Turkmenistan

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Geschichte

Im 4. Jahrhundert vor Christi Geburt wurde das Gebiet des heutigen Turkmenistan von den Soldaten Alexanders des Großen eingenommen. 150 Jahre später errichtete dann das Partherreich seine Hauptstadt in der Nähe des heutigen Aschgabad. In der Spätantike wiederum reichte der Einfluss der persischen Sassaniden-Dynastie bis nach Turkmenistan.

Mit der Expansion des arabischen Kalifats drang im 8. Jahrhundert der muslimische Glaube in die Region. In dieser Zeit erblühte die Seidenstraße als zentrale Handelsroute zwischen China, dem Mittleren Osten und Europa. Im 9. Jahrhundert wurde Merw zur Hauptstadt des persisch geprägten Abbasiden-Kalifats erhoben, womit die Wüsten Turkmenistans zum Zentrum der seinerzeit vorherrschenden Weltmacht wurden. Mitte des 11. Jahrhunderts war Turkmenistan Teil des Turk-Reiches der Seldschuken. Im 13. Jahrhundert wurden diese durch die Mongolen verdrängt. Doch auch nach dem Zerfall des Mongolenreiches konnten die Turkmenen ihre Unabhängigkeit nicht wiedergewinnen. Sie lebten unter wechselnden Herrschaften und waren untereinander in tiefen Stammesfehden zerstritten. Erste Ansätze eines turkmenischen Nationalbewusstseins bildeten sich erst im 19. Jahrhundert als die Stämme von der Küste des Kaspischen Meeres in das Tal des Amudarja zogen. Turkmenistan war einer der letzten Teile Zentralasiens, der unter russische Herrschaft geriet. Erst 1894 wurde das Gebiet vom Zarenreich annektiert. Die transkaspische Eisenbahnlinie bildete das entscheidende Bindeglied zum politischen Zentrum in Sankt Petersburg. Zunächst wurde Transkaspien bzw. das russische Zentralasien von Tiflis aus verwaltet, doch 1898 wurde das Gebiet aus dem Kaukasus-Gouvernement herausgelöst und in ein eigenes Gouvernement namens Turkestan überführt. In diesen Jahren begannen sich die ersten slawischen Siedler im Becken des Amudarja niederzulassen.

Nach der russischen Revolution entwickelte sich Aschgabad zu einem Zentrum des Widerstands, welches jedoch massiv von den aus Taschkent kommenden Rotgardisten bedrängt wurde. Letztlich setzte sich die Revolution durch und fast ganz Zentralasien wurde in der Turkestanischen Autonomen Sowjetrepublik innerhalb der Russischen Sowjetrepublik zusammengefasst. 1924 entstand schließlich die Turkmenische Sowjetrepublik, die die territoriale und politische Basis des heutigen Turkmenistans bildet. Insbesondere die Region um Aschgabad durchlief eine rasante Industrialisierung. 1948 ereignete sich jedoch ein schweres Erdbeben in dessen Folge 50.000 bis 100.000 Menschen den Tod fanden. In den 1950er Jahren wurde der mehr als 1.300 Kilometer lange Karakum-Kanal erbaut, ein gigantisches Projekt, welches die Wüste Karakum für den Baumwollanbau erschließen sollte. Dies wurde tatsächlich ermöglicht, allerdings auf Kosten einer ökologischen Katastrophe am Aralsee.

Turkmenistan war eine der letzten der 15. Sowjetrepubliken, die ihre Unabhängigkeit erklärte. Im Herbst 1991 beschloss die Kommunistische Partei ihre Selbstauflösung und wurde unter Führung des ehemaligen KP-Chefs Saparmurat Niyazov in die Turkmenische Demokratische Partei transformiert. In den Präsidentschaftswahlen des Jahres 1992 ließ sich Niyazov in das Amt wählen, welches er bis zu seinem Tode bekleidete und mit dem sich ein teilweise skurriler Personenkult verband. Niyazov verlieh sich den Titel des Turkmenbashi, des Führers aller Turkmenen, sein politisches Pamphlet, die Ruhnama, wurde zur Pflichtlektüre an allen turkmenischen Schulen. 2005 ist ein Exemplar des Buches – eingehüllt in eine turkmenische Flagge – gar ins All geschossen worden. Auch einige Monate im Jahreskalender wurden nach Mitgliedern von Niyazovs Familie benannt. Jegliche Opposition war verboten und die staatlich gelenkten Medien wurden zu Propagandaorganen der Regierung.

