Republik Burjatien

Burjatien ist eine der größeren autonomen Republiken innerhalb der Russischen Föderation. Titularethnie ist das mongolische Volk der Burjaten, deren Traditionen, Feste, Kultur und Sprache denen der Mongolei extrem ähneln. Die Republik erstreckt sich am Nord-, Ost- und Südufer des Baikal. In Richtung der Mongolei steigen die Höhen bis auf dreihalbtausend Meter auf. Das Klima ist für sibirische Verhältnisse recht erträglich und die Infrastruktur akzeptabel, alles in allem ein touristisches Traumziel.

Ulan-Ude

Die burjatische Hauptstadt ist das unbestrittene kulturelle, politische und wirtschaftliche Zentrum Burjatiens. Sie beherbergt etwas mehr als 400.000 Einwohner, womit sie nach Wladiwostok und Khabarovsk die drittgrößte Stadt des russischen Fernen Ostens ist. Im burjatischen Maßstab entspricht dies mehr als 40 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ulan-Ude nimmt für Sibirien, den Fernen Osten, die Mongolei und die Volksrepublik China eine wichtige Kreuzungsfunktion ein. Hier treffen die aus China kommenden Verkehrswege auf die transsibirischen Straßen- und Schienenverbindungen. Im Rahmen des chinesischen Neue Seidenstraße-Projektes soll die Verbindung aus Peking zum Baikal massiv ausgebaut werden, womit sich für die Region einige Entwicklungspotentiale verbinden. Zudem möchte sich Ulan-Ude auch international als „Tor zum Baikal“ positionieren. Ziel ist es einerseits, den Baikaltourismus in toto zu steigern und andererseits, die vorhandenen Besucherströme vermehrt nach Burjatien und in dessen Hauptstadt zu lenken.

Geschichte

Ulan-Ude wurde schon in der Mitte des 17. Jahrhunderts gegründet. Die Siedlung hieß zunächst Udinskoje und diente Kosaken als Überwinterungsstation für Expeditionen in den Fernen Osten. Etwa ein Jahrhundert später wurde sie in Werkhneudinsk umgetauft und zur Stadt erhoben. Viele der traditionellen Holzbauten der Gründerzeit sind im großen Brand des Jahres 1878 zerstört worden. Danach musste die Stadt nahezu komplett wiederaufgebaut werden. 1923 wurde Werkhneudinsk zur Hauptstadt der neu gegründeten Autonomen Burjat-Monglischen, später nur noch Burjatischen, Sowjetrepublik erhoben.

1934 erhielt sie den heutigen Namen Ulan-Ude, was in der burjatischen Sprache „rote Uda“ bedeutet und die vermeintliche Hinwendung der Region zum Kommunismus betonen sollte. Gegen Ende der 1930er Jahre wurde die 100.000-Einwohnermarke und damit die Schwelle zur Großstadt durchbrochen. Seitdem ist Ulan-Ude kontinuierlich gewachsen und hat sich mit der Transformationsphase der 1990er Jahre politisch und ökonomisch spürbar stabilisiert.

Geografie, Lage, Vegetation und Klima

Ulan-Ude befindet sich an der Mündung der Uda in die Selenge etwa hundert Kilometer östlich des Baikal. Die Stadt liegt in einer weiten welligen Niederung zwischen dem Ulan-Burgasy-Gebirge im Norden, dem Khamar-Daban-Gebirge im Westen und dem Gansurischen Gebirge im Osten. Richtung Norden finden sich ausgedehnte Wälder, während der Westen, Süden und Osten eher von Steppenlandschaft geprägt sind. Das Tal der Selenge liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 600 Metern, in Richtung des nördlich gelegenen Ulan-Bargusy-Gebirges steigt das Terrain auf etwa tausend Meter an.

Das Klima ist stark kontinental. Die Winter dauern in der Regel von Oktober bis April. Niederschläge sind in dieser Periode äußerst selten. Im Januar fallen die Durchschnittstemperaturen im täglichen Mittel auf unter minus 20 Grad. Im Jahre 2001 wurden in einer kalten Januarnacht weniger als minus 40 Grad gemessen. Aufgrund der geografischen Lage in einer Flussniederung und des entsprechenden Mikroklimas steigen die Temperaturen zwischen April und Mai sehr schnell an und können oft schon Mitte Mai die Marke von 30 Grad übersteigen. Der Sommer dauert bis in den späten August oder beginnenden September. In dieser Periode fallen auch die meisten Niederschläge. Ulan-Ude gehört mit fast 2.500 Sonnenstunden zu den sonnenreichsten Städten ganz Russlands. Die Sonnenstunden im jährlichen Mittel entsprechen in etwa der kaukasischen Kurstadt Sotschi.

Kultur und Bildung

Ulan-Ude ist kulturell das Zentrum Burjatiens. Allein sieben Theater haben hier ihren Standort und widmen sich ganz verschiedenen Künsten – von der klassischen Oper, zum Ballett, den klassischen russischen und westlichen Dramen zur burjatischen Tanz- und Musiktradition.

Das bekannteste Museum ist das Ethnografische Museum im Norden der Stadt. Es thematisiert die Völkerschaften des östlichen Baikal und bietet eine breite Varietät an originalgetreuen Nachbauten der sibirischen Siedlungsgeschichte.

Seit dem Jahre 1990 sind verschiedene Kirchen und Tempel in der Stadt neu entstanden bzw. rekonstruiert worden. Zudem ist Ulan-Ude Standort verschiedener höherer Bildungseinrichtungen, wobei vor allem die Staatliche Universität Burjatiens herauszuheben ist.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Wirtschaft der Stadt wird durch den Maschinenbau, die Nahrungsgüterindustrie und die Forstwirtschaft geprägt. Daneben ist Ulan-Ude ein wichtiger Logistikstandort. Seit den 1990er Jahren ist das BIP der Stadt im russischen Maßstab überdurchschnittlich gewachsen, ist die Arbeitslosenquote signifikant gesunken.

Der Schienengüterverkehr besitzt in der Russischen Föderation einen herausgehobenen Stellenwert. Insofern profitiert Ulan-Ude enorm von der Lage am Gabelungspunkt von Transsibirischer und Transmongolischer Eisenbahn. Dies umso mehr, als dass die Route aus Peking über die Mongolei und Südsibirien nach Europa zu einem der zentralen Korridore der Neuen Seidenstraße ausgebaut werden soll. An den Hauptbahnhof ist ein großes Logistikzentrum angeschlossen. Weitere Stationen im Stadtgebiet sind Zaudinsky, Yuzhny und Taltsy an der Transsibirischen sowie Komushka und Medvedshikowo an der Transmongolischen Eisenbahn.

Der zwölf Kilometer westlich des Zentrums gelegene internationale Flughafen bildet eine Exklave und gehört damit zum Stadtgebiet. Hier starten und landen Flüge in die angrenzenden sibirischen Metropolen, zu den kleineren Flughäfen innerhalb der Republik Burjatien, nach Moskau und international nach Peking und Ulaanbaatar, saisonal auch nach Seoul, Manzhouli und Hailar.

Der ÖPNV wird von Bussen, Trolleybussen, Sammeltaxis und von der Tram Ulan-Ude getragen. Letztere wurde bereits im Jahr 1956 eingeweiht. 2007 erfolgte der Lückenschluss einer Ringlinie. Daneben werden drei Stichstrecken befahren. Insgesamt weist das Tramnetz fünf Linien auf, die sämtliche Stadteile erschließen.

Auch über die Straße ist Ulan-Ude vergleichsweise gut angebunden; und zwar auf leistungsfähigen Trassen in alle Himmelsrichtungen – Richtung Süden nach Iwolginsk, Khyakhta und weiter in die Mongolei, Richtung Südosten in Richtung Tarbagatai, Chita und weiter in den Fernen Osten, in Richtung Osten nach Udinsk und Romanovka, nach Westen in Richtung Südbaikal, nach Irkutsk und weiter nach Moskau sowie in Richtung Norden an das mittlere Ostufer des Baikal in Richtung Ust-Barguzin, weiter nach Kurumkan und in Bälde auch in den Norden der Republik bis ins Tal der Unteren Angara und nach Sewerobaikalsk.

Sehenswürdigkeiten

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist Ulan-Ude nahezu vollständig ausgebrannt, weshalb nur wenige historische Gebäude erhalten sind. Ein kleines Areal mit der typisch russischen Holzarchitektur lässt sich im äußersten Süden der Innenstadt besichtigen. Hier liegt das historische Zentrum rund um die Odigitrievsky-Kathedrale. Südlich davon fließt die Uda, der auf einem schönen Uferweg bis zur Mündung in die Selenge und weiter bis zur großen Stadtbrücke gefolgt werden kann. Von der Odigitrievsky-Kathedrale ausgehend, erschließt die Leninstraße die gesamte Innenstadt.

