Hügel Podoliens, Steppen des Südens und zwei mächtige Flüsse

Die fast schon traditionelle Sommerreise in die Ukraine. Nicht nur um Hilfe zu bringen, sondern – wie schon im vergangenen Jahr – mit dem Fokus auf die touristische Infrastruktur. Schließlich biete ich seit Herbst 2025 Touren in die Ukraine an und hatte noch einige Leerstellen zu füllen, werbe damit, jeden einzelnen Punkt in meinen Programmen aus eigenem Anschein zu kennen.

Von Berlin war ich über Polen in die Vorkarpaten Galiziens gekommen. Nun wollte ich nach Podolien und in den weiten Süden.

Ein hilfreicher Kollege

Peter Koller hatte das Ukraine-Reisebuch geschrieben, das ich überallhin mitführte und das sich als überaus hilfreicher Begleiter erwies. Wir publizieren beide im Reise Know-How-Verlag, sodass ich neugierig war, wer dort für die Ukraine verantwortlich war. Im Klappentext konnte ich lesen, dass er eine Bahnagentur in Berlin-Schöneberg betrieb, was ein großer Zufall ist, weil auch Ostwärts Reisen in diesem Stadtbezirk beheimatet ist. Ich bin einfach mal vorbeigeradelt, habe erzählt, was ich so mache und ausgelotet, was vielleicht gemeinsam möglich ist. Mittlerweile haben wir uns schon mehrfach getroffen, was bei der Vorbereitung dieser Reise von großem Nutzen war. In Podolien hatte er mir dringend die vielen Höhlen ans Herz gelegt, von denen ich heute mindestens eine besichtigen wollte.

Am Eingang zur Kristallhöhle bei Kryvche.

Die Kristallhöhle von Kryvche

Zweieinhalb Stunden hatte Google.maps für die Fahrt von Iwano-Frankiwsk zur Kristallhöhle veranschlagt. Bei dem Dorf Kryvche wurde ich hinunter von der Hauptstraße gelotst und sollte für anderthalb Kilometer einen schmalen Dorfweg entlangfahren. Ich hatte schon befürchtet, mich wie Indiana Jones auf die abenteuerliche Suche nach dem versteckten Einstieg in unterirdische Gewölbe begeben zu müssen, doch ganz im Gegenteil: Ein geräumiger Parkplatz mit allerlei Souvenirständen, auf dem allerdings irgendein Typ – offenbar von seiner Mutter – auf mich angesetzt wurde, um mich mit Tipps und Angeboten vollzuschwallen. Zunächst in radebrechendem Englisch und anschließend mittels Google-Translator. Ich lehnte höflich ab, weil ich derartigen Wegelagerern grundsätzlich skeptisch gegenübertrete. Immerhin wies er mir den Weg, denn vom Parkplatz mussten noch knapp 200 Meter bergauf zurückgelegt werden, bis das Kassenhäuschen erreicht war. Die drei Mädels dort waren hellauf begeistert über den seltenen Besuch aus dem Ausland. Ich löste für umgerechnet knapp einen Euro ein Ticket und danach bemühten sie sich, mir irgendwie zu erklären, wie ich die Höhle zu besichtigen habe. Schließlich malte die Entschlossenste von den dreien mit Kreide eine Art Baum auf den Fußboden und schrieb an den Stamm eine 500. Alles klar. Ich solle also einen halben Kilometer rein, dann nach links einen Rundkurs absolvieren und am Ende den halben Kilometer zurück. Das gelang mir gut, blöd war nur, dass die Fotos fast allesamt nichts geworden sind. Und es war ziemlich leer, denn bei diesem langen Spaziergang habe ich nur ein Pärchen getroffen.

Den Namen hat die Höhle von ihren glitzernden Gipskristallen.

Die Kristallhöhle ist als Schauhöhle ausgebaut. Die Wege sind nicht schwer. Alles ist ausgeleuchtet. Ungewöhnlich erschien mir, dass es keine größeren Hallen gibt, sondern nur schmale Gänge, die sich wie Bergbaustollen durch den Fels ziehen. Der Boden war lehmig, sodass man leicht ausrutschen konnte. Ihren Namen hat die Höhle von einigen funkelnden Gipskristallen, wobei ich zugeben muss, dass ich es in anderen Höhlen schon mehr habe glitzern sehen. Dennoch: Die Atmosphäre gefiel mir, der Ort war nicht schwer zu finden und bietet sich an als schöner Ausflug von Czernowitz oder Kamjanets-Podilsky.