2006 verstarb Niyazov recht plötzlich ohne einen Nachfolger aufgebaut zu haben. In den folgenden Präsidentschaftswahlen im Februar 2007 setzte sich Gurbanguly Berdimuhamedov durch. Auch diese Wahlen entsprachen keinen demokratischen Standards, doch immerhin verwirklichte Berdimuhamedov einige Reformen. In Aschgabad konnte das Internet wieder frei genutzt werden, der Personenkult wurde eingedämmt und die außenpolitische Isolation zumindest abgeschwächt. Zudem wurden das Bildungs-, Gesundheits- und Rentensystem erneuert und die Diskriminierungen von Nicht-Turkmenen im öffentlichen Sektor beendet.

Berdimuhamedov schuf auch für sich einen Sonderstatus, der den Überzeichnungen unter Niyazov bisher allerdings nicht nahekommt. 2008 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, wurden neue Parteien zugelassen und Parlamentswahlen abgehalten. Mit einer weiteren Verfassungsnovelle im Jahre 2020 sind die Altersbegrenzung für den Präsidenten sowie die Beschränkung seiner Amtszeiten wieder zurückgenommen worden, wurde die Spanne zwischen zwei Präsidentschaftswahlen von fünf auf sieben Jahre erhöht.

Politik

Der allzu groteske Personenkult unter Niyazov mag zwar sein Ende gefunden haben, doch Turkmenistan wird noch immer äußerst autoritär geführt. Die Freiheiten der Bürger werden massiv beschnitten, kritische Berichterstattung ist nicht erlaubt bzw. nicht möglich. Etliche politische Gefangene fristen ihr Dasein in den Gefängnissen. Deren Anteil an der Gesamtbevölkerung ist so hoch wie in keinem anderen Nachfolgestaat der ehemaligen Sowjetunion. Und auch von Berdimuhamedov existieren mittlerweile prächtige Reiterstandbilder im Zentrum der turkmenischen Hauptstadt Aschgabad. Auch dürfen dort mittlerweile keine schwarzen Autos mehr verkehren, weil der Präsident ein Freund von strahlendem Weiß ist.

Bei der letzten Präsidentschaftswahl im Jahr 2017 erreichte Berdimuhamedov mehr als 97 Prozent der Stimmen. Sämtliche Gegenkandidaten mussten im Voraus von der Regierung berufen werden.

Berdimuhamedov befürwortete im Gegensatz zu seinem Vorgänger Niyazov zwar ein Viel-Parteien-System, doch von politischem Pluralismus ist man noch weit entfernt.

Der Mejlis ist das Parlament von Turkmenistan. Es besteht aus einer Kammer, die im Turnus von fünf Jahren gewählt wird. Es gilt ein Mehrheitswahlrecht, bei dem die einfache Stimmenmehrheit in einem Wahlkreis für den Gewinn eines Mandates genügt. Von den 125 Sitzen gingen 55 an die regierende Demokratische Partei, elf an die Partei der Industriellen und Unternehmer, elf an die Agrarische Partei und 48 an unabhängige Kandidaten. Die drei genannten Parteien stützen allesamt die Regierung, die unabhängigen Kandidaten verhalten sich weitgehend neutral.

Die starren staatlichen Strukturen begünstigen ein hohes Maß an Korruption. Ebenso ist Nepotismus, also Vetternwirtschaft, ein gravierendes Problem in der Staatsverwaltung, behindert deren Reformfähigkeit.

Außenpolitisch gehört die Neutralität schon seit Niyazovs Zeiten zur Staatsdoktrin. Unter Berdimuhamedov wurden sowohl die Beziehungen zu Russland, als auch zu den USA und den NATO-Staaten intensiviert. Schließlich ist dem rohstoffreichen Land an einem guten Verhältnis zu den potentiellen Hauptabnehmern gelegen. Im gleichen Zusammenhang wird das wachsende Engagement der Volksrepublik China im Land begrüßt. Aus gemeinsamen kulturellen, ethnischen und sprachlichen Traditionslinien heraus engagiert sich die Türkei maßgeblich in Turkmenistan.

Ein weiterer außenpolitischer Fokus gilt der Abwehr und Begrenzung radikalislamischer Bewegungen, denen eine potentiell staatszersetzende Wirkung attestiert wird.

Administrativ ist Turkmenistan in fünf Provinzen (walayat) gegliedert. Die Hauptstadt Aschgabad gilt als eigenständige administrative Einheit. Turkmenistan ist ein zentralistischer Staat, sodass in den regionalen Einheiten keine eigenständigen politischen Entscheidungen getroffen werden.

