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Ostwärts Reisen

Die wilde Küste Hokurikus und weiter nach Kobe

In keinem Land der Welt hatte ich mich so lange aufgehalten wie in Japan. Insgesamt dreieinhalb Jahre von 2005 bis 2009 mit kleinen Unterbrechungen. Zu lange, wie sich herausstellte, denn ich konnte die vielen kulturellen Zumutungen irgendwann nicht mehr ertragen.

Das Geschäft führte mich nun zurück. Erstens biete ich Reisen nach Japan an und zweitens wird bald ein Japan-Buch unter meinem Namen erscheinen. Also hieß es, Infos sammeln, Leute treffen, Fotos machen. Alles in einer Mordsgeschwindigkeit.

Ich war von Prag über Taipeh nach Osaka geflogen, hatte mir dort ein Auto gemietet und war in der Folge zunächst die Pazifikküste Honshus abgefahren. Dann auf die andere Seite zum Japanischen Meer und in die Berge Zentraljapans. Nun standen Kanazawa, die wilde Noto-Halbinsel und die Brücke zum Himmel auf dem Programm. In Kobe würde ich zurückkehren in die Kansai-Region und damit den oberen Teil meiner Acht durch Japan vollenden.

Im Dorf Ogimachi der Gemeinde Shirakawago.

Die Bauerndörfer von Shirakawago und Gokayama

Berge und Kleinstädte hatte ich in den vergangenen Tagen zur Genüge genossen. Von nun an sollte es urbaner und auch mariner werden, was ich beides befürwortete. Ziel des Tages war Kanazawa, die Perle am Japanischen Meer. Auf dem Weg dorthin ein Abstecher in die Bauerndörfer von Shirakawago und Gokoyama, die mit ihrer traditionellen Architektur Eingang ins UNESCO-Welterbe gefunden haben. Der Weg von Takayama führt entweder über die Autobahn oder über die Bergstraße, wobei ich mich für Letzteres entschied. Fast für mich allein, denn an diesem verregneten Samstagmorgen traf ich kaum ein anderes Auto. Ich kam von hinten rein, über schmalste Serpentinen, versteckte Wasserfälle und die ersten reetgedeckten Bauernhäuser am Wegesrand. Vermutlich eine gänzlich andere Erfahrung, als wenn man aus dem Autobahntunnel auf die Abfahrt gleich dahinter und zum ausgreifenden Parkplatz gelangt, was vielleicht schneller, aber weniger romantisch gewesen wäre.

Shirakawago ist nur der Name der Gemeinde, während dieses spezifische Dorf hier Ogimachi hieß. Schön, aber total überlaufen. Selbst zu dieser frühen Stunde bevölkerten schon etliche Reisebusse den ausgreifenden Parkplatz. Man darf nur hier sein Auto abstellen und nirgendwo sonst, was von dutzenden Fähnchen schwenkenden Opis in Erinnerung gerufen wird. Ich werde nie verstehen, warum man lieber im Dauerregen ein menschliches Verkehrsschild spielt, anstatt den Samstag mit den Lieben zu verbringen. Was für eine sinnlose Verschwendung von Lebenszeit. Einer hätte noch Sinn ergeben, aber warum gleich mehrere Dutzend?

In einem der reetgedeckten Häuser ist ein Museum eingerichtet.

Vom Parkplatz führt eine hübsche Brücke auf die andere Seite des Flusses, wo sich das Dorf mit den Bauernhäusern erstreckt. Eine beeindruckende Szenerie, obwohl es im Winter bei hohem Schnee oder auch bei Sonnenschein sicher schöner ist als bei herbstlichem Nieselregen. Eines der Häuser ist als Museum zur traditionellen Alltagskultur der Region ausgestaltet, stellt die Lebenswelten von vor hundert Jahren nach.

Einen schönen Draufblick hat man vom Ogimachi Observation Deck, das ich nach einiger Sucherei mit dem Auto gefunden hatte. Schön, aber insgesamt war mir Ogimachi viel zu trubelig. Will gar nicht wissen, was bei gutem Wetter hier abgeht.

