Usbekistan

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Geschichte

Unter Dareios I. gelangte ganz Zentralasien unter persische Herrschaft, die erst von Alexander dem Großen überworfen wurde. Es begann die hellenistische Phase, in der die Nachfolger Alexanders die historische Landschaft Baktrien bis ins zweite vorchristliche Jahrhundert prägten. Nach der Eroberung durch die Kuschana wurde die Region zunehmend vom Buddhismus geprägt. Der Kuschana-Staat erstreckte sich vom Aralsee bis nach Westchina und Zentralasien, stellte eines der größten Reiche seiner Zeit dar und war technologisch führend.

Die Herrschaft der Kuschana dauerte fast vier Jahrhunderte, wurde aber schließlich von iranischen Stämmen aus dem Südwesten überworfen.

Mit der islamischen Expansion wurde Baktrien Teil des arabischen Kalifats und endgültig islamisiert. Die folgenden Jahrhunderte wurden durch die persische Dynastie der Samaniden bestimmt bis sie von den türkisch geprägten Kara-Khaniden überworfen wurde.

Im 13. Jahrhundert wurde die gesamte Region von den Mongolen erobert. Nach dem Zerfall dieses Reiches strebte Timur Lenk im 14. Jahrhundert dessen Wiederherstellung an. Die Timuriden hielten das Gebiet noch bis ins 16. Jahrhundert ehe es von den heutigen Usbeken besiedelt wurde. Letztere waren ein ursprünglich aus dem Westen Sibiriens stammendes und bereits islamisiertes Turkvolk. Die usbekischen Khanate gelten heute als Ära von Stabilität, Fortschritt und Kultur, ab dem 19. Jahrhundert zerrieben sich die verschiedenen Teilreiche jedoch zunehmend in internen Auseinandersetzungen.

Diese innere Zerrissenheit ermöglichte dem Russischen Zarenreich die Eroberung großer Teile Zentralasiens. Das Emirat Buchara und das Khanat Chiwa erhielten eine innere Autonomie, während das Khanat Kokand vollständig in Russland aufging. Ganz Zentralasien wurde im Generalgouvernement Turkestan zusammengefasst, zu dessen Hauptstadt das heutige Taschkent erklärt wurde. Nach der russischen Revolution und der Machtübernahme der Bolschewiki wurde aus dem vormaligen Generalgouvernement die Turkestanische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik innerhalb der Russischen Sowjetrepublik gebildet. Das Khanat Chiwa und das Emirat Buchara wurden zunächst zu Volksrepubliken erklärt, 1924 aber in die neugeschaffene Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik integriert. Auch Karakalpakisten im Westen des Landes wurde Usbekistan zugeordnet, erhielt aber den Status einer Autonomen Republik. Erste Hauptstadt war Samarkand, wenig später wurde der Sitz des Obersten Sowjets jedoch nach Taschkent verlegt. Als im Jahre 1963 ein Gebiet von etwa 40.000 Quadratkilometern von der Kasachischen an die Usbekische SSR übertragen wurde, war Usbekistan in seinen heutigen Grenzen entstanden. Schon einige Wochen vor dem Augustputsch von 1991 erklärte Usbekistan seine Unabhängigkeit. Zum Präsidenten wurde Islom Karimov gewählt, der seit 1989 bereits als Parteisekretär der Kommunistischen Partei amtiert hatte. Die Präsidentschaftswahlen 1991 waren von massiven Fälschungen begleitet und so konnte sich Karimov mit 86 Prozent der Stimmen zum Sieger ausrufen. In der Folge dehnte er seine Amtszeit immer weiter aus, sodass erst im Jahr 2000 neu gewählt wurde. Nachdem auch diese Amtszeit verlängert wurde, hätte Karimov 2007 nicht mehr antreten dürfen, allerdings stellten Gerichte fest, dass die erste Amtszeit erst im Jahre 2000 begonnen hätte. Zur Wahl zugelassen waren nur Bewerber, die der Administration Karimovs loyal gegenüberstanden. 2015 ließ sich Karimov das vierte Mal ins Amt wählen, wobei sich an den Rahmenbedingungen nicht viel geändert hatte. Ein Jahr später verstarb der zunehmend greise Herrscher, was erneute Präsidentschaftswahlen nötig machte.