Die erste richtige Zumutung

Der nächste Punkt auf meiner Route war Mohiliv-Podilsky, weil ich dieses Grenzstädtchen zu Moldau als Zwischenstopp in meinen Ukraine-Touren vorgesehen hatte. Hintergrund ist, dass der ukrainische Luftraum für den zivilen Verkehr nach wie vor geschlossen ist, doch die moldauische Airline FlyOne mittlerweile aus zehn verschiedenen deutschen Städten die Hauptstadt der Republik Moldau, Chisinau, anfliegt, wo die Gäste abgeholt und anschließend mit Minibussen in und durch die Ukraine gebracht werden sollen.

Eines von dutzenden Storchennestern am Wegesrand.

Mich wunderte, dass Google.maps für die knapp 200 Kilometer bis Mohiliv-Podilsky deutlich mehr als vier Stunden veranschlagte. Den Grund dafür sollte ich bald erfahren. Auf den knapp 40 Kilometern von der Höhle bis zur nächsten Magistrale war die Straße vor lauter Löchern kaum mehr zu erkennen. Erst kurz vor der Dnister-Brücke bei Khotyn wurde es besser. Das einzig Schöne waren die vielen Storchennester am Wegesrand.

Vom Bächlein zum Strom

Kurz vor Khotyn hatte ich wieder den Dnister erreicht. Gestern, kurz hinter der polnischen Grenze, war er noch ein Rinnsal gewesen, mittlerweile aber zu einem mächtigen Fluss angeschwollen. Eine Brücke führte von der Oblast Khmelnizky in die Oblast Czenowitz. Hier wurde streng kontrolliert, weil die Grenze zu Moldau nicht weit war und womöglich nach fahnenflüchtigen Wehrpflichtigen gesucht wurde. Auf einem Wegweiser konnte ich lesen, dass es zum Übergang Mamalyga/Criva im äußersten Nordwestzipfel Moldaus nur noch 30 Kilometer waren. Fotografieren war strengstens verboten, doch es war mir schon bei der Anfahrt zur Brücke gelungen, das schöne Tal abzulichten.

Khotyn castle Ukraine

Die Burg Khotyn erhebt sich hoch über dem Dnister.

Die Burg Khotyn und Kamjanets-Podilsky lagen ganz in der Nähe. Beide hatten mir im vergangenen Jahr ausnehmend gefallen, doch ich wollte weiter. Google.maps schickte mich durch den nördlichen Teil der historischen osmanischen Region Bessarabien, die vom Lauf des Dnisters im Norden und Osten, dem des Pruth im Westen und der Küste des Schwarzen Meeres im Süden gebildet wird. Heute schmiegt sich die Republik Moldau fast deckungsgleich in diesen Raum, wobei der äußerste Norden und der Süden aber zur Ukraine gehören. Bei Khotyn also an das Südufer des Dnisters und anschließend stringent in Richtung Osten zum Wasserkraftwerk Nowodnistrowsk, wo ich den Fluss über einen großen Damm noch einmal überqueren sollte. Auch hier wieder Kontrollen und strengstes Foto-Verbot, denn kritischer konnte diese Infrastruktur kaum sein. Anschließend folgte die Straße dem Ostufer bis zu jenem Punkt, an dem der Dnister zum Grenzfluss mit Moldau wird. Militärisches Sperrgebiet, weshalb mich Google.maps eine Umleitung befahren ließ, für die es kaum Worte gibt. 30 Kilometer aus der Höhle. Es war an diesem Tag stetig schlechter geworden und das hier war der Tiefpunkt.

Hier ging es von links nach rechts wieder auf die andere Seite des Dnisters.

Heimliche Fotos von der Grenze

Es war schon halb acht als ich in Mohiliv-Podilsky ankam und es gab noch Einiges zu tun. Zuerst den nahezu komplett leergefahrenen Skoda volltanken, was stets um die 3.000 Griwna, 60 Euro, kostete. Dann die Suche nach einem Schlafplatz, wobei mir im Ergebnis einer kurzen Google-Recherche ein Gasthaus hoch oben auf einem Hügel hätte gefallen können, doch da war scheinbar niemand da, sodass ich das Erstbeste nahm, was ich schon bei der Einfahrt in die Stadt gesehen hatte. Das Grand Hotel neben dem Bahnhof trägt einen großen Namen, zieht aber eher Fernfahrerpublikum an. Für diese eine Nacht würde es aber reichen. Unten im Restaurant konnte ich mich mit Soljanka, Salami-Pizza und einem Bier stärken. Wenn Volltanken stets 3.000 Griwna gekostet hatte, so lagen die Unterkünfte bei um die 1.500, was 30 Euro entspricht, und das Essen bei bissel mehr als 500, also zehn Euro.

