Oblast Irkutsk, Russland

Oblast Irkutsk

Geschichte

Die Geschichte der Oblast Irkutsk geht zurück auf das Gouvernement Irkutsk, welches bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gegründet wurde. Es bildete seinerzeit das östlichste Territorium des Zarenreiches und das einzige, welches direkt an das chinesische Herrschaftsgebiet angrenzte. Die Stadt Irkutsk sowie die verschiedenen Handelsniederlassungen rund um den Baikal besaßen eine zentrale Funktion bei der Erschließung und Eroberung des Fernen Ostens sowie als Relaisstation zwischen China, Russland und Europa.

Ursprünglich war die Region von Burjaten und anderen mongolischen Stämmen besiedelt, doch schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts stellten die Russen annähernd drei Viertel der Bevölkerung. Die Burjaten gerieten mit 20 Prozent in die deutliche Minderheit und assimilierten sich äußerst schnell mit der russischen Kultur, nahmen beispielsweise in großen Zahlen die orthodoxen Sakramente an.

Ein Meilenstein in der Geschichte der Oblast war die Vollendung der Transsibirischen Eisenbahn im Jahre 1916. Irkutsk erhielt somit eine zentrale Funktion nicht nur für die Baikalregion selbst, sondern für die Verbindung des europäischen Russlands mit dem Fernen Osten.

Mit der Februarrevolution 1917 wurde das Gouvernement aufgelöst. Es begann der blutige Bürgerkrieg, bei dem Irkutsk zunächst zu einer Feste des weißgardistischen Generals Kolchak wurde, die 1920 aber endgültig den Kommunisten in die Hände fiel. In der Folgezeit litt Irkutsk unter dem Umstand, dass es der sowjetischen Führung als bürgerlichste Stadt Sibiriens galt und die innersibirische Zentralfunktion daher an Nowosibirsk verlieren sollte.

1937 wurde die jetzige Oblast Irkutsk eingerichtet. Sie war weitgehend deckungsgleich mit dem vormaligen Gouvernement. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde unterhalb von Irkutsk ein riesiger Stausee angelegt, siedelten sich in Angarsk etliche chemische Betriebe an. Ein Jahrzehnt später entstand in der Nähe der Stadt Bratsk ein noch größeres Stausee- und Wasserkraftprojekt. In den 1980er Jahren wurde im mittleren Teil der Oblast die Baikal-Amur-Magistrale vollendet, womit ein weiterer zentraler Verkehrsweg durch das Gebiet entstand.

Mit der Verabschiedung der russischen Verfassung im Jahre 1993 wurde die Oblast Irkutsk zu einem Subjekt der Russischen Föderation und im Jahre 2000 zu einem Teil des übergeordneten Föderationskreises Sibirien. Bis 2005 bildete der Autonome Kreis der Ust-Ordinsker Burjaten eine Enklave, die nach einer Volksabstimmung jedoch vollständig in der Oblast aufging.

Politik

Im Gegensatz zu den Autonomen Republiken verfügen die Oblaste über einen geringeren Grad an Selbstbestimmung, besitzen beispielsweise keine eigene Verfassung und auch keine eigenständige Gesetzgebung. Sie sind die typische Verwaltungseinheit für jene Gebiete mit einer deutlichen russischen Mehrheit.

Die Bewohner der Region gelten als stolz und etwas rebellisch. In dieses Bild passt, dass die Oblast über Jahre hineg eine der wenigen Regionen Russlands war, die nicht von der Putin-Partei „Einiges Russland“ regiert wurde. Dies änderte sich jedoch mit der Gouverneurswahl im September 2020, bei der der kremlfreundliche Kandidat Igor Kobzev ins Amt gewählt wurde. Allerdings lag die Wahlbeteiligung bei bemerkenswert niedrigen 38 Prozent. Im Regionalparlament halten die Putin-kritischen Kräfte nach wie vor die Mehrheit.