Die Gemeinde Gokayama mit den Bauerndörfern Suganuma und Ainokura waren wesentlich angenehmer. Nur 20 Autominuten entfernt, aber bereits zur Toyama-Präfektur zählend. Die Häuser sind genauso hübsch, die Natur ebenso, dafür ist das Parken günstiger und die Atmosphäre insgesamt beschaulicher. Zumal auch einige regionale Traditionen wie die Herstellung von Japan-Papier oder Schießpulver sowie spezifische Trachten und Tänze von Interesse sind. Ohne Auto allerdings mühselig, ist Shirakawago und hier das Dorf Ogimachi mit Bussen deutlich besser angebunden.

In der Gemeinde Gokayama war es deutlich ruhiger als in Shirakawago.

Kanazawa – Perle am Japanischen Meer

Von Ainokura war es nur noch eine knapp Stunde bis Kanazawa. Es ist nicht die größte, aber doch die schönste Stadt am Japanischen Meer. Während der Edo-Zeit Sitz der mächtigen Maeda-Familie, die den Tokugawa eng verbunden war, daher besonderen Schutz genoss und sowohl der Stadt als auch der Region mit ihren fruchtbaren Böden zu einer gewissen Prosperität verhalf.

Ich wollte möglichst früh ankommen, weil ich wusste, dass Kanazawa Einiges zu bieten hat, wofür ich Zeit benötigen würde.

Mein Ryokan lag im Süden der Innenstadt mitten im großstädtischen Trubel, den ich in den vergangenen Tagen etwas vermisst hatte. Als ich meinen Koffer aus dem Kasten herauswuchtete, fielen sämtliche Klamotten in den Regen. Ich hatte vergessen, dass er offen war, musste aber ohnehin dringend waschen. Während die Maschine lief, unternahm ich einen ersten Spaziergang. Jenseits des Sai-Flusses erstreckt sich der kleine Nishi-Chaya-Distrikt, der seinerzeit außerhalb der Stadtmauern lag, weshalb sich hier das Vergnügen ansiedeln durfte. Mit dem Pendant auf der anderen Seite der Stadt kann er allerdings nicht mithalten, weshalb es schnell weiterging in die teramachi, die Tempelstadt. Der Myoryuji ist der interessanteste der dutzenden Tempel in der Gegend. Er wird auch als Ninja-Tempel bezeichnet, weil sich etliche versteckte Wehranlagen finden lassen. Die Tokugawa hatten den Mönchen jegliche Bewaffnung verboten, sodass es eben im Geheimen geschehen musste…

Ich durchstreifte die teramachi von oben bis unten, bevor es an der Sakura-Brücke wieder über den Sai-Fluss und entlang einer langgezogenen Fußgängerpromenade zurück zum Ryokan ging.

Kenrokuen – der Garten der sechs Erhabenheiten.

Nachdem die Wäsche aufgehangen war, wollte ich im Dauerlauf den Rest der Stadt erschließen. Zunächst zum Kenrokuen, dem Garten der sechs Erhabenheiten, welcher in Japan allenthalben für seine Grazie gerühmt wird und daher die Top-Sehenswürdigkeit von Kanazawa markiert. Diese herausgehobene Provenienz konnte ich nicht nachvollziehen, aber sicher ein hübsches Exempel der im Allgemeinen immer recht ansehnlichen japanischen Gartenkunst.

Am östlichen Ausgang lässt sich mit der seisonkaku eine edozeitliche Villa besichtigen. Direkt südlich schließt das hübsch gestaltete Museums-Viertel an, welches ein Potpourri verschiedener moderner Architektur-Stile von der Neorenaissance bis zur Postmoderne bereithält und von einem großzügigen Park umgeben ist. Über das Museum für moderne Kunst und das Rathaus ging es am Ryokan vorbei ins Viertel mit den alten Samurai-Residenzen. Am Anfang thematisiert die Shinise Kinenkan das Leben der Kaufleute, doch gleich dahinter finden sich in einem von Erdwällen und Gräben durchzogenen Viertel die Villen der japanischen Kriegerkaste, von denen zwei der Öffentlichkeit als Museum offenstehen.

Anschließend von der Seite hinein in den Oyama-Schrein und über eine Fußgängerbrücke auf das Areal der alten Burg. Dankenswerterweise hatte man sich in Kanazawa für eine originalgetreue Rekonstruktion und nicht für eine billige Kopie aus Stahlbeton entschieden. Das Burgmuseum hatte gerade geschlossen, doch immerhin ließ sich der Park ringsherum besichtigen. Wenige Minuten später wurden auch hier die Tore gesperrt, sodass ich wieder ein wenig Glück gehabt hatte.