Dieser Boulevard ist zu weiten Teilen als Fußgängerzone gestaltet. An dessen nördlichem Ende wird ein im Sowjetklassizismus gestalteter Platz erreicht, an dem sich das Opernhaus befindet. Noch einige Meter weiter liegt der Platz der Sowjets, welcher von einer großen Porträtbüste Lenins gekrönt wird. Diese wiederum ist die größte Porträtbüste der Welt und wurde als solche in den 1970er Jahren vollendet. Direkt dahinter liegt der Regierungspalast der Republik Burjatien.

Die größte Porträtbüste der Welt und dahinter der burjatische Regierungspalast. Foto: © Angie

Westlich der Innenstadt erstreckt sich der Park des Sieges, wo auf einem kleinen Hügel ein Panzer an die Rückeroberung der europäischen Sowjetunion und an den erfolgreichen Marsch auf Berlin erinnert. Dahinter liegt die Kathedrale der Dreifaltigkeit, das größte orthodoxe Gebetshaus der Stadt. An der südwestlichen Ecke des Siegesparks findet sich jenseits einer breiten Straße der zentrale Markt der Stadt, welcher ebenfalls einen Besuch lohnt.

Etwas außerhalb des Zentrums nördlich des Hauptbahnhofs liegt auf einem Hügel hoch über der Stadt der Rinpoche Dazan. Dieses buddhistische Kloster entstand nach der Transformationsphase der 1990er Jahre und versinnbildlicht die Rückbesinnung der Burjaten auf ihre buddhistischen Traditionen. Nicht zuletzt eröffnet sich von hier ein atemberaubender Blick auf die gesamte Stadt, auf die Niederung von Selenge und Uda bzw. den Zusammenfluss beider Ströme. Wiederum wenige Kilometer nordöstlich liegt an der Straße in Richtung Norden das Ethnografische Museum der Völker des östlichen Baikal, welches einen ausgezeichneten Eindruck von den ursprünglichen Traditionen Südsibiriens verbindet.

Die Fußgängerzone von Ulan-Ude.

Iwolginsk

Der Ort selbst ist eine vollkommen bedeutungslose und wenig charmante Brettersiedlung. Dahinter jedoch befindet sich auf einem stetig wachsenden Areal das wichtigste buddhistische Zentrum Russlands, unmittelbar verbunden mit einem der bedeutendsten buddhistischen Würdenträger der russischen Geschichte.

Dashi-Dorzho Itigilov wurde im Jahr 1852 in Burjatien geboren. Er studierte im Anninsky Kloster, von dem heute nur noch Ruinen übrig sind, und erlangte Diplome in buddhistischer Medizin, Pharmakologie und Philosophie. 1911 wurde er zum zwölften Pandido Khambo Lama gewählt und avancierte zum religiösen Oberhaupt der Burjaten. In dieser Funktion wurde er auch jenseits Sibiriens wahrgenommen, nahm beispielsweise an den Feierlichkeiten zum 300jährigen Bestehen des Hauses Romanov teil und eröffnete mit dem Dazan Gunzechoinei den ersten buddhistischen Tempel in Sankt Petersburg. Im März 1917 zeichnete ihn der Zar mit dem Sankt-Stanislaus-Orden aus, was die besondere Stellung Itigilovs innerhalb der aristokratischen Elite Russlands unterstrich. Während des Ersten Weltkriegs gründete Itigilov eine Organisation namens „Burjatische Brüder“, die die russische Armee im Kampf mit Geld, Medikamenten und Kleidung unterstützte.

Nach der Oktoberrevolution 1917 geriet die buddhistisch-religiöse Elite jedoch schnell ins Fadenkreuz der Kommunisten. Es dauerte eine Weile bis im fernen Sibirien der Bürgerkrieg gegen die Weißgardisten gewonnen war und realsozialistische Strukturen etabliert werden konnten, doch die Vorzeichen verhießen schon zu Beginn der 1920er Jahre nichts Gutes für den burjatischen Klerus. Dies im Sinn, riet Itigilov im Jahre 1926 seinen Glaubensbrüdern, Russland möglichst schnell zu verlassen. Ein Jahr später forderte er seine Schüler auf, Meditationszeremonien und Bestattungsriten für ihn selbst vorzubereiten. Itigilov begann seine Meditation zunächst allein. Als ihm einige seiner Schüler folgten, erstarb sein Atem und somit sein Körper. Im Testament wurde verfügt, dass seine Gebeine nach 30 Jahren wieder ausgegraben werden sollten. Dieses Datum wiederum lag unmittelbar nach Stalins Tod und dem Ende der massiven antireligiösen Verfolgungen. Die mit der Exhumierung befassten Mönche nahmen keinerlei Verwesungsspuren wahr. Itigilovs Körper war nahezu vollständig mumifiziert.

Das Kloster von Iwolginsk. Foto: © Nikola78rus

1973 wurde er erneut ausgegraben und auch dieses Mal zeigten sich keine Veränderungen. Im Jahr 2002 schließlich wurde Itigilov im Beisein der höchsten buddhistischen Würdenträger Russlands nochmals exhumiert. Nachdem der Körper nahezu unversehrt war, wurde er in den Iwolginski Dazan verbracht, wo das heutige Oberhaupt der burjatischen Buddhisten residiert. Seitdem interagieren die Mönche des Klosters mit ihm wie mit einer realen Person. Im Jahr 2013 besuchte selbst Wladimir Putin das Kloster, um sich mit Itigilov und weiteren Lamas zu „unterhalten“. Mittlerweile wurde der Körper Itigilovs in einen der Haupttempel verbracht, wo er hinter einer Vitrine bestaunt werden kann. Er sitzt noch immer Lotussitz, in der Stellung, in der vor knapp hundert Jahren das Leben aus ihm wich. Die Geschichte rund um den Mönch Itigilov erregte nicht nur in Russland, sondern weit darüber hinaus die Aufmerksamkeit der Medien. Das Kloster selbst ist in diesem Zusammenhang deutlich gewachsen, kann sich eines andauernden Zustroms neuer Schüler und Besucher erfreuen. Es bildete seit seiner Gründung im Jahre 1945 das spirituelle Zentrum des russischen Buddhismus. Hier saß die Sangha, die höchste buddhistische Vereinigung Russlands, und auch der Pandido Khambo Lama, das religiöse Oberhaupt des burjatischen Buddhisten. Im Jahr 1991 eröffnete dort die erste buddhistische Universität Russlands.

Die Anlage ist zwar durchgängig neueren Datums, aber zumindest ästhetisch ansprechend gestaltet. In den verschiedenen Tempeln finden sich einzigartige Artefakte traditioneller burjatischer religiöser Kunst. Dazu gehören einige eindrucksvolle Thangka-Gemälde, verschiedene Statuen und Seidenstickarbeiten.

Das Kloster von Iwolginsk ist heute die Heimstatt dutzender Mönche, mit stark steigender Tendenz. Es liegt 35 Kilometer westlich von Ulan-Ude und lässt sich über die befestigte Straße in Richtung Mongolei leicht erreichen.

Kyakhta

Kyakhta war dereinst die reichste Stadt des gesamten Zarenreichs, weil es in der zweiten Hälfte des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der einzige Ort war, über den das zurückgezogene Chinesische Kaiserreich seinen Handel mit dem aufstrebenden Russland abwickelte. Die Russen verkauften Felle, Textilien, Leder, Eisenwaren und Vieh, während die Chinesen Seide, Baumwolle, Tee, Früchte, Porzellan, Reis, Kerzen, Rhabarber, Ingwer und Moschus feilboten. Auf beiden Seiten gelangten einige Händler zu enormem Wohlstand, was sich aber in der Architektur der Stadt nur bedingt widerspiegelt. Dennoch ragt Kyakhta unter den sibirischen Städten ähnlicher Größenordnung durchaus hervor.

Sehenswert ist das Gelände rund um die Leninstraße. Dort liegen einige klassizistische Gebäude sowie mit der Uspensky- und der Troizky-Kirche zwei sehenswerte Sakralbauten. Letztere Kirche ist allerdings nur noch eine Ruine. Rund um die Leninstraße finden sich auch die wichtigsten Museen der Stadt, einige Restaurants und ein gut erhaltener historischer Handelshof.