Demografie

Turkmenistan hat aktuell etwa sechs Millionen Einwohner. Im Gegensatz zu vielen anderen Transformationsstaaten der ehemaligen Sowjetunion hat sich das Bevölkerungswachstum nach der Unabhängigkeit etwas erhöht. Allerdings sorgte die ausgeprägte ökonomische Krise der beginnenden 2000er Jahre für einen deutlichen Einschnitt. Sehr viele turkmenische Arbeitsmigranten verließen das Land vornehmlich in Richtung Russland und Türkei. Zusätzlich ist in diesen Jahren die Fertilitätsrate signifikant gesunken. Mit der Stabilisierung der Wirtschaft nach dem Tode des Diktators Niyazov und den folgenden Reformen hat sich der Trend wieder in Richtung eines stetigen Wachstums gewandelt. In diesem Kontext muss erwähnt werden, dass es insbesondere jungen Turkmenen zunehmend erschwert wird, das Land zu verlassen. Aktuell leben in Turkmenistan etwa zwei Millionen Menschen mehr als zu Zeiten der Staatsgründung 1991. Für die kommenden Jahre ist ein leichtes Wachstum zu erwarten, mittelfristig jedoch mit einer Stagnation zu rechnen. Die Fertilitätsrate gehört mit 2,1 Kindern pro Frau zu den geringsten Zentralasiens und weitere Abwanderungswellen lassen sich nicht ausschließen. Aktuell ist etwa ein Viertel der Einwohner unter 14 Jahren. Dies ist aus europäischer Perspektive zwar ein hoher Wert, liegt allerdings signifikant niedriger als in den zentralasiatischen Nachbarstaaten.

Die äußerst nationalistische Politik unter Präsident Niyazov führte zu einer massiven Abwanderung der ethnischen Minderheiten. Der Anteil der Russen hat sich von zehn auf fünf Prozent verringert, jener der Usbeken von neun auf fünf und der der Kasachen von zweieinhalb auf ein halbes Prozent. Lediglich die aserbaidschanische Minderheit blieb mit ihrem einprozentigen Anteil an der Gesamtbevölkerung stabil.

Im Gegenzug stellen die Turkmenen mittlerweile fast 90 Prozent der Gesamtbevölkerung. Gegen Ende der 1980er Jahre waren es lediglich 70 Prozent.

Unter Präsident Niyazov waren in Turkmenistan nur der sunnitische Islam und das orthodoxe Christentum zugelassen. Unter dem aktuellen Präsidenten Berdimuhamedov herrscht eine etwas größere religiöse Toleranz. Im Rahmen der demografischen Wandlungsprozesse der vergangenen 30 Jahre ist der Anteil der orthodoxen Christen von 15 auf sechs Prozent gesunken. 93 Prozent bekennen sich zum sunnitischen Islam. Andere Gruppen halten lediglich ein Prozent. Neben dem islamischen Schiismus und verschiedenen christlichen Kirchen sind insbesondere die Bahai hervorzuheben, eine Religionsgemeinschaft, die sich dereinst in Turkmenistan konsolidiert hatte.

Turkmenisch ist eine Turksprache und weist große Ähnlichkeiten zum Kasachischen und zum Usbekischen auf, die nicht nur in den Nachbarländern, sondern auch von den entsprechenden Minderheiten im Land gesprochen werden. Nach Auflösung der Sowjetunion war Turkmenistan das erste Land, welches die jeweilige Amtssprache von der kyrillischen in eine lateinische Schreibweise überführte. Mit dieser Maßnahme sollte nicht zuletzt die Stellung des Russischen geschwächt werden. Das ist nachhaltig gelungen. Zu Sowjetzeiten war Russisch auch in vielen turkmenischen Haushalten verbreitet, wird mittlerweile aber nur noch von knapp fünf Prozent der Bevölkerung als Erstsprache verwendet. Es wird aber weithin verstanden und dient noch immer als Verkehrssprache. Mit der Intensivierung des Englisch-Unterrichts an turkmenischen Schulen droht aber auch diese Rolle verlorenzugehen.

Die ganz in weiß gehaltene turkmenische Hauptstadt Aschgabad. Foto: © Bayram A.

