Lemberg – die Perle Galiziens – und Breslau

Dieses Mal war ich mit Tochter und meinen Eltern in die Ukraine gereist. Es war das Geschenk für meine Mama zu ihrem Geburtstag. Nur bis Lemberg, denn dort schien mir das Risiko gering, von der russischen Aggression betroffen zu sein. Das Auto war wieder vollgepackt mit Hilfsgütern, die wir bald hinter der Grenze loswurden. Nun hatten wir einen vollen Tag für die Perle Galiziens und wollten uns danach auf den Rückweg nach Berlin begeben. Mit Zwischenstopp in Breslau, weil die schlesische Metropole zu glänzen weiß und es dann doch ein wenig zu weit ist mit Kind und Kegel von Lemberg gleich durch bis Berlin.

Fehlalarm und Mützenkauf

Am Morgen in Lemberg gleich ein erster Schreck. Mein Papa hatte Mama und auch Soana aufgeregt geweckt, weil er die Sirenen und Ansagen eines Polizeieinsatzes mit Luftalarm verwechselt hatte. Ich hätte Soana gerne die Aufregung erspart, doch sie hatte sich bald wieder beruhigt. Hätte aber durchaus sein können, denn die Russen schicken ihre Drohnen kreuz und quer über das Land, damit sie an möglichst vielen Orten Alarm auslösen und somit die Bevölkerung bestmöglich terrorisieren. Ich hatte aber auf meinem Handy die Warn-App des ukrainischen Zivilschutzes aktiviert und die hatte zumindest an diesem Morgen nichts angezeigt.

Das Lemberger Rathaus.

Nach einem leichten Frühstück hatten wir ein kleines Problem zu lösen. Mein Papa glaubte seine Mütze verloren zu haben und weil er ohnehin Schwierigkeiten mit seiner Haut hat, wollten wir eine neue kaufen. Schließlich zeigte das Thermometer schon am Morgen 27 Grad, stand die Sonne hoch am Himmel. Der Krakauer Markt gilt als einer der belebtesten der Stadt. Jener am Bahnhof ist zwar noch etwas größer, lag aber deutlich weiter von unserem Apartment entfernt, zumal wir nach langen Fahrten das Auto heute ganztägig auf seinem Parkplatz im Hinterhof lassen wollten.

In einem Umkreis von knapp 200 Metern verteilten sich hunderte Stände und Büdchen, an denen schnell eine Mütze für Papa und auch ein Basecap für die Kleine erstanden werden konnte. Danach noch ein Kwas zur Stärkung, denn der malzbierhafte Brottrunk trägt in allen Ecken der ehemaligen Sowjetunion zu Gesundheit und Kraft seiner Konsumenten bei.

St. Georg-Kathedrale in Lemberg.

Ein allzu aufdringlicher Bettler

Wir waren nun westlich der Innenstadt, wo wir uns die herrliche St. Georg-Kathedrale erschließen wollten, wie sie hoch über der Stadt thront. Schön, doch in einem kleinen Park unterhalb hatte uns ein Bettler abgepasst, der mit seiner stattlichen Erscheinung Respekt einflößte. Ich hatte ihm eine Zigarette gegeben, was ihn dazu veranlasste, uns beim gesamten Aufstieg zur Kathedrale zu folgen und weitere Gunsterweisungen zu fordern. Dass meine kleine Soana die Situation mittlerweile als bedrohlich empfand, schien ihn nicht zu stören, eskalieren wollte ich die Lage aber auch nicht. Schließlich retteten wir uns in diese herrliche Kirche, hielten uns dort etwas länger auf als geplant, und hofften, dass er nicht mehr am Eingangstor auf uns warten würde. Dem war dann auch so.

Direkt unterhalb der Kathedrale erstreckt sich mit dem Iwano-Franko-Park die wichtigste innerstädtische Erholungsoase von Lemberg, wo sich Soana kurz auf einem Spielplatz vergnügen durfte. Sie hatte darauf bestanden, dass der Kletterparcours zusammen mit meiner Mama absolviert wird. Die kann meiner Kleinen ohnehin keinen Wunsch abschlagen, musste sich dafür aber sichtbar mühen.

Oma und Enkelin im Iwano-Franko-Park von Lemberg.

