine Witwe avancierte in den 1950er Jahren zur Staatspräsidentin, womit sie die weltweit erste Frau in einem solchen Spitzenamt war.

Damdiny Sukhbaatar

Steppe

Die Eurasische Steppe erstreckt sich auf einer Länge von insgesamt 7.000 Kilometern zwischen der Mandschurei im Osten bis zur ungarischen Puszta im Westen. Es ist die größte Steppenregion der Welt und Heimat etlicher, ursprünglich nomadisch lebender, Völker. Die Mongolen und die Kirgisen sind die einzigen, die diese Siedlungsweise noch immer in einem signifikanten Ausmaß pflegen. Der Boden eignet sich nicht für den Anbau von Ackerfrüchten, weswegen vornehmlich Viehwirtschaft betrieben wird, die auch nur deshalb möglich wird, weil die Hirten mit ihren Familien von Weidefläche zu Weidefläche ziehen.

Taiga

Der boreale Nadelwald schließt nördlich an die eurasischen Steppen an und ist das mit Abstand größte zusammenhängende Waldgebiet der Erde. Die Taiga zieht sich von Skandinavien über das europäische Russland bis nach Sibirien und die Mongolei in den Fernen Osten.

Charakteristisch für die sibirische und mongolische Taiga ist der umfassende Lärchenbestand, der in den harten Wintern regelmäßig seine Nadeln verliert und damit besser an die extremen Temperaturen angepasst ist, als die immergrünen Nadelhölzer im Norden und Osten Europas.

In der Mongolei hat der Norden des Landes in den Aimaks Khovsgol, Bulgan, Selenge und Khentii Anteil an dieser Zone.

Thangka

Buddhistische Heiligengemälde, die nach genauen ikonografischen Vorgaben gestaltet sind und vor allem der tibetischen Schule entstammen, die auch für die Mongolei prägend ist. Ein Spezifikum der mongolischen Thangkas ist, dass auch Attribute des ursprünglichen Himmelsglaubens, des Tengrismus, zitiert werden.

In mongolischen Thangkas werden häufig sogenannte heilige Ort zitiert. Hier ist es der Berg Otgontenger. Foto: © Otgonbayar Ershuu

Transmongolische Eisenbahn

Die Transmongolische Eisenbahn bildet das Rückgrat des Schienenverkehrs in der Mongolei. Sie verbindet die Transsibirische Eisenbahn mit dem chinesischen Bahnsystem und führt über etwas mehr als tausend Kilometer durch die Mongolei. Dieser vornehmlich eingleisige Schienenweg wird von vielen Touristen und auch einheimischen Reisenden frequentiert und ist darüber hinaus für den Gütertransport von entscheidender Bedeutung. So werden nach Angaben des mongolischen Transportministeriums mehr als 90 Prozent des Frachttransports über die Schiene abgewickelt. Die Linie führt von Naushki/Sukhbaatar an der russisch-mongolischen Grenze über die Bergbaustadt Darkhan nach Ulaanbaatar. Weiter geht es über Choir und Sainshand durch die Wüste Gobi bis an die chinesisch-mongolische Grenze bei Zamiin-Uud/Erenhot. Auf dem Weg nach China müssen die Waggons von der russischen Breitspur auf die in China und den meisten anderen Bahnsystemen der Welt übliche Normalspur umgestellt werden. Dieser Vorgang bedingt bis zu vier Stunden Wartezeit, doch auch ohne eine Anpassung der Spurweite können die Grenzabfertigungen mehrere Stunden in Anspruch nehmen.

Speisewagen der Transmongolischen Eisenbahn.

Transsibirische Eisenbahn

Dieser Schienenweg wurde am Ende des 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert geschaffen und sollte das europäische Russland mit dem Fernen Osten verbinden. Die Strecke wurde seitdem beständig erweitert und ertüchtigt, ist bis heute die wichtigste Verkehrsachse ganz Russlands. Der Übergang am Baikal und den umgebenden Gebirgen stellte eine besondere ingenieurtechnische Herausforderung dar und bildete den letzten Lückenschluss auf dem Weg von Moskau nach Wladiwostok.

Die Strecke führt über knapp zehntausend Kilometer. Bei Orenburg zweigt die Trans-Aral- und bei Krasnoyarsk die Turkestan-Sibirische Eisenbahn jeweils ins südlich gelegene Kasachstan ab. Von Taishet aus wurde in den 1980er Jahren die Baikal-Amur-Magistrale am nördlichen Baikal vorbei in Richtung Ferner Osten geschaffen. Die Transmongolische Eisenbahn verlässt in Ulan-Ude die Transsib und führt in der Folge über Ulaanbaatar nach Peking, die Transmandschurische Eisenbahn hingegen geht kurz hinter Chita nach Südosten ab. Dieser Schienenweg, erschließt die Mandschurei und endet ebenfalls in Peking. Zu guter Letzt schließt in Wladiwostok eine Strecke in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang an, die aktuell allerdings nur für den Güterverkehr genutzt wird.

