Ukraine

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Geschichte

Ab dem dritten Jahrhundert siedelten die Goten im Bereich zwischen den Mündungen von Dnister und Dnipro sowie auf der Krim. Im Jahre 375 wurden sie allerdings von den Hunnen unterworfen, deren Migration in Richtung Westen im Anschluss die große europäische Völkerwanderung auslöste.

Ab dem 8. Jahrhundert waren die Wikinger auf den großen Flüssen Osteuropas unterwegs, um das Schwarze Meer zu erreichen und rege Handelsbeziehungen mit dem Oströmischen Reich in Byzanz zu pflegen. Sie vermischten sich zunehmend mit der mehrheitlich slawischen Ur-Bevölkerung und gelten als Ahnherren sowohl der Ukraine als auch Russlands. Um Schutz und Stabilität zu gewährleisten, konsolidierte sich im neunten Jahrhundert ein lose verfasstes Großreich – die Kyjjver Rus. Im Jahre 988 nahm Wladimir der Große das Christentum an, in den folgenden zwei Jahrhunderten weitete sich die Rus stetig aus – im Osten bis an die Wolga und im Norden bis in das Gebiet um das heutige Sankt Petersburg.

Mongolensturm und Zerfall der Rus

Der Invasion der Mongolen in der Mitte des 13. Jahrhunderts konnte die Rus jedoch nicht standhalten. Während der nordöstliche Teil noch bis ins 15. Jahrhundert der mongolischen „Goldenen Horde“ Tribut schuldete, konnten sich die westlich gelegenen Gebiete deutlich früher befreien, wobei sie aber in den Einflussbereich des aufstrebenden Großfürstentums Polen-Litauen gerieten. Nachdem sich ab dem 16. Jahrhundert auch das Großfürstentum Moskau endgültig gegen die Mongolen durchgesetzt hatte, wurde des Territorium der Ukraine zum Grenzland zwischen zwei Großreichen. Und genau das bedeutet der in dieser Zeit geprägte Landesname – „Grenzland“. Zu dieser Zeit ein nur lose regiertes, weites Territorium, in denen halbnomadische Steppenreiter – die Kosaken – sich ständige Auseinandersetzungen mit den Krimtataren aus dem Süden lieferten.

Im Jahre 1648 widersetzte sich der Kosakenführer Bogdan Khmelnizky dem polnisch-litauischen Diktat und führte einen Aufstand gegen die polnische Oberschicht, in dessen Ergebnis sich die Kosaken der russischen Herrschaft unterstellten. Die heutige Ukraine wurde am Dnipro geteilt. Östlich davon durften die Kosaken weitgehend autonom siedeln, der westliche Teil wurde in Polen integriert. Mit den Teilungen Polens am Ende des 18. Jahrhunderts fiel auch die Westukraine fast komplett dem Zarenreich zu. Die einzigen Ausnahmen bildeten Galizien und die Bukowina, die nunmehr von den Habsburgern kontrolliert wurden.

Erwachen des ukrainischen Nationalbewusstseins

Zeitgleich konnte das Zarenreich in ständigen Auseinandersetzungen mit den Osmanen seinen Herrschaftsbereich weiter nach Süden bis an die Küste des Schwarzen Meeres inklusive der Krim ausdehnen. Diese neuen Territorien erhielten die Bezeichnung „Neurussland“ und wurden unter Zarin Katharina der Großen aktiv entwickelt. Wichtigste Gründungen dieser Zeit waren Odessa oder auch Kherson an der Mündung des Dnipro ins Schwarze Meer. Im 19. Jahrhundert formte sich eine starke ukrainische Nationalbewegung, als deren wichtigster Protagonist der Dichter Taras Schewtschenko gilt. Mit dem beginnenden 20. Jahrhundert und der sich andeutenden Konfrontation der Großmächte erhielt die „ukrainische Frage“ eine stärkere internationale Relevanz.

Im Ersten Weltkrieg standen sich Deutschland, Österreich und Italien sowie Großbritannien, Frankreich und Russland gegenüber. Zunächst konnten die Russen die habsburgischen Gebiete der heutigen Westukraine erobern, wurden aber bald wieder zurückgedrängt. Nach der Oktoberrevolution in Russland schloss Lenin mit den Mittelmächten einen Separatfrieden, in dem Sowjetrussland die Existenz eines eigenständigen ukrainischen Staates akzeptierte. Mit der Niederlage der Kaiserreiche in Deutschland und Österreich schwand jedoch deren Einfluss in der heutigen Ukraine, sodass sich ein blutiger Bürgerkrieg zwischen Nationalisten, Anarchisten und den Bolschewiki entwickelte. Die Bolschewiki konnten sich durchsetzen, sodass die Ukraine im Jahre 1922 in der neu gegründeten Sowjetunion aufgehen musste. Mit dem Vertrag von Riga wurde der Westen der Ukraine rund um Lemberg Teil der Zweiten Polnischen Republik.