An seinem östlichen Ende wird der Park von der ehrwürdigen Universität von Lemberg abgeschlossen. Offenbar war gerade Mittagspause, denn die vielen jungen Menschen entspannten im Park und vor dem Iwano-Franko-Monument, welches einem der bekanntesten ukrainischen Literaten gewidmet war, der im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert einen erheblichen Beitrag zur Konsolidierung der kulturellen und sprachlichen Identität der Ukraine geleistet hatte.

Mittagessen in der Uni-Kantine

Nicht weit entfernt gab es eine Art Kantine, in die mich zwei Jahre zuvor meine mittlerweile gute Freundin Galya gebracht hatte. Sie wollte sich mit ihrer Einladung zum Abendessen erkenntlich zeigen, weil sie mit mir zweimal hin und rück nach Kyjiv zu ihrem Mann gefahren war, der das Land nicht verlassen durfte. Weil sie aber nicht so viel Geld hatte, führte sie mich an diesen Ort, wo zum kleinen Preis schmackhafte ukrainische Gerichte angeboten werden. Man nimmt sich ein Tablett, passiert zunächst das Salatbuffet, lässt sich anschließend die Hauptspeisen auffüllen, bezahlt an der Kasse, bevor man sich zum Verzehr niederlässt. Soana war zunächst etwas skeptisch, doch am Ende hat es ihr hervorragend gemundet, zumal angesichts des Reisestresses bislang nicht sehr viel Zeit und Gelegenheit war für das leibliche Wohl. An den Nebentischen wurde unsere Konversation intensiv von jungen Menschen verfolgt und erst am Ende war mir aufgefallen, dass es offenkundig Germanistik-Studenten waren, die etliche deutsche Sprachlernbücher mit sich führten. Es rührt mich jedes Mal, wie sehr man sich in der Ukraine in diesen Zeiten über Besuch aus dem Ausland freut. Meine Mama hatte mir am Abend zuvor erzählt, dass sie sich ein wenig schäme, mitten im Krieg in der Ukraine zu urlauben. So als ob nichts gewesen wäre. Ich hatte ihr geantwortet, dass das glatte Gegenteil richtig ist, dass man Freude in gemarterten Herzen erzeugt und darauf vielleicht sogar ein wenig stolz sein darf.

Die ehrwürdige Universität von Lemberg.

Über ein gemütliches Kneipengässchen hatten wir endlich die kompakte Altstadt erreicht. An der Ringstraße erhob sich das Denkmal für den Nationaldichter Taras Schewtschenko, der als einer der ersten seine Prosa konsequent in ukrainischer Sprache verfasst hatte, einer Sprache, die seinerzeit am Zarenhof als ärmlicher Bauerndialekt verspottet wurde. Tatsächlich steht das Ukrainische dem Russischen ferner als etwa dem Polnischen. Mein Freund Serjozha hatte mir mal erzählt, dass die Russen die Ukrainer an der Front nicht verstehen würden, umgekehrt aber schon, was erhebliche Vorteile mit sich brächte. Passend zum Thema wurde neben dem Denkmal an die lokalen Helden erinnert, die bei der Verteidigung des Vaterlandes ihr Leben ließen. Meine Tochter Soana hatte sich die Fotos mit großer Beklemmung angeschaut. Und auch die vielen jungen Männer, die mit ihren Prothesen an Händen und Füßen im Stadtbild präsent waren, hatten ihr Mitgefühl gefunden. Zuviel für ein Mädchen mit zehn Jahren? Nein. Es ist die Realität, gegen die sich auch die junge Generation wappnen muss. Ich hoffe sehr, dass Soana irgendwann ihren Wehrdienst ableisten muss, schießen lernt und bei Gelegenheit vielleicht sogar ihren Führerschein macht. Wir leben in bewegten Zeiten und müssen in der Lage sein, unsere Freiheit zu verteidigen, können uns nicht in unserer vermeintlichen Komfortzone verkriechen, denn die Russen werden uns dort aufspüren.

Rauf auf den Hochschlossberg

Am Marktplatz angekommen, wollten wir direkt auf den Rathausturm steigen, doch der würde erst kurz vor sechs öffnen, wenn alle Beamten ihr Tagwerk verrichtet hätten. Also erschlossen wir uns in den kommenden Stunden die Altstadt. Von der katholischen Peter-und-Paul-Kirche an der armenischen Kathedrale vorbei zum herrlichen Blumenmarkt, um anschließend die Kirchen auf dem Hochschlossberg über der Altstadt zu erkunden.

Armenische Kathedrale.