Im Inneren eines Zuges auf der Transsibirischen Eisenbahn.

Tsagaan sar

Tsagaan sar ist das mongolische Neujahr und mithin der wichtigste Feiertag im Jahreslauf. Es geht auf den traditionellen mongolischen Kalender zurück, der wiederum von den Uiguren stammt, die ihn ihrerseits aus China übernommen haben. Grundlage sind die zwölf Tierkreiszeichen, mit denen Jahre, Monate, Tage und auch Stunden benannt werden. Als Ursprung gilt das Jahr 1027. Seitdem sind 16 Zyklen über jeweils 60 Jahre abgelaufen. Die Monate unterliegen den Mondphasen. Bei Bedarf wird ein Schaltmonat eingefügt. Aufgrund dieser Berechnungsmethode variiert der Zeitpunkt von Tsagaan sar zwischen dem 24. Januar und dem 27. Februar. Grundsätzlich wird das „Fest des Weißen Mondes“ einen Monat nach dem ersten Neumond nach der Wintersonnenwende gefeiert. Über die konkrete Terminierung kreisen immer wieder theologische Dispute. Tsagaan sar kann mit dem chinesischen Neujahr zusammenfallen, muss aber nicht.

Das Fest dauert drei Tage. Nach dem Besuch eines Tempels beginnt die Odyssee zu den Verwandten. Üblicherweise wird man sich am Wohnort des ältesten Familienmitglieds treffen und dabei etliche Geschenke austauschen. Traditionelle Tsagaan sar-Speisen sind Schafsschwanz, Hammel, Reis mit Rosinen, getrockneter und gesüßter Quark, gegrilltes Schafsfleisch, Pferdefleisch sowie natürlich die unvermeidlichen Buuz. Getrunken werden Airag und Wodka.

Tschoibalsan, Khorloogiin

Dieser Mann war Staatspräsident und auch Regierungschef der Mongolei und dominierte just in der Stalin-Ära die Politik des Landes. Er kam mit sowjetischer Unterstützung an die Macht, beerbte den mongolischen Kommunistenführer Peldschidiin Genden, welcher nur wenige Monate nach seiner Amtsenthebung hingerichtet wurde.

Die Herrschaft von Tschoibalsan war die tyrannischste Phase der modernen mongolischen Geschichte. Unter seiner Führung wurden etliche Säuberungen gegen sogenannte „Volksfeinde“ durchgeführt. Die Schätzungen über die Zahl der Opfer variieren, übertreffen im Verhältnis zur Einwohnerzahl aber selbst den extremen Stalin-Terror in der Sowjetunion.

Auf seinen Befehl hin wurde fast das gesamte buddhistische Erbe der Mongolei ausgelöscht, wurden flächendeckend Mönche ermordet und Kloster geschliffen.

Tschoibalsan verstarb nur wenige Monate vor seinem großen Idol Stalin. Hernach wurde seine Leiche in das bereits bestehende Mausoleum des Revolutionshelden Sukhbaatar verbracht. Dort ruht er nun nicht mehr, doch es ist komplett unverständlich, dass selbst nach der demokratischen Revolution noch immer etliche Monumente an diesen unvergleichlichen Blutsäufer erinnern und die viertgrößte mongolische Stadt im äußersten Osten des Landes seinen Namen trägt.

Khorloogiin Tshoibalsan

Tsuivan

Ein weiterer „Klassiker“ der mongolischen Küche. Weizenmehl wird zu Nudeln verarbeitet und gedämpft. Danach werden die Nudeln zusammen mit Ziegen- oder Schafsfleischstreifen, Zwiebeln, Kohl, Karotten und Kartoffeln vermengt und in einer Pfanne zubereitet.

UAZ

Man mag über die russische Technik denken, was man möchte, doch Geringschätzung ist fehl am Platz. Einfach, aber gut, belastbar, reparabel und selbst unter schwierigsten Bedingungen noch einsetzbar, lauten die Stichworte. All dies trifft auf die Geländewagen und -busse aus dem Uralsky Avtomobilny Zavod, dem Uralischen Automobilwerk, zu.

Sie werden im gesamten postsowjetischen Raum noch immer Modellen europäischer, ostasiatischer oder amerikanischer Bauart vorgezogen, weil sie den Anforderungen der schlechten Wege und harschen Temperaturen in dieser Weltregion am besten entsprechen. Komfort ist zweitrangig.

UAZ-Bus Im Einsatz. Foto: © Łukasz Golowanow & Maciej Hypś, Konflikty.pl