Hungertod und brutale Besatzung

Die Ukraine sollte dem jungen Sowjetstaat als Kornkammer und damit als Rückgrat der Industrialisierung dienen. Vor diesem Hintergrund wurde die gesamte ukrainische Agrarwirtschaft zwangsweise enteignet und kollektiviert. Die Ernteerträge gingen nun zum einen nach Russland, um dort die Arbeiterschaft zu versorgen, und zum anderen an den Weltmarkt, mit dem Ziel, die größenwahnsinnigen Aufbauprojekte der Stalin-Ära zu finanzieren. Die Folge war eine der schlimmsten Hungerkatastrophen der Menschheitsgeschichte. Dem Holodomor – dem Tod durch Hunger – fielen knapp 3,5 Millionen Menschen in der Ukraine zum Opfer. Nicht zuletzt sollte der Hunger-Terror zur Auslöschung der ukrainischen Identität beitragen.

1939 überfiel die Sowjetunion zusammen mit den Nazis das unabhängige Polen. Dessen Aufteilung war vorher im Hitler-Stalin-Paket geregelt worden. Die stark polnisch und später habsburgisch geprägten Gebiete der Westukraine gerieten in die Hand der Sowjets. Zwei Jahre später brach Hitler seinen Pakt mit Stalin und überfiel die Sowjetunion, wobei nahezu die gesamte Ukraine bis 1944 unter deutsche Besatzung geriet. In dieser Zeit machten sich die Nazis etlicher Massaker schuldig, die sowohl gegen die polnische bzw. ukrainische Zivilbevölkerung, vor allem aber gegen die seit Jahrhunderten in der Region siedelnden Juden gerichtet waren.

Vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatten sich in den polnisch bzw. sowjetisch besetzten Teilen der Ukraine militärisch organisierte Nationalbewegungen – zumeist im Untergrund – für eine eigenständige ukrainische Staatlichkeit eingesetzt. Feind war stets die jeweilige Besatzungsmacht, wobei sich deren Antagonisten immer wieder als Kollaborationspartner anboten. So wandten sich die Freischärler in der heutigen Westukraine zunächst mit Hilfe der Sowjets gegen die Polen, dann mit deutscher Unterstützung gegen die Sowjets und schließlich gegen die Nazis, waren dabei auch in schwerste Kriegsverbrechen involviert. Zuerst traf es im Bunde mit Stalin die polnische und später im Bunde mit Hitler die jüdische Zivilbevölkerung.

Denkmal für Bogdan Khmelnizky auf dem Sophienplatz vor der gleichnamigen Kathedrale in Kyjiv. Foto: Skolzyash

Die Ukraine als Teil der Sowjetunion

Churchill, Roosevelt und Stalin hatten sich schon in Jalta darauf geeinigt, dass die Sowjetunion das zusammen mit Hitler eroberte Ostpolen behalten dürfe und die polnische Grenze nach Westen verschoben würde. Nun wurde auch der letzte Rest der polnischen Siedler vertrieben. In der gesamten Ukraine setzten eine massive Urbanisierung und Industrialisierung ein. Nach dem Tod Stalins folgte mit Chruschtschow ein gebürtiger Ukrainer als Parteichef. Zwei Jahre später wurde die Krim aus der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik aus- und in die Ukrainische Sowjetrepublik eingegliedert, was im Zentralstaat Sowjetunion zunächst keinen Unterschied machte, im weiteren Verlauf der Geschichte jedoch relevant wurde.

Im April 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl nördlich von Kyjiv die schlimmste Katastrophe der zivilen Nutzung der Atomkraft. Die Bevölkerung wurde über Gefahren und mögliche Folgen vollkommen im Unklaren gelassen und nur der Windrichtung ist es zu verdanken, dass die Metropole Kyjiv halbwegs glimpflich davonkam. Letztlich war Tschernobyl das Fanal für den dräuenden Untergang des Sowjet-Imperiums.