Die Amtszeit Karimovs war geprägt von einer schweren Wirtschaftskrise. Allerdings konnten in Karakalpakistan immer mehr Rohstoffquellen erschlossen werden, sodass das Land zu einem bescheidenen Wohlstand gelangte. Die Konsolidierung des modernen Usbekistans wurde nahezu durchgehend von ethnischen und religiösen Konflikten begleitet. Insbesondere die islamischen Fundamentalisten konnten eine wachsende Anhängerschaft rekrutieren und zeichneten für etliche Anschläge auf den usbekischen Staat und dessen Bewohner verantwortlich.

2005 wurden als Folge von sozialen Unruhen im Ferganatal etwa 500 Menschen durch Sicherheitskräfte erschossen. Die EU verkündete daraufhin Sanktionen gegen das Karimov-Regime, die 2008 vollständig aufgehoben wurden.

Nach dem Tod Karimovs ging die Macht an dessen langjährigen Premierminister Shavkat Mirziyojev über. Dieser bekleidete zunächst kommissarisch das Präsidentenamt und ließ sich 2016 in Wahlen bestätigen, die allerdings von der OSZE in einigen Punkten als demokratischen Standards nicht entsprechend klassifiziert worden sind. Unter Mirziyojev ist es in den vergangenen Jahren zu einer leichten Liberalisierung gekommen.

Politik

Das politische System in Usbekistan ist autokratisch geprägt und eindeutig zugeschnitten auf den Präsidenten Shavkat Mirziyojev. In den vergangenen Jahren wurden einige Reformen durchgeführt, die mehr Pluralismus ermöglichen sollen. Bei den vergangenen Parlamentswahlen gehörten jedoch alle zugelassenen Parteien dem regierungstreuen Lager an. Stärkste politische Kraft ist die Liberaldemokratische Partei Usbekistans, die sich – wie etwa „Einiges Russland“ oder die kasachische „Nur-Otan“ – explizit als staatstragende Bewegung versteht.

Das Parlament besteht seit 2004 aus zwei Kammern. Das Unterhaus wird durch regelmäßige Parlamentswahlen bestimmt, die Mitglieder des Senates wiederum von den einzelnen Regionen entsandt bzw. vom Präsidenten nominiert.

Administrativ ist Usbekistan in zwölf Viloyats, eine autonome Region (Karakalpakistan) und eine regierungsunmittelbare Stadt (Taschkent) aufgeteilt. Auf dieser regionalen Ebene ist Korruption ein schwerwiegendes Problem.

Außenpolitisch wird eine enge Allianz mit dem benachbarten Kasachstan und Russland gepflegt. 1991 ist Usbekistan der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten beigetreten, hatte sich aber Ende der 1999er geweigert, einer russisch dominierten Sicherheitsallianz beizutreten. In den beginnenden 2000er Jahren bemühte sich Usbekistan um eine Annäherung an die USA und das westliche Verteidigungsbündnis. So wurden im Afghanistan-Krieg amerikanische Stützpunkte auf usbekischem Boden errichtet, was wiederum die radikalislamischen Kräfte im Land stärkte. In den vergangenen Jahren ist dieses Verhältnis deutlich abgekühlt, näherte sich Usbekistan wieder Russland an.

Demografie

Mit mehr als 33 Millionen Einwohnern ist Usbekistan das bevölkerungsreichste Land in Zentralasien. Im Gegensatz zu anderen Staaten hat die Transformationsperiode nach dem Ende der Sowjetunion keine demografische Delle hinterlassen. Lediglich der Anstieg der Bevölkerung hatte sich für einige wenige Jahre etwas abgeschwächt. Seitdem ist die Einwohnerzahl von 21 Millionen auf heute 33 Millionen deutlich gewachsen.

Allerdings ist die Fertilitätsrate spürbar gesunken – von vier Kindern pro Frau im Jahre 1990 auf den aktuellen Wert von 2,45. Bislang konnte die deutlich über dem sogenannten Reproduktionsniveau von 2,1 Kindern pro Frau liegende Geburtenrate die negativen Effekte der anhaltenden Abwanderung ausgleichen, für die kommende Jahrzehnte ist jedoch ein deutliches Abflachen des demografischen Wachstums zu erwarten. Etwa zehn Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung verdienen ihr Geld im Ausland, zumeist in Russland, Kasachstan, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in der Republik Korea.

Aktuell ist Usbekistan ein sehr junges Land. Mehr als ein Drittel der Einwohner sind jünger als 14 Jahre. Für die kommenden Jahre ist jedoch eine Erhöhung des Durchschnittsalters zu erwarten.

