Vashlovani, Bolnissi und endlich in die große Stadt

Meine zehnjährige Tochter Soana und ich waren in den Osterferien wieder einmal in unser Herzensland nach Georgien gereist. Flug nach Kutaissi, anschließend mit dem Mietwagen nach Gori in die Geburtsstadt Josef Stalins und schließlich zu guten Freunden in den äußersten Osten nach Dedoplis Tskaro, wo wir einen uns bis dato unbekannten Teil des riesigen Vashlovani-Nationalparks erschließen wollten. Danach sollte es in den Süden des Landes gehen – in das von deutschen Siedlern geprägte Bolnissi und endlich in die große Stadt nach Tbilissi.

Im Garten von Davit und Teo.

Das Ende des Regens

Soana durfte immerhin bis 9:30 Uhr ausschlafen. Für zehn Uhr hatten uns Davit und Teo ein fantastisches Frühstück bereitet. Der Dauerregen des vergangenen Tages hatte noch nicht ganz geendet, doch in der Ferne hellte es sich schon auf. Im Cottage nebenan wurde fleißig gearbeitet. Davit erzählte, dass sich dort Russen aufgeführt hätten wie Tiere, was wohl regelmäßig vorkäme, weshalb er gottfroh sei über die vielen Gäste aus dem deutschsprachigen Raum. Pflegleicht, freundlich und interessiert, so lauteten seine Attribute.

Nach dem Frühstück ging es los. Unser erster Stopp galt der Nationalpark-Verwaltung im Zentrum von Dedoplis Tskaro. Wir mussten noch bezahlen, weil die Dame am Counter uns angesichts des anhaltenden Dauerregens nahegelegt hatte, die Begleichung der Gebühren auf den spätestmöglichen Zeitpunkt zu verlegen. Da sich das Wetter aber spürbar gebessert hatte, wurden wir gerne unsere 70 Lari (umgerechnet 20 Euro) für Auto und zwei Personen los.

Im Hintergrund die Bergriesen des Hohen Kaukasus.

Das weite Tal des Alazani

Es war perfekt. Der Regen stoppte just, als wir Dedoplis Tskaro verließen. Und auch die Sonne kam heraus. Nach 20 Minuten war die Kreuzung erreicht, von der es nur noch offroad in die Kernzone des Nationalparks ging, wir aber folgten der nach links abbiegenden Hauptstraße nach Zemo Kedi und weiter nach Arkhiloskalo, wo uns Davit eine Kirche ans Herz gelegt hatte, von der sich ein fantastischer Blick hinunter ins Tal böte. Dem war auch so. Wir fuhren bis heran, grüßten freundlich die Arbeiter, die gerade irgendwelche Ausbesserungen vornahmen und liefen herum. Knapp hundert Meter westlich wurde eine kleine Kapelle gekrönt von einem riesigen Kreuz. Von diesem Ort mit seinem hübschen Garten konnte man tatsächlich wunderbar ins Tal hinabschauen. Im Norden glänzten die weißgetünchten Bergriesen des Hohen Kaukasus in der Sonne. Dazwischen die weite Ebene voller Weinreben allüberall. Genau in der Mitte zog der Alazani seine Schleifen. Hier, ganz weit im Osten Georgiens, war er schon Grenzfluss, sodass das andere Ufer zu Aserbaidschan gehörte. Wir wiederum standen auf dem Gombori, einem Ausläufer des Hohen Kaukasus, der nördlich von Tbilissi beginnt, sich stringent nach Südosten zieht, das Alazani-Tal nach Süden abschließt und sich schließlich in den Badlands des Vashlovani-Nationalparks verliert.

Die Kirche in Arkhiloskalo.

Wir sahen auch die neue Straße, wie sie sich in Serpentinen den Hang hinunter ans Ufer des Alazani schlängelte. Sie zweigte nur wenige Meter hinter der Kirche von jener Straße ab, auf der wir gekommen waren und die weiter auf dem Kamm des Gombori nach Kvemo Kedi führte. Unten angekommen, folgte eine weitere Asphaltstraße dem Fluss in Richtung Südosten. Und zwar bis zum Darf Sabatlo, welches die östlichste Siedlung Georgiens markiert. Kurz vor dem Dorfeingang wiesen Schilder nach rechts zur Flussschleife Kakliskure, dem Ziel des heutigen Tages.