Weiter im Dauerlauf zum Asano-Fluss, der die Innenstadt im Norden begrenzt. Zunächst wird man im Kazuemachi-Chaya-Viertel ein wenig angeteasert und jenseits der Fußgängerbrücke wird es im Higashi-Chaya-Distrikt richtig schön. Kanazawa gilt gemeinhin als kleines Kyoto und Higashi-Chaya muss den Vergleich mit dem Geisha-Viertel Gion als dem Kyotoer Pendant ebenfalls nicht fürchten. Gleich am Anfang stehen die prächtigen Teehäuser Shima und Kaikoro. Nicht nur hier, sondern überall in den engen Gassen lassen sich für teures Geld Abende mit ausgebildeten Geishas buchen, wobei die japanischen Künste nicht bei jedem ausländischen Besucher für Kurzweil sorgen. Mir reichte der kurze Spaziergang, um die besondere Atmosphäre dieses Ortes aufzusaugen. Im östlich und etwas höher gelegenen Utatsuyama-Park bietet sich eine herrliche Draufsicht auf die Szenerie.

Die Burg von Kanazawa wurde originalgetreu rekonstruiert.

Fleisch statt Suppe

Ich hatte mit einem Taxi geliebäugelt, nahm die knapp zweieinhalb Kilometer zurück zum Ryokan dann aber doch im Dauerlauf. Besonders schön war die prächtig beleuchtete Straße zwischen der Burg und dem Kenrokuen und weiter auf das Moderne Kunstmuseum zu.

Nach sehr viel Nudelsuppe in den vergangenen Tagen bin ich zur Abwechslung in ein Yakiniku-Restaurant eingekehrt. Yakiniku sind dünn geschnittene Fleischscheiben, die direkt am Tisch gegrillt werden. Das war in Kanazawa besonders sinnvoll, weil die benachbarten Regionen Hida und Noto für ihr hervorragendes Rindfleisch gerühmt werden. Nicht billig allerdings, denn für die paar Happen hätte ich zehn Nudelsuppen ordern können.

Kanazawa war der erste Ort seit Beginn der Reise, an dem ich mehr als eine Nacht geplant hatte. Und zwar, weil ich mir eine Rundtour um die weit ins Japanische Meer hineinragende Noto-Halbinsel vorgenommen hatte. Ich tendierte zwar ohnehin dazu, jeden Tag immer früher aufzubrechen, doch heute gab es einen weiteren Grund: Den Kanazawa-Marathon, im Zuge dessen um 7.30 Uhr die gesamte Innenstadt abgeriegelt werden würde.

Im Higashi-Chaya-Viertel von Kanazawa.

Rund um die Noto-Halbinsel

Erster Punkt auf meiner Tour war der Chirihama-Nagisa-Driveway, der mir vor einigen Tagen als einziger Ort weltweit präsentiert wurde, an dem man mit dem Auto an den Strand fahren könne. Eine bemerkenswert dämliche Aussage, die aber im Brustton der Überzeugung dargebracht und trotz etlicher Einwände aufrechterhalten wurde. Japaner neigen zu solchen Übertreibungen, die einer Mischung aus übermäßiger Selbstbespiegelung und mangelnder Befassung mit der Welt entspringen. Doch eingedenk der extremen Übervorsicht allüberall in Japan war es tatsächlich erstaunlich, dass dieser acht Kilometer lange Abschnitt existierte. Zudem war ich zu dieser Stunde fast allein mit mir und meinem Suzuki-Kasten. Endlich wieder am Meer. Das Wetter war wechselhaft, doch immerhin hatte der Dauerregen der vergangenen anderthalb Tage aufgehört.

Weiter in Richtung Norden stoppte ich am Keta-Schrein und am Myojoji-Tempel. Bei letzterem durfte ich dank der netten Dame am Einlass sogar vor der offiziellen Öffnungszeit hinein und musste nicht einmal bezahlen. Erwähnenswert, weil für mich zum ersten Mal überhaupt in Japan eine Extrawurst gebraten wurde und sich ansonsten jeder sklavisch an die Regeln hält. Ganz egal, ob sie in der konkreten Situation Sinn ergeben oder nicht.