Die unabhängige Ukraine

Fünf Jahre später versammelten sich mit Jelzin, Kravchuk und Shushkevich die Präsidenten der Russischen, der Ukrainischen sowie der Belarussischen Republik im Wald von Bialowieza, um den konzertierten Austritt aus der Sowjetunion zu vollziehen und Präsident Gorbatschow, den Staat zu nehmen, den er zuvor noch regiert hatte. In der Ukraine wurde dieser Schritt durch ein nach rechtsstaatlichen Kriterien durchgeführtes Referendum begleitet, das in allen Oblasten – inklusive der Krim – mit großer bis übergroßer Mehrheit angenommen wurde.

Im Budapester Memorandum von 1994 verpflichtete sich die Ukraine zur Abgabe sämtlicher auf ihrem Territorium lagernden Atomwaffen. Schon zuvor hatte sie einen Großteil des Bestandes an Russland abgegeben. Dieses wiederum willigte im Gegenzug ein, auf alle Zeit für die territoriale Integrität der Ukraine in ihren Grenzen von 1991 zu bürgen.

In der Transformationsperiode hatten beide Nachbarn mit massiven wirtschaftlichen Problemen und einer ausufernden Korruption zu kämpfen, waren darüber hinaus aber eng miteinander verbunden. Dies änderte sich mit dem Amtsantritt von Wladimir Putin, welcher von Beginn an seine Begehrlichkeiten auf die Ukraine lenkte. Das zeigte sich bereits im Jahre 2004, als sich der russische Geheimdienst zunächst maßgeblich an den massiven Wahlfälschungen zugunsten des pro-russischen Kandidaten Janukowitsch beteiligte und nach den massiven Protesten der Orangenen Revolution dessen pro-europäischen Gegenspieler Juschtschenko mutmaßlich mit Dioxin vergiftete.

Auf dem Weg zum Krieg

Leider konnten die progressiven Kräfte die in sie gesetzten hohen Erwartungen nicht erfüllen, sodass im Jahre 2010 doch noch Janukowitsch gewählt wurde, der sich sogleich daran machte, die Grundlagen der ukrainischen Demokratie nach und nach abzutragen. Und zwar angeleitet von den russischen Diensten, wie man heute weiß. Nachdem sich Janukowitsch geweigert hatte, ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union zu unterzeichnen, brach sich der Unmut der Bevölkerung Bahn, begannen im November 2013 die Proteste auf dem Kyjiver Unabhängigkeitsplatz Maidan. Die Forderungen richteten sich gegen Korruption und für eine Integration in die EU. Nachdem es über viele Wochen verhältnismäßig friedlich geblieben war, setzten Berkut-Einheiten des Innenministeriums scharfe Munition gegen die Demonstranten ein, wobei 28 Menschen ihr Leben verloren. Nachdem die Barrikaden aber auch danach nicht geräumt wurden, sah sich Janukowitsch gezwungen, sein Amt niederzulegen und nach Russland zu fliehen. Eine Übergangsregierung trat an seine Stelle, im Juli wurde in freien und fairen Wahlen ein neuer Präsident gewählt – Petro Poroshenko –, und im Oktober ein ebenso demokratisch legitimiertes ein neues Parlament.

Im März 2014 besetzte Russland die Krim und führte wenige Tage danach ein Scheinreferendum durch. Auch in vielen anderen Regionen versuchten pro-russische Provokateure, die Stimmung gegen die neue Regierung anzuheizen und für sezessionistische Bestrebungen zu werben. Weil dies flächendeckend scheiterte, setzten die Russen im Osten der Ukraine zunehmend auf eigene Kräfte, die ohne Uniform und Hoheitsabzeichen, aber im Auftrag der russischen Dienste für neue Fakten sorgen sollten. Ukrainische Truppen konnten die russischen Freischärler zwar aufhalten, aber nicht vollends zurückdrängen. Unter Beteiligung der europäischen Großmächte wurde der Konflikt in den sogenannten Minsker Verhandlungen zumindest eingefroren, sodass in Teilen der Oblaste Luhansk und Donezk zwei pro-russische Miniatur-Volksrepubliken verblieben.

Russische Vollinvasion ab 2022

2019 wurde der Schauspieler Wolodymyr Selenski zum Präsidenten der Ukraine gewählt. Im Wahlkampf hatte er sich für einen Ausgleich mit Russland ausgesprochen, doch die Dinge sollten sich anders entwickeln. Schon im Jahre 2021 hatten russische Truppen im Rahmen eines Großmanövers die Ukraine an drei Seiten umschlossen. Ein Jahr später gab der russische Machthaber Putin dann endgültig den Befehl für die vollumfängliche Invasion. Nachdem russische Truppen zunächst bis kurz vor Kyjiv vorgerückt waren, konnten sie im Sommer/Herbst 2022 erfolgreich hinter die belarussische Grenz zurückgedrängt werden, wobei sich herausstellte, dass die Besatzer in Butscha und an vielen anderen Orten brutale Massaker an der Zivilbevölkerung verübt hatten. Später konnte im Rahmen eines Überraschungsangriffs auch die Region Kharkiv vollständig zurückerobert werden, wohingegen die russischen Truppen im Süden und Südosten der Ukraine ihre territorialen Gewinne halten konnten. Im Jahre 2023 hatte sich die Ukraine an einer großangelegten Frühjahrsoffensive versucht, die aber weitestgehend scheiterte. Seitdem hat sich die Frontlinie nur unwesentlich verändert.

