Über Moldau zurück nach Berlin
Schon im vierten Sommer hintereinander hatte ich eine Hilfsfahrt in die kriegsgeplagte Ukraine unternommen. Dieses Mal beladen bis unters Dach mit Sachen für die Jungs und Mädels an der Front. Darüber hinaus wollte ich mir einige touristische Ziele erschließen, denn sehr bald werden hier auf Ostwärts Reisen Touren in die Ukraine zu buchen sein, wobei ich den Anspruch verfolge, jedes meiner Reiseziele aus eigenem Anschein zu kennen und für gut befunden zu haben.
Es war eine wilde Fahrt, die mich im Eiltempo von Berlin nach Lemberg, dann durch die Karpaten und weiter über die podolische Hügellandschaft in die Steppen der Zentralukraine brachte. Das prächtige Odesa war der Wendepunkt, dahinter folgte das traumhafte Donaudelta im ukrainischen Bessarabien. Nun ging es zurück nach Berlin. Nicht jedoch, ohne mir die moldauische Hauptstadt Chisinau zu erschließen, in der alle meine Ukraine-Touren beginnen und enden werden.
Kuriose Grenzen
Ich war im Dreiländereck zwischen Rumänien, Moldau und der Ukraine. Ich hätte schon früher nach Moldau rüberwechseln können, nahm diesen Umweg aber in Kauf, weil mich eine politisch-territoriale Kuriosität interessierte. Denn hier beim Dorf Giurgiulesti ragte der südwestlichste Zipfel Moldaus für nur 500 Meter an das nördliche Donauufer heran, sodass man auf diesem winzigen Terrain einen Tiefwasserhafen errichtet hatte. Da es an der unteren Donau keine Brücken mehr gibt, versperrt dieser Zipfel auch den direkten Weg von der Ukraine nach Rumänien. Es sei denn, man nimmt die Fähre zwischen dem ukrainischen Orliwka und dem rumänischen Isaccea. Wenn nicht, dann muss man zuerst über die Grenze nach Moldau und nur einen Kilometer weiter gleich zur nächsten.
Der Hafen von Giurgiulesti im äußersten Südwesten Moldaus. Zu sehen ist der Pruth, der unmittelbar nach dem auf dem Bild erkennbaren Ausschnitt linkerhand in die Donau mündet. Foto: Glax
Abgesehen davon, dass ich beim Rauchen erwischt wurde, wo ich es nicht durfte, ging es recht schnell an der Abfertigung. Die Waschpulverlache im Beifahrerfußraum wurde kurz berochen und für Waschpulver befunden. Ich fuhr kurz auch zur rumänischen Abfertigung, wollte Fotos machen, was ich aber schon wieder nicht durfte. Zudem hätte ich gerne meine letzten 50 Euro getauscht, doch dazu gab es jetzt am Wochenende keine Gelegenheit. Immerhin konnte ich den Tank auffüllen und machte mich alsbald auf den Weg in die Hauptstadt Chisinau. Knapp drei Stunden lagen noch vor mir.
Die Straßen im Süden Moldaus waren deutlich schlechter als die in der Ukraine. Zudem verkehrten hier etliche Eselskarren, von denen ich in der Ukraine keinen einzigen gesehen hatte. Die Landschaft war hügelig, die Vegetation spärlich-steppenhaft und die Besiedlung gering. Je näher ich Chisinau kam, desto besser wurden die Straßenverhältnisse. Auf den letzten paar Kilometern gab es sogar eine Autobahn. Altersschwach zwar, aber vierspurig, kreuzungsfrei und baulich getrennt vom Gegenverkehr. Ein Ärgernis waren die vielen Polizeistreifen, die fast an jeder Straßenecke auf Geschwindigkeitssünder lauerten. Ich habe keine Ahnung, wie ich es geschafft habe, unbehelligt durchzukommen, bin den entgegenkommenden Autos und ihren Warnsignalen per Lichthupe äußerst dankbar.