Die Grenzbrücke ins moldauische Otaci.

Nun musste ich noch einkaufen und durch die Stadt rennen, was ich miteinander verband. Ich fuhr ins Zentrum und stellte den Skoda direkt neben dem Grenzübergang auf einem Supermarktparkplatz ab und klapperte anschließend die rar gesäten Highlights ab. Eine hübsche Kirche, Siegespark mit Sowjetpanzer, ein zentraler Platz, doch das Beste war, dass ich eine Stelle fand, über die ich runter zum Dnisterufer kam, wo heimlich Fotos von der Grenzbrücke und dem gegenüberliegenden moldauischen Städtchen Otaci angefertigt wurden.

Der Dnister im Kurzporträt

Auch wenn ihn kaum jemand kennt, ist der Dnister mit knapp 1.400 Kilometern länger als der Rhein und mithin einer der wichtigsten europäischen Flüsse. Er entspringt am Nordhang der Karpaten unmittelbar an der polnisch-ukrainischen Grenze, fließt anschließend ostwärts durch das Karpatenvoland und die Hügel Podoliens und wird beim Wasserkraftwerk Nowodnistrowsk auf einer Länge von knapp 140 Kilometern zurückgestaut. Wenige Kilometer südöstlich der Staumauer beginnt die moldauisch-ukrainische Grenze, die über etwa 140 Kilometer vom Dnister gebildet wird. Danach tritt er völkerrechtlich zwar auf alleinig moldauisches Gebiet über, bleibt de facto aber Grenzfluss, weil sich hier die russlandhörige selbsternannte Republik Transnistrien von Moldau losgesagt hat. Deren Name bedeutet nichts anderes als „Jenseits des Dnisters“. Südwestlich von Odesa mündet der Fluss ins Schwarze Meer, wobei der knapp 50 Kilometer lange Mündungstrichter, der Dnister-Liman, wieder zur Ukraine gehört.

Die ukrainische Akkerman-Festung thront hoch über dem Dnister-Liman.

Vom Dnister zum Südlichen Bug

Am nächsten Morgen um sechs Uhr raus aus den Federn, weil ich mich von der Grenze weit ins ukrainische Herzland vorarbeiten wollte. Der Weg heraus aus Mohiliv-Podilsky war genauso schlimm, wie der, den ich gestern hineingekommen war. Ich bin zwar nicht religiös, sendete in der Not aber das eine oder andere Stoßgebet gen Himmel, auf dass mein liebster Skoda die Strapazen heil überstehen möge. Meine zukünftigen Gäste kann ich aber beruhigen. Sie werden in Richtung Vinnytsa auf einer akzeptablen Straße unterwegs sein, die mir Google.maps heute aber missgönnte. Stattdessen wurde ich durch dünn besiedeltes Hügelland mit nur wenigen Dörfern geführt. Die ersten 50 Kilometer waren fürchterlich, dann besserte es sich allmählich. Interessant fand ich, dass die Schilder am Wegesrand stets genau fünf Kilometer schlechte Straße ankündigten. Da mag man sich denken, dass das schon irgendwie gehen wird, doch danach kommt ein weiteres 5-km-Schild und so weiter und so fort. Vermutlich war dieser Zusatz mal im Dutzend bestellt worden, denn nie habe ich im ganzen Land irgendeine andere Zahl gelesen.

Bei Pechera querte ich den Südlichen Bug, der nach dem Dnister gestern den heutigen Tag prägen sollte. 20 Kilometer weiter war die Stadt Nemyryw erreicht, die in der Ukraine für ihre Wodka-Fabrik bekannt ist. Ich trinke zwar keinen Schnaps, freute mich aber trotzdem, weil hier endlich wieder Anschluss an eine Schnellstraße bestand, auf der man mit einer angemessenen Geschwindigkeit vorankam.

Ich letztes Jahr vor dem Grab des Rabbi Nachman.

