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Ostwärts Reisen

Vom Kleinen in den Hohen Kaukasus

Solongo, Soana, meine Eltern und ich waren in den ersten Herbstferien unserer gerade eingeschulten Tochter von Berlin nach Tiflis geflogen, hatten dort ein Auto gemietet und die Grenze nach Armenien überquert. Vier wunderbare Tage verbrachten wir in dieser uralten und reichen Kulturnation. Vom Kurbad Dilijan über den Sewansee zum Geghard-Kloster mit Blick auf den Ararat und ein reichhaltiger Abschluss in der armenischen Metropole Jerewan. Nun ging es wieder zurück nach Georgien und wir hofften, dass man uns erneut über die Grenze lassen würde.

Zurück in Georgien

Wir wollten rechtzeitig aufbrechen, weil eine lange Fahrt vor uns lag und mal wieder eine Grenze überquert werden musste. Noch in der Nacht war das Ergebnis unserer Jerewaner PCR-Tests an Solongos Handy gesendet worden. Fünfmal negativ. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn es einen von uns getroffen hätte…

Wir kamen gut raus aus der armenischen Hauptstadt und hatten nach weniger als zwei Stunden Giumri, die zweitgrößte Stadt des Landes, erreicht. 20 Kilometer dahinter lag schon die Grenze. Der Übergang von Bavra/Sameba war weniger frequentiert als Sadakhlo/Bagratashan zuvor. Anstellen mussten wir uns nicht und auch die sonstigen Überprüfungen gingen recht schnell vonstatten. Bissel Unruhe gab es, weil Solongo die PCR-Testergebnisse meiner Eltern vertauscht hatte, doch das ließ sich schnell klären. Soanas PCR-Test hatte mal wieder niemanden interessiert. Lediglich Solongos mongolischer Pass erforderte den üblichen Aufschlag auf die Wartezeit. Alles in allem deutlich angenehmer als der erste Grenzübertritt. Tanken und Geldwechsel waren auch schnell erledigt und so schienen wir bestens in der Zeit, als wir von der nach Akhalzikhe und weiter nach Batumi führenden Straße abbogen, um über die Kammlage des Kleinen Kaukasus hinweg das Skiresort Bakuriani zu erreichen. Es verwirrte uns etwas, dass Google.maps für die verbliebenen 50 Kilometer mehr als zwei Stunden Fahrzeit kalkulierte, doch den Grund konnten wir bald erkennen. Hinter der Siedlung Ghado riss plötzlich die Straße ab. Auf elenden Schotterpisten, allerdings mit großartigen Ausblicken, quälten wir uns auf den immerhin knapp 2.300 Meter hoch gelegenen Tskhratskaro-Pass, wo wir in dieser malerischen Bergeinöde von Militärpolizisten gestoppt und zur Abgabe unserer Pässe aufgefordert wurden. Wir nutzten die Unterbrechung für einen kurzen Foto-Stopp, konnten uns ad hoc aber nicht erklären, welche Bewandtnis das haben sollte. Erst im Nachhinein erfuhren wir, dass in unmittelbarer Nähe die strategisch höchstbedeutsame Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline verlief.

Am Tskhratskaro-Pass im Kleinen Kaukasus.

Dann ging es hinab in Georgiens bedeutendstes Skiresort Bakuriani, was allerdings wie ausgestorben dalag, weil die Sommersaison zu Ende war und der Winter noch nicht eingesetzt hatte. Den wunderbaren Ausblicken bei einem kleinen Spaziergang durch die imposante Bergwelt tat dies aber keinen Abbruch und immerhin ein Restaurant war noch geöffnet. Unser Apartment genügte wieder höchsten Ansprüchen, allerdings war im ganzen Ort die Wasserversorgung unterbrochen, weil dies just die Jahreszeit war, in der die Sanierungsarbeiten an den Versorgungsleitungen vorgenommen wurden. Als wir nach dem Abendessen wieder zurückkehrten, lief das Wasser wieder und ohnehin war Bakuriani nur ein Zwischenstopp auf der langen Reise von Süd-Armenien nach Nord-Georgien.

Bakuriani.

Der Hohe Kaukasus und das Ende der langen Fahrten

Am nächsten Morgen quetschten wir uns wieder in den Subaru, um endlich den Hohen Kaukasus anzusteuern, das höchste Gebirge Europas. Zunächst ging es über das Thermalresort Borjomi hinab in die Ebene, die in Zentralgeorgien die beiden Kaukasusse voneinander trennt. Hier liegt Gori, die mit knapp 50.000 Einwohnern viertgrößte Stadt des Landes und der Geburtsort des mit Abstand bekanntesten Georgiers – Josef Stalin. Das ihm gewidmete und historisch recht fragwürdige Museum ließen wir dieses Mal außer Acht und steuerten dafür das 15 Kilometer östlich gelegene Höhlenkloster Upliszikhe an. Die Anlage erhebt sich hoch über dem Tal der Kura und bietet einen eindrucksvollen Einblick in die Lebenswelt der mittelalterlichen Mönche, die hier nicht nur beteten, sondern den seinerzeit und auch heute wichtigsten georgischen Verkehrsweg bewachten. Meine Eltern waren schlichtweg baff und auch wir ziemlich begeistert, wenngleich wir eingestehen mussten, dass Upliszikhe im Ranking der georgischen Höhlenkloster nur auf Rang drei hinter Vardzia und Davit Gareja landet.

Upliszikhe-Höhlenkloster.