Der Triumphbogen von Chisinau.
Die erste und einzige Hauptstadt auf meiner Reise
In Chisinau konnte ich mich erfolgreich mit dem Vermieter meines Apartments zusammentelefonieren, wobei ich mich schon die ganze Fahrt über gefragt hatte, warum meine ukrainische SIM-Card auch in Moldau funktionierte. Kosten waren nicht zu befürchten, weil ich keinen Vertrag abgeschlossen und eine Woche zuvor an einer Tankstelle hinter der polnisch-ukrainischen Grenze in bar bezahlt hatte. Ich nahm es als Geschenk. Mein Portemonnaie wurde ohnehin immer schmaler. Nachdem ich meine ersten Griwnas getauscht hatte, war es noch aus allen Nähten geplatzt, doch jetzt war da nur noch ein einsamer 50-Euro-Schein, eine Ein-Euro-Münze und ein paar Cents. Das Apartment war im Voraus in bar zu bezahlen. Mein Vermieter akzeptierte auch Euro und es kostete genau 51. Nun also komplette Leere, aber ich hatte ja meine EC-Karte.
Das Apartment lag im zweiten Stock eines dreietagigen Wohnblocks. Von außen repräsentativ mit Stuck verziert, innen nicht so hübsch. Das Apartment war auch kein Apartment, sondern ein enger Raum mit einem noch engeren Bad daneben. Immerhin sauber. Das Gebäude wies zur einen Seite zum Kathedralenpark und zur anderen zur schönsten Fußgängerzone der Stadt, hätte also nicht zentraler liegen können.
Die Fußgängerzone vor meinem Apartment.
Im Laufschritt durch Chisinau
Meine liebe Freundin Sina hatte in einem Reiseblog von riesigen Weinkellern gelesen und auch mein Vermieter kam darauf zu sprechen. Wohl die weltweit ausgedehnteste unterirdische Anlage ihrer Art und so auch im Guinness-Buch zu finden. Allerdings 15 Kilometer südlich von Chisinau gelegen, weshalb ich das erst einmal zur Seite schob.
Es war noch einmal Tempo gefragt, denn ich wollte mir möglichst die gesamte Stadt erschließen. Anfangs war ich etwas skeptisch, denn noch nie hatte ich auch nur irgendetwas über Chisinau gehört oder gelesen. Am Ende war ich positiv überrascht. Wie soll man sagen: Es ist nicht Paris oder London, hat aber durchaus seinen Charme. Eine lustige Mischung aus bunt zusammengewürfelten Architekturstilen, entspannte Atmosphäre mit vielen gut gelaunten Menschen, Parks, in denen sich die Rentner zu Folkloretänzen treffen, Sowjet-Klassizismus, aber auch einige schöne Gründerzeitbauten und die Moderne etwa mit dem Opernhaus oder dem Präsidentenpalast daneben.
Tanzende Rentner im Stefan cel mare-Park von Chisinau.
Ich bin alles einmal abgelaufen. Die Kathedrale und der hübsche Park rundherum markieren eindeutig das Herz der Stadt. In den Straßen südwestlich davon wurde gerade ein Demokratie-Festival abgehalten, von dem ich die ganze Zeit schon im Autoradio gehört hatte. Mit Live-Musik und verschiedenen staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen, die sich hier vorstellten.
Moldau und der antikoloniale Abwehrkampf
Das erinnerte mich daran, dass auch Moldau im Fadenkreuz des russischen Vormachtstrebens liegt. Wie in Georgien ist ein Teil des Landes russisch besetzt, gibt es hier einen sogenannten eingefrorenen Konflikt mit der unter russischer Fuchtel stehenden selbsternannten Republik Transnistrien. Moldau liegt im Wesentlichen zwischen den Flüssen Pruth im Westen und der Dnister im Osten. Transnistrien bzw. Приднестровье bedeutet nicht anderes als „jenseits der Dnister“ und verweist auf den schmalen Streifen östlich des Flusses, der auch noch zu Moldau gehört, aber seit einem kurzen Krieg zu Beginn der 1990er Jahre von den Russen gehalten wird.