Auf acht Kilometern Länge darf man direkt am Strand entlangfahren.

Etwa auf der Höhe des Tempels gabelt sich die Straße. Eine Strecke führt durch das Innere der Halbinsel auf die andere Seite nach Wakura Onsen und eine weitere immer an der Küste entlang in Richtung Norden nach Wajima. Auf der Rückfahrt nach Kanazawa würde sich der Kreis hier wieder schließen. Nicht weit hinter dem Tempel begann die raue Kogen-Felsküste. Die Hatago-Felsen sind durch ein heiliges Seil miteinander verbunden, versinnbildlichen männlich und weiblich und ähneln auf diese Weise dem Vorbild der Meoto-Felsen in der Bucht von Ise. Ich fand diese hier vor Noto eindrucksvoller, weil höher, wilder und noch näher an der Küste. Zumal sie zu diesem Zeitpunkt von einem Regenbogen überspannt wurden und nur ein einsamer Krebsfischer seinem Tagwerk nachging.

Wajima ist die größte Stadt an der Nordküste der Halbinsel. Von hier waren es noch 45 Kilometer bis zur äußersten Nordostspitze, dem Rokko-Kap. Die Straße führte stetig an der spektakulären Küste entlang mit ihren fantastischen Blicken, bei denen man alle paar Kilometer stoppen muss, um die Meeresluft aufzusaugen und Fotos zu machen. Zunächst an den Maeda-Reisterrassen, die auf spektakuläre Weise der Steilküste abgerungen worden sind. Dann folgen ein paar Kilometer weiter und nur etwas landeinwärts zwei prächtige Residenzen aus der japanischen Feudalzeit. Kurz darauf zeigt die Suzu-Farm, wie seit Jahrhunderten Salz aus dem Meer gewonnen wird. Am Yoriaga-Strand wieder Landschaft. Mit dem Godzilla-Felsen, dem Lavageröll in der Brandung und dem fluoreszierenden Schreintor, welches besonders sensible Besucher direkt ins innerste Selbst führen soll. Und weil die Gemeinde Suzu im äußersten Nordosten der Halbinsel gerade ihre Kunstbiennale ausrichtete, integrierten sich in die herrlichen Szenerien immer mal wieder moderne Installationen.

Nur wenige Wochen nach meinem Besuch hatte sich am Neujahrstag 2024 just an dieser Küste eines der schwersten Erdbeben der jüngeren japanischen Geschichte ereignet. Mit hunderten Toten und etlichen Haushalten, die über Wochen von jedweder Versorgung abgeschnitten waren.

Keine Ahnung, wie und warum meine Kamera das gemacht hat.

Am Rokkosaki-Leuchtturm ist die äußerste Spitze erreicht. Vom Parkplatz führt ein schöner, knapp zehnminütiger Rundweg zum Kap und wieder zurück. Direkt am Leuchtturm weisen Schilder in die angrenzenden Nachbarstaaten am Japanischen Meer, nach Wladiwostok und nach Busan.

Das Kap Suzu nur zwei Kilometer südöstlich ist landschaftlich noch etwas schöner. Oben mit der Aussicht und unten mit der sogenannten „Blauen Grotte“. Letztere wird zwar nur blau angeleuchtet, bietet aber eine schöne Sicht auf die wilde Brandung. Nur Gott weiß, warum Besucher gebeten werden, Helme aufzusetzen. Die Deckenhöhe beträgt mindestens vier Meter und die Grotte selbst ist auch nur wenige Meter tief.

Die Mitsuke-Insel war der letzte Zwischenstopp, bevor es zurückging nach Süden. Ein kleines Eiland, das wie ein riesiger, die Küste bedrohender, Tanker geformt ist.

Mitsuke-Insel vor der Küste.

Wakura Onsen an Notos Ostküste ist das bekannteste Onsen-Bad der Halbinsel. Ich absolvierte einen kurzen Spaziergang durch die städtischen Parks in Hafennähe. Immer mit Blick auf die vorgelagerte Noto-Insel und die dorthin führende Brücke. Das Kagaya-Ryokan wurde wiederholt als bestes Gasthaus Japans ausgezeichnet und ganz in der Nähe stand mit dem Soyu auch ein öffentliches Badehaus zur Verfügung. Ich musste aber zurück nach Kanazawa, wo ich nach etwas mehr als einer Stunde ankam und am Abend einen lokalen Busunternehmer treffen wollte.

