Was nehme ich mit?

Eines vorweg. Soll doch jede und jeder nach eigenem Ermessen entscheiden, was notwendig ist für Reisen in die Mongolei oder die Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Die Bedürfnisse sind verschieden und die Routinen ebenfalls. Ich persönlich brauche nicht viel und neige zu einem radikalen, fast schon lieblosen Pragmatismus. Andere sind anders.

Ich will hier weder versteckte Werbung einbauen noch in den Wettstreit um den effizientest-gepackten Rucksack einsteigen, sondern nur ein paar Tipps an die Hand geben, wie man sich für ein harsches Klima und eine entsprechend entleerte Weltregion rüstet.

Zunächst wird es darauf ankommen, was man vorhat und wie man das umsetzen will. Hält man sich entlang der touristischen Attraktionen und in der Nähe größerer Siedlungen auf und nimmt die Dienste lokaler Führer in Anspruch, ist selbstverständlich weniger notwendig, wiewohl man sich auch in diesem Fall ausreichend vorbereiten sollte. Schließlich neigen gerade die Mongolen, aber auch manch andere Völker der Region zu übergroßem Optimismus und werden gegenüber möglichen Reisestrapazen eine höhere Resilienz an den Tag legen als der durchschnittliche Mitteleuropäer.

Ist man ganz auf sich allein gestellt, erfordert dies eine umso gründlichere Vorbereitung. Dies gilt nicht nur für das Gepäck, sondern vor allem für die Recherche verlässlicher Informationen.

Je weiter das Land, desto besser die Vorbereitung.

Effizient und vorausschauend, das sind die beiden Stichworte, um die es beim Packen geht. Wenn man über ein Auto verfügt, muss man auf Koffer nicht verzichten. Ansonsten sind Rucksäcke die bessere Wahl. Und auch wenn man die Koffer irgendwo unterbringen kann, sollte mindestens ein wetterfester Rucksack mitgebracht werden, denn dieser ist bei längeren Wanderungen unerlässlich.

Wer Platz sparen will, sollte die Klamotten rollen statt sie zu falten. Geht es um eine bestimmte Gewichtsgrenze beim Gepäck, können die Verbrauchsgüter vor Ort besorgt werden. Schließlich wird man an einem Flughafen einer größeren Stadt mit entsprechender Infrastruktur anlanden. Zumindest in der Mongolei wird man allerdings draufzahlen, weil die Güter des täglichen Gebrauchs nahezu durchweg teurer sind als in Deutschland. Auch die anderen Länder der Region sind keine Billigparadiese.

Bricht man mit dem eigenen Auto aus Deutschland auf, geht es zunächst um den fahrbaren Untersatz selbst. Allradantrieb sollte es schon sein. Dazu ein, besser zwei Reservekanister, ein vollständiger Verbandskasten und ein Reserverad samt Wagenheber. Selbstverständlich müssen auch die Unterlagen stimmen. Die grüne Versicherungskarte wird gemeinhin akzeptiert. Für den deutschen Führerschein gilt dies nicht immer, weshalb es Sinn machen kann, beim nächstgelegenen Bürgeramt einen internationalen Führerschein zu beantragen. Kostet um die 15 Euro. Bei den Fahrzeugpapieren reicht die deutsche Sprache aus, ist eine beglaubigte Übersetzung nicht erforderlich. Kompliziert wird es, wenn man nicht als Eigentümer eingetragen ist. Dann muss der rechtmäßige Halter eine Vollmacht ausstellen, die notariell beglaubigt und von einem zertifizierten Büro in die jeweilige Landessprache übersetzt werden muss. Unter Umständen muss sogar ein Bestätigungsstempel der jeweiligen Botschaft beigebracht werden. Mit einem Mietwagen wird es im Regelfall nicht möglich sein, Grenzen zu überqueren. In der Mongolei, Russland und Zentralasien ist das total unüblich, im Kaukasus geht es – zumindest zwischen Georgien und Armenien sowie Georgien und Aserbaidschan.

Ob Mietwagen, Tourenbus oder der eigene Pkw – auf ein Auto wird man kaum verzichten können.