Hinsichtlich der ethnischen Zusammensetzung brachten die vergangenen drei Jahrzehnte eine gestiegene Homogenität. So ist der Anteil der Titularethnie der Usbeken von 1989 bis heute von 71,4 auf 84 Prozent gestiegen. Im gleichen Zuge hat sich der Anteil der Russen von 8,4 auf 2,3 Prozent mehr als gedrittelt und auch Tataren und Ukrainer sind mehrheitlich in ihre Ursprungsregionen zurückgewandert. Aktuell stellen die Tadschiken mit 4,8 Prozent die größte Minderheit im Land. Dahinter folgen die Kasachen mit 2,5 Prozent und erst danach die Russen. Die im dünn besiedelten Westen des Landes siedelnden Karakalpaken sind die größte indigene Minderheit. Kirgisen stellen etwa ein Prozent der Bevölkerung.

Der usbekische Islam hat seit dem Ende der Sowjetunion eine stetig wachsende Relevanz entfalten können. Nach dem verordneten Atheismus der Sowjetzeit fanden viele Menschen wieder zu den muslimischen Traditionen Zentralasiens. Hinzu kommt, dass viele christliche Ethnien das Land verließen und die Fertilität bei muslimischen Frauen signifikant höher war. Aktuell bekennen sich mehr als 90 Prozent der Menschen zum Islam. Die Spielarten des usbekischen Islams sind durchaus vielfältig. Deutlich mehr als die Hälfte der Gläubigen will sich keiner der gängigen Konfessionen zuordnen, 18 Prozent bezeichnen sich als Sunniten, elf Prozent als Sufis und etwa ein Prozent als Schiiten. Ähnlich verhält es sich mit der christlichen Population im Land, die sich recht gleichmäßig auf Orthodoxe, Protestanten, Katholiken und Evangelikale verteilt.

Portal der Bibi-Khanum-Moschee in Samarkand. Foto: © Bobyrr

Das Judentum hat eine lange Tradition in Usbekistan – vornehmlich in Buchara. Doch seit dem Ende der Sowjetunion zeigt sich ein anhaltender Abwanderungstrend. Aktuell leben nur noch etwa 5.000 Juden im Land, was einem Anteil von 0,2 Prozent an der Gesamtbevölkerung entspricht.

Daneben gibt es hinduistische, buddhistische, zaroastrische und Bahai-Gemeinden.

Etwa zwei Prozent der in Usbekistan lebenden Menschen bezeichnen sich explizit als Atheisten.

In den 1990er Jahren wurden vehemente politische Kampagnen zur Stärkung der usbekischen Sprache geführt und die Einführung des lateinischen Alphabets beschlossen. Usbekisch ist heute ziemlich eindeutig die wichtigste Verkehrssprache im Land, doch auch Russisch wird weithin verstanden. Recht verbreitet ist die tadschikische Sprache, die – im Gegensatz zum Usbekischen – einen Zweig der persischen Sprachen darstellt.

Das Siedlungszentrum Usbekistans befindet sich eindeutig im Osten des Landes. Allein auf der usbekischen Seite des Fergana-Tals leben auf recht engem Raum etwa zehn Millionen Menschen auf einer Fläche, die in etwa dem Bundesland Rheinland-Pfalz entspricht. Westlich davon schließt die Hauptstadtregion Taschkent mit mehr als fünf Millionen Einwohnern an. Im Süden Usbekistans leben im Oasengürtel zwischen Buchara, Samarkand und Qarshi etwa achteinhalb Millionen Menschen. Westlich davon breitet sich Wüste aus, finden sich nahezu menschenleere Regionen. Die Autonome Republik Karakalpakistan weist eine Einwohnerzahl von 1,8 Millionen auf, breitet sich jedoch auf mehr als einem Drittel der Landesfläche aus. Der Nordwesten Usbekistans ist annähernd unbewohnt.

Insgesamt weist Usbekistan mit 74 Einwohnern pro Quadratkilometer eine im zentralasiatischen Vergleich recht hohe Siedlungsdichte auf.