Aktuell – Stand Juli 2025 – hält Russland etwa ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets besetzt.

Bogen der Völkerfreundschaft in Kyjiv. Das Denkmal der ukrainisch-russischen Freundschaft darunter wurde entfernt. Der Riss im Bogen symbolisiert das Ende der brüderlichen Beziehungen zwischen beiden Völkern.

Demografie und Politik

Es ist schwer zu sagen, wie viele Menschen derzeit in der Ukraine leben. Vor dem Beginn der vollumfänglichen Invasion im Jahre 2022 waren es 42 Millionen, eine Zahl, die die selbsterklärten Volksrepubliken Donezk und Luhansk sowie die Krim miteinschloss. Seitdem haben Millionen Menschen das Land verlassen. Wie viele es genau sind, wissen wir nicht. Dazu fehlt es an statistischen Daten, zumal ein nicht unwesentlicher Teil der Flüchtlinge nach einigen Monaten bzw. Jahren wieder zurückgekehrt ist. Ebenso im Unklaren bleiben die demografischen Verteilungen in jenem Fünftel der Ukraine, das von den russischen Faschisten besetzt ist.

Nach Angaben der Vereinten Nationen leben derzeit 38 Millionen Menschen in der Ukraine inkl. der besetzten Gebiete. Im Juli 2023 schätzte ein Reuters-Bericht die Einwohnerzahl der ukrainisch kontrollierten Ukraine auf 28 Millionen. Das Delta von zehn Millionen Menschen würde demnach auf die besetzten Gebiete entfallen, was tatsächlich in etwa deren Einwohnerzahl vor der Vollinvasion 2022 widerspiegelt. Aktuelle Zahlen von russischer Seite sind nicht vertrauenswürdig.

Anhaltender demografischer Sinkflug

Auch schon vor dem Krieg war die Bevölkerungszahl der Ukraine rückläufig, wurden in der wilden Transformationsphase der 1990er und 2000er Jahre kaum Kinder geboren, haben viele Ukrainer ihre Heimat in Richtung Ausland verlassen. Im Jahre 2007 war der Bevölkerungsschwund in der Ukraine der vierthöchste weltweit. Zwischen 1993 und 2021 hat das Land knapp zehn Millionen Einwohner verloren, ist die Bevölkerungszahl von 52 auf 42 Millionen gesunken.

2007 wurden unter der Präsidentschaft Juschtschenko umfassende Maßnahmen zur Bewältigung des demografischen Wandels verabschiedet, die in den ersten Jahren durchaus Erfolge zeitigten. So konnte das negative Wachstum bis 2014 fast eingedämmt werden, flachte die Schrumpfungskurve spürbar ab. Mit der politischen Instabilität infolge des Maidan und der russischen Aggressionen seit 2014 hat sich dieser positive Trend allerdings wieder umgekehrt. Aktuell weist die Ukraine mit 1,00 Kindern pro Frau die niedrigste Geburtenrate weltweit auf, wobei sich eine umgekehrte Korrelation zwischen Geburtenrate und Frontnähe zeigt. Will heißen: Je näher eine Oblast an der Front liegt, desto weniger Kinder werden dort pro Frau geboren.

Russisch in der Ukraine

Die ethnische Zusammensetzung der Ukraine bzw. die dort gesprochenen Sprachen waren und sind ein vieldiskutiertes Thema, welches insbesondere von den Russen als Narrativ missbraucht wurde und wird, um den Überfall auf das Nachbarland politisch zu rechtfertigen. Die Zitate von Russlands Außenminister Lawrow und anderen dazu sind Legion und sollen hier nicht wiederholt werden.

Wahr ist, dass der Anteil der ethnischen Russen vor dem Krieg umso höher war, je weiter man in Richtung Osten und Südosten kam. Allerdings waren die Russen nur in der Autonomen Region Krim in der Mehrheit, in den Oblasten Donezk und Luhansk stellten sie in etwa die Hälfte der Bevölkerung.