Auf dem Rückweg nach Gori hatte ich aufgrund der abgebrochenen Internet-Verbindung etwas Mühe, die Autobahn wiederzufinden, doch auch dieses Problem hatte sich bald gelöst. Fünfzig Kilometer noch und dann links ab in die Georgische Heerstraße. Zunächst nicht enden wollende Souvenirstände, Tankstellen und Auto-Wäschereien, um dann nach 50 Kilometern endlich die Berge zu erreichen. Wir stoppten an der Festung Ananuri hoch über dem gleichnamigen Stausee. Kurze Besichtigung und ein kleiner Spaziergang runter zum See, wo wir an einem großzügigen Badestrand die herrliche Aussicht genossen. Dann wieder rein ins Auto und immer hinauf in die Berge. Nach weiteren 50 Kilometern, etlichen abenteuerlichen Kehren und waghalsigen Überholmanövern auf dieser engen Bergstraße war endlich Gudauri erreicht. Dies ist neben Bakuriani das zweite große Wintersportzentrum Georgiens und liegt nur knapp unterhalb der Passhöhe. Hinter dem Ort widmet sich ein riesiges Panorama-Bild der heute nicht mehr allzu ausgeprägten russisch-georgischen Freundschaft. Geradezu skurril, dass die sich dort bietende und wahrhaft atemberaubende Aussicht in Richtung des nahegelegenen Südossetien weist – einem völkerrechtlich nicht anerkannten de-facto-Staat, der sich nur mit massiver russischer Unterstützung von Georgien hat lossagen können. Der letzte Krieg um dieses Gebiet liegt auch nur 13 Jahre zurück und wurde von den Russen gewonnen.

Blick von Gudauri aus in Richtung Südossetien.

Nun trennten uns noch knapp zwei Kilometer vom Kreuzpass, der Kammhöhe des Hohen Kaukasus, die üblicherweise als Grenze zwischen Europa und Asien definiert wird. Hier erhob sich ein kleines Kloster, dessen Garten ein einsamer Mönch gerade bewirtschaftete. Nebenan war ein kleiner Friedhof anonymen deutschen Kriegsgefangenen gewidmet.

Bis Gudauri folgten wir stetig dem Aragvi, der sich nach Süden richtet und sich kurz vor Tiflis in der ehemaligen georgischen Hauptstadt Mtskheta in die Kura ergießt. Hinter dem Kreuzpass kamen wir ins Tal des Terek, der sich zunächst nach Norden wendet und die russische Großstadt Wladikawkas passiert, um anschließend in östlicher Richtung die Manytsch-Niederung zu durchfließen und bei Kisljar in das nördliche Becken des Kaspischen Meeres zu entwässern. Wir befanden uns also nördlich der Hauptwasserscheide des Kaukasus und damit im einzigen georgischen Landesteil, der geografisch zu Europa zählt. Kulturell und politisch sieht es selbstverständlich anders aus, sehen sich die Georgier vollkommen zurecht ganz eindeutig als elementarer Bestandteil der europäischen Zivilisation.

Am Kreuzpass.

Stepanzminda – 25 Kilometer hinter dem Kreuzpass – ist der größte Ort dieser Region und deren touristisches Zentrum. Hier hatten wir unser nächstes Quartier gebucht, welches wir auch sogleich fanden. Unsere überaus eifrige Gastgeberin ließ uns wissen, dass wir die letzten Gäste in diesem Jahr seien und enormes Glück mit dem Wetter hätten. Vor zwei Wochen hätte es hier schon geschneit und nach unserer Abreise würde es wieder extrem kalt werden. Und auch wir wollten uns über wolkenlosen Himmel und 20 Grad Celsius Mitte Oktober auf 2.000 Metern Höhe nicht beschweren. Ein weiterer Grund zur Freude lag in dem Umstand begründet, dass wir nach zwei langen Fahrtagen unfallfrei, gesund und munter vom Süden Armeniens fast bis zur russisch-georgischen Grenze gelangt waren und hier erst einmal drei Nächte verschnaufen konnten. Wir waren in der spektakulären Darial-Schlucht und über uns thronte der Kazbegi-Vulkan, der zweite Fünftausender auf unserer Reise.

Noch ein paar Tipps zum Schluss

Bakuriani ist das größte Wintersportzentrum Georgiens. Die Infrastruktur an entsprechenden Anlagen wächst kontinuierlich und es wird ernsthaft eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele erwogen. Dazu trägt bei, dass die Region zwischen Dezember und Februar weitgehend schneesicher ist und sich von Tiflis aus schnell erreichen lässt. Üblicherweise wird man vom Thermalbadeort Borjomi nach Bakuriani starten. Parallel pendelt eine Schmalspurbahn zwischen beiden Orten hin und her. Die Anfahrt aus Akhalkalaki erfolgt über die unbefestigte Thratskaro-Passstraße, lässt sich aber auch mit einem normalen „Stadtauto“ bewältigen. Direkt am Pass empfiehlt sich ein Abstecher zum pittoresken Tabatskuri-Bergsee.

Gori ist als Stadt nicht sonderlich sehenswert, bietet aber mit der Festung, dem Upliszikhe-Höhlenkloster und dem Stalin-Museum gleich drei Sehenswürdigkeiten erster Güte. Die Anreise aus Tiflis bzw. Mtskheta dauert nur etwas mehr als eine Stunde, sodass sich die Stadt bestens für einen langen Tagesausflug eignet. Hin über die Autobahn und zurück mit Zwischenstopp in Upliszikhe entlang der Kura auf einer schönen Landstraße.

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