Mit dem eigenen Auto ist es überall dort einfach, wo keine Zollgrenzen überwunden werden. Das gilt für die Europäische Union, aber auch für die Länder der russisch dominierten Eurasischen Zollunion. Will man beispielsweise an den kirgisischen Yssykköl oder in den Tienschan muss aus Berlin kommend nur eine Zollgrenze überwunden werden. Entweder zwischen Polen und Belarus oder zwischen Lettland und Russland, wobei angesichts der politisch instabilen Lage in Belarus Letzteres zu empfehlen ist. Usbekistan hält derzeit nur einen Beobachterstatus in der Eurasischen Zollunion. Darüber hinaus wird auch in der Mongolei und in Tadschikistan über eine Mitgliedschaft diskutiert. Armenien ist zwar Mitglied, besitzt aber keine Verbindung zum riesigen Rest des Zollgebietes. In der Regel wird man das Auto jedoch zollfrei einführen dürfen, unter der Vorgabe, dass man es nach einer gewissen Zeitdauer wieder zurückführt. Nur der Papierkram an der Grenze kann halt nerven.

Das Auto hat ein Häkchen. Zurück zur Packliste. Nicht alles ist gleich wichtig. Die Dinge, von denen man denkt, dass man sie vielleicht doch noch gebrauchen könnte, können getrost zu Hause bleiben. Und selbst in der weiten Steppe wird man irgendwann an einer Waschmaschine vorbeikommen. Von den Basics sollte jedoch besser nichts fehlen.

Abgesehen vom Hochsommer zwischen Mitte Juni und Mitte August muss zumindest in der Mongolei und in Sibirien mit Frost gerechnet werden. Will man abends oder nachts draußen sitzen, hilft auch im Sommer eine dicke Jacke. Dann feste, über den Knöchel reichende Wanderschuhe und für längere Ausflüge im Gelände regenfeste Kleidung. Mütze oder Hut gegen die Sonne. Badeschuhe für die Strände der verschiedenen Steppenseen am Wegesrand, die Banja und für die sanitären Anlagen, die in den Jurtencamps oder den Gostevye Domy von allen Gästen gemeinsam genutzt werden. Badehose-/anzug, weil Nacktbaden unüblich ist. Und natürlich ein Handtuch.

Frauen sollten ein Kopftuch einpacken, welches nicht nur in Zentralasien, sondern auch in den ostkirchlichen Ländern (Russland, Georgien, Armenien) von Vorteil ist. Nicht auf der Straße, aber zumindest bei der Besichtigung von Kirchen und Moscheen.

Bei der Kosmetik sei zuvorderst Sonnenschutz genannt. Selbst wenn es nicht so heiß ist, kann die Sonnenstrahlung in der weiten Steppe fatale Folgen haben. Zumal wenn man sich in den Bergen oder auf einer Hochebene aufhält. Mückenschutz ist ebenfalls ratsam. Vor allem in der Taiga und an den Steppenseen. Sobald man sich aus dem urbanen Raum entfernt, ausreichend Klopapier mitnehmen. Man wird es mit Sicherheit irgendwann benötigen. Gleiches gilt für Feuchttücher, die auch ohne Baby an Bord ihren Sinn entfalten. Beispielsweise nach staubigen Fahrten oder fettigem Essen.

Eine kleine Reiseapotheke sollte Verbandszeug, Pflaster, Fieberthermometer, Pinzette, Schere, mehrere Atemmasken und Desinfektionsspray enthalten. An Medikamenten Nurofen gegen Fieber, Ibuprofen/Paracetamol/Aspirin gegen Schmerzen und anderes, Imodium akut gegen Durchfall, Cetirizin gegen allergische Anfälle, Kühlsticks gegen Insektenstiche, eine entzündungshemmende Salbe und ein Mittel gegen Reiseübelkeit. Man kann gar nicht zu viel einpacken, denn diese kleinen Helfer gegen die Leiden des Alltags sind immer auch ein gutes Mitbringsel für die Nomaden, die man am Wegesrand trifft und auf deren Unterstützung man womöglich angewiesen ist. Gleiches gilt für Einwegwindeln, die z. B. in der Mongolei sehr teuer sind. Bei der Reiseapotheke muss darauf geachtet werden, dass keine Kodeine mitgeführt werden, denn diese sind in den meisten Ländern der Region streng verboten.

Ist man ungebunden und offen für sexuelle Kontakte, Kondome nutzen (lassen). Die HIV-Rate ist vom Kaukasus bis in die Mongolei überall deutlich höher als in West-/Mitteleuropa.