Während die Ost-West-Ausdehnung nur wenige hundert Meter beträgt, zieht sich die Stadt über mehr als zehn Kilometer von Nord nach Süd. Dies liegt daran, dass die Stadt Troizkosavsk mit der südlich gelegenen Siedlung Kyakhta verschmolz. Die Fernstraße zwischen Ulan-Ude und Ulaanbaatar wurde östlich am Stadtzentrum vorbeigeführt.

Der südliche Teil unmittelbar an der mongolischen Grenze wird dominiert vom großen Kontrollpunkt für den Autoverkehr zwischen Russland und der Mongolei sowie dem kleinen Grenzhandel zwischen beiden Staaten. Architektonisch lohnt die Voskresensky-Kirche einen Besuch.

Neben dem Grenzhandel wird Kyakhta bis heute mit zwei historischen Vertragswerken assoziiert, die weitreichende Bedeutung hatten – vor allem für die Mongolei. 1727 wurden erstmals feste Grenzen zwischen dem nach Osten expandierenden Russischen Zarenreich und der chinesischen Qing-Dynastie festgezurrt, womit der größte Teil der heutigen Äußeren Mongolei im chinesischen Einflussgebiet verblieb. Im Jahre 1915 ist nach der mongolischen Revolution zwischen Russland, China und der Mongolei ein Autonomiestatut vereinbart worden. 1921 schließlich startete von hier die mongolische Expedition unter Führung Damdiny Sukhbaatars, die die Äußere Mongolei vom weißgardistischen General Baron von Ungern-Sternberg befreite, was Ausgangspunkt des modernen mongolischen Staatswesens war. An diese Episode erinnert ein kleines Museum, welches in einer von Sukhbaatar dereinst angemieteten konspirativen Wohnung im Osten der Stadt untergebracht ist.

Die Grenzstadt Kyakhta war dereinst die reichste Stadt Sibiriens. Foto: © Arkadi Sarubin

Guzinoosjorsk

Die Stadt liegt am Nordufer des gleichnamigen Sees auf etwa der Hälfte der Strecke zwischen Ulan- Ude und der mongolischen Grenze. Die Straße zwischen Ulan-Ude und der Grenze verläuft direkt durch die Stadt. Etwa fünf Kilometer nordöstlich des Zentrums gibt es einen Bahnhof an der Transmongolischen Eisenbahn.

Aktuell leben etwa 25.000 Menschen in der Stadt, womit sie etwa gleichauf mit Sewerobaikalsk an zweiter Stelle in der Liste der größten burjatischen Städte liegt. Haupterwerbszweig ist der Braunkohletagebau und die direkt angeschlossene Energieindustrie. Als Militärstützpunkt hat die Stadt weitgehend ausgedient.

Guzinoosjorsk selbst ist nicht sonderlich sehenswert. Es ist eine typisch sowjetische Bergbaustadt ohne eigene Charakteristik. Allerdings lohnt der See einen Abstecher auf dem Weg aus der oder in die Mongolei. Der Gusinoye-See ist einer der nördlichsten Steppenseen der Welt. Er liegt an der Ostabdachung des Khamar Daban-Gebirges und wird vornehmlich von den dort anfallenden Niederschlägen gespeist. Der See ist nach dem Baikal der größte Burjatiens. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 25 Kilometer. Von Ost nach West ist er zwischen fünf und acht Kilometer breit.

Als typischer Steppensee ist er nicht sonderlich wasserreich und weist eine Maximaltiefe von 28 Metern auf. Den wichtigsten Zufluss bildet im Südwesten der Tsagaan-Fluss. Wichtigster Abfluss ist der Bayan, ein linker Nebenfluss der Selenge. Die Ufer sind weitgehend unbewaldet. Am Ostufer liegt ein gut erreichbarer, etwas mehr als 20 Kilometer langer Abschnitt mit langen Sandstränden und ruhigem Wasser.

Südwestlich des Sees befindet sich das buddhistische Kloster Tamchin. Dieses wurde bereits im Jahre 1809 gegründet und sollte als das buddhistische Zentrum in Ostsibirien dienen. Der Mönch Itigilov wurde hier in buddhistischer Medizin ausgebildet. In den 1930er Jahren wurde das Kloster – wie viele andere auch – dem Erdboden gleichgemacht. Mittlerweile wurde es restauriert und hat seit 2013 wieder geöffnet.

Arschan

Der Kurort liegt im äußersten Westen Burjatiens auf halbem Wege zwischen Irkutsk und der mongolischen Grenze nördlich des Khovsgol-Sees. Die Straße beginnt in der Ortschaft Kultuk am südwestlichen Ende des Baikals. Sie verläuft durch das Tunkinsker Tal entlang des Irkut zwischen dem Sajangebirge auf der einen und dem Khamar Daban-Gebirge auf der anderen Seite. Nach 90 Kilometern zweigt von dort eine 15 Kilometer lange Stichstrecke ins Resort Arschan ab. Dieses liegt pittoresk am Fuße mehr als 3.000 Meter hoher Berge im Tal des Kyngyrga-Flusses.

Arschan ist berühmt für die etlichen heißen Thermalquellen und für die vielen Wasserfälle flussaufwärts im Sajangebirge. Die erste heiße Quelle wurde von russischen Einwanderern gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt. Wenig später entstanden im Ort etliche Sommerhäuser für Erholungssuchende. Nach der Eroberung durch die Rotgardisten wurde in den 1920er Jahren ein Sanatorium errichtet, welches vor allem verdienten Soldaten zur Erholung dienen sollte. Seit dem Ende der 1920er Jahre wird das Mineralwasser abgefüllt und in alle Teile der Sowjetunion verschickt.

In den 1970er Jahren wurde die Siedlung offiziell zum Kurort erhoben. Aktuell gibt es im Tal der Kyngyrga zwei Sanatorien, das „Sajan“ und das „Arschan“.

40 Kilometer südlich von Arschan liegt direkt am Irkut die Thermalquelle von Zhemzhug, die sich bei Badegästen hoher Beliebtheit erfreut.

Ebenso erwähnenswert wie die Heilquellen ist die beeindruckende Natur am Fuße des Sajangebirges. Die Gegend ist stark vulkanisch geprägt. Rund um Arschan gibt es mehr als 30 aktive Vulkane und mindestens ebenso viele Thermalquellen. Hier zeigt sich, dass Arschan mitten im Baikal-Grabenbruch liegt, der vom Baikal über das Tunkinsker Tal bis zum Khovsgol-See verläuft. Daneben lockt der äußerst lebhafte Kyngyrga-Fluss mit seinen etlichen Stromschnellen und Wasserfällen Besucher an.

Im Jahre 2014 zeigte sich die Natur allerdings von ihrer unerbittlichen Seite. Nach einem Erdrutsch und dadurch bedingten Überschwemmungen der Kyngyrga sind mehr als 20 Häuser zerstört und mehr als 80 zumindest in Mitleidenschaft gezogen worden. Mittlerweile konnten die Schäden jedoch weitgehend beseitigt werden.

Das Bodkhidkharma-Kloster in Arschan. Foto: © Tohuchar

Von kulturellem Interesse ist das buddhistische Bodkhidkharma-Kloster etwas mehr als einen Kilometer westlich des Ortszentrums. Es wurde im Jahre 1917 eröffnet, diente jedoch seit den 1930er Jahren bis zum Ende der Sowjetzeit als Kolchose. In den 1990er Jahren ist das Klosterleben wiedererwacht. Der größte christliche Sakralbau ist die Peter- und Paul-Kirche.

Der Ort Arschan stellt eine ideale Ergänzung zum Baikaltourismus dar. So lässt sich die Stadt Sljudjanka am südwestlichen Ende des Sees in lediglich anderthalb Stunden erreichen. Bis nach Irkutsk sind es etwa dreieinhalb Stunden auf guter Straße.

In der anderen Richtung liegt nach etwa zwei Stunden Fahrt durch das Tunkinsker Tal die Siedlung Mondy, wo sich ein Grenzübergang zur Mongolei befindet, über den sich nach nur wenigen Kilometern der Khovsgol-See erreichen lässt. Leider jedoch ist dieser nur für Russen und Mongolen geöffnet, sodass Drittstaatler diese touristischen Highlights nur schwer kombinieren können. Insgesamt ist die Region geprägt von den bis zu 3.500 Meter hohen Bergen des Sajangebirges. Etwas südlich von Arschan erhebt sich der mehr als 3.000 Meter hohe Bolo-Gipfel. Unmittelbar im Grenzgebiet zur Mongolei liegt der knapp 3.500 Meter hohe Munku-Sardyk.