Russische Muttersprache und russische Ethnizität werden nicht selten gleichgesetzt, was unzulässig ist. Selbstverständlich gibt es große Überschneidungen, doch deckungsgleich sind die Teilmengen nicht. Schließlich wurden im sowjetischen Zentralstaat Millionen Menschen russifiziert, ethnische Identitäten gezielt ausgelöscht, womit nach dem Zusammenbruch unzählige Menschen verblieben, die ihre eigene Muttersprache nicht mehr beherrschten. So auch in der Ukraine. Russisch wurde vor dem Krieg vor allem im Osten und Südosten der Ukraine gesprochen, dort vor allem in den Städten und weniger auf dem Land. Insgesamt gaben im Zensus 2010 17 Prozent der Menschen an, Russisch als Erstsprache zu nutzen. Ukrainisch galt und gilt zwar als alleinige Amtssprache der Ukraine, doch die Verwendung des Russischen unterlag zu keiner Zeit irgendwelchen Einschränkungen.

Weitere Minderheiten sind die Rumänen in Bessarabien südlich von Moldau, die Krimtataren auf der Krim und die Ungarn in Transkarpatien, wobei die jeweils genannte Ethnie in keinem dieser Gebiete in der Mehrheit ist.

Die religiösen Bekenntnisse folgen in etwa den ethnischen Verteilungen – einige Katholiken im äußersten Westen und Südwesten sowie die muslimischen Tataren auf der Krim. Der absolut überwiegende Teil der Bevölkerung definiert sich als orthodox, wobei das Schisma innerhalb der orthodoxen Kirche eine Besonderheit darstellt. Eine Kirche untersteht nach wie vor dem Moskauer Patriarchat, die andere sieht sich als unabhängig. Der Anteil der unabhängigen Orthodoxen Kirche steigt seit Beginn des Krieges stark an, der andere ist deutlich rückläufig.

Der Kyjiver Marienpalast ist der Zeremonien-Sitz des ukrainischen Präsidenten. Foto: Roman Naumov

Politisch ist die Ukraine eine gewachsene Demokratie. Im Gegensatz zum benachbarten Russland vollzogen sich im Ergebnis regulärer und demokratischer Wahlen seit 1991 zahlreiche Machtwechsel. Aktuell sind unter dem Kriegsrecht Wahlen ausgesetzt, sodass der Präsident letztmals im Jahre 2019 und das Parlament im Jahre 2020 legitimiert wurde. Präsident ist Wolodymyr Selenski. Seine Partei „Diener des Volkes“ wurde um ihn herum gebildet und knüpft dem Namen nach an eine erfolgreiche TV-Serie an, in der er die Hauptrolle spielte. Ein Jahr nach der Präsidentschaftswahl errang sie bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit der Sitze, wobei die Abgeordneten der Verkhovna Rada jeweils zur Hälfte im Verhältniswahlrecht und im Mehrheitswahlrecht bestimmt werden. Als Premierminister amtiert derzeit Denys Schmyhal, der selbst keiner Partei angehört und dessen Regierung überparteilich aufgestellt ist. Grundsätzlich lässt sich die Ukraine als semi-präsidiales System bezeichnen. Die Befugnisse des Präsidentenamtes sind weit gefächert, allerdings erfordern sämtliche Gesetze die Zustimmung des Parlaments.

Administrativ ist die Ukraine in 24 Oblaste, eine Autonome Region und zwei Städte mit Sonderstatus aufgegliedert. Die 24 Oblaste verfügen nicht über eine eigene Legislative, sondern erfüllen lediglich übertragene Aufgaben, womit sich die Ukraine als Zentralstaat bezeichnen lässt. Der Krim wurden als autonomer Region weitgehende Sonderrechte zugestanden. Die beiden Städte mit Sonderstatus sind Kyjiv und Sewastopol. Letztere genoss als Standort der russischen Schwarzmeerflotte selbst innerhalb der Krim einen Sonderstatus. Aktuell kontrolliert die Ukraine die Krim und Sewastopol gar nicht mehr sowie die Oblaste Luhansk, Donezk, Zaporizhya und Kherson nur zum Teil.

Das „Schwalbennest“ auf der ukrainischen Halbinsel Krim wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts für den baltendeutschen Baron von Steingel errichtet. Foto: Vian

Geografie und Klima

Die Ukraine ist mit knapp 600.000 qkm das größte alleinig in Europa gelegene Land, kontrolliert aktuell aber nur etwa 80 Prozent des Staatsgebietes. Nachbarn sind Belarus im Norden, Russland im Nordosten und Osten, Rumänen und Moldau im Südwesten, Ungarn und die Slowakei im Westen sowie Polen im Nordwesten.