Der Rucksack ist ein praktischer Begleiter. Foto: © Daniel Maleck Lewy

Bei der Verpflegung steht Wasser an erster Stelle. Dazu haltbares Brot und Aufstrich, ein paar Konserven und Süßigkeiten für die Kinder. Nicht nur für jene, die möglicherweise mit an Bord sind, sondern auch für die, die man auf der Reise trifft.

Pass, Personalausweis, Führerschein, evtl. internationaler Führerschein, Impfpass, EC- und Kreditkarten sowie Bargeld immer an einem sicheren Ort aufbewahren. Ein Geldgürtel ist ein ziemlich sicheres Versteck. Die gute alte Bauchtasche mag modisch nicht mehr en vogue sein, hat aber definitiv ihren praktischen Wert. Umso besser, wenn die ganz wichtigen Dinge auf der Reise vor Nässe geschützt sind.

Buchungsbestätigungen, Impfbescheinigungen, behördliche Genehmigungen, Fahrkarten und anderes mehr würde ich auch als Ausdrucke mitführen. Schließlich kann in diesen Weiten der Strom ausfallen, wenn es denn überhaupt welchen gibt. Aus dem gleichen Grund würde ich auch einen kleinen Notizblock mit Stift einpacken, ein russisch-deutsches bzw. mongolisch-deutsches Wörterbuch und – so vorhanden – möglichst detailliertes Kartenmaterial zur zu bereisenden Region. Wenn man nach dem Weg fragt, kann eine Orientierungshilfe von Nutzen sein – für einen selbst, aber auch für den Befragten. Natürlich sind Google.maps und andere Geo-Dienste jeder Landkarte weit überlegen und ein extremer Fortschritt für Abenteuerreisende. Allerdings gibt es nicht immer ein Signal.

Nun sind wir bei der Technik angelangt. Soll jede und jeder nach persönlichem Gusto entscheiden, was notwendig und nützlich ist. Auf das Handy wird wohl kaum jemand verzichten wollen. Werden noch weitere Geräte mitgeführt, kann sich eine Powerbank lohnen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufgeladen werden muss. Reiseadapter sind nicht notwendig, weil in der Mongolei und dem gesamten postsowjetischen Raum die gleichen Steckdosen genutzt werden wie in Deutschland und weil sich auch die Spannung nicht nennenswert voneinander unterscheidet. Will man viele Fotos in hoher Auflösung machen, wird man neben der Kamera einen externen Datenspeicher benötigen. Batterien und Aufladekabel nicht vergessen.

Ein Zelt samt Campingausrüstung kostet natürlich Platz, erhöht aber ganz erheblich die Flexibilität. Will man nicht alles aus Deutschland mitnehmen, kann es auch vor Ort gemietet werden. Mittlerweile finden sich in allen größeren Städten vom Baikal, über die Mongolei, Zentralasien bis in den Kaukasus entsprechende Anbieter. Benötigt werden das Zelt selbst, eine Isomatte zum Aufpumpen, warme Schlafsäcke mit Inlay, ein kleines Kopfkissen bzw. Nackenstütze sowie ein Campingkocher mit Gaskartuschen, Pfanne, ein bis zwei gute Messer und Geschirr.

Das eigene Zelt erhöht erheblich die Flexibilität. Foto: © Krish Dulal

An sonstigen Assets will ich zuvorderst das Fernglas nennen, weil sich diese riesige Region zwischen Kerneuropa und Ostasien bestens für die Tierbeobachtung eignet. Im Übrigen sind Ferngläser ein perfektes Geschenk, mit dem man sich bei den Einheimischen für die eine oder andere Gunstleistung revanchieren kann. Für Nachtwanderungen oder einfach nur den Weg von der Jurte zum Gemeinschaftsklo kann eine Stirnlampe von Nutzen sein. Wenn man darauf verzichtet, sollte immerhin eine Taschenlampe eingepackt sein.

Nun ist der Text inhaltlich an dem Punkt angelangt, wo der Koffer respektive Rucksack ordentlich befüllt ist und man durch die Wohnung rennt auf der Suche nach Dingen, die vielleicht noch von Nutzen sein könnten. Lassen wir das. Pass, Dokumente, Geld sind da. Alles andere lässt sich vor Ort erwerben. Und ganz allein wird man selbst in Zentral-/Nordasien nicht sein.