Demografie

Derzeit leben etwa 2,4 Millionen Menschen in der Oblast Irkutsk. Mit der raschen Industrialisierung hat sich die Einwohnerzahl zwischen 1900 und 1950 von einer halben Million auf zwei Millionen vervierfacht. Das Allzeithoch wurde im Jahre 1989 mit 2,85 Millionen erreicht. Seitdem ist die Region eher von Abwanderung geprägt.

Die Bevölkerungsdichte liegt bei etwa drei Menschen pro Quadratkilometer, was dem benachbarten Burjatien entspricht. Siedlungszentrum ist eindeutig die Region um Irkutsk. Die Gebietshauptstadt selbst hat etwa 630.000 Einwohner. Mit den Städten Angarsk (234.000), Ussolje-Sibirskoje (83.000) und Tscheremkhowo (53.000) kommt die Region am Oberlauf der Angara auf etwas mehr als eine Million Einwohner.

Den zweiten wichtigen Ballungsraum bildet die Stadt Bratsk am gleichnamigen Stausee mit ihren etwa 250.000 Einwohnern. Abseits dieser Gebiete ist die Oblast sehr dünn besiedelt.

Ethnisch stellen die Russen mit mehr als 90 Prozent die übergroße Mehrheit. Auf die Burjaten entfallen nur noch etwa drei Prozent, wiewohl diese Ethnie gerade in der Baikalregion – bspw. auf der Insel Olkhon – noch immer in der Mehrheit ist. Die restlichen Anteile verteilen sich auf Tataren, Ukrainer Weißrussen, Armenier, Aserbaidschaner und verschiedene sibirische Völker.

Vorherrschende Religion ist das orthodoxe Christentum. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren eine gewisse Rückbesinnung zu Schamanismus und Buddhismus als den ursprünglichen Traditionen der indigenen Völker vollzogen, prozentual nehmen diese Gläubigen allerdings noch immer einen geringen Prozentsatz ein. Daneben sind – vor allem in der Stadt Irkutsk – auch Juden und Muslime vertreten.

Geografie und Klima

Topografisch verteilt sich die Oblast Irkutsk zum großen Teil auf das Mittelsibirische Bergland. Stark zergliederte Plateaus und Bergketten ragen durchschnittlich zwischen 500 und 700 Metern auf, reichen teilweise aber auch knapp über 1.000 Meter. An der südlichen Grenze erheben sich im Sajan-Gebirge deutlich höhere Berge mit bis 3.000 Metern Höhe. Die Oblast gehört zur seismisch aktiven Baikal-Mongolischen Zone.

Mit der Angara, die sich später mit dem Jenisej vereint, sowie der Lena fließen zwei der längsten russischen Flüsse durch die Oblast Irkutsk. Die Angara bildet den einzigen Abfluss des Baikal und die Lena entspringt in unmittelbarer Nähe des Sees im Baikalgebirge. Die Angara wurde bei Irkutsk und Bratsk zu riesigen Stauseen aufgestaut.

Ansonsten wird die Region durch den Baikal geprägt, dessen westliches Ufer sie nahezu vollständig einnimmt. Mit der Insel Olkhon liegt eine der größten Binneninseln der Welt auf dem Gebiet der Oblast.

Westküste der Insel Olkhon. Foto: © Arkady Sarubin

Das Klima ist wie im gesamten Sibirien stark kontinental geprägt, wird aber durch die Wasserfläche des Baikal spürbar gemildert. Insbesondere rund um Irkutsk sind die Winter daher nicht so harsch, wie in anderen Teilen Nordasiens. Niederschlag fällt vornehmlich in den Sommermonaten, doch die Winter sind zumindest spürbar feuchter als in den südlich anschließenden Steppenregionen. Der Baikal ist von Mitte November bis Anfang Mai zugefroren.

In den vergangenen Jahren hat die Region zunehmend mit Starkregenfällen und mit ausgedehnten Waldbränden zu kämpfen. Dies sind Indizien für eine beginnende Versteppung, wiewohl die Vegetation bislang eindeutig durch borealen Nadelwald geprägt ist. Ausgeprägte Steppen finden sich derzeit nur am mittleren Westufer des Baikal rund um und auf der Insel Olkhon.