Die Izakaya lag in der Nähe des Omicho-Marktes, welcher zu den schönsten Japans gehört, um diese späte Stunde – zumal am Sonntag – aber reichlich verwaist wirkte.

Kagaya-Ryokan in Wakura Onsen.

Zurück in Kansai

Heute würde ich den oberen, größeren Teil der von mir geplanten Acht durch Japan vollenden. Nämlich von Kanazawa in den Großraum Osaka. Mit Zwischenstopps an der Landbrücke Amanohashidate und im prominenten Kurbad Arima Onsen. Ziel des Tages war Kobe, der größte Hafen der Kansai-Region und selbst eine veritable Metropole.

Die Autobahn führte durch die Fukui-Präfektur stetig am Japanischen Meer entlang bis zum Kreuz Ayabe, wo ich zunächst nicht nach Osaka/Kobe abbog, sondern nach Nordwesten in Richtung Miyazu und Amanohashidate. Letzteres gehört neben der Bucht von Matsushima und der Schreininsel Miyajima in der Nähe von Hiroshima zu den „drei schönsten Ansichten Japans“, ist die einzige der drei, die am Japanischen Meer liegt und auch die Einzige, die ich bis dato noch nicht kannte.

Blick vom Amanohashidate View Land.

Amanohashidate – von oben unten, Norden und Süden

Die „Brücke zum Himmel“, so die direkte Übersetzung, ist eine drei Kilometer lange, an wenigen Stellen nur wenige Meter breite Nehrung, die die Bucht fast vollständig von der offenen See abschließt. Ich fuhr zunächst an das nördliche Ende zum Moto-Ise-Schrein, der so heißt, weil hier zuerst die Sonnengöttin Amaterasu verehrt wurde, noch bevor dieser Kult vom Ise-Schrein, dem heutigen Hauptschrein der japanischen Ur-Religion Shinto, übernommen wurde. Hier stellte ich den Kasten ab, um mit der Seilbahn zum Kasamatsu-Park zu fahren und von dort die Aussicht zu genießen. Das war schön, aber auch ein kleiner Fehler, denn so musste ich den knapp zwei Kilometer langen Aufstieg zum Nariaiji-Tempel mit seiner majestätischen Pagode und den fantastischen Blicken zu Fuß absolvieren. Mit dem Auto hätte ich mir die insgesamt vier Kilometer, eine knappe Stunde und das Geld für Seilbahn und Parkplatz gespart. Schließlich führt eine schmale, kaum befahrene Serpentinenstraße hinauf, kann man sich dort hinstellen, wo man möchte.

Die meisten Besucher konzentrieren sich ohnehin auf das südliche Ende der Nehrung, denn hier liegt der Bahnhof und sind die Blicke noch einmal etwas eindrucksvoller. Analog zum Kasamatsu-Park verkehren eine Seilbahn und ein Sessellift parallel. Im Unterschied zum Kasamatsu-Park gibt es aber nicht die Möglichkeit alternativ mit dem Auto hochzufahren. Oben ist mit dem Amanohashidate View Land ein kleiner Freizeitpark eingerichtet. Praktischerweise gilt das Ticket für Seilbahn oder Sessellift als Eintrittskarte für den Park, ist dort ein schöner Rundweg mit Blick auf die sich unten in voller Pracht ausbreitende Landzunge eingerichtet. Rund um die Talstation der Seilbahn und den Bahnhof von Amanohashidate ist die touristische Infrastruktur besser ausgebaut als im Norden, legen Fahrgastschiffe ab und können Fahrräder gemietet werden, um mit ihnen die Landzunge abzufahren. Ich beschränkte mich auf einen kurzen Spaziergang. Von der Talstation zum hübschen Chionji-Tempel mit seinem Bootsanleger und anschließend über die Fußgängerbrücke auf die Nehrung, die landschaftlich außerordentlich zu gefallen weiß und mich mit ihren uralten Zirbelkiefern und den weißen Stränden ein wenig an die heimische Ostsee erinnerte.