Turkmenistan ist wesentlich stärker urbanisiert als die zentralasiatischen Nachbarstaaten. Mehr als die Hälfte der Einwohner lebt in Städten. Zu nennen sind ein Siedlungsstreifen im Süden des Landes an der iranischen Grenze mit der Hauptstadt Aschgabad in dessen Zentrum, die fruchtbaren Oasen am Amudarja an der Nordgrenze zu Usbekistan sowie die Küste des Kaspischen Meeres.

Aschgabad ist mit etwa 800.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt des Landes. Auf dem zweiten Rang folgt das im Nordosten am Amudarja gelegene Turkmenabad mit 280.000 Einwohnern. Dasoguz mit 250.000 Einwohnern liegt ebenfalls an der usbekischen Grenze und im Tal des Amudarja , allerdings 500 Kilometer flussabwärts. Mary mit 130.000 Menschen ist gleichbedeutend mit der antiken Oasenstadt Merw, die einst als Zentrum eines turkmenischen Großreiches fungierte und sich heute im Südosten des Landes befindet. Die Nachbarstadt Marys ist Bayramaly mit etwa 90.000 Einwohnern. Auf halbem Weg zwischen Mary und Aschgabad liegt das etwa 80.000 Einwohner fassende Tejen.

Die Städte Balkanabad (120.000 EW), Serdar (90.000 EW) und Turkmenbasy (75.000) gehören allesamt zur Provinz Balkan am Kaspischen Meer, liegen entweder am Amudarja oder am Karakum-Kanal.

Geografie und Klima

Turkmenistan ist mit 488.100 Quadratkilometern etwas kleiner als Frankreich. Es erstreckt sich von West nach Ost über maximal 1.100 und von Nord nach Süd über maximal 600 Kilometer. Nachbarländer sind Kasachstan im Nordwesten, Usbekistan im Norden, Afghanistan im Südosten und der Iran im Süden. Die längste Grenze hat Turkmenistan mit einer Küstenlänge von fast 1.800 Kilometern am Kaspischen Meer. Im Norden schließt die kasachische Grenze mit einer Länge von 380 Kilometern an. Die längste Landgrenze (1.620 km) teilt sich Turkmenistan entlang des Amudarja mit den usbekischen Nachbarn im Norden. Die Grenze zu Afghanistan ist 750 und jene zum Iran etwa tausend Kilometer lang.

Zum absolut überwiegenden Teil liegt Turkmenistan in der äußerst trockenen Turan-Depression. Der niedrigste Punkt findet sich mit etwa hundert Metern unter Normalnull am Sarykamysch See im äußersten Norden. Der höchste Gipfel erhebt sich auf der fast direkt gegenüberliegenden Seite des Landes im äußersten Südosten. Es ist der Pik Ayrababa im Dreiländereck zu Usbekistan und Afghanistan, wo Turkmenistan Anteil an den letzten Ausläufern des Pamir hat. Deutlich prägender für Relief und Besiedlung des Landes ist jedoch das Kopet-Dag-Gebirge, welches sich über 600 Kilometer Länge an der Grenze zum Iran erhebt und in dessen Vorland sich mit der Hauptstadt Aschgabad der Siedlungsschwerpunkt des Landes befindet. Der höchste Punkt auf turkmenischer Seite ist der Pik Sahsan südwestlich von Aschgabad mit 2.912 Metern. Das Kopet-Dag-Massiv ist erdgeschichtlich sehr jung und seismisch höchstaktiv.

Blick auf das Kopet-Dag-Massiv an der turkmenisch-iranischen Grenze. Foto: © Balkan Wiki

Der größte Teil Turkmenistans wird von der Wüste Karakum eingenommen, die sich vom Amudarja im Norden bis zum Kopet-Dag-Massiv im Süden über annähernd drei Viertel des Landes erstreckt und nahezu unbewohnt ist.

Die Küste zum Kaspischen Meer weist ebenfalls eine vornehmlich wüstenhafte Vegetation auf. In den wenigen Oasen finden sich die urbanen Zentren der Balkan-Provinz im Westen des Landes. Der Kara-Bogas-See im äußersten Nordwesten Turkmenistans ist eine ausgeprägte Lagune des Kaspischen Meeres. Sie wurde 1980 durch einen Damm vom restlichen See abgetrennt, um ein weiteres Absinken des Wasserspiegels zu verhindern. Allerdings begann das Kaspische Meer – ganz im Gegensatz zum Aralsee – zu dieser Zeit wieder zu steigen. Die Maßnahme war also unnötig und zudem kontraproduktiv, denn sie bewirkte das nahezu vollständige Austrocknen der Lagune. Um das Entstehen einer weiteren Salzwüste zu verhindern, wurde der Damm wieder eingerissen, womit nun wieder ein Wasseraustausch zwischen Kaspischem Meer und Kara-Bogas-See erfolgt.

