Republik Burjatien, Russland

Republik Burjatien

Geschichte

Erste Erwähnung fanden die Burjaten in der Mitte des 13. Jahrhunderts. In der „Geheimem Geschichte der Mongolen“ heißt es, dass Jochi, der älteste Sohn Dschingis Khans, nach Norden gezogen sei, um die Burjaten zu unterwerfen.

Nach dem Ende des mongolischen Weltreiches lebten die Burjaten wieder weitgehend ungestört in den Wäldern und Bergen rund um den Baikal, waren vom chinesischen Thron zu weit entfernt, um diesem tributpflichtig zu sein. Allerdings kamen ab dem 17. Jahrhundert immer mehr russische Kosaken aus dem Westen in das burjatische Siedlungsgebiet. Nach einigen Kämpfen und Scharmützeln wurde das Territorium zu Beginn des 18. Jahrhunderts formell vom Zarenreich annektiert. Trotz dieser neuen Vorherrschaft blieben die Burjaten jedoch stark mongolisch geprägt und übernahmen beispielsweise den lamaistischen Buddhismus. Lediglich einige Stämme westlich des Baikal konnten erfolgreich durch die Russisch-Orthodoxe Kirche missioniert werden.

Der Russische Bürgerkrieg tobte nach der Revolution von 1917 auch in Burjatien. Die meisten Kämpfer fanden sich zunächst auf Seiten der Weißgardisten, die sich bis in die frühen 1920er Jahre halten konnten. Danach setzten sich allerdings die Rotarmisten durch und starteten von Burjatien die Eroberung der Äußeren Mongolei. 1923 wurde die Burjat-Mongolische Autonome Sowjetrepublik ins Leben gerufen. Der stalinsche Terror kostete in den 1930er Jahren mehr als zehntausend Burjaten das Leben, die buddhistischen Tempel und Klöster der Region wurden zerstört.

1958 wurde die Burjat-Mongolische Autonome Sowjetrepublik in Burjatische Autonome Sowjetrepublik umbenannt, um möglichen panmongolischen Tendenzen Einhalt zu gebieten. Und auch heute gibt es in der russischen Führung einige Befürchtungen, dass sich die Burjaten ihren mongolischen Landsleuten aus dem Süden anschließen könnten.

Politik

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1992 hieß das Gebiet nur noch Republik Burjatien, blieb aber Bestandteil der Russischen Föderation. 1994 wurde die neue russische Verfassung angenommen, wobei im Gegenzug volle autonome Rechte zugestanden wurden. Dies wurde mit der ersten Putinschen Verfassungsreform im Jahre 2002 jedoch wieder rückgängig gemacht. Seitdem wird der Gouverneur direkt durch den Präsidenten der Russischen Föderation ernannt. Das Parlament der Republik ist der Volks-Khural, dessen Abgeordnete im Turnus von fünf Jahren in Regionalwahlen bestimmt werden. Stärkste Kraft ist aktuell die Putin-Partei „Einiges Russland“.

Das Republik-Parlament Khural in Ulan-Ude. Foto: © Andrej Rinchino

Demografie

In Burjatien leben etwa eine Million Menschen auf einer Fläche, die ziemlich genau der Bundesrepublik Deutschland entspricht. Die Bevölkerungsdichte liegt mit drei Einwohnern pro Quadratkilometer etwas über der benachbarten Mongolei.

Ethnisch stellen die Burjaten schon seit etlichen Jahrzehnten nicht mehr die Mehrheit, allerdings ist ihr Anteil in den vergangenen Jahren wieder signifikant auf nunmehr 30 Prozent gestiegen. Russen machen dagegen ziemlich genau zwei Drittel der Gesamtbevölkerung aus. Daneben leben auf dem Territorium der Republik einige Ukrainer und Tataren sowie die indigenen Sojoten.

Demgemäß verteilen sich auch die religiösen Bekenntnisse – mit 30 Prozent orthodoxen Christen und 20 Prozent bekennenden Buddhisten. Etwa die Hälfte der Bevölkerung bezeichnet sich als nichtreligiös.

Ähnlich wie in der Mongolei konzentrieren sich mehr als 40 Prozent der Bevölkerung im Siedlungsschwerunkt rund um die burjatische Hauptstadt Ulan-Ude. Diese zählt mit dem deutlich kleineren Sewerobaikalsk (25.000 EW) zu den beiden regierungsunmittelbaren Städten der Republik. Weitere Siedlungszentren sind Gusinoosjorsk (25.000 EW), Kyakhta (20.000) und Selenginsk (15.000 EW).

Das Tal der Selenge sowie das Südufer des Baikal sind recht dicht besiedelt, dagegen gelten weite Regionen im Norden Burjatiens als weitgehend unbewohnt.

Geografie und Klima

Burjatien liegt im Übergang zwischen dem zentralasiatischen Steppengürtel und der borealen Nadelwaldzone. Die wellige Grenzregion an der mongolischen Grenze ist den Steppen vorbehalten. Weiter nördlich in Richtung Baikal schließen die endlosen Nadelwälder Sibiriens an.