Eine weise Entscheidung

Für einige hundert Meter war die Piste noch befahrbar, danach gratulierte ich mir zu der Entscheidung, das Auto am Wegesrand abgestellt zu haben. Jeder Meter, den wir uns zu Fuß in Richtung Alazani kämpften, zeigte mir, dass wir uns unweigerlich festgefahren hätten. Nicht gefährlich für Leib und Leben, aber doch ein Stress, den man sich gerne erspart.

Blick hinab ins Tal des Alazani.

Nach knapp einem Kilometer Marsch erreichten wir die Flussschleife. Bereits der Zugang wusste zu beeindrucken, denn rechts und links kämpfte sich der wilde Alazani durch eine tiefe Sandsteinschlucht. Innerhalb der Schleife erwarteten uns zwei Ranger in der dort eingerichteten Nationalparkstation. Sie kontrollierten unsere Papiere, schärften uns ein, auf Schlangen zu achten, gaben uns einen Wanderstock mit und schickten uns einen Weg entlang, auf dem wir nach knapp 20 Minuten einen Rastplatz direkt am Fluss erreichten. Schön zwar, doch die Blicke am Zugang zur Schleife konnte das nicht toppen. Die Ranger sagten uns, dass wir ein wenig zu früh dran seien, denn Ende April zur Walnussblüte würde die Gegend zu einem einzigen grün-gelben Farbenmeer mutieren.

Der Alazani bei Kakliskure.

Auf dem Rückweg zum Auto genossen wir noch einmal die Blicke über die spektakuläre Sandsteinschlucht und in der anderen Richtung über die tiefgrünen Weiden hin zum Gombori-Kamm. Fantastische Farben. An unseren Füßen klebte der Matsch von Halb-Georgien, doch die Fußmatten des Mitsubishi würden schon alles auffangen. Eigentlich hatte ich Soana versprochen, dass auch sie im Park ein wenig Auto fahren dürfe. Zwei Jahre zuvor hatte ihr das noch großen Spaß gemacht, doch angesichts all der Erzählungen über Regen, Matsch und Pisten war sie gar nicht traurig und wollte die Aufgabe mir überlassen.

Die Unterseite von Soanas rechtem Stiefel.

Der heilige Elias

In weniger als einer Stunde waren wir zurück in Dedoplis Tskaro und weil es noch früher Nachmittag war, entschied ich mich für einen letzten Zwischenstopp am St. Elias-Felsen mit seiner hübschen Kirche. Google.maps schickte mich zunächst auf die Betonpiste zu den Schlammvulkanen, wollte mich nach ein paar Metern aber wieder zurückleiten. Derart verunsichert, fragte ich zwei Hirten am Wegesrand, die mir eine schlechte Piste auf den Berghang wiesen. Also doch noch einmal offroad, wobei ein reichlich steiler und auch ziemlich schlammiger Abschnitt besonderes Herzklopfen bereitete. Danach war es geschafft. Ich Dummchen hatte eigentlich gewusst, dass direkt aus dem Ort eine schöne Asphaltstraße zur Kirche führt, doch andererseits befahre ich gerne Kreise, gelange auf anderen Wegen zurück, als ich gekommen war.

Der Prophet Elias soll hier lange gelebt haben. Doch das war knapp tausend Jahre vor Christi Geburt und lässt sich historisch nicht bestätigen. So oder so schmiegte sich das kleine Kirchlein herrlich in die Felswand, boten sich auf den steilen Stufen hinauf fantastische Blicke über die nicht enden wollende Hügellandschaft. Zunächst noch leuchtend grün, doch in der Ferne immer trockener werdend, lässt sich von hier ein großer Teil des riesigen Vashlovani-Nationalparks übersehen.

Blick von der Eliaskirche.