Vorbei an der Michaelkathedrale, dem Pulverturm und der Hieromartyr-Kirche gelangten wir zu einer kleinen Aussichtsplattform, wo sich einerseits tolle Sichten boten und andererseits an die Märtyrer der Maidan-Revolution von 2014 erinnert wurde, von denen nicht Wenige hier aus dem Westen des Landes stammten. Zehn Minuten weiter aufwärts markiert ein kleiner Park neben dem markanten Fernsehturm die Spitze des Lemberger Hausberges, von dem sich die gesamte Stadt in alle Richtungen überblicken lässt. Das namensgebende Hochschloss gibt es zwar nicht mehr, dennoch lohnt der Aufstieg ungemein. Für Freunde der Geografie mag von Interesse sein, dass just hier die europäische Hauptwasserscheide verläuft. Alle Wässer nördlich von Lemberg fließen dem Westlichen Bug zu, der nahe Warschau in die Weichsel und mit ihr später bei Danzig in die Ostsee mündet. Das Wasser südlich von Lemberg hingegen strebt der Dnister zu, die nahe der polnischen Grenze im Karpatendorf Turka entspringt, in der Folge die Ukraine durchfließt, später die Grenze zu Moldau bzw. zur selbsternannten Republik Transnistrien bildet und sich bei Odesa in einem riesigen Mündungstrichter ins Schwarze Meer ergießt.

Rundblick vom Rathausturm

Der Abstieg brachte uns in den Norden der Altstadt, wo wir uns zunächst dem prächtigen Opernhaus widmeten und anschließend durch die Gassen streiften, bis wir am anderen Ende neben dem Bernhardkloster und direkt unterhalb der alten Stadtbefestigungen ein herrliches Gartenlokal fanden. Soana begab sich in eine Hängematte und widmete sich ihrem neuen Handy, während wir uns zu einem Bier niederließen. Was in Deutschland nicht so bekannt ist und auch mein der Bierkultur im Allgemeinen äußerst zugetaner Vater nicht wusste, ist, dass Lemberg einen Ruf genießt, wie etwa Pilsen, München oder Brüssel. Mit etlichen traditionsreichen Brauereien und einer enormen Variationsbreite leckerer Biere. Etwas nördlich der Altstadt unweit unseres Apartments gab das Brauereimuseum von Lemberg einen anschaulichen Einblick in die lokale Bierkultur.

Blick vom Hochschlossberg auf die Altstadt.

Mittlerweile war es Abend geworden und wir hatten ja noch einen Termin mit dem Rathausturm mitten auf dem Marktplatz. Hinein ging es am Hauptportal, wo zunächst der oberste Stock des umliegenden Gebäudes erklommen werden musste, um anschließend an der Stirnseite den Zugang zum Turm zu durchschreiten. Man zahlt ein Ticket von umgerechnet fünf Euro und kämpft sich anschließend auf einer schmale Holztreppe nach oben. Soana hatte mehr als 900 Stufen gezählt und es war tatsächlich eine schweißtreibende Angelegenheit. Mein Papa wäre kurz vor dem Ziel fast umgekehrt, hat sich dann aber doch durchgeschlagen. Die Aussicht über das riesige zusammenhänge Altstadtensemble von Lemberg war phänomenal und entschädigte für die Mühen.

Putin-Klopapier und georgischer Rotwein

Wieder unten ließ sich Soana in einem der vielen Andenkenshops mal wieder von der Oma beschenken. Ich war ein wenig genervt, weil die beiden gefühlt jeden zweiten Laden frequentierten und mein Vater und ich ständig warten mussten. Doch hier war es gut, denn ich fand zum ersten Mal außerhalb Kyjivs Klopapier mit dem Antlitz des russischen Diktators. Es war in den vergangenen Jahren ein beliebtes Mitbringsel für Freunde und Familie gewesen und meine Vorräte in Berlin waren entsprechend aufgebraucht.

Das Putin-Klopapier lagert nun in meinem Bad.

In einer der Altstadtgassen aßen wir im Marymo-Restaurant hervorragend zu Abend. Auf dem Nachhauseweg bevorrateten wir uns mit georgischem Rotwein und Snacks für einen letzten sommerlichen Abend auf der Terrasse. Lemberg hatte sich von seiner besten Seite gezeigt. Meine Eltern waren hellauf begeistert und auch Soana sehr zufrieden. Stundenlang durch Städte latschen, ist zwar ihre Sache nicht, doch sie wurde reichlich mit Geschenken an der Strecke entlohnt.