Geografie und Klima

Usbekistan erstreckt sich von West nach Ost über 1.500 und von Nord nach Süd über annähernd tausend Kilometer. Nachbarstaaten sind Kasachstan im Westen und Norden, Kirgisistan und Tadschikistan im Osten, Afghanistan im äußersten Südosten und Turkmenistan im Süden. Die mit 2.330 Kilometern Länge mit Abstand längste Grenze teilt sich Usbekistan mit Kasachstan. Die Grenze zu Kirgisistan im Osten ist äußerst zerfranst und daher trotz der recht kurzen Luftlinie zwischen den beiden Endpunkten mit knapp 1.300 Kilometern recht lang. Fast genauso verhält es sich mit der südlich anschließenden Grenze zu Tadschikistan. In der Region rund um das Fergana-Tal bestehen zwischen Usbekistan, Kirgisistan und Tadschikistan eine Reihe von Exklaven. So gibt es eine kirgisische Siedlung, welche von usbekischem und gleich vier usbekische Siedlungen, die von kirgisischem Territorium umschlossen werden. Des Weiteren findet sich eine tadschikische Exklave auf usbekischem Staatsgebiet. Die usbekisch-afghanische Grenze ist lediglich 144 Kilometer lang, als Verbindungsweg zum Siedlungsgebiet der Usbeken in Afghanistan aber von hoher politischer Relevanz. Im Süden schließt die turkmenische Grenze mit knapp 1.800 Kilometern Länge an.

Usbekistan ist neben dem kleinen Fürstentum Liechtenstein der einzige Binnenstaat, der auch selbst nur von Binnenstaaten umschlossen wird.

Topografisch hat das Land nur im äußersten Osten Anteil an den zentralasiatischen Gebirgen. Höchster Punkt ist der an der usbekisch-tadschikischen Grenze gelegene Khazret Sultan mit 4.643 Metern. Dieser Berg gehört zur Pamir-Kette. Im Nordosten des Landes erstrecken sich die Ausläufer des Tienschan bis nach Usbekistan. Mehr als 80 Prozent der Landesfläche liegen jedoch in der Turfan-Senke. Der tiefste Punkt findet sich mit zwölf Metern unter Normalnull am Sariqarnish-See im äußersten Westen an der turkmenischen Grenze.

Die mit Abstand wichtigsten Flüsse sind Amudarja und Syrdarja. Beide streben dem Aralsee zu, wobei dieser zunehmend austrocknet, unter anderem weil sowohl Syrdarja und Amudarja in ihren Unterläufen versiegen und den See meist nicht mehr erreichen. Der Amudarja ist auch unter seinem historischen Namen Oxus bekannt. Seine beiden Quellflüsse Vakhsh und Panj entspringen in den Bergen des Pamir und vereinigen sich kurz vor dem Dreiländereck Tadschikistan/Afghanistan/Usbekistan zum Amudarja. In der Folge bildet der Fluss die usbekisch-afghanische Grenze, fließt dann durch turkmenisches Staatsgebiet und erreicht bei Urgench den Westen Usbekistans. Für die westusbekischen Siedlungszentren Urgench und Nukus ist das Wasser des Amudarja von elementarer Bedeutung. Es wurde und wird allerdings derart extensiv genutzt, dass der Fluss im weiteren Verlauf austrocknet.

Quellflüsse des Syrdarja sind die jeweils in Kirgisistan entspringenden Naryn und Kararaya. Kurz hinter der usbekischen Grenze vereinigen sie sich zum Syrdarja, der zunächst den äußerst dicht besiedelten usbekischen Teil des Fergana-Tals bewässert, dann durch den nördlichen Zipfel Tadschikistans fließt und rund um die Hauptstadtregion Taschkent wieder usbekisches Territorium erreicht. In der Folge durchbricht der Syrdarja die Grenze zu Kasachstan, wird dort zum Shardara-See angestaut, fließt dem Aralsee zu, versiegt aber nicht selten bereits vor dessen Ufern.

Zwischen Syrdarja und Amudarja bedeckt die Wüste Kyzylkum (Roter Sand) nahezu vollständig das Zentrum und den mittleren Westen Usbekistans.

Ein dritter bedeutender Fluss ist der Serafschan. Bedeutend deshalb, weil er die historischen Zentren Samarkand und Buchara sowie die Region dazwischen bewässert. Der Fluss entspringt in Tadschikistan und tritt kurz vor Samarkand auf usbekisches Territorium über. Genau hier verlässt er das Gebirge und wird zu einem ruhigen Tieflandfluss. Zwischen Samarkand und Buchara bildet er ein fruchtbares Flusstal mitten in der Wüste. Der Serafschan war ursprünglich ein Nebenfluss des Amudarja, erreicht diesen aber nicht mehr, sondern versiegt kurz hinter Buchara in der Wüste.