Wirtschaft und Verkehr

Wirtschaftlich gehört die Oblast zu den eher prosperierenden Regionen, liegt nach Bruttosozialprodukt an zwanzigster Stelle unter den insgesamt 85 Föderationssubjekten Russlands. Die wichtigsten Branchen sind Forstwirtschaft, Holzverarbeitung, Bergbau und           Maschinenbau. Ein wichtiger Faktor sind die Bodenschätze der Region. So soll die Lagerstätte Sukhoi Log 28 Prozent der Goldreserven ganz Russlands enthalten.

Aufgrund der schwierigen klimatischen Bedingungen kann sich die Oblast nur zu etwa 50 Prozent selbst versorgen, doch die Landwirtschaft nimmt eine wachsende Rolle ein. Zunehmend zum Problem werden die von der wachsenden chinesischen Nachfrage angespornten illegalen Holzeinschläge sowie die Wilderei.

Die Infrastruktur in der Oblast ist für sibirische Verhältnisse vergleichsweise gut ausgebaut. Die mit Abstand wichtigste Straße ist die Interkontinentale. Diese erreicht die Oblast kurz hinter Yurty, führt über mehr als 700 Kilometer nach Irkutsk, durchschneidet das Baikalgebirge und passiert schließlich das südliche Baikalufer bis in die Republik Burjatien. Nahezu parallel verläuft der Trakt der Transsibirischen Eisenbahn, die sich über mehr als tausend Kilometer von West nach Südost durch die Oblast zieht. Kurz hinter der Grenze zwischen der Region Krasnojarsk und der Irkutsker Oblast zweigt in Taishet die Baikal-Amur-Magistrale ab, die zunächst die Großstadt Bratsk anbindet und im weiteren Verlauf bis nach Sewerobaikalsk führt. Sie erschließt somit den geografisch zentralen Teil der Oblast und in weiterer Folge den nördlichen Baikal. Auch hier führt nahezu parallel eine weitgehend asphaltierte Straße von Taishet nach Bratsk über Ust-Kut und weiter nach Sewerobaikalsk. Weitere Straßenverbindungen bestehen von Bratsk nach Ust-Ilimsk sowie von Irkutsk über Chikan nach Sewerobaikalsk. Zudem lassen sich die Insel Olkhon im Baikal   sowie das Resort Listwjanka am Ausfluss der Angara über asphaltierte Straßen erreichen. Insgesamt beträgt die Länge des Straßennetzes knapp 13.000 Kilometer, womit die Oblast innerhalb Sibiriens einen deutlich überdurchschnittlichen Wert erreicht.

Transsibirische Eisenbahn bei Sljudjanka. Foto: © Sorovas

20 Prozent des Güterumschlags entfallen auf den Wassertransport über die schiffbaren Flüsse Untere Tunguska, Lena und Angara. Sie verbinden die Region mit dem offenen          Arktischen Ozean.

Die Oblast verfügt über zwei internationale Flughäfen mit Verbindungen nach China, in die Mongolei, nach Tadschikistan, Thailand, Usbekistan und Südkorea. Der Flughafen in Irkutsk hat im Vergleich zu jenem in Bratsk ein mehr als zehnmal so hohes Passagiervolumen. Er ist nach Nowosibirsk der zweitgrößte des gesamten asiatischen Russlands.

Oblast Irkutsk

Einwohner: 2,404 Mio. (vgl. Land Brandenburg: 2,5 Mio.)

Fläche: 768 Tsd. qkm (vgl. Deutschland, Benelux, Vereinigtes Königreich, Irland – 758 Tsd. qkm)

Bevölkerungsdichte: 3 EW/qkm

Hauptstadt: Irkutsk – 588 Tsd. EW

Amtssprache: Russisch

Währung: Russischer Rubel (RUB)

Regierungsform: Regionale Einheit innerhalb der Russischen Föderation

Zeitzone: +7 MEZ