Vydrino

Kurz vor Vydrino erreicht die Interkontinentale burjatisches Territorium. Der Ort geht auf drei Siedlungen zurück, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts rund um die Mündung des Snezhnaya-Flusses in den Baikal gegründet worden waren. Mit der Vollendung der Transsibirischen Eisenbahn erhielt er eine deutlich gestiegene Relevanz.

In den 1950er Jahren entstand zwischen dem Bahnhof und dem See ein großer Holzumschlagplatz, von dem aus Hölzer in alle Regionen Russlands geliefert wurden. Dieser Betrieb war die Keimzelle des heutigen Vydrino. Aus Mangel an Arbeitskräften wurde gegen Ende der 1950er Jahre eine Strafkolonie angesiedelt, in der unter anderem politische Dissidenten ausgebeutet wurden und die erst im Jahre 2015 aufgelöst wurde. Nach der Wende wollte sich ein Moskauer Unternehmen bei der Abfüllung und dem Handel von Baikalwasser engagieren, zog sich von diesem Ansinnen jedoch bald wieder zurück. Heute wird vermehrt in den Tourismus investiert. Grundlage ist die günstige Lage an einem pittoresken Baikalabschnitt sowie direkt an Interkontinentale und Transsibirischer Eisenbahn. Täglich stoppen hier Personenzüge aus Irkutsk und Ulan-Ude. Mit dem Auto sind es von Irkutsk etwas mehr als drei und von Ulan-Ude etwas mehr als vier Stunden in den Ort. Beide der genannten Städte verfügen über internationale Flughäfen mit täglichen Verbindungen nach Moskau.

Der Ort Vydrino hat knapp 5.000 Einwohner. Im Gegensatz zu den meisten anderen Siedlungen des südlichen Baikal führen die Trassen der Interkontinentalen und der Transsibirischen Eisenbahn weit genug vorbei, um einen entspannten Urlaub am Baikalufer zu ermöglichen. Vom Bahnhof zu den Stränden sind es knapp vier Kilometer. Dazwischen schmiegt sich die Ortschaft an das westliche Ufer der Snezhnaya. Auf beiden Seiten ihrer Mündung finden sich weitgehend unberührte Sandstrände, die mit dem Auto komplikationslos angefahren werden können. Die Infrastruktur aus Läden, Tankstellen, Cafés, Gasthäusern und kleineren Imbissrestaurants ist auskömmlich.

Eine weitere Attraktion erschließt sich einige Kilometer flussaufwärts der Snezhnaya. Kurz vor bzw. hinter einer Stele, die die Besucher der Republik Burjatien willkommen heißt bzw. verabschiedet, zweigt wenige Meter westlich der Snezhnaya-Brücke eine Trasse in Richtung Süden von der Interkontinentalen ab. Nach sechs Kilometern erreicht man einige kleinere Seen, die sich bei Überflutungen der Snezhnaya gebildet haben und vergleichsweise warm sind. Der Weg führt noch einige Kilometer weiter entlang des Flusses bis an den Fuß des Khamar Daban-Gebirges, von wo ausgedehnte Hiking-Touren möglich sind.

Eine Stele an der Interkontinentalen begrüßt kurz vor Vydrino die Reisenden in der Republik Burjatien. Foto: © Wjatscheslav Petrov

Babushkin

Babushkin liegt hundert Kilometer östlich von Vydrino. Die Republikhauptstadt Ulan-Ude ist in der anderen Richtung etwa 180 Kilometer entfernt. Der Ort ist eine von nur fünf historischen Städten in Burjatien und wurde als Zweigstelle des Klosters von Posolskoje in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gegründet. Hier begann der Udunga-Trakt, ein Handelsweg der entlang des gleichnamigen Flusses durch das Khamar-Daban-Gebirge bis nach Khyakhta und weiter nach China führte.

Sträflinge bauten im Ort ein Anlagestelle, von wo die Waren auf Schiffe verladen und über Baikal und Angara bis nach Irkutsk transportiert wurden. Ende des 19. Jahrhunderts wurde im Ort eine Poststation gegründet und kurz danach erhielt das damalige Mysovaya den Status einer Stadt. Nach der Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg war hier eines der Zentren der bürgerlichen Revolution in Transbaikalien.

In dieser Zeit rund um die Jahrhundertwende war Mysovaya Endpunkt einer Eisenbahnfähre über den Baikal, die als Bindeglied zwischen den bereits fertiggestellten Trassen nach Wladiwostok bzw. von Irkutsk nach Moskau fungierte.

Im Bürgerkrieg fungierte Mysovaya als wichtige Bastion der Weißgardisten und wurde nach deren Niederlage in eine Arbeitersiedlung umgewandelt. 1941 erfolgte die Umbenennung in Babushkin, nach einem Revolutionär, der hier im Jahre 1906 erschossen worden war.

Obgleich sich einige Sandstrände finden, ist die Stadt für Badeurlauber und Erholungssuchende eher von geringerem Interesse. Heute dominieren die Forstwirtschaft und die Frachtlogistik. Touristische Angebote sind Mangelware. Die Einwohnerzahl liegt bei 5.000. Der Bahnhof trägt noch immer den alten Namen „Mysovaya“ und befindet sich direkt am Hafen. Das Hinterland ist geprägt von den nördlichen Ausläufern des Khamar-Daban-Gebirges.

Baikalsky Priboy – Kultushnaya

Blick auf den südlichen Baikal. Foto: © Fjedor Beresov

Die touristische Siedlung Kultushnaya liegt dort, wo sowohl die Transsibirische Eisenbahn als auch die Interkontinentale das Südufer des Baikal verlassen. Die Siedlung Baikalsky Priboy befindet sich am Ostufer des kleinen Posolskojer Haffes, welches seeseitig von zwei langgestreckten Nehrungen eingeschlossen wird. Kultushnaya am Beginn der südlichen Nehrung wurde gezielt für den Fremdenverkehr errichtet. Im Posolskojer Haff sind die Wassertemperaturen deutlich höher als im offenen Baikal, sodass die Siedlung vor allem von Familien mit Kindern angesteuert wird. Mit Booten besteht die Möglichkeit, auf die nahegelegene Nehrung überzusetzen, um dort die langgestreckten Dünen sowie den offenen Baikal zu genießen.

Sowohl Kultushnaya als auch Baikalsky Priboy besitzen Anschluss an die Transsibirische Eisenbahn. Der Bahnhof Kultushnaya liegt etwa anderthalb Kilometer südlich der Siedlung. Die Interkontinentale ist weitere zweieinhalb Kilometer entfernt. Die burjatische Hauptstadt Ulan-Ude liegt etwa 150 Kilometer östlich.

Posolskoje und Istok

Die Siedlung Posolskoje liegt am Nordende des gleichnamigen Haffs. Dort mündet der Fluss Bolshaya Rechka in das Haff und in den offenen Baikal. Posolskoje ist mit der Interkontinentalen über eine westlich von Kamensk abzweigende Schotterstraße verbunden. Diese führt weiter über Istok und das Rajonzentrum Kabansk zurück auf die Interkontinentale. Es ist also möglich, die kleine Region südlich des Selenge-Deltas zu umrunden. Bis in die Republikhauptstadt Ulan-Ude sind es 150 Kilometer.

Posolskoje wurde als eine der ersten Siedlungen am Baikal vom russischen Edelmann und Abenteurer Pjotr Beketov begründet. Gelegen am südlichen Ende des Selenge-Deltas, trug sie zunächst den Namen Ust-Prorva, was im Deutschen „Mündungsdurchbruch“ bedeutet. Bereits im Jahre 1682 wurde hier ein orthodoxes Kloster angelegt. Während des 19. Jahrhunderts diente der Ort als wichtiges Fischereirevier und als Poststation auf dem Weg über den Baikal. Zudem entstanden ein Hotel und eine Telegrafenstation. Mit der Jahrtausendwende siedelte sich eine Konservenfabrik an. Hier wurde vor allem der Baikal-Omul gefangen, verarbeitet, konserviert und ins ganze Land geschickt. Bis heute gibt es im Ort eine große Fischfabrik.

Das Kloster wurde nach der Oktoberrevolution geschlossen und mit Ausnahme zweier Kirchen zurückgebaut. Bis in die 1990er Jahre diente das Areal als Schule und als psychiatrische Kinderklinik. Das wertvolle Archiv des Klosters ist 1917 bei einem Brand vollständig zerstört worden. Die Heilige Synode der Russisch-Orthodoxen-Kirche beschloss im Jahre 2002 den kompletten Wiederaufbau des Areals, allerdings sind dazu noch vielfältige Anstrengungen vonnöten.

Neben dieser kulturhistorischen Relevanz liegt Posolskoje landschaftlich reizvoll im Norden des Posolskojer Haffs und direkt an weitläufigen Stränden am offenen Baikal. In südlicher Richtung erstreckt sich eine lange Nehrung, die das Haff vom offenen See abschließt.

