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Ostwärts Reisen

Georgische Atempause von der Pandemie und anderem Mist

Die verflixte Corona-Pandemie hatte uns schon den Sommerurlaub am westlichen Baikal gekostet. Und nun stand auch der Kaukasus auf der Kippe. Ursprünglich wollten wir – wieder im September – elf Tage durch Georgien reisen, um dann mit dem Nachtzug von Tiflis nach Baku zu fahren und den Urlaub in der aserbaidschanischen Hauptstadt ausklingen zu lassen. Den letzten Teil konnten wir uns schon mal abschminken, weil Aserbaidschan seine Grenzen bis auf Weiteres geschlossen hatte und sich zudem ein Krieg mit dem benachbarten Armenien um die umstrittene Region Berg-Karabach anbahnte. Blieb also Georgien, das seit Monaten zu der Handvoll Nicht-EU-Staaten gehörte, die nicht auf der Risikoliste des Robert-Koch-Institutes standen. Wir durften also raus, nun mussten sie uns nur noch reinlassen. Und das taten sie auch. Wenige Tage vor dem geplanten Abflug entschied die georgische Regierung, erstens, wieder Flüge aus dem Ausland einzulassen und zweitens, für im Baltikum, in Frankreich oder in Deutschland gemeldete Bürger keine Quarantäne anzuordnen. Wir buchten also unsere Flüge und landeten schon anderthalb Wochen später am Flughafen in Tiflis. Wir konnten es kaum glauben. Der Urlaub war auch deswegen so wichtig, weil uns das Jahr 2020 neben Corona noch ein paar weitere Zumutungen beschert hatte, von denen wir uns erholen mussten.

Wir wollten am Tifliser Flughafen ein Auto mieten, von dort nach Mtskheta und einen Tag später an den Magnetstrand von Ureki ans Schwarze Meer fahren. Dann weiter nach Batumi und über den Kleinen Kaukasus nach Akhalzikhe und Borjomi. Zuletzt noch ein Abstecher in die Weinregion Kachetien und schließlich vier Tage in Tiflis.

Endlich drin und frei

Die georgische Regierung verlangte von jedem Reisenden aus dem Ausland den Eintrag in ein elektronisches Corona-Register. Hier musste eine georgische Kontaktperson angegeben werden, wofür ich nach Rücksprache Sweta auswählte, die uns in den letzten vier Tagen ein Apartment in Tiflis vermieten wollte. An sie würden sich die georgischen Behörden wenden, falls Nachfragen bestünden.

Der letzte Punkt im Fragebogen lautete, ob man bei eventueller Aufforderung bereit sei, einen PCR-Test am Flughafen vornehmen zu lassen. Man hätte theoretisch auch „Nein“ ankreuzen können, doch keiner der Mitreisenden in unserem Flieger hatte dazu die Chuzpe gehabt. Nach dem thermischen Screening wurden an der Passkontrolle also sämtliche Nicht-Georgier zu einer Teststation außerhalb des Flughafengebäudes beordert, was ewig dauerte und deutlich besser hätte kommuniziert werden können. Doch immerhin würde uns nach etwa 24 Stunden ein konkretes Ergebnis an unsere E-Mail-Adresse gesandt werden.

Wir verstanden natürlich die epidemiologische Bewandtnis dieses Vorgehens, machten uns aber große Sorgen, ob der Vertreter der Mietwagenfirma so lange warten würde. Tatsächlich war der Flughafen wie ausgestorben als wir endlich unsere Koffer geholt und den Zoll passiert hatten. Schon der Flug selbst war mehr als eine Stunde später losgeflogen, weil die Grenzbeamten in Berlin-Schönefeld mit der Passkontrolle nicht hinterherkamen. Berlin halt. Und nun war die vereinbarte Treffzeit um mehr als zweieinhalb Stunden überzogen.

Die Schalter der Mietwagenfirmen waren allesamt geschlossen, auch jener zum Ankauf georgischer Handy-SIM-Cards. Nur die Dame von der Wechselstube konnte uns kurz vor Ladenschluss noch ein paar Georgische Lari verkaufen. Draußen rief ich fast hysterisch nach dem „Alamo-car-rental-guy“ in der Hoffnung, dass er vielleicht noch an der Straße warten würde. Dem war auch so. Er war gerade am Gehen und wir waren irre froh, ihn noch erwischt zu haben. Nach allerlei Erklärungen starteten wir den Wagen und unser Urlaub konnte beginnen. Bei all der Unbill des Jahres 2020 hatten wir das nicht mehr für möglich gehalten und waren umso besser gelaunt.

Endlich angekommen. Abendessen an der Svetizochveli-Kathedrale in Mtskheta.