Naturräumlich gliedert sich das Land in verschiedene Großlandschaften. Im Norden dominieren weite Ebenen, die nicht selten von Sumpfgebieten durchzogen sind. Die Wolhynisch-Podolische Platte ist ein bis zu 400 Meter hohes Plateau, welches sich von der polnischen bis hin zur moldauischen Grenze erstreckt. Südwestlich davon erheben sich die Karpaten auf etwas mehr als 2.000 Meter Höhe, wobei der ukrainische Teil eher als bewaldetes Bergland daherkommt und weniger als Hochgebirge. Höchster Gipfel ist mit 2.061 Metern die Howerla. Die zentrale Ukraine weist mit ihren mächtigen Schwarzerden eine der besten Bodenqualitäten der Welt auf. Hier liegt die Kornkammer des Landes mit weiten Agrarflächen. Das Dnipro-Tiefland im Nordosten der Ukraine zeigt sich als langgezogene Senke mit waldreicher Vegetation. Das Donezbecken im äußersten Osten des Landes ist eine Hügellandschaft – bekannt für ihre reichen Rohstoffvorkommen und mit einem entsprechend hohen Urbanisierungsgrad. An der Nordküste des Schwarzen Meeres erstreckt sich eine weite, trockene Senke. Auf der Krim südlich davon erhebt sich das bis zu 1.500 Meter hohe, felsig-schroffe Krimgebirge, welches bereits als Ausläufer des Kaukasus gilt.

Fünf große Ströme

Abseits von Waldkarpaten und Krimgebirge ist die Ukraine zum absolut überwiegenden Teil von Ebenen geprägt, die durchzogen werden von mächtigen Strömen. Der mit Abstand wichtigste davon ist der Dnipro, welcher aus Belarus kommend die Ukraine von Nord nach Süd durchfließt, wobei er südlich von Kyjiv einen weiten Bogen in Richtung Südosten bis Dnipro (Stadt) und Zaporizhya und von dort wieder in Richtung Südwesten bis zum Schwarzen Meer beschreibt. An mehreren Orten wird der Fluss zu riesigen Stauseen aufgestaut, die erstens Wasserkraft liefern und zweitens die Schiffbarkeit bis hinunter ans Schwarze Meer gewährleisten sollen. Letzteres gelingt nun nicht mehr, weil die Russen in einem ihrer unzähligen Kriegsverbrechen den Kakhovka-Staudamm am Dnipro-Unterlauf gesprengt hatten. Hinter Kherson beginnt der langgestreckte Mündungstrichter des Dnipro.

Diesen teilt sich der Dnipro wiederum mit dem Südlichen Bug, der aus Podolien kommend die weiten Steppenlandschaften der Südukraine durchzieht und dabei die Oblastzentren Khmelnizky, Vinnytsia und Mykolajiv passiert.

Der Osten der Ukraine wird vom Donez entwässert, welcher hinter der Grenze zu Russland in den Don mündet und weiter ins Asowsche Meer strömt.

Im äußersten Westen hat die Ukraine einen Anteil am Lauf der unteren Donau bzw. deren Mündung ins Schwarze Meer. Mit der Theiß entspringt auch der wichtigste Nebenfluss der Donau in der Ukraine.

Die Dnister kommt aus den Beskiden nahe der polnischen Grenze, durchfließt anschließend die historischen Regionen Galizien, Bukowina und Podolien und tritt schließlich auf moldauisches Staatsgebiet über, wobei das östliche Ufer von den Russen besetzt ist und vorgibt, eine eigene Republik namens Transnistrien (Jenseits der Dnister) zu sein. Der langgestreckte Mündungstrichter gehört dann wieder zur Ukraine.

Nahezu alle ukrainischen Flüsse gehören einem dieser fünf Flusssysteme an. Donau, Dnister, Südlicher Bug, Dnipro und Donez (über den Don) münden allesamt ins Schwarze bzw. Asowsche Meer. Lediglich der äußerste Nordwesten des Landes entwässert zum Westlichen Bug, der zunächst in die Weichsel und mit ihr später in die Ostsee strömt.

Größter See der Ukraine ist theoretisch der Yalpuh im äußersten Südwesten des Landes. Praktisch jedoch ist diese Brackwasserfläche dem Donau-Delta zuzurechnen. Wasserreichster und auch tiefster See ist der Svityaz ganz im Nordwesten gelegen im Dreiländereck zu Polen und Belarus. Mit seinem kristallklaren Wasser ist er auch touristisch von hoher Relevanz.