15 Kilometer nördlich findet sich an einer tief eingeschlossenen Lagune die Siedlung Istok, wo das Erholungsgebiet Lemasowo eingerichtet wurde. Istok schließt unmittelbar an das riesige Selenge-Delta an, welches allerdings die Wasserqualität der Lagune massiv beeinträchtigt, da zusammen mit der Selenge allerlei Schadstoffe in den See gelangen, die vor allem die nahe des Deltas gelegenen Bereiche schädigen.

Das Kloster von Posolskoje. Foto: © Mercu

Selenge-Delta

Die Selenge-Mündung ist eines der größten Binnendeltas weltweit. Vor der Anstauung der Angara als wichtigstem Abfluss des Baikal und dem dadurch ausgelösten höheren Wasserspiegel war es sogar fast doppelt so groß wie heute. Im Zuge von Wasserkraftvorhaben an den Zuflüssen des Baikal ist die Fläche des Deltas wieder etwas gewachsen und beträgt nun etwa 700 Quadratkilometer. Die Selenge ist neben dem Zellstoffkombinat in Baikalsk die größte Bedrohung für die hydrologische Gesundheit des Sees. Grund sind vor allem die fehlenden Kläranlagen auf ihrem mehr als tausend Kilometer langen Weg durch die nördliche Mongolei und das südliche Burjatien. Dennoch ist das Delta bis heute ein einzigartiges Naturparadies mit mehr als 200 Vogelarten. Mehr als 500 Millionen Vögel machen jährlich im Herbst und Frühjahr Station auf ihrem Weg in den Süden Asiens. Der innere Teil des Deltas ist auf etwa hundert Quadratkilometern Fläche als Totalreservat ausgeschrieben, in welchem jedwede wirtschaftliche Nutzung inklusive des Befahrens mit motorisierten Booten verboten ist. Auf Anfrage können jedoch abseits der Brutsaison Übernachtungen in einer kleinen Naturschutzstation gebucht werden. Anträge sind an die Reservatverwaltung in Tankhoi zu richten. Per Auto kann das Delta kaum erschlossen werden. Lediglich die Straße zwischen Istok und Kabansk bietet einen Blick auf einzelne Seitenarme. Am nördlichen Rand entlang führt die Straße zwischen Selenginsk und Enkhaluk. Vom Ort Kudara aus zweigt ein unbefestigter Seitenweg in einige kleinere Siedlungen am Beginn des Deltas ab.

Das Delta der Selenge aus dem All betrachtet.

Enkhaluk, Sukhaya und Zarechje

Nach der Fertigstellung einer Brücke über die Selenge und der Befestigung der Straße zwischen Selenginsk und Zarechje ist dieser Abschnitt des Baikal massiv für touristische Zwecke ausgebaut worden. Der Hotspot der Region ist die Siedlung Novy Enkhaluk, wo die stark konturierte Küste im Umkreis des Selenge-Deltas weiten Küstenabschnitten weicht, wie sie für die Topografie des Baikal typisch sind. Ausgedehnte Sandstrände sind im Hinterland gesäumt von weiten Kiefernwäldern. Novy Enkhaluk widmet sich nahezu ausschließlich dem Tourismus. Die Zielgruppe ist eher jung und so bieten sich einige Unterhaltungsangebote. Im Südosten spricht die Baza Otdykha Enkhaluk mit Ferienhäusern und burjatischen Jurten ein eher naturverbundenes Publikum an.

Strand in Enkhaluk. Foto: © Arkady Sarubin

Der Ortsteil Stary Enkhaluk ist beschaulicher. Auch hier finden sich einige Gasthäuser, die Infrastruktur ist jedoch weniger umfassend, als in Novy Enkhaluk.

Etwa zehn Kilometer nördlich von Novy Enkhaluk liegt eine heiße Thermalquelle, die vor allem an Regentagen – weil überdacht – eine geeignete Alternative darstellt.

Weitere vier Kilometer in Richtung Nordosten befindet sich mit Sukhaya eine gewachsene Ortschaft, die sich ebenfalls zunehmend dem Tourismus öffnet und weite Sandstrände aufweist.

Ganz am Ende der Straße liegt das ursprünglichste Dorf der Region – Zarechye. Der Strand rund um die Mündung des Sukhaya-Flusses lässt sich über Pisten erreichen. Er ist zwar steinig, jedoch außerordentlich ursprünglich, beschaulich und nahezu menschenleer, wird flankiert von einem wunderschönen Mischwald direkt am Ufer der Sukhaya.

Die drei beschriebenen Siedlungen lassen sich von der Interkontinentalen über eine durchgehend asphaltierte Straße erreichen. Die Strecke beträgt vom Abzweig aus zwischen 65 und 80 Kilometer. Aus der Republikhauptstadt Ulan-Ude sind es dementsprechend 185 bis 200 Kilometer.

Gremyachinsk und der Kotokel-See

Gremyachinsk liegt etwa 140 Kilometer nördlich von Ulan-Ude. Hier berührt die aus der Republikhauptstadt kommende asphaltierte Straße erstmals den Baikal. Die Siedlung wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Altgläubigen – also Anhängern des traditionellen Ritus der russisch-orthodoxen Kirche – gegründet. Mit dem Sieg der Kommunisten erhielt sie eine vollkommen neue Prägung, denn es wurde eine der größten Fischereikooperativen am Baikal angesiedelt, die vor allem den berühmten Omul fing und verarbeitete. Heute leben um die tausend Menschen in der Siedlung, die sich entweder noch immer der Fischerei oder aber dem Tourismus widmen.

Gremyachinsk liegt nördlich der Mündung des Flusses Kika, der die Grenze zu einem streng geschützten Naturpark markiert, aber selbst noch für vielfältige Wassersportangebote genutzt werden kann. Unmittelbar westlich der Kika-Mündung breiten sich direkt im Ort weite Sandstrände am Baikal aus. Diese günstige Lage sowie die gute Erreichbarkeit aus Ulan-Ude bedingten in den vergangenen Jahren eine starke Entwicklung des Tourismus.

Neun Kilometer südöstlich von Gremyachinsk liegt die Siedlung Kotokel am gleichnamigen See. Sie wurde ursprünglich als Fischereikooperative gegründet, widmet sich aber nun ebenfalls verstärkt dem Tourismus. Mit 150 Einwohnern ist Kotokel durchaus überschaubar, allerdings halten sich in den Sommermonaten weit mehr Menschen vor Ort auf. Direkt am Seeufer werden Ferienhäuser an Touristen vermietet. Die Wassertemperaturen sind aufgrund der geringen Tiefe des Sees deutlich erträglicher, als am Baikal. Und dies, obwohl er von diesem nur zwei bis drei Kilometer getrennt ist. Allerdings sind die Ufer des Kotokel nahezu vollständig verschilft, sodass vor dem Schwimmvergnügen dieser Gürtel überwunden werden muss.

Der See ist etwas mehr als zehn Kilometer lang und im Schnitt fünf Kilometer breit. In seiner Mitte liegt eine kleine Insel, auf der sich in früheren Zeiten ein kleines orthodoxes Kloster befand. Nachdem jedoch Ende des 18. Jahrhunderts vier Mönche von Räubern getötet wurden, ist das Kloster als Winterquartier aufgegeben worden.

Über den Fluss Istok ist der Kotokel mit dem Baikal verbunden, allerdings findet zwischen beiden Gewässern nur ein sehr langsamer Austausch statt. Neben dem Ort Kotokel befinden sich drei weitere Siedlungen direkt am Seeufer. Zudem liegen rund um den See etliche Zeltplätze, Sanatorien und Rasthäuser, die vor allem in den Sommermonaten Besucher anlocken.

Wiederholt sind am Kotokel Fälle der sogenannten Haffkrankheit aufgetreten. Diese durch Wasserverschmutzung hervorgerufene Fischvergiftung ereignete sich zum letzten Mal im Jahre 2008, wobei es zu einem Todesfall infolge des Verzehrs belasteter Fische kam. Bis heute hat sich die Situation gebessert und mittlerweile erscheint zumindest das Baden unbedenklich.

Grundsätzlich bestehen zwei Zufahrten zum See. Die erste zweigt kurz vor Gremyachinsk von der Fernstraße ab und zwar noch bevor diese zum ersten Mal den Baikal berührt. Hierüber gelangt man an das südliche Ufer rund um die Siedlungen Kotokel und Cheryomushka. Der andere Abzweig geht zwischen Gremyachinsk und Turka von der Fernstraße ab und führt zum Nordufer des Kotokel bzw. zu den Ortschaften Yartsy und Istok. Von Istok verkehrt eine unregelmäßige Fähre auf die Klosterinsel, wo Reste der alten Klostermauern bestaunt werden können. Die Insel stellt ein schamanistisches Heiligtum für die in der Region lebenden Burjaten dar.