Abstecher in die Adlerschlucht

Nach einem kurzen Stopp zum Einkaufen in der Ortsmitte waren wir gegen 16 Uhr wieder bei Davit und Teo. Bis zum Abendessen war noch Zeit und wir unternahmen einen kurzen Ausflug in die nahe Adlerschlucht. Dieses Mal unten entlang, wo eifrige Ranger einen herrlichen Kletterpfad errichtet hatten. Immer entlang des wilden Koghoto-Baches auf seinem Weg hinunter ins Tal des Alazani. Das machte Soana großen Spaß und war mit ein wenig Achtsamkeit auch nicht gefährlich. Ärgerlich nur, dass die herrliche Natur von hunderten Plastik-Flaschen vermüllt war.

Am Abend hatten Davit und Teo wieder für uns gekocht. Khinkali – georgische Teigtaschen, kleine Hühnerfleisch-Bouletten, eine Gemüsesuppe und ein schmackhafter Salat. Davits selbstgekelterter Rotwein für mich und eine hausgemachte Limonade für Soana.

Schöne Natur, aber leider auch sehr viel Müll.

Auf in den Süden Georgiens

Nach einem erneut reichlichen Frühstück verabschiedeten wir uns von diesem herrlichen Ort. Davit war fürchterlich konsterniert, weil die von ihm so heißgeliebte Squadra Azzura zum dritten Mal in Folge die WM-Teilnahme verpasst hatte. Weil ich dem italienischen Fußball eher weniger zugetan bin, konnte ich mir die Häme kaum verkneifen, wiewohl das der Liebe zwischen Davit und mir keinen Abbruch tut. Soana und ich drückten die beiden nochmal kräftig, wünschten Glück für das neue Baby und fuhren los.

Tagesziel war mit Bolnissi eine Stadt im Süden des Landes, die ich bis dato noch nicht aus eigenem Anschein kannte, von der ich aber Einiges gehört hatte und die ich für mein Georgien-Reisebuch und das Kaukasus-Programm von Ostwärts Reisen auschecken wollte. Bis Tbilissi kamen wir gut voran. Soana hatte ich am Wegesrand einen Becher Erdbeeren gekauft, was die Laune im Auto spürbar verbesserte. Nach dem Kakheti-Highway mussten wir den Süden Tbilissis durchqueren, was gut funktionierte, doch hinter der Stadt wurde es langsam doof.

Lecker Erdbeeren.

Die Stadt Marneuli ist das Nadelöhr für fast jeden Verkehr in den ethnisch heterogenen Süden Georgiens und weiter nach Armenien. Obgleich Armenien deutlich näher ist, wird diese Region mehrheitlich von Aserbaidschanern bewohnt, was angesichts der vielen Vollbärte und Kopftücher sogleich auffiel. Vor Marneuli kämpfte sich ein altersschwacher Sowjetlaster einen langgezogenen Hang hinauf, was unsere Geschwindigkeit deutlich verminderte. Am großen Kreisverkehr dann ein langgezogener Stau, der sich erst nach einigen Kilometern auflöste. Ein Ort ging in den anderen über, die Straße war übersät mit Schlaglöchern, abgasgetränkte Luft, rechts und links Autobuden, Werkstätten und Tischlereibetriebe, überall standen Männer herum und schienen auf irgendwas zu warten. Ich war genervt.

Deutschsprachiges Straßenschild in Bolnissi.

Das alte Katharinenfeld

Wenig später waren wir in Bolnissi. Die Stadt schien mir auf den ersten Blick recht hübsch, zumindest hübscher als die Eindrücke zuvor. Sie war im frühen 19. Jahrhundert von deutschen Siedlern gegründet worden. Eingeladen von Katharina der Großen, sollten sie dazu beitragen, die Region möglichst schnell urbar zu machen. Zumeist fromme Pietisten aus Württemberg, die von religiöser Endzeitstimmung getrieben, auf die Wiederkehr Jesu Christi warteten und sich von der Gängelung durch die Obrigkeit befreien wollten.