Nach dem Kaspischen Meer ist der Sarykamysch-See der größte des Landes. Zwei Drittel der Fläche liegen in Turkmenistan, ein Drittel gehört zu Usbekistan. Der Sarykamysch bestand zwar schon vorher, wurde aber durch die Einleitung von Wasser aus dem Amudarja deutlich vergrößert, was allerdings zulasten des Aralsees ging, welcher mittlerweile fast vollständig ausgetrocknet ist. Durch die landwirtschaftlichen Abwässer der Region ist der Sarykamysch extrem schadstoffbelastet.

Der Amudarja ist der mit Abstand wichtigste Fluss Turkmenistans. Er markiert die Grenze zwischen der Kyzylkum-Wüste im Norden sowie der Karakum-Wüste im Süden und bewässert dazwischen ein langes Flusstal. Gleich dem Nil ermöglicht er eine intensive Besiedlung in einer ansonsten lebensfeindlichen Umgebung. An seinen Ufern liegen die Großstädte Turkmenabad und Dasoguz. Der Amudarja war zu Sowjetzeiten Gegenstand äußerst ambitionierter hydrologischer Projekte, die die landschaftliche Nutzung weiter Teile der Karakum-Wüste ermöglichen sollten. Ein ganz wesentlicher Teil dieses Plans war die Schaffung des Karakum-Kanals, der über die antike Oasenstadt Merw (heute Maly) und weiter im Vorland des Kopet-Dag-Gebirges bis ans Kaspische Meer verlaufen sollte. Dieses Projekt wurde auch umgesetzt und trägt bis heute dazu bei, die Siedlungszentren in Süd-Turkmenistan zu bewässern. Die Städte Mary, Barymaly, Tejen, Aschgabad, Serdar und Balkanabad liegen allesamt an diesem Wasserweg, der südlich von Turkmenbasy ins Kaspische Meer mündet. Allerdings wurde so viel Wasser abgeleitet, dass der Amudarja nun nicht mehr den Aralsee erreicht, sondern vor dessen Ufern in der Wüste versiegt.

Das Klima in Turkmenistan ist extrem trocken und zudem geprägt von der kontinentalen Lage. Die Sommer sind lang und reichen von Mai bis in den September. Die Winter sind im Süden rund um Aschgabad vergleichsweise mild, können im Norden jedoch harsch werden. Niederschläge sind generell selten und fallen vornehmlich zwischen Januar und Mai. Der Südosten in Richtung afghanischer Grenze und die Region um Aschgabad erhalten etwas mehr Regen, als der extrem trockene Norden und Westen.

Die Bewässerungsprojekte der Sowjetunion haben zu einer ökologischen Katastrophe entlang der Ostküste des Kaspischen Meeres geführt. Die zunehmende Versalzung der Böden beschleunigt die Desertifikation. Die Wüsten Turkmenistans breiten sich schnell aus, was mittelfristig große Teile der landwirtschaftlichen Nutzflächen gefährdet. Wüste und Halbwüste sind im gesamten Land die vorherrschenden Vegetationstypen.

Wirtschaft und Verkehr

Turkmenistan ist ein äußerst rohstoffreiches Land. Allerdings fehlte es in den 1990er Jahren an den notwendigen Transportrouten, um davon angemessen profitieren zu können. Zudem sperrte sich der ehemalige Präsident Niyazov gegen ökonomische Reformen.

Seit der Machtübernahme von Präsident Berdimuhamedov haben sich die Zahlen etwas verbessert, wobei die neue Administration von den steigenden Ölpreisen und den nun geschaffenen Transportwegen profitierte. Im Zentrum des Landes und vor allem an der Küste des Kaspischen Meeres lagern äußerst reiche Vorkommen, die eine günstige wirtschaftliche Entwicklung verheißen und schon in den vergangenen Jahren zu deutlich steigenden Wachstumsraten führten.

Neben Öl und Gas wird vor allem Baumwolle exportiert. Allerdings wird dieser Sektor massiv von der zunehmenden Desertifikation bedroht. In den vergangenen Jahren ist es gelungen, eine Baumwoll-verarbeitende Industrie aufzubauen, sodass keine Rohmaterialien mehr exportiert werden müssen.