Der Kotokel ist seines Zeichens der größte Strandsee des Baikal.

Turka und Goryachinsk

Beide Orte liegen direkt an der Fernstraße 25 bzw. 30 Kilometer hinter Gremyachinsk und etwa 175 Kilometer von der Republikhauptstadt Ulan-Ude entfernt.

Ein heiliger Ort am Strand von Goryachinsk.

Turka befindet sich an der Mündung des gleichnamigen Flusses in den Baikal. Auf dem Fluss sind weitläufige Paddeltouren möglich und das Baikalufer lockt mit einem breiten Sandstrand. Ursprünglich dominierten auch in Turka die Fisch- und die Forstwirtschaft, doch mittlerweile hat der Tourismus an Relevanz gewonnen. Direkt an der Mündung der Turka liegt ein großes Jurtencamp am Baikal-Strand. Im Ort finden sich vor allem kleinere Gasthäuser. Im Sommer verkehren vom großen Yachthafen unregelmäßige Schiffsverbindungen zur Insel Olkhon am unmittelbar gegenüberliegenden Ufer des Baikal.

Das etwa sieben Kilometer nördlich von Turka befindliche Dorf Goryachinsk basiert auf einer Thermalquelle, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt wurde. Bald darauf wurden die heilenden Eigenschaften des Wassers wissenschaftlich bestätigt, wonach auf Geheiß des Gouverneurs von Irkutsk ein Badehaus errichtet wurde. Goryachinsk ist die älteste touristische Siedlung am burjatischen Ufer des Baikal. Daneben ist es ein Zentrum der Fischindustrie, die sich auf den Fang und die Verarbeitung des Baikal-Omul konzentriert.

Heute ist vor allem der Tourismus prägend für die lokale Wirtschaft. Nördlich des Ortszentrums liegt ein Sanatorium für Patienten, die unter Brucellose und Hautkrankheiten leiden. Seit einigen Jahren wird in der Nähe des Ortes ein olympisches Wintersportzentrum entwickelt. Die heiße Quelle ist über ein kleines Bächlein auch der Allgemeinheit zugänglich. Vom Ortszentrum mit Konsum und einigen Souvenirgeschäften sind es nur wenige Meter dorthin. Durch den Wald führt von dort ein Spaziergang zum Baikalstrand mit seinen kiefernbewachsenen, weitläufigen Dünen. Dieser Abschnitt gehört zu den schönsten Stränden am Baikal und ist in den Sommermonaten entsprechend überlaufen. Einige Kilometer nördlich von Goryachinsk sind die Dünenlandschaften noch beeindruckender und weil sie direkt an der Fernstraße liegen, sind sie mit dem Auto gut erreichbar.

Maksimikha und Ust-Barguzin

Diese beiden Orte markieren das Ende der „burjatischen Riviera“. Maksimikha liegt 60 Kilometer nördlich von Goryachinsk und 235 Kilometer von Ulan-Ude, Ust-Barguzin wiederum ist 35 Kilometer von Maksimikha entfernt. Hier verlässt die Fernstraße das Ufer des Baikal, um in das Tal des Barguzin-Flusses einzubiegen.

Maksimikha ist eine alte burjatische Fischersiedlung. Die lediglich 300 Einwohner leben hauptsächlich vom Tourismus. Der Ort wird dominiert durch eine Vielzahl von touristischen Angeboten und Übernachtungsmöglichkeiten. Unter den Burjaten ist er bekannt als Wohnort zweier großer Volksschriftsteller. Mikhael Zhigitov ist 1990 hier verstorben und auch Vladimir Kornakov lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2015 in Maksimikha.

Im Nordosten des Ortes liegt eine alte Holzkirche und direkt daneben ein Freilichtmuseum, welches sich der Geschichte und Kultur der Baikalregion widmet.

Ust-Barguzin ist mit knapp 7.000 Einwohnern der mit Abstand größte Ort an der „burjatischen Riviera“ und markiert gleichzeitig deren Ende. Hier mündet mit dem Barguzin einer der längsten Zuflüsse des Baikal in den See. Die Schwemmlandebene im Bereich der Bucht des Barguzin sorgt für einen ungewöhnlich breiten Flachwasserbereich und für milde Wassertemperaturen.

Ust-Barguzin wurde ursprünglich am rechten Ufer der Flussmündung errichtet. Nach der Schaffung des Wasserkraftwerkes in Irkutsk und dem entsprechend steigenden Wasserspiegel wurde er jedoch an das linke Ufer verlegt.

Bis in die 1990er Jahre war eine große Konservenfabrik der größte Arbeitgeber. Mitte der 1990er Jahre wurde der Betrieb jedoch eingestellt. Heute leben die meisten Menschen in Ust-Barguzin von der Holzindustrie. Das touristische Potential bleibt bislang weitgehend ungenutzt. Und dies, obwohl sich hier wunderschöne Strandabschnitte finden lassen.

Im Jahr 2014 wurde eine Brücke über den Barguzin fertiggestellt. Seitdem wird kontinuierlich an der Verlängerung der Straße durch das Barguzin-Tal gearbeitet. In Bälde soll eine feste Verbindung bis in den Norden Burjatiens fertiggestellt sein. Ust-Barguzin ist schon heute ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge ins Barguzin-Tal und auf die Halbinsel Svyatoi Nos. Der Ort bietet eine Tankstelle einen großen Supermarkt und mehrere kleinere Imbissrestaurants.

Unmittelbar südlich des Ortseingangs zweigt in Richtung Osten eine Schotterstraße ab, die nach 20 Kilometern in den Ort Gusikha und nach fünf weiteren Kilometern zu einer Thermalquelle führt. Nach 70 Kilometern wird das Rajonzentrum Barguzin erreicht, wo wieder Anschluss auf die Fernstraße zwischen Ulan-Ude und Nordburjatien besteht. Auf direktem Wege entlang der Fernstraße und des Barguzin-Flusses liegen zwischen Ust-Barguzin und Barguzin etwa 50 Kilometer.

Blick über die Barguzin-Bucht auf die Svyatoi Nos. Foto: © Yuriy L.

Svyatoi Nos

Die Svyatoi Nos (zu Deutsch: Heilige Nase) ist eine Halbinsel, die sich am östlichen Ufer des mittleren Baikal weit hinein in den See zieht und neben der Insel Olkhon als eine der Kernzonen des UNESCO-Welterbes „Baikal“ fungiert.

Der Nationalpark nimmt die gesamte Halbinsel ein, erstreckt sich darüber hinaus auf die Chivyrkuisky-Bucht und die festländische Küstenlinie am Barguzingebirge und schließt zudem die vor der Syatoi Nos im offenen Baikal gelegenen Ushkany-Inseln ein.

Die Svyatoi Nos mit Blick in Richtung Südwesten.

Die Heilige Nase ist eigentlich ein Gebirgsmassiv, welches sich – wie ein Hammer geformt – von Nordost nach Südwest in den Baikal „schlägt“. Der Gebirgszug ist weitgehend identisch mit der Halbinsel. Abgesehen von dem Umstand, dass er mittlerweile durch eine sumpfige Schwemmlandebene mit dem Festland verbunden ist, die – um im Bild zu bleiben –

den Griff des Hammers darstellt. Auf der gegenüberliegenden Festlandseite erhebt sich das nicht minder eindrucksvolle Barguzin-Gebirge, sodass die durch die Halbinsel geschaffenen zwei großen Baikalbuchten in alle Richtungen pittoreske Panoramen zu bieten haben, was vor allem für die Chivyrkuisky-Bucht im Nordosten gilt.

Das Gebirgsmassiv der Heiligen Nase ist in Nordost-Südwest-Richtung 50 Kilometer lang und an seiner breitesten Stelle etwa 20 Kilometer breit. Der höchste Punkt – der Markov-Berg – befindet sich im vorderen Mittelteil und erreicht annähernd 2.000 Meter. Gen Südosten läuft die Halbinsel spitz zu und endet in einem eindrucksvollen Kap. Westlich der Halbinsel vorgelagert, liegen die Ushkany-Inseln. Diese stellen ein strenges Schutzgebiet dar, dürfen nur mit Ausnahmegenehmigung besucht werden und sind einer der wichtigsten Rastplätze für die vom Aussterben bedrohte Baikalrobbe.