Die erste Siedlung wurde nach der Zarin benannt. Anderthalb Jahrhunderte lang war das damalige Katharinenfeld und heutige Bolnissi fest in deutscher Hand. Zwar die erste, doch bei weitem nicht die einzige deutsche Gründung im Süden Georgiens. Bald folgten andere wie Elisabethfeld, das heutige Asureti. Auch einige Quartiere in Tbilissi waren stark vom deutschen Einfluss geprägt. Beispielsweise Neu-Tiflis, wo sich heute das Gründerzeitviertel Marjanishvili erstreckt oder Didube (Alexanderdorf) mit dem großen Bahnhof etwas weiter nördlich. Die Deutschen in Georgien waren lange eine Erfolgsgeschichte, doch mit dem Angriff Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion sind sie schnell als potenzielle Kollaborateure verdächtigt und allesamt unter hohen Opfern nach Kasachstan und Sibirien verschleppt worden, sodass sich bis heute kaum etwas erhalten hat.

Der hübsche Klostergarten an der Sioni-Kirche von Bolnissi.

Drei hübsche Kirchen und eine mürrische Nonne

Kulturhistorisches Highlight von Bolnissi ist eindeutig die Sioni-Kirche, welche sich allerdings nicht in der Stadt selbst, sondern im Dorf Sioni Bolnissi knapp zehn Kilometer südlich erhebt. Sie gilt als hervorragendes Beispiel des frühchristlichen georgischen Kirchenbaus, wird Soana und mir aber vor allem wegen der mürrischen Nonnen in Erinnerung bleiben. Die erste war noch ok. Auf die Frage nach einer Toilette hatte sie wortlos auf ein Kabuff am Rande des Geländes verwiesen. Die zweite blaffte uns regelrecht an, weil wir den herrlichen Klostergarten besichtigen wollten, wovon uns kein Schild oder Ähnliches abhielt. Die Kirche selbst wirkte erhaben und sehr alt. Nach unserem Besuch wurde sie von unserer recht beleibten Freundin intensiv dahingehend untersucht, ob wir auch nichts mitgenommen hatten.

Zwei Kilometer östlich von Sioni Bolnissi ist die alte Tsugrugasheni-Kirche restauriert worden. Sie schmiegt sich hübsch an einen Berg und bietet schöne Aussichten, war aber leider verschlossen. Immerhin konnten wir von hier eine weitere Kirche erkennen, die sich spektakulär auf der Spitze eines kreisrunden Bergkegels erhob. Kulturhistorisch vielleicht nicht so wertvoll, doch allein wegen der Lage wollte ich dorthin. Es war das Peter und Paul-Kloster, zu dem spiralförmig um den Berg herum ein gepflasterter Weg gelegt worden war. Auch hier trafen wir niemanden an, doch die Kirche war offen. Der Ausflug hatte sich allein schon wegen der Blicke gelohnt. Weit im Westen waren die schneebedeckten Gipfel der Abul-Samsari-Kette zu erkennen, die mit mehr als 3.300 Metern den höchsten Teil des Kleinen Kaukasus in Georgien markiert.

Die Tsugrugasheni-Kirche war leider zu.

Zurück in Bolnissi fuhren wir langsam durch die Altstadt, wo die ursprüngliche Architektur der deutschen Siedler deutlich zu erkennen war. Über etwa fünf mal fünf Straßenzüge erstreckte sich ein hübsches Ensemble aus hunderten Fachwerkbauten. Mit ein wenig Farbe und Arbeit war hier durchaus was drin, könnte ein touristisches Ziel erster Güte entstehen, doch aktuell war alles trostlos und verfallen. Einzig das „Georgisch-Deutsche Weinhaus“ stach heraus. Wir schauten uns kurz um und trafen bald den Chef, der uns sogleich in die Geschichte der deutschen Siedler einführte. Ein netter Mensch, der sich spürbar Mühe gab, doch Soana konnte seinen in Englisch gehaltenen Vortrag nur schwer verstehen und hätte sich vermutlich auch in deutscher Sprache kaum interessiert. Wir verabschiedeten uns höflich und machten uns auf den Weg zur Unterkunft.

Das deutsch-georgische Weinhaus.