Weitere landwirtschaftliche Erzeugnisse werden vornehmlich für den eigenen Bedarf produziert. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Engpässen bei der Versorgung der Bevölkerung.

Mittelfristig soll Turkmenistan zu einem attraktiven Tourismusstandort entwickelt werden, wobei insbesondere in die Hafenstadt Turkmenbasy investiert wird. Aktuell spielt dieser Sektor allerdings eine untergeordnete Rolle, kommen kaum ausländische Gäste ins Land.

Korruption war unter Präsident Niyazovs ein extremes Problem und ist es bis heute geblieben. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International liegt Turkmenistan an Position 167 von 180 untersuchten Staaten. Arbeitslosigkeit gibt es laut staatlicher Propaganda nicht, tatsächlich liegt die Quote jedoch bei etwa zwölf Prozent.

Das Straßennetz in Turkmenistan ist etwa 30.000 Kilometer lang, etwa 25.000 Kilometer sind asphaltiert. Die wichtigste Relation führt von Kaspischem Meer entlang des Karakum-Kanals über Aschgabad und Mary nach Turkmenabad und dort weiter nach Usbekistan. Eine weitere Trasse folgt dem Amudarja von der usbekischen Grenze bis nach Dasoguz und weiter zum Sarykamysch-See. Zudem führt eine Straße von Turkmenbasy immer entlang der kaspischen Küste nach Kasachstan.

Die wichtigsten Grenzübergänge nach Usbekistan liegen zwischen Buchara und Turkmenabad sowie zwischen Dasoguz und Urgench.

Südlich von Aschgabad und zwischen dem iranischen Maschhad sowie dem turkmenischen Mary befinden sich Grenzübergänge zum Iran. Ein weiterer Posten fertigt Reisende unweit der kaspischen Küste zwischen dem turkmenischen Serdar und dem iranischen Gorgan ab

Der einzige größere Grenzübergangspunkt nach Afghanistan liegt an der gut ausgebauten Straße zwischen Mary und Herat. Er ist allerdings aktuell für Drittstaatler geschlossen. Gleiches gilt für den Grenzübergangspunkt Richtung Kasachstan am Kaspischen Meer kurz hinter der Ortschaft Bekdas.

Das turkmenische Schienennetz ist 5.000 Kilometer lang. Die wichtigste Trasse folgt dem Karakum-Kanal von Turmenabad über Mary nach Aschgabad und weiter über Balkanabad zur Hafenstadt Turkmenbasy am Kaspischen Meer. Im Jahre 2006 wurde die Trans-Karakum-Linie fertiggestellt, die Aschgabad mit der zweitgrößten Stadt des Landes Dasoguz im Norden verbindet. Des Weiteren bestehen Stichstrecken zwischen Turkmenabad und der usbekischen Grenze, zwischen Mary und Serhetabad an der afghanischen Grenze sowie von Turkmenabad zur usbekischen Grenze bei Gazadzhak. Derzeit bestehen aus oder nach Turkmenistan keine grenzüberschreitenden Zugverbindungen.

Wichtigster Flughafen des Landes ist der der Hauptstadt Aschgabad, der vor einigen Jahren um ein modernes Terminal erweitert wurde. Von hier aus wird unter anderem Frankfurt am Main angeflogen, ansonsten hauptsächlich Metropolen des Mittleren Ostens sowie der ehemaligen Sowjetunion. Daneben bestehen mehr als 20 Flughäfen in allen Teilen des Landes. Der inländische Flugverkehr überwiegt den internationalen bei weitem.

Von Turkmenbasy verkehrt eine Fähre an das gegenüberliegende Ufer das Kaspischen Meeres ins aserbaidschanische Alat.

Im Jahr 2016 ist eine Einschienenbahn eröffnet worden, die Aschgabad mit den Bergen des nahegelegenen Kopet-Dag-Massivs verbindet. Darüber hinaus basiert der ÖPNV in Turkmenistan ausschließlich auf Bussen und Sammeltaxis.

Turkmenistan Flagge

Einwohner: 5,94 Mio. (vgl. Dänemark 5,82 Mio.)

Fläche: 488,11 Tsd. qkm (vgl. Frankreich 544 Tsd. qkm)

Bevölkerungsdichte: 14 EW/qkm

Hauptstadt: Aschgabad – 0,79 Mio. EW (vgl. Frankfurt am Main 0,77 Mio. EW)

Amtssprache: Turkmenisch

Währung: Turkmenischer Manat (TMT)

Regierungsform: Autoritäre Präsidiale Republik

Zeitzone: +4 MEZ