Der Svityaz im Nordosten des Landes ist der wasserreichste See der Ukraine. Foto: © Profiguitar49

Weitgehend homogene Bevölkerungsverteilung

Siedlungsgeografisch kann die Hauptstadt Kyjiv mit ihren nicht mehr ganz drei Millionen Einwohnern eine gewisse Dominanz entfalten, grundsätzlich lässt sich die Ukraine aber als polyzentral beschreiben. Will heißen, dass sich die Siedlungszentren recht gleichmäßig über das Land verteilen. Kharkiv im Nordosten hatte vor dem Krieg anderthalb Millionen Einwohner. Odessa im Südwesten, Dnipro im Zentrum und Donezk im Osten lagen allesamt bei etwa einer Million. Mit knapp 750.000 Einwohnern folgt das in der Westukraine gelegene Lemberg.

Neben der Region Kyjiv war das Donezbecken ganz im Osten am dichtesten besiedelt, wobei die heutige Situation angesichts der russischen Besatzung unklar bleibt. Besonders wenige Menschen leben in den Steppen der Zentral- und Südukraine und in Wolhynien im Nordwesten des Landes. Diese Regionen werden intensiv für die Agrarwirtschaft genutzt.

Klima und Vegetation

Die Ukraine ist noch immer ein großes Land, sodass sich verschiedene Klimazonen unterscheiden lassen. Wichtigster Unterschied zu Mitteleuropa ist die Kontinentalität, die sich umso stärker ausprägt, je weiter man in Richtung Osten kommt. So bestehen zwischen Lemberg im Westen und Kharkiv im Osten bereits signifikante Unterschiede. Im Süden an der Schwarzmeerküste ist es milder als im Norden, sodass Dauerfrost rund um Odessa weitgehend unbekannt ist. Das mildeste Klima zeigt sich auf der Krim, wo selbst im Winter frühlingshafte Temperaturen herrschen können. Der meiste Niederschlag fällt in den Waldkarpaten südlich von Lemberg. Die Steppen der Zentral- und Südukraine hingegen sind deutlich trockener.

Wirtschaft und Verkehr

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geriet die Ukraine in eine schwere wirtschaftliche Krise, die sich bis ins Jahr 2000 hinzog. Das sprunghafte Wachstum der Folgejahre wurde nur vorübergehend von der Banken- und Finanzkrise 2008 bis 2010 gebremst. Danach ging es weiter bergauf. Erst die russische Aggression des Jahres 2014 versetzte dem Aufschwung ein Ende. Allerdings nur ein vorläufiges, denn 2016 begann die ukrainische Wirtschaft wieder stark zu wachsen. Mit Beginn der Vollinvasion im Jahre 2022 war ein Verlust von knapp 30 Prozent der ukrainischen Wirtschaftsleistung verbunden. In den Jahren 2023 und 2024 wurde zwar wieder ein leichtes Wachstum verzeichnet, das ukrainische Bruttoinlandsprodukt ist jedoch noch weit von jenem Wert entfernt, den es vor der Vollinvasion erreicht hatte.

Ähnlich wie das benachbarte Russland war die Ukraine eine Volkswirtschaft, die sich vorwiegend auf agrarische Produkte und Rohstoffe konzentrierte, wobei das Verhältnis zwischen Agrar- und Rohstoffwirtschaft ein anderes war als in Russland, landwirtschaftliche Produkte in der Ukraine einen deutlich höheren Stellenwert hatten. Zu Sowjetzeiten war die Ukraine ein Zentrum der Stahlproduktion. Mit massiver staatlicher Hilfe konnte sie ihre Stellung auf dem Weltmarkt auch in der Transformationsphase der 1990er Jahre behaupten. Aufgrund fallender Stahl- und gleichzeitig steigender Rohstoffpreise geriet die ukrainische Stahlindustrie im Jahre 2008 in eine schwere Krise. Die russische Aggression ab 2014 hat ihr einen weiteren schweren Schlag versetzt, da sich ein Großteil der Produktion auf den Donbass konzentrierte, der nun zum Teil nicht mehr der ukrainischen Kontrolle unterstand.

30 Prozent der sowjetischen Rüstungsindustrie hatte ihren Standort in der Ukraine, wobei diese Kapazitäten in der Transformationsphase stark zurückgebaut wurden. Im Rahmen der militärischen Bedrohung durch Russland und später im offenen Krieg hat dieser Sektor wieder deutlich an Relevanz gewonnen. Die von den ukrainischen Unternehmen während des Krieges unter Beweis gestellte enorme Innovationskraft hat dazu geführt, dass Rüstungsgüter aus der Ukraine – insbesondere die Drohnentechnologie – auch auf dem Weltmarkt wieder hochgefragt sind.