Spooky Hostel

Die Aversion der Georgier gegen Schilder werde ich nie verstehen, doch irgendwann hatten wir die richtige Adresse gefunden. Ein Hostel im Nirgendwo. Wir erkennbar die einzigen Gäste. Eine mürrische, ältere Dame wies uns herein. Im Hintergrund saß offenbar ihr Mann vor einem flackernden Fernseher, wobei nur die Silhouette zu erkennen war. Der Garten zwar gepflegt, aber vollkommen leer. Im Inneren dafür alles vollgestellt mit schweren Möbeln in den dunkelsten Farben. Den zweiten Stock hätten wir für uns, so die Wirtin. Das uns zugewiesene Zimmer ging noch, doch das Bad war ein Raum aus Beton mit einem Waschbecken, neben dem irgendwo ein Duschkopf aus der Wand ragte. Ganz ähnlich die Toilette. Im Flur schwere Sofas und Regale mit verstaubten Büchern, über dem knarzenden Treppenhaus war ein riesiges hölzernes Krokodil angebracht und hinter einem schweren Vorhang standen in einem dunklen Raum mehrere Kinderbetten. Immerhin war es halbwegs sauber.

Wir richteten uns ein so gut es ging und machten uns für das Abendessen auf zur „Deutschen Mühle“. Ein schönes Haus mit Hotel und Restaurant direkt am Fluss und mit Blick auf diesen Bergkegel samt Kirche obendrauf. Wir hatten uns auf deutsche Küche gefreut, doch die gab es nicht. Das georgische Essen und auch Soanas Pizza schmeckten zwar gut, doch der Service war wieder auffallend mürrisch. Ohne jedes Wort und ohne jede Regung wurde Besteck angelegt, Essen gebracht und die Rechnung kassiert. Auch hier waren wir wieder die Einzigen.

Straßenzug in Bolnissi. Foto: Sigurd Gartmann

Ähnlich in der Stadt selbst, wo wir beim Geld tauschen und Einkäufe erledigen allerorten wortlos beglotzt wurden. Offenbar verirren sich nicht viele Touristen nach Bolnissi. Keine Ahnung, was mehr schockierte. Soanas asiatisches Äußeres oder mein Trikot der ukrainischen Nationalmannschaft. Vielleicht Letzteres, denn später konnte ich erfahren, dass Bolnissi als eine der wenigen Hochburgen der Regierung gilt, weil hier der umstrittene Präsident und Ex-Fußballer Qawelashvili geboren und aufgewachsen war.

Wir haben überlebt

Am Abend saßen wir noch im Garten herum. Mit jeweils einem Buch und dem Handy. Irgendwann bekamen wir auch den Mann zu Gesicht. Die Einrichtung mit all den Bildern an der Wand und den vielen Büchern hatte mich auf eine Intellektuellen-Familie schließen lassen. Zwar eine mit schlechtem Geschmack, doch immerhin mit Bildung. Ich schien mich zu täuschen. Ich wollte nett sein und ein kurzes Gespräch beginnen, fragte, was man morgen auf dem Weg nach Tbilissi am Rande der Strecke sehen könne. Der Mann in seiner ausgebeulten Jogginghose grunzte nur „Martwili Canyon“, wies ansonsten tonlos darauf hin, dass wir im Inneren des Hauses die Schuhe aus- und die bereitgestellten Schlappen anziehen sollten. Jemanden auf dem Weg von Bolnissi nach Tbilissi zum Martwili Canyon zu schicken, ist in etwa so als wenn man mir zwischen der Ostseeküste und Berlin einen Abstecher nach Neuschwanstein ans Herz gelegt hätte.

Der Garten ging eigentlich noch. Innen hatten wir vor lauter Angst vergessen, Fotos zu schießen.

Soana bestand darauf, dass wir die Betten zusammenschieben und ich die Tür von innen abschließe. Sie kuschelte sich eng an mich, schlief ansonsten aber gut. Am nächsten Morgen gab ich ihr in der Küche vor dem ständig flackernden Fernseher ein paar Schoko-Flakes, drückte der Wirtin die vereinbarten 72 Lari in die Hand und wir machten uns vom Acker.