Der mit Abstand größte See Usbekistans war der Aralsee, der etwa zur Hälfte auf die Territorien Usbekistans sowie Kasachstans entfiel und mit knapp 68.000 Quadratkilometern nach dem Kaspischen Meer, dem Oberen See und vor dem Victoria-See in Afrika der drittgrößte See der Erde war. Allerdings begann dessen Fläche seit den 1960er Jahren kontinuierlich zu schrumpfen. Hintergrund waren äußerst ambitionierte Bewässerungsprojekte der sowjetischen Regierung, die letztlich in einem ökologischen Desaster endeten. Insbesondere die südlichen und östlichen Bereiche auf usbekischem Territorium sind nahezu gänzlich trockengefallen, bilden heute die Aralkum-Wüste. Lediglich im äußersten Westen der ehemaligen Seeoberfläche findet sich auf usbekischem Gebiet noch eine kleinere Wasserfläche.

Der Titel des größten Sees Usbekistans geht aktuell an den Aydar-See 170 Kilometer westlich von Taschkent. Er ist Teil des sowjetischen Stau- und Bewässerungsprojekts am Syrdarja. Sein Wasser ist mittlerweile allerdings brackig und daher nur bedingt nutzbar.

Der größte natürliche See ist der Sariqarnish. Dieser liegt zu etwa drei Vierteln in Turkmenistan und zu einem Viertel in Usbekistan. Der Sariqarnish ist zu seiner heutigen Größe aufgrund von Bewässerungsprojekten am Amudarja gelangt, was wiederum erheblich zum Austrocknen des Aralsees beigetragen hatte. Das Wasser des Sees ist sehr stark verschmutzt und für die ursprünglich intendierten Agrarprojekte kaum mehr nutzbar.

Das Klima ist recht kontinental. In den Sommern steigt das Thermometer nicht selten über 40 Grad, während es im Winter bis zu minus 20 Grad kalt werden kann. Der meiste Niederschlag fällt im Fergana-Tal, doch selbst diese Mengen sind vergleichsweise gering. Im westlich gelegenen Karakalpakistan regnet oder schneit es fast nie. Die beste Reisezeit ist im Frühjahr oder Herbst. Im Fergana-Tal herrscht eine recht üppige Vegetation, wiewohl auch hier einzelne kleinere Wüsten anzutreffen sind. Ansonsten lassen sich nur die Flusstäler des Serafschan, des Amudarja und des Syrdarja landwirtschaftlich nutzen. Der zentrale Teil Usbekistans wird von der Kyzylkum bedeckt und auch der Westen des Landes ist durch Wüsten und Halbwüsten geprägt.

Wasser- und Bodenverschmutzung sind schwerwiegende Probleme. Dies gilt insbesondere für den trockenen Westen des Landes, wo weite Territorien mittlerweile fast unbewohnbar sind.

Wirtschaft und Verkehr

Nach der Auflösung der Sowjetunion geriet Usbekistan wie viele andere Transformationsstaaten in eine schwere wirtschaftliche Krise. Gegen Ende der 1990er Jahre konnten wieder Wachstumsraten erreicht werden, wobei insbesondere die Rohstoffnachfrage eine Rolle spielte. Allerdings setzte mit den 2000er Jahren eine langanhaltende, hohe Inflation ein, die insbesondere die mittleren und unteren Einkommen belastete.

Obwohl nur etwa zehn Prozent der Landesfläche kultivierbar sind, arbeitet mehr als ein Viertel der Usbeken in der Agrarindustrie. Hauptexportgut ist Baumwolle. Allerdings wird der Einsatz von Kinderarbeit in der Produktion kritisiert, weshalb einige internationale Marken die Einfuhr von usbekischer Baumwolle boykottieren.

Insgesamt wird Usbekistan für die kommenden Jahre ein starkes wirtschaftliches Wachstum vorhergesagt, was mit der jungen Bevölkerung, darüber hinaus aber auch mit den reichen Rohstoffreserven begründet wird. Allerdings sollte zuvor eingehend die ausgeprägte Korruption angegangen werden. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International liegt Usbekistan mittlerweile auf dem 174. von 179 Rängen.