Die Republik ist recht bergig. Im Nordosten vereinigen sich das Barguzin- und das Ikatskygebirge zum Stanovoj-Hochland, welches mit dem Pik BAM nur unweit der Republikgrenze fast 3.000 Meter Höhe erreicht. Durchschnitten werden diese Gebirgszüge von den Flüssen Barguzin und Untere Angara, die beide in den Baikal entwässern – die Untere Angara mit einem ausgeprägten Delta.

Im äußersten Westen erreichen die höchsten Berge des Sajan noch größere Höhen bis zu 3.500 Metern. Der Munku Sardyk an der Grenze zur Mongolei ist mit 3.491 der höchste Punkt der Republik.

Der Süden Burjatiens wird geprägt durch den Lauf der Selenge, die bei ihrer Einmündung in den Baikal ebenfalls ein weites Delta ausbildet. Die Selenge ist der längste Fluss der Mongolei und Burjatiens und zugleich der wichtigste Zufluss des Baikal.

Die Aja-Bucht im Nordosten des Baikal. Foto: © Mousesanaya

Das Klima in Burjatien ist typisch sibirisch – mit kalten, langen Wintern und kurzen, heißen Sommern. Niederschläge fallen zumeist in den Sommermonaten und vor allem in den nördlicheren Breiten der Republik. Direkt am Baikal wird das Klima spürbar milder, sind die Wintermonate nicht allzu frostig. Am heißesten wird es im Sommer im Süden der Republik zwischen Ulan-Ude und der Stadt Kyakhta an der mongolischen Grenze.

Wirtschaft und Verkehr

Die burjatische Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren recht positiv entwickelt. Die Wachstumsraten sind höher als im russischen Durchschnitt und so gehört Burjatien zu den recht gut entwickelten sibirischen Regionen. Die Agrarwirtschaft ist vor allem für den ländlichen Bereich ein bestimmender Faktor. Daneben spielt der Tourismus eine immer wichtigere Rolle. Schließlich entfallen auf Burjatien 60 Prozent der Küstenlänge des Baikal. Die ausgedehnten Gebirgslandschaften der Region sollen für den Trekking- und Skitourismus entwickelt werden.

Der Bergbau ist von ungebrochener Relevanz. Gewonnen werden Kohle, Uran und Beryllium. Weitere Vorkommen an Diabas, Molybdän, Gold, Apatit, Quarz und Wolfram werden derzeit erkundet. Angesichts der ausgedehnten Wälder insbesondere in der Mitte und im Norden ist auch die Forstwirtschaft von erheblicher Bedeutung.

Die Infrastruktur ist für sibirische Verhältnisse recht gut ausgebaut. Die zentralen Verkehrsachsen sind die von West nach Ost verlaufende Transsibirische Eisenbahn und die parallel dazu errichtete Fernstraße zwischen Moskau und Wladiwostok. Zudem bestehen von Ulan-Ude gute Schienen- und Straßenverbindungen in die Mongolei. Das Ostufer des Baikal sowie das Tal des Barguzin ist durch eine Fernstraße erschlossen, die in den kommenden Jahren bis zur nördlich des Baikal verlaufenden Baikal-Amur-Magistrale (BAM) verlängert werden soll. Die BAM läuft nördlich am Baikal vorbei und erschließt von West nach Ost den Norden Burjatiens. Auch ihr folgt parallel eine Asphaltstraße.

Im Südwesten der Republik verbindet eine gut ausgebaute Fernstraße den Südwestzipfel des Baikal bei Kultuk durch das Tunkinsker Tal mit der mongolischen Grenze bei Mondy und dem unmittelbar danach beginnenden Khovsgol-See.

Der Baikal International Airport ist der mit Abstand wichtigste Flughafen Burjatiens. Daneben ist die Stadt Sewerobaikalsk am Nordufer des Baikal an den Luftverkehr angebunden.

In der Hauptstadt Ulan-Ude besteht ein kleines Straßenbahnnetz. Darüber hinaus basiert der ÖPNV in Burjatien auf Bussen, O-Bussen und Sammeltaxen.

Republik Burjatien

Einwohner: 0,972 Mio. (vgl. Köln: 1,1 Mio.)

Fläche: 351 Tsd. qkm (vgl. Deutschland 358 Tsd. qkm)

Bevölkerungsdichte: 3 EW/qkm

Hauptstadt: Ulan-Ude – 404 Tsd. EW (etwas weniger als 50 Prozent der Gesamtbevölkerung)

Amtssprache: Russisch, Burjatisch (mongolische Sprache, die allerdings vom Aussterben bedroht ist)

Währung: Russischer Rubel (RUB)

Regierungsform: Autonome Republik innerhalb der Russischen Föderation

Zeitzone: +7 MEZ