Das Festival der Demokratie auf den Straßen Chisinaus.
Und wie in Georgien versucht Russland auch in Moldau das Land innenpolitisch zu spalten. Hauptsächlich durch gekaufte oder anderweitig in russischer Abhängigkeit stehende Oligarchen, die gezielt Stimmung gegen die EU und progressive Kräfte im Allgemeinen machen bzw. Gräben entlang der ethnisch-sprachlichen und kulturell-religiösen Trennlinien ausheben. Bei den letzten Präsidentschaftswahlen konnte sich die EU-freundliche Präsidentin Maia Sandu nur hauchdünn durchsetzen, weil Russland durch massive Stimmenkäufe das Ergebnis manipulierte.
Die Moldauer sind eigentlich Rumänen, fanden sich nur aufgrund historischer Verwerfungen auf der anderen Seite der Grenze wieder. In der Sowjetunion wurde gezielt versucht, eine moldauische Ethnizität zu konstruieren, die es nie gab. Ganz ähnlich wie in den südsibirischen Republiken, wo Burjaten und Tuwiner selbstverständlich Teil des mongolischen Volkes sind und auch Mongolisch sprechen bzw. nicht mehr, weil die Russen es geschafft haben, ihnen erfolgreich die eigene Muttersprache abzuerziehen. Der Grund für diese Politik ist klar: Je mehr sich Burjaten als Mongolen bzw. Moldauer als Rumänen identifizieren, desto eher kämen sie auf den Gedanken, sich mit dem Nachbarland auf der anderen Seite zu vereinigen.
Hier sitzt mit Maia Sandu die Präsidentin der Republik Moldau.
Moldau steht dankenswerterweise zum größten Teil nicht mehr unter russischer Kontrolle. Amtssprache ist Rumänisch, das im Übrigen in lateinischen und nicht kyrillischen Lettern geschrieben wird. Der Kreml und die russische Propaganda versucht seit Jahren einen Sprachenkonflikt zu behaupten, obgleich auf den Straßen Chisinaus wie selbstverständlich auch Russisch gesprochen wird. Genau wie in Odesa oder Dnipro, wobei aber auch die russischsprachigen Ukrainer bzw. Moldauer mittlerweile in großer Mehrheit in fester Opposition zum russischen Faschismus stehen.
Der Stefansboulevard bildet die Hauptachse durch das Zentrum von Chisinau.
Zurück in die EU
Für mich war Chisinau eine spannende und bereichernde Erfahrung, die ich keinesfalls missen will. Der Tag endete in einem verfallenen Plattenbau direkt am Kathedralenpark. Hier hatte mir der Vermieter ein Lokal mit guter moldauischer Küche empfohlen. Am Abend streifte ich noch ein wenig durch die Gassen. Die Weinkellerei mit ihrem Tunnelsystem hatte ich nicht mehr geschafft, denn der Tag war lang genug gewesen. Ich war allgemein sehr zufrieden mit mir, dass ich alle selbst gestellten Aufgaben in der Ukraine und in Moldau erledigt hatte. Nun ging es nach Hause, der Weg dorthin war allerdings weit.
Ich hatte den Wecker noch etwas früher gestellt, weil ich laut Google.maps neun Fahrtstunden vor mir hatte und dazu über die EU-Außengrenze musste, die ich beim Dorf Sculeni nach knapp zwei Stunden Fahrt erreichte. Die moldauische Abfertigung lag vor der Brücke über den Pruth, die rumänische dahinter. Insgesamt war die Warteschlange nicht sehr lang, doch die Formalitäten für Zolle bzw. Ein-/Ausreise dauern halt immer eine gewisse Zeit. Dankenswerterweise agierten die Rumänen deutlich weniger akribisch als die Polen, mit denen ich es sonst immer auf meinen Ukraine-Fahrten zu tun habe.