Das Straßennetz beträgt etwa 100.000 Kilometer, von denen etwa vier Fünftel asphaltiert sind. Die Qualität der Straßen hat sich in den vergangenen Jahren etwas verbessert, ist grundsätzlich aber deutlich ausbaufähig. Die größeren Städte sind mittlerweile sämtlich durch asphaltierte Straßen miteinander verbunden. Dies gilt vom Fergana-Tal über die Region Taschkent, nach Samarkand und Buchara bis weit in den Westen über Urgench nach Nukus. Aktuell wird eine Mautautobahn zwischen Taschkent, Samarkand und Buchara errichtet.

Tankstellen sind recht selten. Im Fergana-Tal und rund um Taschkent ist Tanken noch kein größeres Problem, das Netz wird aber deutlich weitmaschiger je weiter man sich von diesen Zentren entfernt. In Karakalpakistan gibt es keine einzige Tankstelle.

Der wichtigste Übergang nach Kasachstan ist die Straße von Taschkent nach Schymkent. Nachdem sich die kirgisisch-usbekischen Beziehungen wieder deutlich verbesserten, wurde der Übergang von Dostyk ins kirgisische Osch wieder für alle Pässe geöffnet. Nach Tadschikistan gibt es einige Übergänge im Fergana-Tal. Darüber hinaus ist die Bergstraße zwischen Samarkand und der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe zu nennen. Die Straße nach Afghanistan wurde inklusive des Checkpoints in Termez von der US-Armee in einen hervorragenden Zustand versetzt. Die wichtigste Verbindung nach Turkmenistan führt kurz hinter Buchara über die Grenze nach Turkmenabad und weiter durch die Karakum-Wüste zur turkmenischen Hauptstadt Aschgabad.

Der Schienenverkehr ist recht gut ausgebaut. Sämtliche urbane Zentren sind an das Netz angeschlossen. Internationale Züge verkehren nach Kasachstan und nach Russland, im Sommer auch ins kirgisische Osch.

Von Taschkent aus fährt täglich ein Zug über Samarkand, Buchara, Chiwa, Nukus und Kungrad bis an die kasachische Grenze im äußersten Westen und weiter an die Nordküste des Kaspischen Meeres. Vom kasachischen Atyrau besteht Anschluss an das russische Schienennetz. Eine weitere Verbindung führt von Taschkent im Norden über Samarkand ins südusbekische Termez an der afghanischen Grenze. In Richtung Osten ist Taschkent mit den Städten Kokand und Andijan im Fergana-Tal verbunden. Von Taschkent in Richtung Norden gehen Züge in die kasachischen Millionenstädte Schymkent und Almaty, im Sommer auch nach Astana.

Zwischen Taschkent und Samarkand verkehrt ein Schnellzug, der die Reisezeit zwischen beiden Städten auf etwas mehr als drei Stunden verkürzt.

Schnellzug „Afrosiyob“ auf dem Weg von Taschkent nach Samarkand. Foto: © Rolly

Größter Flughafen des Landes ist jener in Taschkent, wo jährlich etwa drei Millionen Passagiere abgefertigt werden. Uzbekistan Airways fliegt von hier aus nach München und Frankfurt/Main.

Der Flughafen in Samarkand bietet Verbindungen nach Istanbul, Moskau, Sankt Petersburg und Kazan. Von Buchara aus lassen sich immerhin die Moskauer Flughäfen erreichen. Der Flughafen von Fergana erschließt das gleichnamige Tal. Von hier aus werden etliche russische und kasachische Städte angeflogen. Wichtigster Flughafen im Westen des Landes ist Urgench, von wo in den Sommermonaten auch ein Flug nach Frankfurt am Man verkehrt.

Taschkent verfügt über ein Metronetz aus drei Linien. Zudem verkehren Straßenbahnen in der Stadt. Daneben basiert der ÖPNV vornehmlich auf Bussen und Sammeltaxis.

Usbekistan

Einwohner: 33,3 Mio. (vgl. Polen 38,4 Mio.)

Fläche: 449 Tsd. qkm (vgl. Spanien 506 Tsd. qkm)

Bevölkerungsdichte: 74 EW/qkm

Hauptstadt: Taschkent – 2,37 Mio. EW (vgl. Hamburg 1,9 Mio. EW)

Amtssprache: Usbekisch

Währung: Usbekischer S‘om (UZS)

Regierungsform: Autoritäre Präsidialdiktatur

Zeitzone: +4 MEZ