Der „Griff des Hammers“ bietet eine gänzlich andere Landschaft. Es ist eine plattebene sumpfige Schwemmlandebene, in die sich das ausgreifende Arangatui-Haff hineinschneidet, ein idealer Nistplatz für verschiedenste Vogelarten und eine wichtige Station auf dem alljährlichen Vogelzug von Sibirien nach Südostasien. Zumindest im Sommer führt der einzige Weg auf die Halbinsel über eine kurz hinter der Brücke über den Barguzin-Fluss abzweigende Sandpiste entlang der Barguzin-Bucht. Nur dort ist das Gelände nicht sumpfig und kann befahren werden. Die Trasse lässt sich zwar auch mit normalen Autos bewältigen, um jedoch auf mögliche Wetterunbilden vorbereitet zu sein, ist ein geländegängiges Fahrzeug vorzuziehen.

Kurz hinter dem Abzweig von der Fernstraße liegt der Eingang zum Nationalpark. Hier müssen Pässe vorgezeigt und geringe Zutrittsgebühren entrichtet werden. Nach 25 Kilometern entlang der Schwemmlandebene erreicht die Piste den Fuß des Bergmassivs, wo sie einen 90-Grad-Knick in Richtung Nordosten macht und weiter an den Bergen entlangführt. Nach zehn weiteren Kilometern gelangt man an die Chivyrkuisky-Bucht und nach nochmals zehn Kilometern entlang der Bucht in den größten Ort der Svyatoi Nos, die Siedlung Kurbulik mit ihren hundert Einwohnern.

Fünf Kilometer vor Kurbulik liegt das noch kleinere Monakhovo mit genau vier Einwohnern. Von hier führen Wanderwege auf den Kamm des Bergmassivs, wo sich ein beeindruckender Blick auf den Baikal, auf die Ushkany-Inseln und in der anderen Richtung über die Chivyrkuisky-Bucht auf das Barguzin-Gebirge eröffnet. Hinter der Siedlung Kurbulik endet die Trasse. Weiter geht es nur noch offroad, wofür ein geeignetes Fahrzeug vonnöten ist. Zehn Kilometer hinter Kurbulik liegt die Zmeiny-Bucht, wo eine heiße Thermalquelle erkundet werden kann.

Die Ortschaft Kurbulik hat sich mittlerweile auf den Tourismus spezialisiert. Hier werden unter anderem Bootstouren rund um die Chivyrkuisky-Bucht und auf die Festlandseite an die hoch aufragenden Küsten des Barguzin-Gebirges angeboten. Ein weiterer Ausgangspunkt für Bootstouren rund um die Svyatoi Nos ist Ust-Barguzin.

Hinsichtlich der landschaftlichen, vegetativen und zoologischen Vielfalt ist die Svyatoi Nos ein unbestrittenes Highlight der gesamten Baikal-Region. Von Sümpfen über die Taiga bis zur Bergtundra ist die Landschaft extrem abwechslungsreich. Das Bergmassiv auf der Svyatoi Nos ist auf der nordöstlichen Seite von tiefen Flusstälern durchzogen. Nicht zu vergessen sind die weiten Sandstrände entlang des „Hammergriffs“. Dank des Schwemmlandes in der Barguzin-Bucht sind die Uferbereiche extrem flach und daher auch für Kinder geeignet. Zudem kann sich das flache Wasser in den Sommermonaten schnell aufheizen und bietet erträgliche Badetemperaturen.

Neben mehreren hundert Vogelarten und einem reichen Fischbestand wird die Svyatoi Nos von mehr als 50 Landwirbeltierarten bevölkert, wobei Elche, Braunbären, Hermeline, Zobel und natürlich die Baikalrobbe hervorzuheben sind.

Alla

Der Ort liegt im nördlichen Teil Burjatiens zwischen den Flüssen Alla und Sukhotka, die beide von rechts in den Barguzin münden, der wiederum einer der wichtigsten Zuflüsse des Baikal ist. Der Barguzin bildet im Nordosten des Baikal ein mehr als 250 Kilometer langes Tal, welches das Barguzin- vom Ikatsky-Gebirge trennt. Etwas südwestlich von Alla werden mit etwas mehr als 2.800 Metern die höchsten Höhen erreicht. In der Region finden sich einige heiße Thermalquellen, die allerdings teilweise äußerst schwer zu erreichen sind. Daneben sind das Tal des Barguzin sowie die umliegenden Berge prädestiniert für ausgedehnte Hiking-Touren. Allerdings ist die touristische Infrastruktur nicht sonderlich gut ausgebaut. In Alla sowie im 35 Kilometer nördlich gelegenen Kurort Kucheger finden sich nur wenige Gästebetten. Etwa acht Kilometer westlich des Ortes bildet eine am Fuße der Barguzin-Berge errichtete Tourbasis den Ausgangspunkt für Ausflüge ins Hochgebirge mit seinen tief eingeschnittenen Tälern.

Alla und das gesamte Barguzin-Tal werden erheblich vom geplanten Ausbau einer festen Straßenverbindung zwischen Ulan-Ude und Sewerobaikalsk profitieren. Bislang endet die Reise etwa 30 Kilometer nördlich von Alla im Kurort Kucheger. Doch auch dies ist schon ein enormer Fortschritt, denn erst seit einigen Jahren lässt sich die burjatische Hauptstadt Ulan-Ude auf einer nahezu durchgängig asphaltierten Straße erreichen.

Die Strecke dorthin beträgt 470 Kilometer. Bis zur Mündung des Barguzin in den Baikal sind es etwas mehr als 200 Kilometer. Danach führt die Straße für 130 Kilometer direkt am See entlang. Von dort, wo sie diesen wieder verlässt, bis nach Ulan-Ude sind weitere 150 Kilometer zurückzulegen.

Der Barguzin in dem nach ihm benannten Tal. Foto: © Vasiliy Tatarinov

Insgesamt lässt sich die Strecke innerhalb einer Tagesreise bewältigen, wobei die meisten Reisenden einen oder mehrere Zwischenstopps am Baikal oder im Tal des Barguzin einplanen werden. In Richtung Norden soll in den kommenden Jahren der etwa hundert Kilometer lange Lückenschluss ins Tal der Unteren Angara erfolgen. Von hier sind es dann nur noch etwa 150 Kilometer bis zum Nordufer des Baikal.

Sewerobaikalsk

Die Region um Sewerobaikalsk bietet einige der schönsten Ansichten am gesamten See. Allerdings liegt der nördliche Baikal derart weit von den regionalen Zentren Irkutsk und Ulan-Ude entfernt, dass er von Touristen nur selten besucht wird und eine entsprechende Infrastruktur nur gering ausgeprägt ist.

Von Irkutsk sind es knapp 900 Kilometer bis Sewerobaikalsk. Weite Abschnitte sind nur notdürftig befestigt. Wenn der Lückenschluss ins Tal der Unteren Angara fertiggestellt sein wird, ist eine Anreise auch über die Ostseite des Sees möglich. Die Entfernung von Ulan-Ude nach Sewerobaikalsk betrüge dann ebenfalls etwa 900 Kilometer. Bis dato können die Pässe des Barguzin-Gebirges nur von geländegängigen Fahrzeugen und bei geeigneten Wetterbedingungen durchquert werden. In allen anderen Fällen müsste der Weg über Irkutsk und die Westseite des Sees genommen werden, was die Reise um 500 Kilometer verlängert.

Alternativ kann die Anfahrt auch mit der Bahn erfolgen, denn nach Fertigstellung der Baikal-Amur-Magistrale ist der nördliche Baikal für den Schienenverkehr erschlossen. Die nächsten Anschlüsse an das übrige Netz bestehen bei Taishet im Westen und bei Tynda im Osten. Beide liegen jedoch mehr als tausend Kilometer von Sewerobaikalsk entfernt.

Die dritte Möglichkeit ist die Nutzung des regionalen Flughafens von Nizhneangarsk, von wo regelmäßige Flüge nach Ulan-Ude angeboten werden.

Zu guter Letzt besteht in den Sommermonaten eine Verbindung mit dem Tragflächenboot aus Listwjanka in der Nähe von Irkutsk über die Insel Olkhon nach Sewerobaikalsk. Die Fahrt dauert zwölf Stunden.

Sewerobaikalsk ist neben Ulan-Ude die einzige kreisfreie Stadt der Republik Burjatien, allerdings mit lediglich 25.000 Einwohner deutlich kleiner als die Hauptstadt. Im bevölkerungsarmen Burjatien reicht dieser Wert aber noch immer zum zweiten Rang unter den Städten der Republik.