An der Passhöhe bei Mestecanis in den rumänischen Karpaten.
Über die wilden Karpaten
In Rumänien führte die Fahrt zunächst durch eine hügelige Steppenlandschaft, die dicht besiedelt und an diesem Sonntag auch dicht befahren war. Viele hübsche Dörfer und Kleinstädte, in denen sich die Menschen auf den Weg zu Messe machten. Die Frauen oft gewandet in regionalen Trachten, die Männer fast alle mit schicken Hüten. Nach einer Weile stieg das Terrain langsam an, bis es ins Hochgebirge überging, das ich auf engen Bergstraßen zu überwinden hatte. In den Tälern immer wieder kleinere Orte, die stark vom Tourismus geprägt waren. Deutsche oder andere westeuropäische Kennzeichen waren hier keine Seltenheit mehr. Besonders häufig hatten offenbar die Briten die Schönheit der Karpaten für sich entdeckt. An der Passhöhe bei Mastecanis musste ich dringend noch ein Foto machen. Danach zweigte meine Straße von der in Richtung Klausenburg (Cluj-Napoca) führenden Europastraße ab, was gut war, denn der Verkehr wurde deutlich weniger.
Nach einem kleinen Unwetter war ich unten im Tal der Theiß angekommen, die hier Rumäniens Nordgrenze zur Ukraine bildet. Eine Woche zuvor war ich genau auf der anderen Seite entlanggekommen, wollte Fotos von der Grenze machen, was mir nicht gelang, weil diese massiv gesichert war, um potenzielle ukrainische Kriegsdienstverweigerer daran zu hindern, illegal das Land zu verlassen. Die Kleinstadt Sighetu Marmatiei hatte ich mir auch deshalb ausgesucht, weil ich dieses Foto nachholen und noch einmal die Ukraine von der anderen Seite grüßen wollte.
Die Theiß bildet hier die Grenze zur Ukraine.
Kurz vor der Stadt hatte ich es in einem Dorf versucht, doch das Ufer war so dicht bewachsen, dass man den Fluss kaum erkennen konnte. Hinter Sighetu Marmatiei ging es besser. Nach einem kurzen Stopp bei Kaufland traute ich mich sogar noch, den Grenzübergang abzulichten. Theoretisch hätte ich hier rüber in die Oblast Transkarpatien und von Ushhorod wieder in die EU, genauer in die Slowakei, fahren können. Wäre sogar kürzer gewesen, doch auf noch zwei Grenzerfahrungen hatte ich keine Lust.
Der Grenzübergang zur Ukraine.
Meine Pension war nach Wylkove im Donaudelta die beste auf meiner Reise. Für das Abendessen sollte ich zu rumänischem Barbecue ins beste Hotel der Stadt fahren, was ein Tipp war, der sich deutlich gelohnt hat. Sighetu Marmatiei ist insgesamt ein hübsches Städtchen, das sich anbietet als Ausgangspunkt für Touren in die Karpaten. Besonders süß ist die kleine Bahn, die von hier aus in die Berge fährt. Ich weiß nicht, wie viele Leute sich das trauen, doch natürlich kann man auch in die ukrainischen Waldkarpaten fahren. Schließlich ist die Front weit weg und war die Schlange am Grenzübergang nicht sehr lang.
Die Puszta zum ersten Mal
Am nächsten Morgen ging es noch knapp zwei Stunden durch die Berge, bis ich die pannonische Tiefebene erreicht hatte. Es ist doch so: Man freut sich auf die Berge, ist irgendwann aber auch froh, wenn man wieder eine längere Strecke geradeaus fahren kann. An der Grenze zu Ungarn war Polizei zwar noch präsent, doch kontrolliert wurde nicht mehr, denn im Januar dieses Jahres durfte Rumänien endlich dem Schengenraum beitreten. Ich wechselte vom romanischen in den finno-ugrischen Sprachraum, von der orthodoxen Welt in die katholische und nebenbei auch in die mitteleuropäische Zeitzone, womit ich eine Stunde zurückgewann.