Von Mtskheta ans Schwarze Meer

Die erste Nacht wollten wir bewusst nicht in Tiflis, sondern im 25 Kilometer nördlich davon gelegenen Städtchen Mtskheta verbringen. Hier würden wir bestimmt nicht lange nach der Unterkunft suchen müssen, hätten das Verkehrsgetümmel der Hauptstadt schon passiert und ein paar Kilometer auf dem folgenden langen Weg zum Schwarzen Meer gespart. Wir kamen erst gegen 21 Uhr Ortszeit an. Unser Hotel war eigentlich eine Pension und bestand aus lediglich zwei Zimmern. Die Gastgeber hatten nicht mit uns gerechnet, weil sie ihren Booking.com-Auftritt schon seit längerem nicht mehr geprüft hatten. Doch egal. Sie würden schnell ein Zimmer herrichten und in der Zwischenzeit könnten wir in der kleinen Altstadt von Mtskheta zu Abend essen. Gesagt, getan. Ich schaffte die Koffer rauf und los gings.

Das alte Mtskheta war uns schon ein Jahr zuvor zu Herzen gegangen, doch nun war es um uns geschehen. Die riesige Swetizchoweli-Kathedrale wurde angestrahlt und oben auf dem Berg leuchtete das noch ältere Jvari-Kloster. Die Nacht war lauschig und wir saßen auf der Terrasse eines gemütlichen georgischen Lokals. Ansonsten waren es wohl eher die Umstände, die uns bewegten, denn die Stadt schien wie ausgestorben.

Am Morgen wurde für uns im kleinen Garten der Unterkunft ein reichhaltiges Frühstück bereitet. Die Gastgeberin sprach Englisch und ihr Mann Russisch, beide zeigten die für uns schon gewohnte georgische Gastfreundschaft. Beim Losfahren überhäuften sie uns mit etlichen georgischen Küchlein und mit Obst. Das war irgendwie skurril nach nur einer Nacht für umgerechnet 15 Euro, doch darum gings nicht. Sie waren einfach nett und das Essen würde uns auf der langen Fahrt zum Schwarzen Meer gewiss nicht schaden.

Die fehlende georgische SIM-Card rächte sich insofern, dass zwischendurch immer wieder die Internetverbindung abbrach und ich mich statt auf Google.maps auf meine Intuition verlassen musste. Es können nicht allzu viele Umwege gewesen sein, denn wir erreichten Ureki ziemlich genau nach den veranschlagten viereinhalb Stunden. Auch hier war man nicht wirklich auf uns vorbereitet, reagierte aber schnell. Wir bekamen ein großzügiges Zimmer mit Meerblick und umlaufender Terrasse. Das Wetter war bestens und wir wollten gleich zum Strand. Ringsherum schienen sich alle zu fragen, wie es diese eigenartige mongolisch-deutsche Kombination in diesen ganz speziellen georgischen Spätsommer geschafft hatte.

Blick von unserem Zimmer in Ureki.

Ureki ist vor allem bekannt für seinen magnetischen dunklen Sand, der allerlei heilende Wirkungen entfalten soll. Im Norden der Siedlung gab es schon seit Sowjetzeiten ein großes Sanatorium, das Hinterland war dicht bewaldet und im Süden hatte sich über die Jahrzehnte immer mehr Ferientrubel angesiedelt. Der Strand war fest in georgischer Hand. Wie sollte es auch anders sein. Von Corona spürte man kaum etwas und abends dröhnte aus den Strandbars die Musik.

Ein Glas Wein im Sonnenuntergang, ein Strandspaziergang zwischen Brandung und dem Pinienwald, unsere Backgammon spielenden Vermieter und später im Zimmer das konstante Rauschen der nur wenige Meter entfernten Brandung. Es hatte ziemlich gut begonnen und in uns wuchs die Hoffnung auf einen halbwegs ungetrübten Urlaub. Mittlerweile wussten wir, dass wir am Flughafen am Tag zuvor negativ getestet worden waren.

Am Morgen darauf sprangen wir noch einmal rein, wobei der Ehrlichkeit halber erwähnt sein muss, dass wir uns das Meer mit ziemlich vielen leeren Plasteflaschen und anderweitigem Müll teilen mussten.

Baden an der Grenze

Wir brachen gegen neun Uhr morgens auf in Richtung Batumi. Weil unsere nun schon dritte Unterkunft lediglich 60 Kilometer entfernt war und wir dort bereits am späten Vormittag eintreffen würden, schlug ich vor, gleich durch bis zur türkischen Grenze nach Sarpi zu fahren. Ich hatte schon im vergangenen Jahr gehört, dass das Wasser dort deutlich besser sein solle als in Batumi, wo die Abwässer der Hotels noch immer weitgehend ungefiltert ins Meer geleitet würden.

Kurz vor Sarpi hielten wir an einem kleinen Wasserfall, der von den Felsen über uns zum Strand unterhalb der Straße führte. Unten hielten dutzende einheimische Lasen gerade ihren alljährlichen Rock Fishing Contest ab. Die sich mühsam umhertastende mongolisch-deutsche Kleinfamilie wurde mit einer Mischung aus Neugier und Verwunderung betrachtet.