Eifrige Postler und trinkfreudige Chassidim

Erstes Ziel des Tages war die Stadt Uman. In der dortigen Filiale des Logistikdienstleisters Nova Poshta hatte ich schon im vergangenen Jahr meine Hilfspakete hinterlassen und weil das gut funktionierte, wollte ich es auch dieses Mal so halten. Ich kam gleich dran und wuchtete – bis auf die drei für Luzk bestimmten Kartons – alles aus meinem Auto. Gut, dass ich an der Grenze eine SIM-Karte gekauft hatte, denn ohne eine ukrainische Telefonnummer wäre es komplizierter geworden. Allen, die nicht zu Nova Poshta wollen, sei aber gesagt, dass, wenn sie einen EU-Tarif abgeschlossen haben, die Ukraine inkludiert ist. Zumindest bis auf Weiteres.

Uman ist ein unscheinbares Städtchen, hat aber gleich zwei Sensationen aufzubieten. Zum einen ist der herrliche Sofyivka-Park im Norden der Stadt mittlerweile im UNESCO-Welterbe gelistet, zum anderen ist hier mit Rabbi Nachman der Begründer der Breslower Schule des orthodoxen Judentums bestattet. Wer mal in Israel war, hat sie bestimmt schon getroffen. Orthodoxe Juden in ihrem typischen Ornat, die sich aber nicht nur dem Thora-Studium widmen, sondern singen und tanzen, so wie es ihnen einst von Rabbi Nachman aufgetragen worden war. Jedes Jahr zum jüdischen Neujahrsfest Rosch Hashannah pilgern Mitte September Zehntausende von ihnen ans Nachman-Grab in Uman und auch dazwischen gleicht das Viertel rund um die Synagoge den orthodoxen Quartieren, wie man sie aus Jerusalem kennt. Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass deutlich mehr gefeiert wird als anderswo. Böse Zungen sehen in der Pilgerfahrt zu Rosh Hashannah einen einzigen Alkohol- und Drogenexzess.

Hasidic pilgrim in Uman Ukraine

Chassidischer Jude in Uman. Foto: HakonHenrikssonNarking

Ferientrubel in der Granitsteppe

Bei der Pilgerfahrt war ich zwar noch nicht dabei, doch die Synagoge und den Park kannte ich schon, weshalb ich mich sogleich wieder auf den Weg machte. Zunächst auf die autobahnähnliche Trasse zwischen Kyjiv und Odesa und 30 Kilometer später wieder runter in Richtung Pervomaisk. Ich war nun in den plattebenen Steppen des ukrainischen Südens, die dank der fruchtbaren Schwarzerde intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Endlose Weizen-, Mais- und Sonnenblumenfelder, die nur ganz selten von einem Dorf unterbrochen werden. Im Mittleren Westen der USA muss es ähnlich aussehen, nur dass dort nicht plötzlich eine Stadt wie Pervomaisk kommt, mit ihren verfallenen Wohnblocks, der riesigen Fabrikruine und den verrosteten Sowjetparolen.

Südlich von Pervomaisk hatte ich im vergangenen Jahr vergeblich die Granitsteppe gesucht, war auf Google.maps einem Eintrag gefolgt, der offensichtlich falsch war und mich mitten ins Nirgendwo führte. Das Einzige, was korrekt war, war der Fluss, denn die Granitsteppe ist ein Durchbruchstal des Südlichen Bug. Auch hier konnte mein Kollege Peter Koller wieder helfen. Ich müsse ins Dorf Myhiya südöstlich von Pervomaisk. Dann werde ich es schon finden, denn die Granitsteppe sei kein geheimer Ort irgendwo in der Steppe, sondern werde intensiv touristisch genutzt. Ich tat wie mir geheißen und tatsächlich reihte sich im besagten Dorf ein Gasthaus ans andere. Das störte überhaupt nicht, sondern vermittelte fröhliche Ferienstimmung mitten im Krieg.

Der Radon-See.

Ich stellte meinen Skoda ab und spazierte über einen ausgreifenden Campingplatz direkt am Fluss. Auf dem Rückweg fand ich den sogenannten Radon-See, der sich, tiefblau schimmernd, in einer Senke ausbreitete. Mit Badestrand, Booten, Ferienspaß, was das Herz begehrt… Noch besser war der Felsen, der sich direkt hinter dem Parkplatz erhob und von dem sich berauschende Sichten auf die Szenerie boten. In der Ferne ließ sich erkennen, dass der Südliche Bug hier etliche Flussinseln ausbildet und dass er offenbar ein erhebliches Gefälle aufweist, was die vielen Raftinganbieter erklärt, deren Schilder ich an der Straße gesehen hatte. Und die spitzen Schreie, die von den Stromschnellen zu mir herüberdrangen. Ein fantastischer Ort mit hohem touristischem Potential. Ideal für einen Zwischenstopp auf dem langen Weg zwischen Odesa und Uman.