Endlich in die große Stadt

Diese langgezogene Siedlung vor, in und hinter Marneuli war dieses Mal deutlich weniger nervig als auf dem Hinweg. Erstes Ziel in der georgischen Hauptstadt war der Mtatsminda-Park, der auf einem Berg hoch über der Stadt thront und einen ausgreifenden Kinder-Vergnügungspark zu bieten hat. Die Wegführung von Google.maps erschien mir sinnvoll, weil sie mich von hinten auf den Berg führte und mir so den Stadtverkehr ersparte. Kurz vor Tbilissi sollte ich dazu von der Hauptstraße auf eine Piste abbiegen. Ich hatte das schon im letzten Jahr gemacht, konnte mich erinnern, dass es etwas rumpelig, aber machbar war, weshalb ich mich für diese Variante entschied.

Unser Auto hatte überlebt und wir gleich mit.

Zehn Kilometer aus der Hölle

Zunächst ging es an alten Lastern vorbei durch eine Industriebrache. Vor mir fuhren vier andere Autos und es war vermutlich der Kardinalfehler, diesen zu folgen und nicht Google.maps zu vertrauen. Man denkt sich halt, dass die sich schon auskennen würden, kommt aber nicht auf die Idee, dass sie vielleicht gar nicht zum Kinderpark von Mtatsminda wollen. In einem gottverlassenen Dorf hatten sie sich auf rumpeligen Pisten in alle Richtungen verstreut. Google.maps passte die Wegführung nun an und ich kann mir kaum vorstellen, dass es auf der ursprünglichen Stecke schlimmer gewesen wäre. Steil bergauf, tiefe Verwerfungen im Weg, überall drohten riesige Steine rechts und links, weiter durch einen Wald aus dornigen Sträuchern und die Abfahrt durch tiefen Schlamm. Ich musste Gas geben, denn sonst wären wir unweigerlich steckengeblieben. Glück im Unglück, dass wir abwärtsfuhren, in der Gegenrichtung wären wir chancenlos gewesen. Ich hatte mir bei meiner DJane und Tochter auf dem Beifahrersitz schon lange keinen Song mehr gewünscht, stierte nur noch konzentriert und verängstigt über das Lenkrad. Irgendwann wurde auch sie unruhig und fragte, warum wir unbedingt hier entlangfahren mussten, doch Umkehren hatte keinen Sinn mehr.

Zehn Kilometer, die ich nie vergessen werde. Nicht gefährlich für Leib und Leben, doch dass ich das Auto heile hinübergebracht habe, dafür kann ich mir noch immer auf die Schulter klopfen. Großes Glück, dass mir auf den schnellen Passagen durch den Schlamm kein Stein begegnet ist. Bei Tabakhmela war wieder Asphalt erreicht. Anhalten, aussteigen, eine rauchen, Soana beruhigen und selbst wieder runterkommen. Es ist nichts passiert und wir werden uns immer erinnern.

Fernsehturm, Mtatsminda-Park und unten die Stadt,

Zum Kinderpark waren es nur 15 Minuten. Ich fuhr bis ganz vor auf den bewachten Parkplatz. Die Sonne schien, unter uns lag die riesige Stadt, vor uns breiteten sich die verschiedenen Fahrgeschäfte und Attraktionen aus. Ich zitterte nur noch ein wenig und freute mich auf meine Lieblingsstadt. Von nun an war Soana dran, sollte der Rest der Reise ganz nach ihrem Gusto verlaufen.

Noch ein paar Tipps zum Schluss

Google.maps funktioniert im Vashlovani-Nationalpark nicht. Man muss sich Offline-Karten herunterladen und auch sonst gründlich vorbereiten. Die erste Tour gleich selbst und allein zu fahren, möchte ich eher nicht empfehlen. Ich habe es zwar gemacht, hatte aber auch viel Glück. Davit (mobil und WhatsApp: +995 599 258 839) ist der beste Tourguide, den man sich vorstellen kann.

Das Anthropologische Museum in Dmanisi öffnet nur zwischen April und Oktober.

Nur für einen Ausflug aus Tbilissi gibt Bolnissi womöglich nicht so viel her, doch es kann sich als Zwischenstopp auf dem Weg nach Armenien lohnen. Eine halbe Autostunde südöstlich findet sich mit dem Anthropologischen Museum von Dmanisi eine echte Weltsensation, nämlich die ältesten Spuren menschlichen Lebens auf der eurasischen Landmasse. Wiederum eine halbe Stunde dahinter folgt bei Guguti die Grenze nach Armenien.

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