Das dritte Strafticket in einem Monat

Ich hatte den Wecker auf 6:30 Uhr gestellt, denn an diesem Tag warteten knapp 600 Kilometer und die Grenze zurück in die EU auf uns. Der Verwalter unseres Apartment hatte zugesagt, um 7:30 Uhr vorbeizukommen, um mir meine Kaution in Höhe von 4.000 Griwna (rund 90 Euro) zurückzugeben, doch er kam nicht. Erst jetzt hatte ich registriert, dass sie mich gestern Abend über Viber angerufen hatten, doch ich nutze diesen Dienst kaum und hatte es nicht mitbekommen. Die Schicht beginne um 9 Uhr, weshalb wir uns auch erst dann treffen könnten, ließen sie mich wissen. Ich wollte nicht warten und sagte ihnen, dass sie mir die Summe gefälligst überweisen sollten und ich den Klamauk mit der Kaution ohnehin nicht recht verstanden habe. Das funktionierte und war auch gut so, denn ich hätte gar nicht gewusst, was ich mit so viel Bargeld kurz vor der Grenze hätte anfangen sollen.

Hübsches Kirchlein außerhalb von Lemberg auf dem Weg zur Grenze.

Auf den knapp 70 Kilometern zur Grenze ereilte uns ein nächster Schreck. Irgendwo mitten im Nichts und ohne erkennbaren Grund war ein Stoppschild aufgestellt, hinter dem die Polizei lauerte. Ich hatte zwar abgebremst, aber nicht angehalten und so zogen sie mich aus dem Verkehr. Ich kannte das Procedere schon. Man zeigt seine Dokumente, alles dauert seine Zeit und am Ende zahlt man per Karte 340 Griwna, also knapp sieben Euro. Zweieinhalb Wochen zuvor hatten sie mich in Winnytsia in der Zentralukraine und nahe Odesa erwischt. Das hatte ich eingesehen, weil sie jeweils dort kontrolliert hatten, wo die Schnellstraße durch eine Siedlung führte. Das hier war aber reinste Wegelagerei, was ich die beiden Kollegen auch wissen ließ.

Elende Warterei

Irgendwie schien es an diesem Tag nicht so recht zu laufen. Mir schwante Böses für die Grenze und tatsächlich erwartete uns eine Warteschlange von mehreren hundert Metern. Meine Eltern, die mitunter nach kleinen halblegalen Auswegen suchen, hatten mich trotz heftiger Einwände genötigt, die Schlange im Gegenverkehr zu umfahren und mich vorne reinzudrängeln. Versuchen könne man es ja mal… Ich hatte das bei früheren Fahrten auch schon probiert, wurde aber nach hinten zurückgeschickt, weil sie die Kennzeichen notieren, bevor die Autos in den Grenzbereich eingelassen werden. Wer also nicht brav gewartet hatte, wird spätestens hier auffliegen. Es nutzte auch nichts, dass meine Eltern mit Engelszungen auf den Beamten einredeten, auf Soana und ihre vermeintliche Übelkeit verwiesen. Er blieb hart und wir mussten zurück.

Grenzübergang Korczowa/Krakowiec.

Der Spaß hatte vermutlich eine halbe Stunde gekostet. Von unserem Nachbarn in der Schlange musste ich erfahren, dass er mit vier bis fünf weiteren rechne. Er arbeitete im havelländischen Kyritz in einem Baubetrieb und kannte sich mit diesem Übergang aus. Eine endlose nervöse Warterei. Immerhin war es heute nicht allzu heiß und ein wenig bewölkt, bot die nahegelegene Okko-Tankstelle ein reichhaltiges Imbissangebot, konnte sich Saona an Burger und Eis erfreuen. Ich jedoch machte mir große Sorgen, wann, wie und ob überhaupt wir an diesem Tag noch Breslau erreichen würden.

Immerhin hatte ich Gelegenheit, meinen Zigarettenvorrat so zu dezimieren, dass er den polnischen Zollvorschriften entsprach. Zwei Schachteln pro Person und nicht etwa eine Stange wie man es von der Einreise auf dem Luftweg kennt. Muss man wissen, denn sonst können die Polen ungemütlich werden, wie ich es selbst schon am eigenen Leib erfahren musste. Sie nehmen es ohnehin übermäßig genau. Während die ukrainische Seite nur kurz den Kofferraum öffnen lässt und stichprobenartig das eine oder andere Gepäckstück inspiziert, wollen die Polen in der Regel, dass man alles auf eine bereitstehende Bank schafft und nacheinander durchsuchen lässt. Zudem werden inklusive des Motorraums alle Ecken des Autos gründlich inspiziert. Das dauert lange und verursacht den Rückstau auf ukrainischer Seite.