Pagode des Nariaiji-Tempel nördlich der Amanohashidate-Landzunge.

Ein uraltes Kurbad und fantastische Blicke auf Osaka/Kobe

Von Amanohashidate durch die Berge auf die andere Seite Honshus. Vom Japanischen Meer an die Inlandsee, jenes kleine Binnenmeer, das von den Hauptinseln Honshu, Shikoku und Kyushu umschlossen wird. Kurz vor Kobe ein Zwischenstopp in Arima Onsen, das schon im japanischen Legendenbuch Nihonshoki erwähnt wird und als ältestes der vielen Kurbäder Japans gilt. Ich war wieder im Dauerlauf unterwegs, doch mit etwas Zeit im Gepäck kann man die beschauliche Atmosphäre mit all den Lädchen, Brücken, Tempeln, Ryokans und den vielen Onsen-Bädern sicherlich genießen. Das goldene (kin no yu) und das silberne (gin no yu) Bad sind die ersten Häusern am Platze. Eine Seilbahn fährt auf den Kamm des knapp 800 Meter hohen Rokko-Massivs, welches Arima Onsen von Kobe und dem nahen Meer trennt. Ich nahm das Auto. Oben an der Rokko Garden Terrace gefielen mir die exorbitanten Parkgebühren nicht, sodass ich mir nur etwas weiter unten einen kostenfreien Stellplatz suchte. 2.500 Yen gespart für einen nur zwei Minuten längeren Fußweg. Ich war zufrieden mit mir. Die Sichten waren überwältigend. Man konnte bei herrlichem Sonnenschein den gesamten Ballungsraum überblicken. Vom Kansai-Flughafen, wo ich elf Tage zuvor gelandet war, über die Megastadt Osaka nach Kobe direkt unter mir und weiter in Richtung Westen zur mächtigen Akashi-Kaikyo-Brücke.

Blick vom Rokko-Massiv auf Osaka.

Kobe quetscht sich in einen schmalen Streifen zwischen der Inlandsee und dem Rokko-Massiv und so ging es in wilden Serpentinen fast senkrecht hinunter von 800 Metern auf Meereshöhe. Mein Hotel lag in der Nähe des Bahnhofs Sannomiya, des quirligen Zentrums der mit knapp 1,6 Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt der Kansai-Region.

Parken in Japan – gewusst, wie

Parken ist nicht so einfach. Zumal in den Großstädten. Einfach mal rechts bzw. links ranfahren, ist nicht vorgesehen. Auf freien Parkflächen muss grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass sie für eine bestimmte Institution reserviert sind. An den größeren Sehenswürdigkeiten ist die Verteilung etwa 50 zu 50. Entweder meldet sich irgendein Fähnchenschwenker oder Ladenbesitzer und will Geld haben oder aber die kundenfreundliche kostenfreie Variante, weil man vor Ort eh noch das Eintrittsticket lösen muss. Manchmal kann es sich lohnen, ein paar Meter zurückzufahren und ein, zwei Minuten Fußweg in Kauf zu nehmen. Und mittlerweile kann auch Google.maps bei der Suche nach kostenfreien öffentlichen Parkplätzen behilflich sein. Viele Ryokans oder Hotels halten Parkplätze für ihre Gäste vor. Allerdings nicht alle, sodass man sich im besten Falle vorher informiert hat. Gibt es keinen exklusiven Hotelparkplatz, muss das Auto irgendwo in der Stadt abgestellt werden. Zu diesem Zweck werden reichlich Flächen bewirtschaftet, die aber mitunter sehr teuer sind. Die Tarife variieren von Ort zu Ort, gelten entweder pro Stunde oder aber den ganzen Tag, manchmal auch beides, sodass beispielsweise bis in den Abend der Stundentarif und später ein pauschaler Nachttarif abgerufen wird. Die Hinweisschilder sind nahezu ausschließlich auf Japanisch gehalten. Die Flächen werden vollautomatisch betrieben, sodass man kein Personal um Rat fragen kann. Höchstens hilfsbereite Passanten. Entweder sind die Stellplätze über eine Schranke oder aber über Wegfahrbarrieren gesichert. Letzteres häufiger. Man stellt sich auf einen der nummerierten Stellplätze und muss dazu mit dem Hinterrad eine kleine Schwelle überqueren. Hier wird sich nach nur wenigen Sekunden eine stählerne Barriere ausfahren, die fast bis an den Unterboden reicht. Dessen sollte man Gewahr sein, denn bei unwissentlichem Losfahren kann man sich schnell die Hinterachse zerschroten. Zu den Schranken muss nichts gesagt werden, weil sie nicht anders funktionieren wie in Deutschland auch. Parkkarte ziehen und vor dem Wegfahren den geforderten Betrag am Automaten begleichen.