Weitere für die Ukraine bedeutsame Industriezweige sind die chemische Industrie, die Werften und der Flugzeugbau. Auch im Bereich IT hat das Land einige am Weltmarkt äußerst erfolgreiche Start-Ups hervorgebracht.

Highway in der Ukraine nordwestlich von Kyjiv.

Schwache Straße, starke Schiene

Die Infrastruktur in der Ukraine genügte schon vor dem Krieg nicht den Anforderungen eines modernen Industrielandes. Die Straßenverkehrsbehörde Ukravtodor analysierte im Jahr 2016, dass 97 Prozent der Straßen reparaturbedürftig seien. Die Länge des Straßennetzes beträgt mit knapp 170.000 Kilometern nur etwa ein Fünftel des deutschen Wertes. Und dies, obwohl das Territorium der Ukraine um zwei Drittel größer ist als jenes der Bundesrepublik.

Überregionale Trassen werden in der Ukraine pauschal als Highway bezeichnet, sind dies aber nicht, wenn man davon ausgeht, dass der Begriff Kreuzungsfreiheit, baulich getrennte Richtungsfahrbahnen und mindestens jeweils zwei Fahrspuren meint. Dieser Definition genügen in der Ukraine nur wenige Kilometer östlich von Kyjiv und eine Trasse zwischen den beiden ostukrainischen Metropolen Kharkiv und Dnipro.

Etwas besser ist es um das Schienennetz bestellt, welches mit 22.000 Kilometern hinter Deutschland und Frankreich das drittlängste Europas ist. Allerdings sind auch davon große Teile reparaturbedürftig, sodass die Züge nicht sehr schnell sind. Ein weiteres Problem ist die Breitspur sowjetischen Typus, die auf dem Weg von bzw. nach Mitteleuropa eine Umstellung des Fahrwerks notwendig macht. Nach dem Beginn des vollumfänglichen Krieges und der damit zusammenhängenden Sperrung des Luftraums für den zivilen Verkehr kommt dem Verkehrsträger Schiene in der Ukraine eine deutlich erhöhte Relevanz zu. Dies gilt nicht nur für den Personenverkehr in und aus der Europäischen Union, sondern vor allem für militärische Zwecke.

Größter ziviler Flughafen der Ukraine ist Borispol, östlich von Kyjiv. Weitere finden sich in Dnipro, Kharkiv, Lemberg, Donezk, Odessa und Simferopol. Allesamt sind kriegsbedingt aktuell für den zivilen Verkehr geschlossen.

Odessa ist der größte Hafen der Ukraine. Foto: Aktron / WikimediaCommons

Vor der russischen Vollinvasion im Jahre 2022 verkehrten von Odessa aus Fähren ins georgische Batumi, nach Istanbul und saisonal auch nach Varna in Bulgarien. Deren Betrieb ist nun eingestellt, doch immerhin hat es die Ukraine geschafft, ihre Frachtroute durch das Schwarze Meer freizukämpfen. Odessa ist eindeutig der wichtigste Hafen des Landes. Berdjansk am Asowschen Meer und Sewastopol auf der Krim stehen nicht mehr unter ukrainischer Kontrolle. Wichtigster Binnenhafen ist Izmail am Nordrand des Donaudeltas.

U-Bahnen verkehren in Kyjiv und in Kharkiv mit jeweils drei Linien sowie in Dnipro und Krywyj Rih mit jeweils einer Linie. Trams fuhren vor dem Krieg in 18 Städten. Im ukrainischen kontrollierten Teil des Landes arbeiten derzeit nur noch elf Systeme. Der Rest des ÖPNV wird mit Bussen und Sammeltaxis abgedeckt.

Flagge der Ukraine

Einwohner: 38 Mio. (vgl. Polen 37 Mio.)

Fläche: 603,6 Tsd. qkm – ca. 500 Tsd. qkm unter ukrainischer Kontrolle (vgl. kontinentales Frankreich 544 Tsd. qkm)

Bevölkerungsdichte: 63 EW/qkm

Hauptstadt: Kyjiv – 2,95 Mio. EW

Amtssprache: Ukrainisch

Währung: Ukrainische Hryvnja (UAH)

Regierungsform: Semipräsidiale Republik

Zeitzone: +1 MEZ

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