Nur wenige Kilometer weiter erreichten wir den georgisch-türkischen Grenzübergang Sarpi. Dieser war nur für den Güterverkehr geöffnet und Badetouristen gab es in diesem Corona-Spätsommer auch nicht, sodass sämtliche Restaurants geschlossen waren. Direkt vor der Grenzabfertigung lag immerhin ein unansehnlicher Flachbau, in dem einige Imbisse und Kioske eingerichtet waren. Spezialität war eine Art georgischer Hefezopf mit Fleisch-, Kartoffelbrei- oder Gemüsefüllung. Dazu gabs Instant-Kaffee. Es schmeckte ganz gut, ich konnte am Fenster nebenan gleich günstig Zigaretten kaufen und wir genossen die sehr besondere Atmosphäre direkt an der georgisch-türkischen Corona-Grenze.

Ein wunderbarer Badetag an der türkischen Grenze. Das eigenwillig geformte Gebäude ist des georgische Grenzterminal.

Der Strand war zwar steinig, dafür aber weniger grobkörnig als in Batumi. Gegen ein geringes Entgelt mieteten wir uns eine Liege und erstanden bei vorbeilaufenden Händlern frisches Obst. Das Wasser war klar, frisch und sauber und wir hatten einen wunderbaren Blick auf den georgischen Ort Sarpi mit seiner kleinen St. Andreas-Kirche, das Grenzterminal und das dahinter gelegene türkische Sarp, von dessen Moschee der Muezzin gerade zum Gebet rief.

Soana schwamm zum ersten Mal im Meer. Mit Schwimmflügeln zwar, aber dennoch. Wir sammelten Glitzersteine, bauten Strandburgen und zählten die zahlreichen deutschen Aufschriften auf den Lkws, die die Grenze in Richtung Türkei passieren wollten. Das riesige Grenzterminal wurde übrigens vom deutschen Architekten Jürgen Mayer H. geschaffen, dessen Werk wir mit den Metropol-Parasol-„Pilzen“ in der Innenstadt von Sevilla schon bewundern durften. Ob eine solche Konstruktion angemessen war für einen schnöden Grenzübergang, mag dahinstehen, spektakulär sah es allemal aus und Ex-Präsident Saakaschwili hatte nun mal ein Faible für alles Moderne.

Gegen 15 Uhr kam die Sonne raus. Vorher war es nahezu perfekt gewesen, doch nun drückte es viel zu sehr. Ich sah schon jetzt aus wie ein Tintenfisch, weil ich die Kraft der Sonne angesichts des vorher noch bedeckten Himmels massiv unterschätzt und mich fast durchgängig im Wasser aufgehalten hatte.

In Batumi brauchten wir wieder etwas Zeit, um unser Apartment zu finden. Schließlich hatten wir uns noch immer keine georgische SIM-Card zugelegt und konnten unterwegs nicht ins Netz. Wir stoppten instinktiv an einem halbfertigen Hochhaus, das zwar deutlich anders aussah als auf der Website, von der Lage aber passte. In der Lobby stellte der Concierge den Kontakt zu den Vermietern unseres Apartments her. Die kamen bald und wir waren angekommen.

In Batumi war es gerade zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Die Zahlen lagen zwar signifikant unter dem deutschen Schnitt, doch für Georgien waren es die höchsten Inzidenzen überhaupt seit Beginn der Pandemie. Das merkte man der Stadt an. Die ansonsten so stark frequentierte Strandpromenade sah nur den einen oder anderen Jogger bzw. ein paar spazierengehende Familien. Von den hunderten Fahrgeschäften, die wir noch aus dem letzten Jahr kannten, waren nur wenige geblieben. Immerhin konnte sich Soana ein bemitleidenswert gerupft aussehendes Plüschpferd erangeln, dem sie den poetischen Namen „rote Lampe“ verlieh.

Die allabendliche Suche nach einem guten Restaurant stand unter dem Motto: Keine Experimente. Wir nahmen das erstbeste zwischen unserem Apartmentgebäude und der Strandpromenade und hatten gut gewählt. Das Essen schmeckte, der Service war fast überehrgeizig, um uns herum leuchteten die Gebäude bald im festlichen Glanz der abendlichen Scheinwerfer und hinter uns trällerten die Wasserspiele in einem künstlichen See hinter der Strandpromenade klassisch vor sich hin.

Las Vegas am Meer.

Der zweite Tag in Batumi brachte nicht viel Neues. Wir schauten nochmal in der Innenstadt vorbei, ließen Soana an den etlichen Spielplätzen entlang der Strandpromenade frei und machten ein paar Einkäufe. Am Nachmittag gingen wir nochmal zum Strand, doch das Baden war hier deutlich weniger schön als am Tag zuvor in Sarpi.

Noch ein paar Tipps zum Schluss

In Ureki sollte man im örtlichen Sanatorium unbedingt eine Anwendung buchen, damit sich die Reise auch lohnt. Das wird nach der Pandemie hoffentlich genauso wieder möglich sein wie ein kurzer Abstecher in die Türkei. Ein Auslandsaufenthalt sollte jedoch bei der Mietwagenfirma angemeldet werden. Diese wird dann gegen einen kleinen Aufpreis sämtliche Unterlagen vorbereiten. Die Kontrollen an der Grenze sind nicht sonderlich aufwendig.

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Falk Schäfer
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