Puszta-Landschaft im Osten Ungarns.
Im Osten Ungarns freute ich mich auf die Puszta, eine Landschaft, von der ich viel gehört habe und die ich immer mal bereisen wollte. Es war ein deutlich entspannteres Fahren als in Rumänien mit dem vielen Verkehr, den Staus bei den Ortsdurchfahrten und dem bergigen Terrain. Hier dagegen war kaum was los, boten sich schöne Blicke auf weite Steppenlandschaft. Entwässert wird diese Gegend von der Theiß, die hier allerdings träge dahindümpelt und nicht wie zuvor wild die Karpaten hinabrauscht. Bei mir im Radio liefen konsequent ukrainische Sender, die ich empfangen konnte, weil ich mich an diesem Tag stetig entlang der ukrainische Westgrenze vorarbeitete.
Endlich wieder Autobahn
Die Grenze zur Slowakei war denkbar unspektakulär. Eine schmale, kaum befahrene Straße, ein zwei Schilder und das wars. An den zweisprachigen Straßenschildern ließ sich erkennen, dass ich mich im Siedlungsgebiet der ungarischen Minderheit bewegte. Hier war die westukrainische Stadt Ushhorod nicht weit, in der ich vor einem Jahr auf dem Weg über Ostrava zurück nach Berlin übernachtet hatte.
An der Grenze zwischen Ungarn und der Slowakei.
Kurz vor Kosice begann die Autobahn und ich merkte, wie sehr mir diese zivilisatorische Errungenschaft gefehlt hatte. Ziel des Tages sollte Poprad sein, wo ich eine Unterkunft reserviert hatte, beim Blick auf die Uhr fiel mir allerdings auf, dass ich es zu dieser frühen Stunde noch deutlich weiter schaffen könnte. Eigentlich wollte ich die berühmte Nosferatu-Burg Arwa besichtigen, doch ich stellte erst jetzt fest, dass die ein Stückchen hinter Poprad lag. Ich hätte also wieder zurückgemusst, was ich nicht wollte. Zumal Google.maps mich wissen ließ, dass hinter Poprad die Autobahn gesperrt war und ich lange Landstraße hätte fahren müssen.
In Krakau ist immer Stau
Es war noch vor 14 Uhr und ich konnte mein Gasthaus kostenfrei stornieren. Ich gab als Ziel „Berlin“ ein und Google.maps führte mich just in Poprad von der Autobahn herunter Richtung Zakopane und Krakau. Es ging an der Hohen Tatra vorbei, die für sich als kleinstes Hochgebirge der Welt wirbt, tatsächlich aber der höchste Teil des Karpatenbogens ist. Das Massiv steht dennoch ziemlich allein in der Landschaft herum und gibt ein wunderbares Fotomotiv ab. Auf der nördlichen, polnischen Seite war deutlich mehr Verkehr. Es ging wieder in Richtung Krakau, wo ich bei meinen vielen Durchfahrten noch nie ohne einen oder gar mehrere Staus durchgekommen war.
Die Hohe Tatra vom Flugplatz Poprad aus fotografiert.
Eigentlich führt eine schöne Autobahn von Zakopane nach Krakau, doch die war auf den letzten Kilometern gesperrt, verstopft oder was auch immer, sodass mich Google.maps auf verschlungenen Wegen vorbeiführte. Auf der polnischen A4 war der Stau dann aber nicht mehr zu vermeiden. Meine Nerven lagen blank. Der Stress der vergangenen Tage zeigte Spuren. Ich kann froh sein, dass ich keinen Unfall gebaut habe bei all dem Reindrängeln und Spur wechseln.