Das herrliche Breslau war leider noch sehr weit entfernt.

Durch bis Breslau

Wir hatten insofern Glück, dass unsere Zollbeamtin Nachsicht walten ließ und beispielsweise auf das Öffnen der Motorhaube verzichtete, nachdem mein Vater, ich und sie selbst erfolglos nach dem entsprechenden Hebel gesucht hatten. Doch was nutzt es, wenn man hier ein paar Minuten spart, wenn zuvor viereinhalb Stunden verstrichen waren. Immerhin hatten wir durch die Zeitverschiebung eine Stunde gewonnen, doch der Weg nach Breslau war noch weit.

Mehr als 500 Kilometer trennten uns von unserem Tagesziel. Ich gab ordentlich Gas, musste aber Rücksicht auf meinen Vater nehmen, der allzu hohe Geschwindigkeiten nicht mehr gewohnt war und selbst stets äußerst vorsichtig unterwegs ist. Ich hatte große Angst vor Krakau, denn hier war ich noch nie ohne längeren Aufenthalt durchgekommen. Dieses Mal waren es aber nur zehn Minuten Stau und dankenswerterweise kamen wir auch rund um Kattowitz und vor Breslau gut durch, sodass wir gegen 19 Uhr die schlesische Metropole erreichten.

Leckeres Abendessen im Chatka-Restaurant in der Breslauer Altstadt.

Hervorragende polnische Küche

Ich hatte ein Apartment direkt an der Oder gebucht. Zunächst mussten wir jedoch jenseits des Flusses in einem Büro die Schlüssel abholen. Ich hatte das Auto einfach an den Straßenrand gestellt, weil ich dachte, dass es schnell gehen würde. Die Instruktionen dauerten dann doch etwas länger, währenddessen die Familie von polnischen Autofahrern beschimpft wurde, denn ich hatte versehentlich eine kleine Kreuzung blockiert. Die Nerven… Auf verschlungenen Wegen fanden wir endlich unsere Tiefgarage und arbeiteten uns dort in engen Kurven ins fünfte Untergeschoss hinunter. Ich war geschafft, doch immerhin genügte unser Apartment wieder höchsten Ansprüchen. Meinen Eltern überließen wir das Schlafzimmer, während Soana und ich wie schon in Warschau mit der Ausziehcouch vorliebnahmen.

Der Tag hatte schlecht begonnen, doch hinter der Grenze hätte es kaum besser laufen können. Zumal wir nach einem kurzen Spaziergang von knapp zehn Minuten mit der Chatka ein erstklassiges polnisches Restaurant fanden, wo wir bei Haxe, Krautwickeln, Schnitzel, Rippchen und Bier für die Strapazen des Tages entlohnt wurden. Die Innenstadt von Breslau wollten wir uns für den kommenden Tag aufsparen.

Auf dem Weg zum Breslauer Markt.

Rundgang durch Breslau

Mein Vater hatte um 19:30 Uhr in Berlin einen wichtigen Arzttermin gebucht, doch angesichts von nur vier Stunden Fahrzeit zwischen Breslau und Berlin würden wir bis zum frühen Nachmittag Zeit haben, uns die Stadt zu erschließen. Meine letzte Reise nach Breslau lag auch schon mehr als 15 Jahre zurück, doch meine Eltern kannten die Stadt nur aus sozialistischen Zeiten. Ich war seinerzeit hellauf begeistert, während sie sich gar nicht recht erinnern konnten.

Wir spazierten zunächst die Oder entlang, um an der Universität in die Altstadt hineinzustoßen. Höhepunkt ist sicherlich der Altstädter Ring mit seinen herrschaftlichen Bürgerhäusern, dem historischen Rathaus und einer äußerst interessanten Bebauung aus inneren und äußeren Ringen und mehreren ineinander übergehenden Plätzen. Nun ging es in den Süden der Altstadt, wo sich hinter dem Königspalast, dem Staatstheater und der Oper eine herrliche Parklandschaft entlang eines alten Oderarms ausbreitete.