Blick auf die Stromschnellen.

Höllenritt durchs Ackerland

Ich wäre allzu gerne für die Nacht geblieben, doch es war erst früher Nachmittag und ich wollte Strecke machen, gab also das 130 Kilometer entfernte Oblastzentrum Kropywnyzkyj ein. Bei den avisierten drei Stunden Fahrzeit schwante mir schon wieder Böses, denn offenbar traute Google,maps meinem Skoda auf diesen Wegen nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern zu. Es begann recht manierlich, doch dann wurde ich auf eine Art Autobahnauffahrt und über eine Brücke auf die Trasse nach Kropywnyzkyj geführt.

Auf Landkarten wird diese Strecke als E584 geführt, als wichtige Verbindung von der moldauischen Grenze in die Zentralukraine, doch bis auf die drei Wanderer, die ich in der Schleife vorhin fast überfahren hätte, war ich der Einzige weit und breit. Dieses elende Betongerippe werde ich nie vergessen. Es war die einzige Straße auf der Reise, der ich mich verweigerte. Ich probierte es für ein, zwei Kilometer und flüchtete dann auf einen Feldweg, von dem ich hoffte, dass er mich irgendwohin bringen würde. Dem war auch so und über Umwege erreichte ich eine zumindest halbwegs akzeptable Straße. Es war schlimm, doch es boten sich auch fantastische Blicke über endlose Landschaften. Gelbe Felder und der blaue Himmel sind die Farben der ukrainischen Flagge!

Die ukrainische Flagge.

In Kropywnyzkyj hatte ich mir schnell ein Hotel in der Innenstadt gesucht. Die Stadt liegt abseits meiner Routen, weswegen ich hier nichts zu erledigen hatte. Ich spazierte kurz herum, bestellte im zentral gelegenen Park einen Schawarma und kaufte ein. Das wars. Kropywnyzkyj hieß früher Kirowohrad, Kirow-Stadt, war nach einem Mitstreiter Stalins benannt worden. Dessen Ermordung im Dezember 1934 hatte den Anlass gegeben für die stalinistischen Säuberungen, dabei hatte der Diktator den Mord höchstselbst in Auftrag gegeben. In Russland tragen noch einige Städte Kirows Namen, Kropywnyzkyj jedoch war 2016 nach einem ukrainischen Dramatiker umbenannt worden. Die Oblast, deren Hauptstadt Kropywnyzkyj ist, heißt noch immer Kirowohrad.

Die Stadtverwaltung von Kropywnyzkyj.

Noch ein paar Tipps zum Schluss

Wer sich in diesem Teil der Ukraine oder auch im benachbarten Rumänien aufhält, dem sei dringend ein Abstecher nach Moldau empfohlen. Ein überaus spannendes Reiseland mit einer interessanten Mischung aus Sowjetflair, Aufbruchstimmung und vielfältigen kulturellen Einflüssen, die deutlich machen, wie heterogen das historische Bessarabien durch die Jahrhunderte geprägt worden war. EU-Bürger reisen visafrei. Die Abfertigung an den Grenzübergängen geht vergleichsweise zügig vonstatten. Man kann auch komplikationslos nach Transnistrien fahren, sollte sich aber bewusst machen, dass man sich in das Einflussgebiet des russischen Faschismus begibt.

Chisinau cathedral

Die Kathedrale der Geburt des Herrn in Moldaus Hauptstadt Chisinau.

Kriegsbedingt ist das Fotografieren militärischer Einrichtungen und kritischer Infrastruktur in der Ukraine strengstens untersagt. In Bezug auf Letzteres ist allerding nicht immer klar, was dazugehört und was nicht. Bei Brücken und Dämmen sollte besondere Vorsicht gewahrt werden. Ebenso bei Eisenbahntrassen. Wenn Sie von den Sicherheitskräften auf Ihre Fotos angesprochen werden, bitte ohne Umschweife das Handy aushändigen und alles löschen (lassen).

Bei der Pilgerfahrt nach Uman zu Rosh Hashannah sind Nicht-Juden nicht per se ausgeschlossen, sollten sich aber bewusstmachen, dass es sich hier um ein streng religiöses Ritual handelt. In der Stadt selbst wird man vermutlich kein Bett mehr bekommen, allerdings gibt es aus Uman heraus gute Fernstraßen in alle Richtungen, lassen sich Kyjiv im Norden, Odesa im Süden, Vinnytsa im Westen und Kropywnyzkyj im Osten jeweils in zwei bis drei Stunden erreichen.

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