Bei den Wegfahrsperren muss man am bereitgestellten Automaten zunächst die Stellplatznummer eingeben und dann den geforderten Betrag entrichten. Dann löst sich die Sperre wie von Zauberhand. Wie lange genau, weiß ich nicht. Ich habe mich stets bemüht, möglichst schnell wegzukommen.

20 Minuten 100 Yen, sechs Stunden maximal 1.000 Yen. In der Nacht zwischen 20 und 8 Uhr maximal 300 Yen.

Kobe – der Hafen von Kansai

Kobe kannte ich gut, wollte aber noch ein paar Fotos für das Japan-Reisebuch schießen, das demnächst unter meinem Namen veröffentlicht wird. Von Sannomiya nahm ich die Bahn für zwei Stationen bis Kobe Hauptbahnhof. Von dort bei herrlichem Sonnenschein zu Fuß zurück. Über das Harbourland-Einkaufsviertel mit dem süßen Museum für den ebenso süßen brotköpfigen Anime-Charakter Anpanman zur Hafenfront mit dem Fähranleger, dem Kobe Port Tower, verschiedenen Museen und den herrlichen Sichten über Bucht und Hafen. Weiter Richtung Innenstadt, erinnert ein Mahnmal daran, wie verheerend 1995 das Awaji-Hanshin-Erdbeben gewütet hatte.

Nankinmachi geht als eine von nur drei Chinatowns in Japan zurück auf chinesische Händler, die nach der Meiji-Restauration hier siedeln durften. Heute finden sich etliche Restaurants, allerlei Souvenirläden und zwei chinesische Tempel. Nördlich der Bahntrasse schließt das Ausgehviertel Kobes rund um Sannomiya-Bahnhof an. Hier war ich am Abend verabredet, hatte es danach nicht mehr weit zu meinem Hotel.

Am Fährhafen von Kobe.

Noch ein paar Tipps zum Schluss

In Ogimachi, dem bekanntesten Dorf der Shirakawago-Gemeinde mit ihren hübschen Bauernhäusern, kann man sein Auto auch an der Aussichtsplattform abstellen und zu Fuß nach unten laufen, spart auf diese Weise die Parkgebühren.

Kanazawa gehört zu den schönsten Städten Japans, hat weit mehr verdient als nur einen Ausflug. Mindestens eine Nacht sollte man hier verbringen. Seit einigen Jahren fährt der Shinkansen. Von Tokyo dauert die Fahrt weniger als drei Stunden, bis 2030 soll die Strecke in der anderen Richtung bis Kyoto verlängert werden.

Auf die Noto-Halbinsel fährt man bestenfalls mit dem Mietwagen. Es verkehren zwar Züge ins Kurbad Wakura Onsen, doch damit wird man nur einen Bruchteil der Schönheiten gesehen haben. Zudem ist die Schnellstraße auf der Halbinsel mautfrei.

Nach Amanohashidate verkehrt einige Male pro Tag ein durchgehender Zug von Kyoto aus. Fahrzeit knapp zwei Stunden.

Das Zentrum von Kobe gruppiert sich um den Bahnhof Sannomiya, nicht um den Hauptbahnhof und erst recht nicht um den Shinkansen-Bahnhof Shin-Kobe. Mit drei Metrolinien, den Strecken von JR und der privaten Hanshin-Gesellschaft sowie dem Kobe Port Liner ist die Stadt für den öffentlichen Verkehr außerordentlich gut erschlossen. Kobe könnte auch als Ausgangspunkt für Touren nach Osaka, Nara oder Kyoto dienen, besitzt zudem einen eigenen Flughafen. Die Hotelpreise sind etwas günstiger als beispielsweise in Kyoto.

Neben Yokohama und Nagasaki bietet Kobe eine von drei Chinatowns in Japan.

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