Strand südlich von Sewerobaikalsk. Foto: © A.L.

Die Stadtgeschichte ist unmittelbar mit der Baikal-Amur-Magistrale verbunden. Wie bei der Transsibirischen Eisenbahn war die Überwindung der Baikal-Gebirge auch bei der Errichtung der Baikal-Amur-Magistrale die wichtigste ingenieurtechnische Herausforderung. Und da im heutigen Sewerobaikalsk der westliche Durchbruch zum See erfolgte, wurde hier eine große Siedlung angelegt, in der zu Beginn mehr als 100.000 Menschen lebten. Der Großteil der Arbeiter wurde in Zelten und Eisenbahnwaggons untergebracht, doch ab den späten 1970er Jahren wurden große Wohnblocks errichtet. Der Permafrostboden und die hohe Erdbebenwahrscheinlichkeit stellten für den Bau besondere Herausforderungen dar, doch letztlich unterscheidet sich das Erscheinungsbild von Sewerobaikalsk nicht von anderen russischen Industriestädten. Heute ist die Region massiv von Abwanderung und Arbeitslosigkeit betroffen. Die isolierte Lage behindert die wirtschaftliche Entwicklung und auch die Ausprägung touristischer Angebote. Die Übernachtungszahlen liegen noch immer auf einem recht niedrigen Niveau, doch zumindest hier ist die Tendenz leicht positiv. Weitere wichtige Erwerbszweige sind die Bauwirtschaft, die Fischerei und die Forstwirtschaft.

Naturräumlich liegt die Stadt in einer schmalen Küstenebene zwischen dem See und dem mehr als 2.000 Meter hohen Baikalgebirge im Hinterland. Nördlich der Stadt führen sowohl die Baikal-Amur-Magistrale als auch die Fernstraße direkt am Wasser entlang.

Unmittelbar südlich der Stadt mündet der Fluss Tyja in den See. Über eine Brücke führt eine leicht befestigte Trasse am Seeufer in Richtung Süden zur 40 Kilometer entfernten Siedlung Baikalskoye. Entlang des Weges finden sich einige unberührte Strände und eindrucksvolle Aussichten auf den von Hochgebirgen umrahmten Nordbaikal. Empfehlenswert ist vor allem das Kap Ludar kurz hinter dem Dorf Baikalskoye mit seinen malerischen Aussichten und gepflegten Wanderwegen.

Auf halbem Wege zwischen Sewerobaikalsk und Baikalskoye liegen der Große und der Kleine Slyudjanka-See, deren Wasser sich im Sommer deutlich schneller erwärmt, als der Baikal. Hier haben sich einige Touristenresorts etabliert. Die Gegend ist als Naherholungsgebiet der einheimischen Bevölkerung beliebt. Zwei Stunden Fußmarsch entfernt liegen die Stollen von Slyudyansk, in denen Gulag-Häftlinge im Bergbau schuften mussten. Von den Stollen ist nicht mehr viel zu sehen, doch es bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf die Slyudjanka-Seen und den Baikal.

Fährt man die asphaltierte Straße in Richtung der westlich gelegenen Siedlung Ulkan, wird nach 25 Kilometern am Fuß des Baikalgebirges die Thermalquelle Gouzhekit erreicht, wo sich ein kleiner Kurort mit verschiedenen Bassins und Gästezimmern entwickelt hat.

Nizhneangarsk

Der Ort mit seinen 5.000 Einwohnern markiert den nördlichsten Punkt des Baikal. Von hier sind es fast 700 Kilometer bis zur Siedlung Kultuk am südwestlichen Ende des Sees. Nizhneangarsk liegt etwa 25 Kilometer nördlich von Sewerobaikalsk und ist mit diesem über eine asphaltierte Straße verbunden. Unmittelbar neben der Siedlung fließt das Mündungshaff der Unteren Angara in den offenen Baikal. Beide Gewässer sind durch langgezogene Nehrungen voneinander getrennt.

Nizhneangarsk verfügt über einen Bahnhof an der Baikal-Amur-Magistrale. Zwischen Bahnhof und Stadtzentrum liegt der regionale Flughafen, von wo aus sich die Republikhauptstadt Ulan-Ude mit regelmäßigen Verbindungen erreichen lässt. In östlicher Richtung verläuft durch das weite Tal der Unteren Angara eine asphaltierte Straße, die zusammen mit der parallel gelegten Baikal-Amur-Magistrale den gesamten Norden Burjatiens erschließt und auf 170 Kilometern bis zur Siedlung Novy Uoyan asphaltiert ist. In einigen Jahren soll dort eine durchgehende Asphaltverbindung in den Süden der Republik anschließen. Im direkten Umfeld von Nizhneangarsk kann die Infrastruktur demnach als vergleichsweise gut beschrieben werden, allerdings ist die Anreise aus den südsibirischen Metropolen Ulan-Ude und Irkutsk noch immer recht beschwerlich.

Nizhneangarsk ist die älteste Siedlung am nördlichen Baikal und wurde schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts auf ursprünglich vom Volk der Ewenken bewohnten Territorium gegründet. Die Gegend war lange Jahre berühmt für die Zobeljagd. In den 1930er Jahren wurde hier eine Fischfabrik eingerichtet, die noch immer besteht. Zehn Jahre später folgte eine Pelztierfarm und noch einige Jahre später ein Forstbetrieb. Mit der Errichtung der Baikal-Amur-Magistrale erhielt Nizhneangarsk in den 1980er Jahren einen Bahnanschluss und einen modernen Flughafen. Die Bevölkerungszahl hat sich in diesem Zusammenhang nicht sonderlich verändert und liegt seit den 1970er Jahren relativ konstant bei etwa 5.000.

Die Insel Jarki – ganz oben im Bild – trennt das Mündungshaff der Unteren Angara vom offenen Baikal. Foto: © Roman Jurotchkin

Sehenswert sind das regionale Geschichts- und Heimatmuseum mit seiner Freilichtausstellung sowie die Wladimir-Kirche. Am nördlichsten Punkt des Baikal unmittelbar östlich der Stadt wurde vor einigen Jahren eine kleine künstliche Insel errichtet, welche mit einer Stele versehen ist. Entlang der im Stadtzentrum gelegenen „Allee der Legenden des nördlichen Baikal“ sind einige Bilder und Fossilien von in Burjatien gefundenen Mammuts und Sauriern ausgestellt.

Die Lage am Mündungsdelta der Unteren Angara und dem anschließenden Haff an der Grenze zum offenen See vermittelt einen besonderen landschaftlichen Reiz. Haff und offener Baikal werden von einer langgezogenen Nehrung geteilt. Diese Insel namens Jarki zeichnet sich durch scheinbar endlose Sandstrände von mehr als 20 Kilometern Länge aus. Das flache Wasser lädt zum Baden ein und ist deutlich wärmer als in anderen Teilen des Baikal. Im Sommer kann die nur etwa hundert Meter breite Wasserstraße zwischen dem Festland bei Nizhneangarsk und der Insel sehr schnell mit einem Katamaran überwunden werden. Im Winter können Autos problemlos über das Eis fahren.

Die Fernstraße von Nizhneangarsk führt in Richtung Osten stets entlang der Unteren Angara. Zunächst wird für etwa zehn Kilometer das Mündungshaff passiert, dann das davorliegende Delta und schließlich das weite Flusstal erreicht. Nach insgesamt 70 Kilometern gelangt man zur Thermalquelle Zhelinda, wo zwei Becken zum Baden einladen. Es gibt Gästehäuser und ein kleines Restaurant. Der Rückweg nach Nizhneangarsk lässt sich alternativ per Paddelboot über den Fluss zurücklegen. Derartige Touren werden in den Sommermonaten verstärkt angeboten. Man erhält auf diese Weise einen guten Eindruck von der Kraft des Flusses, der den zweitwichtigsten Zustrom zum Baikal darstellt.

Zum nordöstlichen Ufer des Baikal gelangt man in den Sommermonaten nur per Boot. Besonders eindrucksvoll liegt die Aja-Bucht mit ihren ausgedehnten Kiefernwäldern und Sandstränden. Sie zieht sich vier Kilometer in das Festland hinein und ist gesäumt von lieblichen Sandstränden. Ringsherum erhebt sich recht abrupt das bis zu 2.800 Meter hohe Barguzin-Gebirge. Die Bucht wird nicht selten von den am übrigen Baikal kaum anzutreffenden Baikal-Robben angesteuert. Von der Bucht aus ist es eine etwa zweistündige Wanderung bis zum pittoresken, tiefblauen Gletschersee Frolikha, der sich tief in die umgebende Hochgebirgswelt eingeschnitten hat.