Meine Kleine ganz einsam auf dem Breslauer Markt.

Lemberg, Breslau und der russische Imperialismus

Das Panorama etwas östlich der Innenstadt ist ein einzigartiger Kunstschatz, denn es zeigt in einem riesigen Rundgemälde den Sieg der polnischen Armee 1794 in der Schlacht von Raclawice gegen die russischen Invasoren. Entstanden war es gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum hundertsten Jahrestag der Schlacht. Ideengeber war der bekannte Lemberger Maler Jan Styka, der mit etwa einem Dutzend weiteren Künstlern in knapp neun Monaten das Schlachtengemälde in seinen grotesken Ausmaßen von 15 mal 114 Metern fertigstellte. Es war lange ein kultureller Höhepunkt von Lemberg gewesen, da es aber eine Niederlage der russischen Armee zeigt, wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg von den Sowjets heimlich zerlegt und nach Breslau verbracht, verharrte dort über zwei Jahrzehnte in einem muffigen Keller. Erst in den 1960er Jahren wurde es wieder instandgesetzt und seit 1985 in einem eigens errichteten Gebäude ausgestellt. Wir fanden es schön, wie sich auf diese Weise der Kreis zwischen Lemberg und Breslau schloss, und auch thematisch sehr passend, denn damals wie heute ging es um den Widerstand gegen den russischen Imperialismus.

Östlich des Panoramas führte eine Brücke über die Oder zu den prächtigen Kathedralen und Kirchen. Ein herrliches Viertel, welches sich auf verschiedenen Flussinseln verteilt und bei keiner Reise nach Breslau fehlen darf. Über kleine Brücklein mit schönen Blicken wanderten wir von Eiland zu Eiland und gelangten schließlich wieder auf die südliche Oderseite in die Altstadt, die wir auf dem Weg zu unserem Volvo letztmals durchstreiften. Ein Bubble-Tea für Soana, letzte Andenken in einem kleinen Souvenirgeschäft am Markt und eine kurze Impression von einem Orgelkonzert in der Garnisonkirche später hatten wir die Tiefgarage erreicht. Meine Eltern waren hellauf begeistert und wollen unbedingt noch einmal in Breslau vorbeischauen. Ein würdiger Abschluss einer intensiven Reise.

In diesem Gebäude wird das Schlachtengemälde ausgestellt.

Auf der letzten Etappe kamen wir wieder hervorragend voran. Schon nach knapp drei Stunden war Berlin erreicht. Weil es erst 16:30 Uhr war, konnte mein Papa sogar noch auspacken, bevor er zu seinem Hautarzttermin nach Pankow fuhr. Wir Erwachsenen hatten die Strapazen am Tag zuvor fast vergessen und bei Soana hatte sich im Verlauf der letzten Tage ein beachtlicher Fundus an Geschenken und Mitbringsel angesammelt, die sie fein säuberlich auf ihrem Schreibtisch drapierte.

Der Dom zu Breslau.

Noch ein paar Tipps zum Schluss

Lemberg eignet sich hervorragend als Ausgangpunkt für Ausflüge in die Karpaten. Das hübsche Dörfchen Turka ist beispielsweise nur knapp zwei Autostunden entfernt.

Womöglich kann es sich lohnen, einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen und statt Krakowiec die Grenzkontrollpunkte Hrushiv/Budomierz, Rawa-Ruska/Hrebenne oder Shehyni/Medyka anzusteuern. Hier wird Auskunft zu den voraussichtlichen Wartezeiten gegeben, doch die Angaben sind erfahrungsgemäß immer etwas optimistischer als die Realität vor Ort.

Alternativ lässt sich Lemberg auch mit dem Zug (Umstieg in Przemysl) oder direkt mit dem Flixbus erreichen.

Die Maut auf der Südroute durch Polen ist mit 34 Zloty deutlich günstiger als die Relation Posen-Warschau-Lublin, die mit knapp 140 Zloty zu Buche schlägt.

Von Breslau verkehrt seit einigen Jahren wieder ein Regionalexpress, der in knapp vier Stunden Berlin erreicht.

Breslau ist mit der Jahrhunderthalle im UNESCO-Welterbe gelistet. Das 1913 fertiggestellte Gebäude ist Teil der Breslauer Messe etwa drei Kilometer östlich des Marktplatzes.

Blick über den Oderkanal in Richtung Altstadt.

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