Ich hatte zunächst gedacht, dass ich es bis Breslau schaffen könnte, doch das schien mir nun zu ambitioniert. Außerdem fahre ich bald mit meinen Eltern und der Kleinen in die Ukraine und will auf dem Rückweg dort Station machen. Dann hatte ich mir Lodz überlegt. Soll auch sehr schön sein, würde aber einen Umweg bedeuten, der mich über die Warschauer Autobahn zurück nach Berlin führen würde. Letztlich ist es Oppeln geworden. Das Apartment hatte ich mitten in einem Stau per Handy gebucht. Es versprach eine zentrale Lage und Balkon.
Das Oppelner Rathaus.
Oppeln für die letzte Nacht
Schon kurz nach der Buchung kamen per WhatsApp die Anweisungen für den Self-Check-in. Eine Wohnung im siebten Stock eines anonymen Plattenbaus, die ich erstaunlich schnell gefunden hatte, obwohl die Nachrichten allesamt in polnischer Sprache verfasst waren. Im Anschluss dann im Eiltempo ins Zentrum, essen, noch einmal kurz durch die Stadt rennen und Fotos schießen, in den Supermarkt und anschließend nach Hause, wobei ich mich bei Letzterem zunächst im Gebäude geirrt hatte, was mich an den Beginn meiner verrückten Reise erinnerte, wo ich schon einmal in ein fremdes Apartment eingedrungen war.
Oppeln ist nicht sonderlich bemerkenswert, hat aber durchaus seine schönen Ecken. Die Stadt liegt an der Oder, die hier eine Flussinsel ausbildet. Besonders gefallen haben mir der Stadtpark, der Markt und die Promenade am Oderufer. Das Balkanica-Restaurant kann ich wärmstens empfehlen. Die Infrastruktur ist gut, Parken scheint kein Problem. Südlich von Oppeln war ich durch einige Dörfer gekommen, die zweisprachig deutsch-polnisch beschildert waren, was ich so in Polen zum ersten Mal gesehen habe.
Bis zur Oder hatte ich es schonmal geschafft.
Etwas mehr als vier Stunden waren es noch bis Berlin. Vor der Grenze nochmal tanken und Zigaretten kaufen, ein kleinerer Stau aufgrund der jüngst wieder eingeführten Grenzkontrollen, ein Stopp im Supermarkt, um den heimischen Kühlschrank aufzufüllen und kurz nach elf Uhr endlich wieder daheim. Knapp 4.000 Kilometer in zehn Tagen. Karpaten, Boot fahren im Donaudelta, orthodoxe Juden in Uman, Mama Odesa, die Steppen der Südukraine, Baden im Schwarzen Meer, drei Grenzen, sechs Länder. Eine Monstertour, für die vor allem mein Skoda ein dickes Bienchen bekommt. Viele wertvolle Infos gesammelt, nette Leute kennengelernt, Partner gefunden und nicht zuletzt sind auch meine Pakete gut bei den Helden an der Front angekommen.
Noch ein paar Tipps zum Schluss
Die Weinkellerei südlich von Chisinau heißt Cricova und ist auf Touristen eingestellt. Die Fotos im Netz sind durchaus beeindruckend. Im Allgemeinen ist Wein ein prägendes Feature der moldauischen Kultur. Ähnlich wie in Georgien oder Italien.
In Chisinau lohnt sich abseits des Zentrums der schöne Valea Morilor-Park mit seinen prächtigen Kaskaden. Auch die moderne Architektur weiß mitunter zu beeindrucken. So etwa im großen Plattenbauviertel „Stadttor von Chisinau“ aus den 1970er Jahren.
Im Gegensatz zu den russisch besetzten georgischen Regionen Abchasien und Südossetien ist die Einreise nach Transnistrien gänzlich unproblematisch. Man braucht lediglich seinen Reisepass, erhält in diesem aber keinen Stempel, sondern bekommt eine Migrationskarte ausgehändigt, die man bei der Ausreise wieder abgibt. Spannend sicherlich, man sollte sich aber bewusst sein, dass man sich in den Wirkungskreis der Russischen Föderation begibt.



















